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Ein letztes Mal

 

Alles geschieht irgendwann das letzte Mal in unserem Leben. In den meisten Fällen bemerken wir es gar nicht – und das ist auch gut. Denn allzu oft wären damit traurige Gedanken verbunden.

 

Dabei fällt mir immer unsere Katze ein. Unsere KatzeEs liegt mehr als zehn Jahre zurück. Gerade einmal einen Monat nach ihrem einundzwanzigsten Geburtstag erhob sie sich mühsam vom Sofa und schleppte sich durch das Wohnzimmer und Esszimmer bis zum Flur, ihn schaffte sie bis zum Ende, und dort warf sie einen Blick in eines der Kinderzimmer. Dann trat sie den Rückweg an, stattete dem Zimmer unseres Sohnes einen sehr kurzen Besuch ab und schaute danach in unser Schlafzimmer. Nachdem sie einige Male in sich zusammengefallen war und sich wieder erhoben hatte, erreichte sie schließlich mit letzter Kraft die Küche. Dort wollte sie noch etwas essen. Es gelang ihr aber nicht mehr. Sie brach wieder zusammen, und ihr Gesicht landete im Futternapf. Dort kam ich ihr dann zu Hilfe. Sie hob ihren Kopf etwas an, ich legte eine Hand darunter, und sie ließ ihren Kopf in meine Hand sinken. Nur wenig später bäumte sie sich auf, schenkte mir einen letzten Blick, gab einen kurzen Schmerzensschrei von sich und fiel ein letztes Mal in sich zusammen. – Danach weilte sie nicht mehr länger unter den lebenden Wesen.

 

Als sie ihren letzten Weg durch die Wohnung nahm, ahnte ich nicht, dass mir dieses Ereignis noch viele Jahre im Gedächtnis bleiben würde, sich immer wieder einmal ins Bewusstsein drängen und Wehmut auslösen sollte.

 

Wolf-Gero Bajohr


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Kommentare

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Wolf-Gero sagte:
am 03.01.2010
Die Vorstellung, dass ein Wesen, das einem viel bedeutet, in einem Labor gequält wird, ist tatsächlich unerträglich.


Hilf_Dir_Selbst sagte:
am 02.01.2010
"In diesem Punkt teilen sich wohl die Meinungen. Es hängt vielleicht davon ab, ob man mehr zum Optimismus oder mehr zum Pessimismus neigt. Der Pessimist sieht die Katze lieber tot. Dann weiß er nämlich, dass sie nicht in irgendeinem Labor gequält wird." Genau! Es wäre für mich unerträglich nicht zu wissen wie, wo und ob mein Tier überhaupt gestorben ist.


Wolf-Gero sagte:
am 25.12.2009
Hallo Klaus!

Ich vermute, dass es gar nicht wenige sind, die darüber stolpern, dass etwas das letzte Mal geschieht, doch der größere Teil davon wird die Gedanken daran schnell verdrängen, weil zumindest gefühlsmäßig der Tod mitspielt.
Ich freue mich, dass es dir endlich wieder besser geht.

Ganz liebe Grüße auch von mir
Wolf-Gero


Klaus_Radloff sagte:
am 25.12.2009
"Das letze Mal" ist mir ebenso von Menschen bekannt. Vorahnung, wenn mir ein offensichtlich Gesunder bei meinem Besuch sagt: "Wir sehen uns zum letzten Mal" und kurze Zeit danach - offiziell gesund - unerwartet verstirbt.

"Das letzte Mal" erinnert mich aber auch an ein Gespräch mit Verkehrspiloten, der immer noch flugbegeistert, kurz vor seiner Pensionierung stehend, registrierte: "Letzter Start in Hongkong, letzter Start in New York, usw. letzte Landung in der Heimat". Für ihn jedesmal ein "qualvoller, kleiner Tod".

Diesbezüglich hoffe ich, dass mein letzter fieberhafte Infekt nicht der Letzte war. Vorahnungen habe ich nicht und das ist vielleicht auch gut so.

Ganz viele liebe Grüße Klaus


Hilf_Dir_Selbst sagte:
am 23.12.2009
Da sieht man mal wieder, lieber Wolf-Gero, wie menschlich doch Tiere sind, obwohl sie von "Menschen" so oft nur als Gegenstand angesehen werden.
Grüßle
Susanne


Wolf-Gero sagte:
am 22.12.2009
Hallo theprophete!

>>> "Glück" hatten, das wir in nie tot gesehen haben, er ist einfach verschwunden

In diesem Punkt teilen sich wohl die Meinungen. Es hängt vielleicht davon ab, ob man mehr zum Optimismus oder mehr zum Pessimismus neigt. Der Pessimist sieht die Katze lieber tot. Dann weiß er nämlich, dass sie nicht in irgendeinem Labor gequält wird.

Viele Grüße
Wolf-Gero


theprophete sagte:
am 22.12.2009
Dem kann ich nur zustimmen, wobei wir bei unserem kater das "Glück" hatten, das wir in nie tot gesehen haben, er ist einfach verschwunden, so kann man sich in Gedanken noch andere sehr schöne szenarien vorstellen, besser als die des todes =)


Wolf-Gero sagte:
am 22.12.2009
Hallo Marcus!

Du weißt es, ich weiß es und etliche andere auch noch, aber sehr viele wissen es offenbar nicht. Für sie ist ein Tier eine Sache, die sich selbst erneuert.

Vor vielen, vielen Jahren war ich einmal gezwungen während des Essens neben einem Mann zu sitzen, der voller Stolz verkündete, er sei ein Jäger. Obwohl ich inzwischen Vegetarier bin, will ich nicht sofort jeden Jäger in die Hölle verdammen, denn die Jäger sollen angeblich, wie man mir berichtet hat, ein notwendiges Übel sein. Dieser Jäger jedoch berichtete über Hunde in seinem Revier. Er schieße sofort jeden Hund ab. Auf meine Frage, ob er deswegen noch keinen Ärger bekommen hätte, gab er zu, dass ihn einmal der Besitzer eines Hundes verbal attackiert hätte. Er hätte sich wie ein Wilder aufgeführt, als hätte er ein Familienmitglied verloren. Schließlich sei es ihm, dem Jäger, zu dumm geworden, deshalb hätte er seine Brieftasche gezückt und dem Hundebesitzer ein paar Hunderter in die Hand gedrückt. „Da, haben Sie Geld, kaufen Sie sich einen neuen Hund, aber lassen Sie mich jetzt zufrieden!“ Seinen Worten nach habe der Besitzer des toten Hundes das Geld genommen und sei sofort verstummt. „Vermutlich habe ich die tote Töle überbezahlt. Ich bin einfach zu gutmütig.“
Der Mann habe seinen toten Hund aufgehoben und sei mit ihm auf dem Arm gegangen. Nach den letzten Worten wechselte er zu einem anderen Thema. Dass der Mann wegen der Unverfrorenheit des Jägers so erschüttert war, dass ihm keine Worte mehr einfielen, auf diese Idee kam er nicht. Als ich dann sehr vorsichtig Einspruch erhob, fuhr er mich an, ob ich auch so einer sei, der Tiere mit Menschen verwechsle. Mir war der Appetit vergangen. Ich erhob mich und verließ die Runde. Heute würde ich vermutlich bleiben und ihm meinen Mageninhalt sehr spektakulär auf seinen Teller schütten. Spätestens dann wüsste er, wie widerwärtig ich sein Verhalten finde.

Viele Grüße
Wolf-Gero


Marcus_Skupin sagte:
am 21.12.2009
Ja, der Moment ein Lebewesen sterben zu sehen, bleibt immer in Erinnerung.
Gruß
Marcus Skupin


Veröffentlicht: 21. Dezember 2009