Brauchen wir Andere?
Der Mensch hat die Eigenschaft entwickelt, sich auf andere Menschen zu verlassen. Sei es ein Schulfreund, die Familie, Freunde oder Bekannte. Warum aber verlässt sich der Mensch auf Andere? Weil es Dinge gibt, die er vielleicht nicht kann, aber jemanden kennt, der es wiederrum kann. Also wendet er sich an diesen Menschen, meist sind die ersten Anlaufstellen wirklich ihm bekannte Menschen wie Freunde und Verwandte, und stellt eine Anfrage, ob dieser jemand nicht die Sache übernehmen kann, bei der man selbst nicht in der Lage ist, sie zu erfüllen, sei es etwas gezeichnet bekommen, oder die Anfertigung einer Beschreibung oder der Verlass, dass dieser Mensch einfach nur da ist wenn man ihn braucht, so wie man selber da ist, wenn jemand einen braucht. Nun also hat der Mensch sich auf einen Anderen verlassen und lebt in dieser rosa Blase, dass dieser Mensch die Anfrage erfüllt, sei es nun schnell oder überhaupt in einem bestimmten Zeitraum.. Er hofft, dass man dem Menschen wirklich so wichtig ist wie man denkt und das er wirklich bereit ist, einem zu helfen. Doch leider ist es immer häufiger so, dass Menschen, die Großmäuler rufen „Ich bin für dich da wenn du mich brauchst“ oder „Ich helfe dir wenn du Hilfe brauchst!“ am Ende doch nicht für einen da sind oder einem helfen. Immer wieder kommen sie dann mit Ausreden jeglicher Art, angefangen bei „Ich hab keine Zeit“, „Mir geht es nicht gut“, „Ich habe keine Einfälle/Ideen“ und was es sonst noch so gibt. Ich habe das des Öfteren selber erlebt und erlebe es auch heute noch immer wieder, jeden Tag aufs Neue. Klar, man kann nicht erwarten, dass ein Anderer für einen sofort alles stehen und liegen lässt und hilft, aber man kann doch wenigstens erwarten, dass derjenige, den man um Rat/Hilfe fragt, einem ehrlich antwortet. Kein Mensch reißt einem den Kopf ab, wenn man auf eine Bitte hin sagt „Nein, tut mir leid, ich kann dir gerade nicht helfen, weil..“ Wo ist das Problem bei dieser Antwort? Stattdessen wird die Anfrage angenommen – und dann wird die Hilfsbereitschaft schnell wieder vergessen. Da ist dann plötzlich der PC kaputt, oder man hat die Sache, bei der Hilfe benötigt wird verlegt oder verloren, aber niemand kommt von sich aus auf die Idee zu sagen „Hey du, entschuldige, aber ich hab es einfach komplett vergessen!“ oder „Ach weißt du, ich kann Dir bei näherer Betrachtung doch nicht helfen!“ Ehrlichkeit ist kein Thema mehr, man schweigt es einfach tot. Der Hilfesuchende ist in einer echten Zwickmühle, zumindest fühle ich mich jedes Mal so, wenn ich jemand Anderen um Hilfe bei irgendetwas frage. Meist läuft es dann so ab: ich frage jemanden um Hilfe, die Hilfe wird angeboten und die Anfrage angenommen, man wartet eine Woche, man wartet zwei Wochen, man wartet drei Wochen, ich nehme es hin weil ich denke, dass diese Person vielleicht etwas länger braucht aber hey: immerhin hilft sie mir. Wenn ich allerdings dann etwas auf die verstrichene Zeit schaue, wende ich mich dann doch an denjenigen und was bekomme ich dann meist zu hören? Richtig: „Oh, das hab ich vergessen“ oder „Ach, ich hatte keinen Bock“ oder „Ach, war das etwa wichtig für dich?“ oder „Ach lass mich in Ruhe, ich hab miese Laune“. Keiner von denen kam mal auf die Idee sich zu melden und bescheid zu geben, dass man sich doch jemand Anderen suchen soll. Es ist schwierig, bei solchen Sachen nachzufragen, zumindest geht es mir selber so. Ich denke dann immer, ich gehe den Leuten damit auf die Nerven oder störe sie bei der Arbeit und deswegen frage ich nicht nach, sondern nehme die Wartezeit hin. Umso enttäuschter bin ich, wenn ich dann solche Antworten bekomme und ich bekomme sie eigentlich bei knapp 90% meiner Anfragen nach Hilfe – ziemlich traurig, oder? Klar, man kann jetzt sagen „Wieso traust du dich nicht nachzufragen, es ist schließlich für dich, weil du Hilfe brauchst!“ und ich stimme euch da immer wieder aufs Neue zu, aber wenn man immer und immer wieder die gleichen Antworten bekommt wie „Ich brauch noch Zeit“ oder „Hab grad keine Ideen“ oder „Nerv mich nicht, ich mach das schon noch“, dann überlegt man es sich zweimal, ob man nachfragt oder nicht, denn mal ehrlich: wer hat schon großartig Lust darauf, sich wegen einer simplen Nachfrage anschnauzen zu lassen? Da ist es dann auch egal ob es um die eigene Anfrage geht oder nicht. Ich find es eben nur schade, dass Freunde und Bekannte sich groß melden und Hilfe zusichern und am Ende dann so etwas dabei herauskommt. Ich für meinen Teil habe nun eine Entscheidung getroffen, mit der ich hoffe, in nächster Zeit etwas besser voranzukommen: ich werde mich nur noch auf mich selbst verlassen und keine Erwartungen mehr an irgendwen stellen. Ich versuche alles soweit wie es geht selbst zu erledigen und wenn es eben nicht geht und ich es nicht hinbekomme, na dann bekomme ich es eben nicht hin. Das ist mir auf jeden Fall lieber als ungerechtfertigt angeschnauzt und am Ende doch nur enttäuscht zu werden. Klingt vielleicht egoistisch und Anderen gegenüber unfair, weil vielleicht nicht alle so sind wie die Leute, die ich (zumindest glaube) zu kennen, aber mein Seelen- und Nervenheil ist mir lieber als geheuchelte Hilfe, die dann doch nicht stattfindet. Leider ist die Gesellschaft heute nun einmal so, dass sich jeder scheinbar nur noch sich selbst der Nächste ist, egal ob man mit jemandem gut befreundet ist oder nicht. Wer Hilfe braucht wird oftmals vor den Kopf gestoßen und wenn das bei Freunden passiert, tut es meist umso mehr weh, denn man fragt sich, womit man das verdient hat? Was man getan hat, um so von einem Freund behandelt zu werden? Ob man wirklich so unbedeutend und unwichtig für diesen Menschen ist, dass sogar angebotene Hilfe einfach vergessen wird und ob man demjenigen doch egal ist. All das trägt immer mehr dazu bei, dass die Menschen sich immer mehr und mehr zurückziehen und sich lieber wieder allein durch das Leben schlagen als sich auf andere zu verlassen und um Hilfe zu bitten. In diesem Sinne: schaut zu, dass ihr euren Freunden helft wenn sie Hilfe brauchen und seid ehrlich zu ihnen, wenn ihr ihnen doch nicht helfen könnt. Aber lasst sie nicht im Dunklen stehen und sie am Ende gegen eine Wand rennen, die sie in den Abgrund reißen könnte.
Ich trag ein Massengrab im Herzen: dann bin ich weniger allein
Preis:
EUR 9,95
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Autorin RonnyJayLesen, kochen, das Internet, diverse Magazine wie National Geografic, TV Serienhighlights und ...
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Kommentare
crazytiger sagte:
am 27.01.2010Um Hilfe zu fragen ist keine Schande. Wenn man aber dann sitzen gelassen wird ist das nicht ok. Ich hab da eine eigene Methode entwickelt: Wenn ich wirklich mal um Hilfe frage, warte ich maximal eine Woche. Höre ich dann noch nichts, geh ich entweder vorbei oder rufe an und frage was Sache ist. Krieg ich eine ausweichende Antwort - weiss ich woran ich bin und rechne nicht mekr mit Hilfe von der Seite. Wenn ich mich mal täuschen sollte, kann ich mich immer noch freuen!
Liebe Grüße