Für Vollbild-Ansicht entsprechendes Bild klicken und wahlweise Taste F11 (ein und aus). Namsos, Norwegen - Erlebnis am Mittsommertag 1963
Namsos - Erlebnis am Mittsommertag 1963 Mein norwegischer Freund Knud und ich waren Nachbarn in Bergen. Er hatte einen Motorroller erworben. Mit diesem fuhr er in den Sommerferien zu seinen Eltern nach Vega, einer Insel bei Namsos. Ich war von Wien über die Schweiz und England mit meinem Moped nach Bergen gereist. Über den Winter und Frühling arbeitete ich in Bergen. Jetzt  ging es weiter und das nächste Ziel war das Nordkap. Namsos lag am Wege dorthin und so beschlossen Knud und ich, mit unseren Zweirädern bis zu seinenEltern zusammen zu reisen.

Auf der herrlichen Fjord-Route von Bergen über Geiranger kamen wir freitags in Namsos an. Freunde Knuds hatten uns eingeladen zur Mittsommerfeier. Wir fuhren hinaus zu einer Wiese am Bergfuß bei Namsos. Der Berg ist am Bild rechts zu erkennen. Die Sonnenwende wurde fröhlich gefeiert. Die Sonne bleibt hier südlich des Polarkreises selbst mitternachts nur wenige Minuten unter dem Horizont. So wird es es im Juni nachts nicht dunkel.
Der Bergwanderer in mir erwachte und magisch zog es mich an, den felsigen Hang hinauf zu steigen. Leider hatte ich nur Sandalen an. Die mussten jetzt für den Aufstieg herhalten. Als Wanderer hatte ich dabei kein gutes Gewissen. Trotz meiner Bergerfahrungen in den Alpen war ich so unklug, die immer steiler werdenden Felsstufen empor zu klettern. Plötzlich fand ich weder mit Händen noch Füßen einen sicheren Halt oder Griff zum Weiterkommen. Und zurück ging es auch nicht mehr. Von der Feier unter mir drang fröhliches Plaudern und Lachen herauf. Keiner hatte bemerkt, dass ich mich von der Gruppe entfernt hatte.  Nun bewahrte ich erstmal Ruhe.

Ich stand ja halbwegs sicher. Mit Namsos - Erlebnis am Mittsommertag 1963forschenden Blicken suchte ich in alle Richtungen nach einer Felsspalte oder einen Vorsprung für mein Weiterkommen. Doch es fand sich nichts dergleichen in erreichbarer Nähe. Die Felswand zeigte sich abweisend und glatt. Da begannen die Muskeln eines Beines vor Anstrengung zu zittern. Also entlastete ich sie durch Verlagern meines Gewichtes auf das andere Bein. Als das zweite Bein auch zu streiken begann, mussten meine Arme fast mein gesamtes Körpergewicht tragen. Die Lage konnte ich durch ständiges Ändern der Haltung für weitere Minuten erträglich machen. In Ruhe suchte ich nach einem Weg, mich vom Fels abzustoßen und in die einige Meter unter mir stehenden Baumwipfeln zu springen. Wenn ich einen Ast richtig erwischen würde, könnte ich den Sprung abfedern. Von früheren, längeren Radfahrten in Österreich war ich im Stürzen vom Fahrrad erprobt. Ganz ruhig prüfte ich die Felsenwand unter mir genau, um beim Absprung daran vorbei zu springen.
Namsos - Erlebnis am Mittsommertag 1963 Plötzlich gewahrte ich schräg links unter mir - nur wenige Zentimeter entfernt von meinem Fuß - eine hilfreiche Einkerbung im Fels. Ich traute meinen Augen nicht. Wieso übersah ich das die ganze Zeit bei der doch besonnen Suche nach einem Weiterkommen? Die Mulde versprach einen bequemeren Standort. So machte ich leicht abwärts einen kleine Schritt. Von der neuen, bequemen Stellung sah ich immer weitere Ritze und Griffe im Fels über mir. So kam ich höher und erreichte den Bergrücken. Erleichtert folgte ich einen Steig der sanft fallend mich nach wenigen Minuten zur Gruppe brachte. "Von wo kommst du den her?" fragte mich Knud als er mich kommen sah. "Ich habe mir nur die Beine vertreten" schwindelte ich, denn ich schämte mich ob meines Leichtsinns.
Bis zum heutigen Tag frage ich mich immer wieder einmal: Wie kam die so hilfreiche Kerbe in die Felswand oder warum sah ich sie solange nicht? Habe ich mir geholfen oder wie wurde mir geholfen und von wem?

Namsos, Norwegen - Erlebnis am Mittsommertag 1963

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