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Eine Wilde Reise



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Unsere Reise

Lang ist der Weg, sehr lang, ...UNSER WEG, UNSER TRAUM!

Manche traeumen von einer Karriere, von einem grossen Auto oder einem schoenen Haus, manche von einer wundervollen Frau, andere traeumen von weissen Sandstraenden, hohen Bergen und fernen Landschaften. Leider nur bleibt es fuer viele nur ein Traum, ewig im Kopf, jedoch nie in der Realitaet. Wir haben uns entschieden, unseren Traum wahr werden zu lassen. Wir wollen den Duft Afrikas in uns aufnehmen, seine exotische Natur erleben, unzaehligen orange-roten Sonnenauf- und Untergaengen zusehen, auf der roten Erde wandeln und soviel auf diesem Kontinenten erleben, wie wir nur koennen. Die Idee, nach Afrika zu gehen ist schon einige Jahre alt, wurde dann jedoch gegen Neuseeland eingetauscht, ebenfalls ein Land am Ende der Welt mit herrlicher Natur und netten Leuten, aber es war immer noch nicht die Exotik, die Afrika zu bieten hat. Und nach der Rueckkehr ins hektische Alltagsleben Europas wurde der Wunsch nach Freiheit und neuen Erfahrungen umso staerker!

 

Wir hatten noch keine Ahnung, wann, wie und wohin in Afrika, aber die „Buschtrommeln“ in unseren Koepfen trommelten lauter und lauter und wir wussten, dass wir etwas unternehmen mussten! Zuerst wollten wir an einem Freiwilligenprojekt in einem Nationalpark teilnehmen und mit wilden Tieren arbeiten, aber mussten nach viel Internetrecherche feststellen, dass wahrscheinlich nicht soviel von unserem Geld auch da ankommt, wo es am dringendsten benoetigt wird, sondern in den Kassen der Administration haengenbleibt (wir wissen, es sind nicht alle so!!!), also verwarfen wir diese Idee. Wir beschlossen, auf eigene Faust zu reisen, zuerst nur durch Suedafrika, dann bis hoch nach Kenya. Also suchten wir nach Speditionen, die unser Auto bis nach unten verschiffen, wobei wir feststellten, dass es da viele Preisunterschiede gab! Also wurde die voellig verrueckte Idee geboren, gleich von Europa aus bis nach Suedafrika zu fahren, angestiftet vom „Africa-Overland-Network“, einer Webseite fuer alle, die Afrika im eigenen Auto bezwingen wollen! Wir waren total aufgeregt!

 

Und so ist es nun: wir wollen von Afrikas noerdlichstem Punkt, „Ras Ben Sakka“ in Tunesien aus durch Libyen, Aegypten, den Sudan und Aethiopien, Tanzania, Malawi, Zambia bis zu seinem suedlichsten Punkt, dem „Cape Agulhas“ in Suedafrika (nein, das „Kap der guten Hoffnung“ ist nicht der suedlichste Punkt), im eigenen Allrad fahren. Auf dieser Reise hoffen wir viel ueber Afrikas Voelker und Staemme und deren Leben und Traditionen zu erfahren, und die unglaubliche Vielfalt und Kraft der Natur zu erleben. Und wilde Tiere? Jaaaaa, wir koennen es kaum erwarten, die ersten Elefanten, Kamele, Loewen, Antilopen, Krokodile und Nilpferde zu sehen! :o)

 

Die Leute um uns herum haben ganz verschiedene Meinungen zu unserer Reise. Unsere Familien moegen unsere verrueckten Plaene nicht besonders und selbst manche unserer Freunde denken, wir seien total durchgedreht, andere wiederum meinen, wir sind zwar verrueckt, aber wie gerne wuerden sie doch mit uns kommen – auf diese Reise voller Abenteuer, Erlebnisse, neuen Wissens und, vielleicht auch, manchen Problemen. Alles in Allem wird diese Reise etwas fuer unser Leben, was wir sehen und erleben werden, wird uns nie jemand wegnehmen koennen, dieses unbekannte und mysterioese, welches wir hier in Europa nicht haben koennen!

 

Unsere Route wird uns zuerst nach Italien fuehren, wo wir und unsere Hummel von einem grossen Schiff verschluckt werden, welches uns dann (hoffentlich trocken) in Afrika wieder ausspucken wird, und zwar in Tunesien. Nach einer kleinen Rundreise in diesem Land werden wir in unserem Auto irgendwie einen extra Sitz schaffen fuer unseren Fuehrer, der uns durch Libyen fuehrt! Also werden wir abends zu dritt am Feuer sitzen und Wurst grillen, jedoch ohne Schweinefleisch :o( und Bier :o((((, denn diese Dinge sind in Libyen strengstens verboten. Also brauchen wir gar nicht erst versuchen, irgendwas zu schmuggeln, denn ansonsten koennen wir nur von Tunesien berichten, aus einem libyschen Gefaengnis heraus! :o)

 

In Aegypten beabsichtigen wir, uns die Zeugnisse der uralten, aegyptischen Kultur anzuschauen und entlang des Nils zu spazieren. Vom Lande der maechtigen Pyramiden aus werden wir per Faehre ueber den Nasser Stausee schwimmen, bis nach Wadi Halfa im Sudan (erst neulich wurde im Sudan der drittgroesste unterirdische See der Welt entdeckt!). Und von dort aus werden wir hoffentlich ohne Probleme die nubische Wueste durchqueren und in einem faszinierenden Land ankommen...in Aethiopien! Dieses „ueberirdische“ Hochland, bekannt fuer seinen sehr guten Kaffee, ist voller kontrastreicher Kulturen und Staemme! Danach werden wir wieder „bergab“ fahren bis nach Kenya, um den majestaetischen Massai einen Besuch abzustatten und bei frisch gebratenem Ziegenfleisch etwas zu plaudern! :o)

 

Und frisch gestaerkt koenen wir zu einem unserer Hoehepunkte aufbrechen, der (hoffentlich) Besteigung des Kilimanjaro an der kenianisch-tansanischen Grenze. Und nach einigen Besuchen der unzaehligen Nationalparks und Game Reserves wuerden wir gern in Malawi etwas entspannen, das Nationalgericht „Chambo“ probieren und am Strande des Lake Malawi etwas Sonne geniessen. Und dann stehen uns mehrere Moeglichkeiten offen, sollten wir erst nach Zambia und uns die beeindruckenden Victoria Faelle anschauen, oder nach Mosambik an den Strand, um Riesenfische zu angeln? Aber eigentlich ist es egal, denn die Laender des suedlichen Afrika wollen wir alle bereisen, Namibia mit seiner roten, trockenen Etoscha Pfanne und der Skelettkueste, Botswana mit seiner fast noch unberuehrten Natur. Welchen Weg auch immer wir waehlen, Ihr koennt unseren Abenteuern in unserem Tagebuch folgen und ueber die Bilder Galerie Photos sehen (wie wir inzwischen aussehen oder wie gross die Fische und Loewen waren, oder wie exotisch die Leute hier unten aussehen!) :o)

Suedafrika wird wahrscheinlich unsere letzte Station werden, es ist das Land, was wohl vom gesamten Kontinenten am bekanntesten ist, Ihr kennt das „Kap der guten Hoffnung“, 1488 vom portugiesischen Seefahrer B. Diaz entdeckt, aber wusstet Ihr, dass der wirklich suedlichste Punkt das „Kap Agulhas“ ist? Nein? Ist egal, wir werden Euch Bilder schicken!!! :o)

 

Und selbst nach all diesen Erfahrungen und Abenteuern fehlt uns noch eine...die Seekrankheit! Deshalb werden wir (soweit moeglich) per Schiff zusammen mit unserer Hummel nach Hause kehren, nur um sicher zu gehen, dass wir nichts verpassen...oder vielleicht doch lieber das Flugzeug?

Nur fuer Maenner - eine Geschichte aus Kenia

Nur fuer Maenner

 

...unsere Augen mussten sich erst an die Dunkelheit unter den Baeumen gewoehnen, vom hellen, heissen kenianischen Sonnenlicht traten wir nun in das Halbdunkel der ueberwachsenen kleinen Lichtung. Hier war es wenigstens etwas kuehler. Die Maenner starrten  uns an, weisse Besucher waren hier nicht an der Tagesordnung, erst recht nicht, wenn einer von ihnen eine Frau ist. Aber da Andrea keine Maasai ist, ging das in Ordnung. Ich sah mich um, versuchte etwas in dem Wirrwarr aus bekleideten und halbbekleideten Maennern zu entdecken. Die waren alle beschaeftigt und Meteme, unser kenianischer Freund, ein Maasai, klaerte uns auf: „In der Maasaitradition essen die Maenner nicht vor ihren Frauen, erst recht kein Fleisch. Ein Maasai-Mann ist ein Held und darf bei der Verrichtung seiner Beduerfnisse nicht gesehen werden...“ Ich musste schmunzeln – hier trafen sich also alle Maenner irgendwo im Busch, schlachteten eine Kuh, assen sich mit Fleisch satt und hatten demzufolge auch Ruhe vor ihren Frauen! Ich zaehlte 5 Feuerstellen, auf denen gekocht, gegrillt und gegart wurde, hier schabte einer die Haut, da zerteilte jemand Fleisch und dort spuelte jemand die Innereien aus. Das Fleisch hatten sie einfach auf Spiesse gesteckt und schraeg ueber eines der Feuer zum grillen gelehnt. Hier in der angenehmen Kuehle des Waeldchens roch es  wuerzig nach Kraeutern, Rauch und gegrilltem Fleisch – langsam merkte ich meinen Hunger. Wir waren den ganzen Tag am Rande des Maasaiplateaus entlanggelaufen, hatten die unendlich weite Sicht ueber den Maasai Mara Nationalpark genossen und von Meteme so einiges gelernt – hauptsaechlich ueber Stammestraditionen und Heilpflanzen. Und hatten in regelmaessigen Abstaenden Pausen gemacht, um die herrliiche Landschaft zu bewundern – von hoch oben war das weite Land am Besten zu ueberschauen -  die gelb-orangene Savanne, dazwischen vereinzelte Akazienbaeume, fast wie Tupfen auf einem grossen, gelben Tuch, gespannt ueber eine Ebene mit sanft rollenden Huegeln. Mit dem Fernglas konnten wir sogar eine kleine Elefantenherde und Wasserbueffel ausmachen, die friedlich durch die Mara zogen.

Andrea riss mich aus meinen Gedanken und deutete auf den „Fleischspiess“, den uns einer der Maenner mit einer ermunternden Geste reichte. Salz oder Pfeffer gab es hier nicht, geschweige denn irgendwelche Gewuerze ueberhaupt! Auf Maasai Art wird einfach das grosse Messer gezogen (eine Art Machete und Messermischung) und mundgerechte Stuecken abgeschnitten. Wir hockten auf dem Boden, scheuchten die bettelnden Hunde fort und genossen echtes „Bio-Fleisch“ vom „Maasaibauern“. Andrea und ich grinsten uns gegenseitig an – haetten nicht gedacht, dass wir durch so einen Zufall hierhergeraten wuerden!

Unser urspruengliches Ziel war eigentlich nur der Maasai Mara Nationalpark gewesen, jedoch war uns mit 40 USD pro Person und Tag der Eintritt zu teuer. Wir waren spaet abends in dieser herrlichen Gegend angekommen, hatten jedoch kein einziges Camp gefunden. Verzweifelt hatten wir in einer katholischen Mission in Lolgorien um einen Platz fuer unseren Wagen gebeten und so Vater Selem Po getroffen, einen katholischen Maasai-Priester, mit dem wir uns sogleich nett verstanden. Und da ein maechtiger Sturm aufgezogen war, lud er uns sogar zu sich in’s Haus ein. Alles in Allem waren wir letzten Endes eine gute Woche geblieben, Andrea hatte mit gekocht und ich war desoefteren mit Meteme, dem Angestellten, unterwegs, Holz im Wald schlagen und sonstige Besorgungen erledigen. Wir lernten viel ueber Maasaikultur und selbst auf dem Markt kannte man uns schon. Wir stellten auch fest, dass man, um die meisten Tiere zu sehen, gar nicht in den Nationalpark fahren muss, Zebras und Giraffen rennen munter auf der Strasse umher und sogar Bueffel, Impalas und andere Antilopen sieht man sehr oft ausserhalb der ungezaeunten Nationalparkgrenzen. Vater Selempo war ueblicherweise mit Bibelstudium und predigen beschaeftigt, er meinte, er haette immer viel zu tun, seine „Schafe“ auf dem rechten Wege zu halten. Dafuer bekam er als Spenden kaum Geld fuer die Kirche, sondern eher lebende Huehner, Schafe und Ziegen oder Koerner. Auch hier hatten Andrea und ich wieder grinsen muessen – es fiel uns wieder ein, dass wir ja schliesslich in Afrika waren, da geht so etwas!

Leider traf uns auch hier wieder das Los des Reisenden – der Abschied. Da wir schon noch einige Laender vor uns hatten, hiess es Lebewohl sagen und gen Nairobi weiterfahren. Zu unseren Ehren hatte Vater Selem Po eine Ziege schlachten lassen und mit gutem kenianischen Bier stiessen wir auf seine und unsere Goetter an und liessen uns das Ziegenfleisch mit Ugali (Maisbrei) und Rape (eine Art afrikanischer Spinat) schmecken. Unsere letzte Nacht in der Mara Region verbrachten wir inmitten einer Gnuherde ausserhalb des Nationalparkes – es war ein einmaliges Gefuehl, wenn man im dunkeln sitzt oder liegt und dem gemaechlichen Grunzen und „Bloeken“ der Gnus zuhoerte. Und nach einer ruhigen Nacht lief fruehs im Sonnenaufgang dann ein Elefant friedlich an uns vorbei, er war wohl auf dem Weg zu einem Wasserloch. Wir streckten uns, genossen den fruehen, afrikanischen Morgen und freuten uns, frei zu sein und das naechste Abenteuer zu erleben.

 

Dies ist nur eine kleine Begebenheit unserer 10-monatigen Reise durch den schwarzen Kontinenten. Wir haben noch VIEL mehr zu berichten, wer Interesse hat, kann gerne unter www.ourwildjourney.com schauen.

Jenseits des Darfur

...der Sudan auf der anderen Seite der Medien...

Jenseits des Darfur

 

...ich lehne mich in meinem Stuhl zurueck und versuche, die gesamte Szene vor meinen Augen einmal mit etwas Abstand, so von aussen her, zu betrachten. Unwillkuerlich fange ich an, zu grinsen, denn es ist unglaublich absurd. Freudestrahlend haelt mir Andrea einen schwarzen Fuss in’s Gesicht, freudig ueberrascht stelle ich fest, dass es ihr eigener ist – uebersaet mit Henna. Genau dieses Ereignis ist, was uns so „anders“ vorkommt. Haeuptling Mohammad Rahal Mohammad Rahal (ja, wirklich zweimal bitte!) hat speziell Andrea eine Einladung der Frauen ueberbracht, sie war eingeladen worden, an einer Kaffeezeremonie und Hennabemalung teilzunehmen. Und so sitzen wir nun hier – schon 3 Stunden und es werden wohl noch mindestens 2 hinzukommen. Die Frauen des Kadugli-Stammes sind offensichtlich sehr froh, ihr Henna einmal auf weisser Haut auszuprobieren. Dabei reichen ihnen offenbar Andreas Haende nicht – die Fuesse waren auch noch dran. Nun hatte sie schwarze Blumen und kringelige Muster auf Armen und Beinen. Die Frauen um uns herum schwatzten und lachten, leider verstanden wir nicht soviel – es war entweder arabisch oder die stammeseigene Sprache. Fatima, die einzige englischsprachige Stammesfrau, hatte viel mit der Uebersetzung zu tun, sie erklaerte uns, dass eine jede Braut solch ein Hennamuster bekaeme, bevor sie heiratet. Und ploetzlich hatte sie eine „hervorragende“ Idee – im Sudan bekommt nicht nur die Frau ein Henna, sondern der Mann auch, zwar nicht Arme und Beine, aber die Fingerkuppen der linken Hand. Innerlich runzelte ich die Stirn, fragte mich, wie das wohl aussehen wuerde, ich als Mann mit einem Henna! Und wohlgemerkt genierte ich mich eh ein bisschen, denn wir waren umringt von Frauen, die Maenner hatten sich alle zurueckgezogen und ich also nun als einziger Mann inmitten all der singenden, lachenden Frauen. Das machte fuer mich die Situation noch unrealer!

 

Nach Kadugli, in die Nuba-Berge, zu kommen, war wie so vieles auf unserer Reise ein riesiger Zufall gewesen. Haetten wir Abdel Salam und Taha nicht in Khartum getroffen, waeren wir eventuell gar nicht hierher gekommen. Wir hatten zwar schon von den Nuba Bergen im Reisefuehrer gelesen, und der Sueden Sudans interessierte uns eh, aber manchmal braucht es noch das extra Quentchen Glueck. Taha’s Schwester naemlich wohnt in El Obeid, auf halbem Wege nach Kadugli, und dann hat er noch einen Freund in Kadugli selber, einen Offizier. So stand also fuer uns fest, wir schauen uns dort einmal um. Im Sudan geht aber leider nunmal nichts ohne „Reiseerlaubnisse“, die hatten wir jedoch innerhalb 24 Stunden – und das kostenlos! Etwas aufgeregt hatten wir uns auf den Weg in das suedliche Kordofan gemacht, was wuerde uns dort wohl so alles erwarten?

Die Landschaft suedlich Khartums ist bis auf die Ufer des Blauen und Weissen Nils recht karg und trocken. Endlos weit scheinende, savannenartige Ebenen, dazwischen recht aufgeraeumt aussehende Strohhuettendoerfchen und kaum Verkehr. Als wir El Obeid immer naeher kamen, sahen wir auch die ersten Affenbrotbaeume in der flimmernden Hitze aufragen, sie wirken wie riesige Baeume, die irgendwer verkehrt herum in den Boden gestopft hat. In El Obeid kamen wir kurz vor Sonnenuntergang an und waren froh, dass Ihsan, Taha’s Schwester englisch sprach. Wir trafen uns mit ihr an einer Tankstelle und folgten ihr nach Hause. Woran man sich in diesen Teilen der Welt als erstes gewoehnen muss, ist, dass einen immer jemand an- oder hinterherstiert. Wir haben auch auf dem Weg nach El Obeid keine weissen Menschen gesehen. Ihsan und ihr Mann waren sehr gastfreundlich, schienen erfreut ueber unseren Besuch und mit Hand, Fuss und Englisch sprachen wir ueber unsere Reise und den Sudan. Natuerlich durften wir nach dem Abendessen nicht mehr wegfahren, sondern „mussten“ uns erst eine Nacht ausruhen, bevor wir weiterfahren konnten. Am naechsten Morgen machte uns Ihsan ein herrliches Fruehstueck mit gebratener Leber, einer scharfen Sauce, Tameeyia (sudanesische Falafel) und Bohnen. Und sogar noch selbstgemachten Kuchen und Saft aus der Affenbrotbaumfruchht! Wow! Wir verabschiedeten uns und begaben uns auf unseren Weg nach Kadugli, noch 350 km entfernt. Wir freuten uns anfangs ueber den Asphalt, der sich jedoch nach einigen Kilometern verlor und in eine ausgewaschene Schotterstrasse ueberging. Oftmals fuhren wir auch einfach neben der Strasse durch den Busch, weil es da weniger ruckelte und schaukelte. Die Fahrt nach Kadugli dauerte fast den ganzen Tag, sodass wir dann am spaeten Nachmittag unser Lager unweit der Stadt irgendwo im Busch aufschlugen. Natuerlich hatten wir in unzaehligen Medienberichten ueber die gefaehrliche Sicherheitslage im Sudan gehoert und gelesen, aber hier im Lande sieht es anders aus – wir sind ja nicht im Darfur!

Am naechsten Morgen trafen wir uns in Kadugli mit Hafiz, Taha’s Freund, dem Offizier, welcher uns mit Jabir bekanntmachte. Jabir ist 23, arbeitet als „information officer“ fuer die SPLA/M (Sudanese People’s Liberation Army/Movement) und erklaerte sich bereit, uns durch Kadugli und die Nuba Berge zu fuehren. Er war uns gleich von Anfang an sympathisch. Das ist eine andere Sache hier in Kadugli – wir moegen die Menschen hier sehr, man sagt, im Suedsudan sind die Afrikaner am schwaerzesten und ich muss sagen, dass es wahr ist. Die Staemme hier haben sehr fein geschnittene Gesichter, sind wirklich rabenschwarz  und viele Stammesangehoerige haben verschiedene Narben im Gesicht, Punkte oder Schnitte.

Wir haben Jabir Tutu vom Kadja-Stamm sehr viel zu verdanken, durch ihn lernten wir viel ueber die tragische Geschichte des Sudans und machten Bekanntschaft mit sehr vielen Leuten und Staemmen in Kadugli. Wir konnten diesem Landstrich jedoch ansehen, dass hier 22 Jahre lang ein Buergerkrieg wuetete, der erst im Jahre 2005 sein Ende fand, es seitdem aber eher einem Waffenstillstand als einem Frieden gleicht. Wir sassen in der guten Woche, die wir hier verbrachten, sehr oft in einem der Strassencafes und unterhielten uns, wenn sprachlich moeglich, mit einigen Leuten. Die Strassencafes uebrigens sind nichts weiter als eine „Kaffeefrau“, die mit einem Waegelchen mit unzaehligen Glaesern Kraeutern, Kaffee und Tee an einer Strassenecke steht, ein paar Plastikstuehle im Kreis aufstellt und ueber einer Art Holzkohlegrill Wasser und Milch kocht. Hier sitzt man dann zu jeder moeglichen Tageszeit und trinkt Kaffee. Nachts hat das ganze dann noch mehr Charme, weil es in Kadugli Stromprobleme gibt, sitzt man dann in voelliger Dunkelheit, erkennt nur das Glimmen der Holzkohle, leuchtende Mobiltelefone und die weissen Zaehne der Sudanesen. Und nur zu oft trifft man hier auf die lebenden „Opfer“ des Buergerkrieges – zumeist recht junge Maenner, die ihre psychische Gesundheit im Krieg unwiederbringlich verloren haben und nun halbverrueckt nachts im Cafe sitzen und ihre verworrenen Geschichten erzaehlen. Traurig!

 

Wie kamen wir zu dieser Hennazeremonie im Kadugli-Stamm? Jabir wollte uns den groessten Stamm der Gegend zeigen und so waren wir nach Hadjaralmak gefahren, einem „Doerfchen“ ausserhalb Kaduglis. Dort lernten wir Mohammad Rahal Mohammad Rahal (ja, zweimal!) kennen, den Haeuptling des Kadugli-Stammes. Mit ihm sassen wir zusammen unter jenem Baum, unter dem wir gerade sitzen und voller Wunder auf Andrea’s Haende und Fuesse schauen, beobachten, wie die Frauen singend kleine Meisterwerke mit Henna zeichnen. Mohammad Rahal hatte uns viel ueber seinen Stamm erzaehlt, zeigt uns Photos seiner Vorfahren, halbvergilbte Aufnahmen eines britischen Kolonialisten, der einem schwarzen, praechtig geschmueckten Mann die Hand reicht. Mohammad Rahal erzaehlte uns von den Leiden seines Volkes, Verluste, die alle hier hinnehmen mussten, als der Buergerkrieg die Nuba Berge erschuetterte. Viele Maenner sind gefallen, viele Frauen vergewaltigt worden. Mohammad Rahal sieht traurig aus, wenn er das erzaehlt. Und wenn man den schwarzen Sudanesen glauben kann, ist das alles nur, weil der Sudan ein natuerliches Konfliktpotential traegt – er ist eine Grenze zwischen arabischer und schwarzafrikanischer Welt. Genau das ist laut unseres Haeuptlings hier passiert – Nordsudan und seine Araber wollen sich die Schwarzen im Sueden unterwerfen, die jedoch geben nicht klein bei – und schon hat man den schoensten Buergerkrieg geschaffen. Die Maenner, mit denen wir sprachen, heben ihre Arme gen Himmel und meinen, nur Allah koenne ihre Hoffnungen auf Frieden seit 2005 erfuellen. Mohammad Rahal hat mich gebeten, die Geschichte seines Stammes mitzunehmen und Leuten davon zu erzaehlen. Er hatte uns eingeladen, 3 oder mehr Monate bei Ihnen zu bleiben. Wir waren sehr ueberrascht, mussten aber leider absagen, da wir noch viele Kilometer zu fahren haben! Bevor wir Hadjaralmak verliessen (es war Kaffeezeit in Kadugli!!!) lud uns Mohammad Rahal ein, zu seiner Willkommenszeremonie zu kommen, er sei erst vor ein paar Tagen von seiner Hadsch (Pilgerfahrt) wiedergekommen und wuerde seinen neuen Status im Dorf des Stammes feiern. Wir fuehlten uns geehrt und nahmen dankend an. Jabir wuerde natuerlich mit uns mitkommen muessen, er ist inzwischen zu unserem Freund geworden und war stets ein guter Mittler zwischen uns und dem Rest der Nuba Berge! J

Die Zeremonie war groesser als erwartet! Selbst der Commissioner des Nuba Distrikts war gekommen. Wir wurden zu sechst an Tische platziert, auf denen man uns reichlich Essen servierte, jedoch ohne Besteck und Teller, das „kisera“, eine Art Sorghum-Fladenbrot, riss man sich mit der rechten Hand in Stuecke und tauchte es in eine Schuessel mit Sosse, entweder „okra“ – das sind wie kleine, schleimige Zucchinis, oder eine scharfe Ziegenfleischsosse. Alkohol gab es gar nicht, nur Wasser und nach dem Essen suessen, starken Tee. Wir waren voll und schwitzten nach dem heissen Tee in der 40+ Grad Hitze des suedsudanesischen Winters!

Etwas besonderes wartete noch auf uns – der „Kambala“, ein traditioneller Tanz des Kadugli-Stammes. Auserwaehlte Maenner ziehen eine Art Bastrock an, Schellen um die Fuesse und Kuhhoerner auf dem Kopf. Dann fangen die Frauen an, in die Haende zu klatschen und mit ihren hohen Stimmchen zu singen, waehrend die Maenner rhythmisch im Kreis umhertanzen, ihre Fuesse auf den Boden stampfen und brummen. Die Luft vibriert von der Energie der Tanzenden und der Staub taucht die Abendsonne in einen mystischen Schleier. Der Kambala ist ein Tanz, der zur Ernte gesungen wird, fuer Fruchtbarkeit und Reichtum.

Andrea und ich schauen uns immer wieder an, zwinkern uns gegenseitig zu und sind einfach nur dankbar, dass wir so etwas erleben koennen, dass wir die richtigen Zufaelle erkannt und genutzt haben. Wir sind immer wieder traurig, wenn wir sehen, wie einem Land in den Medien Unrecht getan wird, bzw. wieviele Reisende dieses Land einfach nur so schnell wie moeglich hinter sich bringen wollen. Das hat der Sudan nicht verdient! Wir haben hier Freundschaften geschlossen und haben uns in den Nuba Bergen echt wohl gefuehlt, erstens gab es hier keine weissen Touristen, hoechstens UN-Mitarbeiter, jedoch sieht man die NIE in der Stadt, die sitzen alle in ihren klimatisierten Bueros ausserhalb Kaduglis, obwohl sie eigentlich die Menschen verstehen sollten, denen sie helfen! Zweitens ist ein Land ohne viel Tourismus noch ein pures, nicht korumpiertes Land – dafuer sind wir echt dankbar!

 

Eindruecke aus dem Sudan


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Kommentare

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Username0_0 sagte:
am 21.01.2010
Gelesen habe ich deine Berichte noch nicht- habe mich an deine tollen Fotos gehalten, aber bloß, weil es schon so spät ist ;)
Bin gespannt, was du zu berichten hast!
Seit neuestem traue ich mich endlich auch zu träumen und da kommen solche Seiten, wie die deine genau richtig :)!
Liebe Grüße


jeffrey sagte:
am 12.01.2010
Komme gerade aus dem Südwesten der USA - virtuell, von einem anderen Beitrag.
Hier bei PageWizz findet auch ein "Schaukelstuhl-Reisender" wie ich das Abenteuer!

Sagenhaft - a really wild journey - danke!


LovelyDream13 sagte:
am 11.01.2010
Superinteressant und dank der Fotos auch sehr anschaulich !


Hans
(Online)
Hans sagte:
am 17.12.2009
Hallo wildjourney,

Dein Reisebericht ist echt super. Wäre richtig cool, wenn noch ein paar weitere folgen :-)

Viele Grüße,
Hans


Simon sagte:
am 14.12.2009
Da kann ich mit meinen Ausflügen nach Neuseeland und Asien nicht mithalten :-)) Danke und viel Spaß noch - würde gerne öfters von Euch Neuigkeiten lesen!


Pete
Pete sagte:
am 14.12.2009
Wow! Das ist ja unglaublich! Ich wünschte, ich hätte den Mut so etwas zu unternehmen - Träume davon hab ich jeden Tag!! Meinen aller tiefsten Respekt "wildjourney" !!!!


Veröffentlicht: 13. Dezember 2009
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