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Durch das Erdbeben am 12, Januar 2010 ist dieses Land vermutlich Europäern erst bewusst geworden. Dass Haiti, das ärmste Land der westlichen Welt ist, lässt sich vom Pro-Kopf-Einkommen ableiten. Das wird mit etwa 400 USD jährlich angegeben und laut Weltbank legt die Armutsgrenze bei einem US-Dollar pro Tag. Die Armut des Landes dürfte auch mit Grund sein, dass die Folgen des Erdbebens so katastrophal ausfielen, denen die einfachen Hütten, etwas ummauerter Raum mit einem Wellblechdach und die verhältnismäßig wenigen Betonbauten, wegen der Unerschwinglichkeit von Baumaterialien, fehlender Zement und Armiereisen, massenhaft zum Opfer fielen. Weiter handelt es sich um ein überbevölkertes Land mit knapp 9 Mill. Einwohnern, von denen ein Drittel in den Slums der städtischen Ballungszentren lebt. Geschätzt wird, dass mehr als 50 Prozent der Einwohner arbeitslos und ständig unterernährt sind. Ebenfalls bei 50 % liegt die Analphabetenquote, obwohl eine sechsjährige Grundschulpflicht besteht. Ein Agrarland fast ohne Bäume, denn die endeten mangels Brennmaterial unter den Kochtöpfen der Bewohner. Der Regenwald war bereits Anfang der neunziger Jahre abgeholzt und durch Bodenerosion vermindern sich die Anbauflächen weiter drastisch. Dazu kommen die Folgen einer falsch konzipierten Bodenreform. Anfang des 19. Jahrhunderts erhielten Bauernfamilien je 15 ha Farmland, deren Erben teilten das Land in immer noch kleinere Stücke auf. 1971 war das auf eine Bauernfamilie entfallende Land somit nur noch knapp 1,5 ha groß. Um zu überleben, musste das Land übernutzt werden und starke Erosionen, die den Boden schnell unfruchtbar machten, waren die Folge. Die überwiegende Mehrheit der Haitianer ist auffallend schwarzhäutig und spricht kreolisch. Bis 1961 war französisch Amtssprache. Die Lebenserwartung beträgt etwa 50 Jahre und das Durchschnittsalter aller Einwohner ist 20,2 Jahre. Die Säuglingssterblichkeit liegt bei 9,2 % und die Kindersterblichkeit bei 13,2 %. Mit meinem Aufsatz will ich nicht die laufende Berichterstattung über das Erdbeben fortsetzen, sondern versuchen, das in Europa fast unbekannte, unvorstellbar verarmte Land und seine Bewohner darstellen. Warum Kindersklaven in Haiti toleriert werdenBildung und genug zu essen, mit diesem Versprechen geben arme Bauernfamilien in Haiti ihre Kinder, vor allem Mädchen, in die Obhut fremder Familien in die Stadt. Sie glauben, dass es ihnen dort besser gehen wird. Diese Kinder werden als Arbeitskräfte benutzt und haben oft niemals eine Schule von innen gesehen. Die Deutsche Welle hat diesen TV-Bericht über das deutsche Kinderhilfswerk und der Heilsarmee zu diesem Thema ausgestrahlt. Die Lage und GeschichteHaiti liegt im Westteil der Karibikinsel Hispaniola in den Großen Antillen, deren östlicher Teil die Dominikanische Republik einnimmt. Der Landesname kommt aus der Sprache der Ureinwohner, den Tainos und bedeutet „bergiges Land“. Die heutigen Einwohner Haitis sind größtenteils afrikanischer Abstammung. Hispaniola war 1492 die erste Anlaufstation in der "Neuen Welt" von Christoph Columbus und den Spaniern. Von ihnen wurde die damalige indianische Urbevölkerung in wenigen Jahrzehnten beim Abbau geringfügiger Goldvorkommen völlig ausgerottet. 1697 trat Spanien das westliche Drittel der Insel an Frankreich ab aber erst im späten 17. Jahrhundert wurde die Insel durch afrikanische Sklaven, die auf Zuckerrohrplantagen eingesetzt wurden, wieder bevölkert. Die aus den französischen Kolonien stammenden Sklaven waren eindeutig dunkelhäutiger, als die von den Spaniern in die heutige Dominikanische Republik verbrachten. Der Grund, warum sich auch heute noch die meist tief dunkelhäutigen Haitianer von den helleren Dominikanern äußerlich unterscheiden. Die Ausfälle unter diesen Menschen waren übrigens so hoch, dass ständig Sklavenschiffe zwischen Afrika und Hispaniola verkehrten. 1804 erklärte Haiti nach blutigen Aufständen seine Unabhängigkeit von Frankreich und wurde somit die erste Republik von Schwarzen und Mulatten und engagierte sich auch bei der Abschaffung der Sklaverei. Frankreich erhielt als Gegenleistung jahrzehntelang hohe Entschädigungen für die ehemaligen Plantagenbesitzer. Die Regierung wurde von verschiedenen Diktatoren übernommen, die sich selbst zu Kaisern ernannten und die das Land in so hohem Maß ausbeuteten, dass die Vereinigten Staaten es von 1915 bis 1934 besetzten. Nach dem 2. Weltkrieg gelangten wiederum extreme Diktatoren an die Macht, wegen der es immer wieder zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen kam. Unter dem Vorwand der Menschlichkeit zu dienen, besetzten die USA 1994 erneut das Land. Tatsächlich dürfte aber die Angst vor dem Kommunismus, der inzwischen vor der Haustür Amerikas, in Kuba Fuß gefasst hatte, der Grund dafür gewesen sein. 1995 bis 1997 übernahm die UNO das Mandat zum Schutz des Landes, das 2004 wegen erneuter Unruhen wieder eingesetzt wurde. Seitdem überwachen10.000 Blauhelme das Land. Die Religionen HaitisLaut einer Zählung der Vereinten Nationen gehören 54,7 % der Einwohner Haitis der römisch-katholischen Staatskirche an, 15,4 % sind Baptisten, 7,9 % Pfingstler, 3,0 % Adventisten, 1,5 % Methodisten, 0,7 % Anglikaner, 0,18 % Zeugen Jehovas und 0,07 % Mormonen. Zwar gaben nur 2,1 % der Bevölkerung eine Zugehörigkeit zur Voodoo-Religion an, doch praktizieren auch viele weitere, die sich offiziell zum Christentum bekennen, gleichzeitig Voodoo-Rituale, insgesamt schätzt man etwa Dreiviertel der Bevölkerung. Voodoo ist eine Religion, die aus vielfältigen afrikanischen, islamischen, katholischen und auch indianischen Elementen besteht, die sich aus Herkunft und Geschichte der Sklaven in Westindien ergab: Aus ihren afrikanischen Dorfgemeinschaften gerissen und zur Arbeit für die Kolonialisten und zum christlichen Glauben gezwungen, versuchten einige der Sklaven, ihre ursprüngliche Religion und die Hoffnung und Identität, die sie mit ihr verbanden, fortzuführen. So stehen beispielsweise Bilder katholischer Heiliger im Voodoo oftmals in für afrikanische Geistwesen mit ähnlichen Eigenschaften oder ähnlichem Symbolgehalt. Voodoo wird heute hauptsächlich in den afrikanischen Staaten Benin, Ghana und Togo ausgeübt, ferner im Karibikstaat Haiti und insofern auch in Haitis Nachbarstaat, der Dominikanischen Republik, wo viele Haitianer als Gastarbeiter leben. 2003 wurde Voodoo zur offiziellen Religion auf Haiti erhoben. Priester und Priesterinnen haben seitdem auf Haiti dieselben Rechte wie ihre katholischen Kollegen. Sie dürfen offiziell Ehen schließen, Taufen durchführen und Begräbnisse leiten.
Der Voodoo-ZauberVoodoo-Rituale werden nicht nur in Haiti, sondern auch in der Dominikanischen Republik von haitianischen Gastarbeitern durchgeführt. Der Glaube an die Wirkung ist tief verwurzelt. Das hier eingebettete Video zeigt eine derartige Zeremonie. Obwohl im Hintergrund Weiße zu sehen sind, glaube ich doch, weil der Tourismus in Haiti nicht ausgeprägt ist, davon ausgehen zu können, dass es sich um einen relativ unverfälschten Ritus handelt. Abschließende AnmerkungIch hoffe mit diesen Zeilen einen nachvollziehbaren Bericht über das Land Haiti gegeben zu haben. Tatsächlich ist die Geschichte dieses Landes derartig vielfältig und umfangreich, dass sie mehrere Bände füllen könnte. Detailliertere Informationen (Statistiken etc.) finden Sie hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Haiti http://de.wikipedia.org/wiki/Voodoo Ich lebe im Nachbarland Haitis, in der Dominikanischen Republik. Haitianer kommen als Gastarbeiter hierher, um der Arbeitslosigkeit ihres Landes zu entrinnen und um etwas mehr als in der Heimat zu verdienen. Wegen mangelnder Schulbildung und Sprachkenntnisse können sie im allgemeinen nur für untergeordnete Hilfsarbeiten eingesetzt werden. Krankenversicherung oder Rentenversicherung sind ihnen unzugänglich. Eine Situation, die dringend nach Hilfe schreit, die aber von Ihnen überdacht werden werden sollte. So misstraue ich beispielsweise den mir bekannten Hilfsorganisationen, weil m.E. deren Verwaltungskosten in unangemessener Höhe von den Spenden einbehalten werden und sich deren Mitarbeiter vor Ort durch Unkenntnis lokaler und sachbezogener Eigenarten auszeichnen. Perfekt sind diese "Entwicklungshelfer" jedoch, wenn es darum geht unter Hinweis auf ihren Status Vergünstigungen bei Einheimischen zu erlangen. Wenn Sie einen ersten optischen Eindruck meiner Umgebung haben möchten, sehen Sie doch einfach mal hier rein: http://www.klaus-radloff.com/meine-umgebung/
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Veröffentlicht: 17. Januar 2010
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Autor Klaus_Radloff
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Kommentare
Klaus_Radloff sagte:
am 21.01.2010Du hast Recht, meine Bilder sehen einladend aus aber bei strahlendem Sonnenschein erscheint manches Elend als Idylle. Der "Wohlstand" hier in der DomRep ist verglichen mit Haiti ungleich größer und das Durchschnittseinkommen mag hier - genaue Zahlen fehlen mir - schätzungsweise etwa um den Faktor 10 höher liegen. Also möglicherweise statt bei einem USD täglich in Haiti hier bei 10 USD. Aber auch hier gibt es sehr viele Leute die arbeitslos oder im Rentenalter ohne Einkommen sind.
Vielleicht passt dieser Vergleich: Unter Blinden ist ein einäugiger, stark sehbehinderter, König.
Dieses Thema ist m. E. ebenfalls einen Aufsatz wert und ich hoffe schon bald.
Viele Grüße Klaus
Hans sagte:
am 20.01.2010Die Vorstellung von Haiti ist Dir mit Deinem Artikel super gelungen. Traurig zu sehen, wie oft ein Land durch Misswirtschaft in eine solche Lage geführt wird. Die Abholzungs Probleme hatte ich in Tansania (am Kilimandscharo) selbst hautnah miterlebt.
Und nicht ganz leicht vorzustellen, wenn man sich im Gegensatz dazu Deine einladenden Bilder von der DomRep anschaut.
Viele Grüße,
Hans