24-Stunden-Betreuung mit polnischen Pflegekräften
Immer häufiger übernehmen polnische Pflegekräfte die Betreuung von alten Menschen, die ihr Zuhause nur ungern aufgeben. Wie bekommt man diese Hilfe und worauf sollte man achten?
In Deutschland herrscht Pflegenotstand. Gleichzeitig werden wir immer älter und müssen uns eines Tages mit der Frage auseinandersetzen, was denn mit uns geschehen soll, wenn wir pflegebedürftig werden. Wer kann unsere Pflege übernehmen, wenn wir hilfsbedürftig sind und uns nicht mehr allein versorgen können? Nicht immer sind Angehörige in der Lage, die Pflege zu übernehmen. Und wer verlässt schon gerne seine gewohnte Umgebung, die ihm jahrelang Schutz und Geborgenheit geboten hat, um in ein Heim zu ziehen? Seit einigen Jahren wird diese Pflegelücke durch osteuropäische, meist polnischen Haushaltskräfte geschlossen, die auch häusliche Betreuungsdienste übernehmen.
Was umfasst die Pflege?
Etwas schwierig ist in diesem Zusammenhang die Definition von Pflege. Unter Pflege, die die polnischen Pflegekräfte übernehmen, versteht man in erster Linie die Grundpflege, beispielsweise Unterstützung bei der Körperhygiene, Hilfe beim An- und Auskleiden oder bei der Essensaufnahme sowie die sogenannte aktivierende Pflege. Darunter versteht man die Einbeziehung der noch vorhandenen Fähigkeiten der Person zur Durchführung der Pflegemaßnahmen (siehe Wikipedia).
Unter Pflege fallen auch hauswirtschaftliche Tätigkeiten, z.B. Einkaufen, Gespräche, gemeinsame Unternehmungen. Medizinische Pflege, wie Medikamentengabe oder Verbandswechsel fällt normalerweise nicht in den Aufgabenbereich der Pflegekraft. Die Pflegekraft wohnt fast immer direkt im Haushalt des Betroffenen oder nur eine kurze Fußstrecke entfernt.
Wie bekommt man eine polnische Pflegekraft?
- Es ist häufige Praxis, die ausländischen Kräfte über eine Agentur zu beschäftigen. Seit Mai 2011 dürfen sich Pflegekräfte aus Polen frei auf dem deutschen Arbeitsmarkt bewegen. Mit einer Pflegekraft über eine Agentur sind die Betreuer in Polen kranken- und sozialversichert, ihr Gehalt ist also geregelt.
- Es ist auch möglich, direkt einen Arbeitsvertrag mit einer polnischen Pflegekraft abzuschließen, es spricht jedoch einiges dagegen, beispielsweise die umfangreichen Melde- und Abgabepflichten, die man als Arbeitgeber zu erfüllen hat, die Lohnsteuer und die Sozialversicherungsbeiträge, die abgeführt werden müssen, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaubsgeld etc., um nur ein paar Dinge zu nennen.
Worauf sollten Sie achten?
- Die Chemie: die Chemie zwischen Pflegekraft und betreuter Person muss stimmen. In der Regel füllt man bei der Agentur einen Fragebogen mit allen Wünschen und Anforderungen aus. Die Agentur schickt daraufhin das Profil mehrerer geeigneter Betreuungskräfte, für die man sich entscheiden kann. Seriöse Agenturen bieten auch an, die Pflegekraft bei Problemen austauschen zu können. Es ist auch recht üblich, zwei Pflegekräfte zu haben, die sich in einem bestimmten Turnus abwechseln.
- Das Miteinander: leider fragen Agenturen immer noch zu selten oder gar nicht nach Interessen oder Hobbies der zu betreuenden Person. Das ist Angehörigen aber meist sehr wichtig, denn lebenslange Hobbies sollen wennmöglich weiter betrieben werden können.
- Die Sprache: Eine polnische Betreuungskraft sollte zumindest über Grundkenntnisse der deutschen Sprache verfügen, sonst wird der Pflegealltag unnötig durch Kommunikationsschwierigkeiten belastet. Allerdings ist es bei der Vermittlung von Pflegekräften durch Agenturen auch üblich, dass Pflegekräfte mit guten Deutschkenntnissen auch höher bezahlt werden.
Wo liegen die Preise bei einer Agentur?
Für die Vermittlung fällt in der Regel eine einmalige Vermittlungsgebühr an. Bei meinen Recherchen stellte sich heraus, dass diese Provision extrem differieren kann (ca. zwischen 200 und 900 Euro). Je nach Pflegestufe und Agentur bewegen sich die monatlichen Kosten nach Inanspruchnahme steuerlicher Förderung und abzüglich des Pflegegelds zwischen 1000 Euro und 2500 Euro, freie Kost und Logis inklusive. Auch für die Reisekosten zurück ins Heimatland wird eine Pauschale verlangt, die je nach Agentur variieren kann.













Kommentare
LG und DH von Ruth
Ich finde den Artikel auch sehr gelungen. Vor allem die Tips, auf was man achten sollte, sind sehr hilfreich. Ich arbeite selbst in der Pflege und weiß, wie enttäuscht viele Betreute Menschen darüber sind, dass sie sich nicht mit den Pflegekräften unterhalten können. Denn Kommunikation ist das A und O in der Pflege.
LG
Christin
LG Conny
Ich wünsche euch weiterhin viel Energie für eure kräftezehrende Arbeit!
LG Lina
Ich pflege auch, allerdings ehrenamtlich. Es ist nicht so einfach, passende Unterstützung zu finden, da hast Du vollkommen recht.
LG Immortelle