Oskar Wilde (irischer Schriftsteller), hat in seinem Roman, "Das Bildnis des Doria Gray" sehr anschaulich beschrieben, wie befreidigend für den Egoisten die Lust am eigenen Selbstbildnis sein kann, welches man selbstverliebt in den Himmel hebt und das des jeweils Anderen in die sprichwörtliche "Hölle" schicken möchte. Zur damaligen Zeit aber, war diese Selbstverliebtheit der Dekadenz des Adels vorbehalten. In den heutigen Tagen, ist Hedonismus, von einer anderen, subtil vernichtenden Qualität geprägt. Obwohl immer wieder betont wird, wie weltoffen, tolerant, großzügig, fair, und entgegenkommend unsere Gesellschaft doch sei, - was wohl eher Wunschdenken ist,- existiert diese Vorstellung als Manipulation im "Hinterkopf" der Leute. Da der Mensch aber von Natur aus nicht nur positive Eigenschaften besitzt, werden diese von "Oben" diktierten Werte verlogen nach außen gezeigt, was zur reinen Scheinheiligkeit verführt und innerlich mit dem eigenen Selbstbild kollidiert. Dieses wiederum produziert innere Wut, weil das "dorianische" Lustprinzip nicht ungeniert gelebt werden kann, und in den meisten Fällen zum Paradiesvogel-Gehabe gerät, damit so das eigene, schöne innere Bildnis von sich selbst kompensiert wird. Das hat aber die fatale Konsequenz, daß dieser Kompensation wegen, das jeweilige Selbst des Anderen abgewertet, lächerlich gemacht und demontiert werden muß. Auf diese Weise erhält der/die Selbstverliebte, seinen Lustgewinn an sich selbst und an das Leben, wie er/sie es für sich selbst erschaffen hat, zurück. In früheren Zeiten wurden solche vermeintlichen Feinde durch Duelle erledigt. Heutzutage, wo diese Art der Auseiandersetzung verboten ist, wird mit Hinterhältigkeit, Feigheit, Diskriminierung und versteckter Boshaftigkeit gearbeitet. Da man aber nach Außen tolerant, großzügig, weltoffen und entgegenkommend erscheinen will, um in das etablierte gesellschaftliche Raster zu passen, wird man zum verlogenen Feigling vor sich selbst und freut sich dann auch noch insgeheim, wenn das andere, vermeintlich feindliche Selbst irgendwann vernichtet ist. Das dies reiner Egoismus sein könnte, wird nicht erkannt oder nicht zur Kenntnis genommen, weil dieses Verhalten fälschlicherweise für Durchsetzungsvermögen gehalten wird. Dieser Irrtum wiederum verleitet dazu, sich für viel besser, schöner, intelligenter, toleranter und gescheiter zu halten, was dazu führt, sich auf Grund dieser Annahme weiter in scheinheiliger Art und Weise über die Interessen Anderer mit überheblichem und arrogantem Gehabe hinweg zu setzen. Die Diagnose für dieses gesellschaftliche Phänomen kann nur - egozentrisch - narzistischer - Egoismus lauten -. Somit ist der moderne "Dorian Gray" eine jämmerliche Gestalt in der zur Schau gestellten Hülle des vermeintlichen Menschenfreundes, der des Lobes über sich selbst nicht genug bekommen kann, und dabei meist noch wie beiläufig verlauten läßt, daß der/die Anderen doch nur blind sein können, wenn sie seine überragenden Eigenschaften nicht anerkennen können. - Ich schreibe hier von Erfahrungen, die ich leider immer wieder gemacht habe und möglicherweise auch weiter machen werde-. Ein Menschenfreund ist für mich Der- oder Diejenige, welche nicht um Toleranz-, sondern um Aktzeptanz des jeweilig Anderen und Gegensätzlichen bemüht ist.
Kommentare
UrsulaOrtmann sagte:
am 29.07.2010Gute Unterhaltung wünscht
Ursula
UrsulaOrtmann sagte:
am 05.02.2010Liebe Grüße
Ursula
suza sagte:
am 05.02.2010