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Orthopädie: Therapie ohne Diagnose

Ein Denkanstoss, der zu praktikablen Lösungen führen kann




Vor der Therapie haben die Götter die Diagnose gesetzt. Dieser Grundsatz dominiert ärztliches Handeln, wird aber von Orthopäden meist missachtet. Nur zur Ersten Hilfe sind Ausnahmen, z. B. zur Schmerzeindämmung vertretbar. Selbst unter Laien hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, Schmerz nicht als Ursache, sondern als Alarmsignal des Körpers zu werten. Durch wiederholte Schmerzabschaltung kann sich aber dessen Auslöser ungestört weiter entwickeln. Eindrücklich lässt sich das bei Zahnschmerzen beobachten. Kariöse Schäden, deren Schmerzen wiederholt mit Schmerzmitteln abgeschaltet werden, werden mit der Zeit größer, und das Ziehen des Zahnes, sowie seine prothetische Versorgung werden immer wahrscheinlicher. Jeder seriöse Therapeut wird deshalb wiederholte Schmerzbehandlungen bei derartigen Indikationen zu Recht ablehnen. 

Uniforme Behandlung orthopädischer Erkrankungen

Schmerzunterdrückung ist bei orthopädischen Erkrankungen ist die Regel, von Prävention oder gar Heilung ist nicht die Rede. Erkrankungen der Wirbelsäule, wie Lumbalgien, Ischialgien, Lumbal- und Zervikalsyndromen, Abnutzungserscheinungen der Wirbelgelenke, bis hin zu Bandscheibenvorfällen, sowie Arthrosen der großen Körpergelenke werden nach stets gleichem Muster behandelt. Es werden Schmerzmittel, Entzündungshemmer, muskelentspannende Medikamente, wärmeerzeugende Salben und evtl. Bewegungstherapie eingesetzt.

An den Ergebnissen der verschiedensten bildgebenden Untersuchungsverfahren orientieren sich Behandler, meist ohne zu hinterfragen, warum es zu den dargestellten Schädigungen kommen konnte. Es wird angenommen, dass berufliche Überbeanspruchung, Haltungsfehler, Bewegungsmangel, Übergewicht, genetische Fehlanlagen etc. dafür verantwortlich zu machen sind. Dabei handelt es sich allerdings um „Volksmeinung“, die alles andere als gesichert ist.

Unter der Voraussetzung, dass andere als die allgemein vermuteten Noxen für diese Krankheitsbilder verantwortlich zu machen sind, kann es nicht verwundern, dass im Lauf der Zeit Beschwerden und Veränderungen an Intensität bis zur „Operationsreife“ und Erwerbsunfähigkeit zunehmen.

Behandlungskosten

Die Kosten für Behandlungen orthopädischer Krankheitsbilder beliefen sich in Deutschland im Jahr 2002 auf 38 Milliarden Euro oder auf 1600 Euro pro Einwohner. Summen, die sich von Jahr zu Jahr steigern, weil die dabei praktizierten Behandlungen vergleichbar mit der eingangs erwähnten, symptomatischen Zahnschmerzbehandlung sind.

Denkbare Lösungen

Eine Begründung für diese These lässt sich aus den Erkenntnissen der segmentalen Innervation ableiten. Die Wirkung der Bindegewebsmassage ist damit begründet. Danach versorgen die aus dem Rückenmark, zwischen benachbarten Wirbeln austretenden Spinalnerven, halbgürtelförmig in ihrer jeweiligen Höhe, die Haut und die Muskulatur, sowie in der Tiefe innere Organe. Es wird in diesem Zusammenhang von einem Segment gesprochen. Sofern sich ein Organ in einem Reizzustand befindet, wirkt sich dessen Störung auf alle Anteile dieses Segments aus. Es kommt dort zur Ödembildung der Haut und zur Erhöhung der Muskelspannung.

Die von einem inneren Organ ausgelöste Steigerung der Muskelspannung im Bereich der Rückenmuskulatur bewirkt u.U. eine Fehlartikulation benachbarter Wirbelgelenke. Am deutlichsten lässt sich das bei einer Nierenkolik beobachten, bei der sich meist innerhalb von wenigen Minuten eine sichtbare Skoliose, eine seitliche Verbiegung der Wirbelsäule bildet. Weniger extrem als bei Koliken, wirken sich auch andere Reizerscheinungen der Niere aus. Auch hierbei kommt es, zu meist über Jahre anhaltende Fehlbewegungen und Bewegungsblockaden der Lendenwirbelsäule. Eine banale Bewegung reicht aus einen Hexenschuss oder Bandscheibenvorfall auszulösen. Der von dieser Hernie betroffene Patient hat nun die Anwartschaft auf zwei Operationen: Eine beim orthopädischen Chirurgen und eine weitere, später beim Urologen. Die Krankenkassen zahlen für beide „Heilmaßnahmen“.

Da Lumbalgien aber auch Hernien der Bandscheiben orthopädische Krankheitsbilder sind, deren Ursachen in Fehlbelastungen etc. gesehen werden, kommt kaum jemand auf den Gedanken, dass es sich dabei nicht um eigenständige Krankheiten, sondern lediglich um symptomatische Auswirkungen innerer Organe handelt. Der gegenseitige Blick über die Gartenzäune ärztlicher Fachgebiete findet nicht statt.

Eingehend beschrieben wurden diese Fakten von mir (Physiotherapeut und langjähriger Dozent der chinesischen Medizin und der Energetisch-Statischen-Behandlung /ESB/APM mit mehr als 50 jähriger Berufserfahrung). Erkenntnisse, die in Quellschriften der alten chinesischen Medizin sinngemäß bereits vor langer Zeit beschrieben wurden.

 

Literatur:

Klaus Radloff: Die chinesische Medizin kennt keine orthopädischen Krankheiten
Ideen und Lösungsansätze für Patienten und ihre Behandler 
ISBN 978-3-8370-9029-1

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Veröffentlicht: 02. Oktober 2009