Rechtschreibtraining: Lies das, was Du geschrieben hast!

von Stratege

Durch genaues Lesen dessen, was man geschrieben hat, lassen sich viele Fehler vermeiden

Wie man ein sicherer Rechtschreiber wird

Rechtschreibtraining 3: Lies, was Du geschrieben hast!

Diese Methode setzt zunächst einmal voraus, dass man dem Kind vermitteln kann, dass es seinen eigenen Texten gegenüber etwas Kritik entwickeln muss.

 

Es muss lernen genau hinzuschauen, um „Leichtsinnsfehler und Flüchtigkeitsfehler“ zu vermeiden.

 

Auch hierzu wieder ein Beispiel:

 

                                 Herzlichen Gluckwunsch zum Geburtstag

 

Seien Sie mal ganz ehrlich zu sich selbst! Was haben Sie gelesen?

 

Aus Ihren langjährigen Leseerfahrungen heraus, erwarten Sie bei obigem Beispiel, dass dort folgendes steht:

 

                                 Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag

 

Diese Erwartungshaltung führt oftmals dazu, dass man nicht genau hinschaut und die fehlenden „ü-Strichelchen“ übersieht, weil man ja davon ausgeht, dass diese „ü-Strichelchen“ vorhanden sind.

 

Genauso geht es den Kindern.

 

Sie schreiben einen Satz nieder und gehen davon aus, dass ihnen solche Flüchtigkeitsfehler nicht unterlaufen.

 

Im nachfolgenden Beispielsatz sind 2 Fehler enthalten. Dabei handelt es sich um zwei unterschiedliche Arten von Fehlern. Den einen Fehler kann man durch genaues Lesen – sprich: lautes Lesen und „in das Wort hineinhören“ erkennen. Den anderen Fehler kann man auf diese Art und Weise nicht erkennen. Dafür braucht man dann wieder eine andere Technik.

 

                    In den letzen Ferien waren wir am Mehr.

 

 

Ich gehe davon aus, dass Sie erkannt haben, dass bei „letzen“ ein „t“ fehlt und „Mehr“ eigentlich „Meer“ geschrieben werden müsste. Letzteres kann durch lautes Lesen und genaues Hinhören nicht erkannt werden, denn ein „eh“ ist genauso lang wie ein „ee“.

 

Das fehlende „t“ hingegen kann durch richtiges Lesen eindeutig erkannt werden.

 

Wenn Sie Ihrem Kind nun helfen wollen, lassen Sie das Kind diesen Satz laut vorlesen. Seien Sie dabei wirklich konsequent. Lassen Sie das Kind nicht weiterlesen, solange es das falsch geschriebene Wort nicht so vorgelesen hat, wie es auf dem Blatt steht.

 

Beispiel:

 

Das Kind liest: „In den letzten“

 

An diesem Punkt müssen Sie einhaken und sagen: „halt!“, lies noch einmal von vorne.

 

Das wiederholen Sie solange, bis das Kind wirklich folgendes laut liest:

 

In den letzen Ferien….“

 

Können Sie sich vorstellen, was nun passiert? Das Kind merkt, dass hier ein Buchstabe fehlt und wird den fehlenden Buchstaben ersetzen.

 

Und so geht es mit vielen Fehlern.

 

Wichtig ist, dass Sie das Kind die „lesbaren, hörbaren“ Fehler selbst finden lassen.

 

Wenn Sie im obigen Beispielsatz, die beiden Fehlerwörter mit einem Korrekturzeichen versehen, nehmen Sie dem Kind die gesamte Lernarbeit ab. Sie machen es Ihrem Kinde zu leicht.

 

Fragen Sie sich bitte ernsthaft, welchen Sinn es machen soll, wenn Ihr Kind

„letzten“ 3 mal – 5 mal oder sogar 10 mal richtig niederschreiben soll.

 

Ich kann darin keinen Sinn erkennen, denn das Problem ist nicht, dass das Kind „letzten“ nicht richtig schreiben kann, sondern, dass es seinen Text nicht genau genug gelesen hat.

 

Noch ein Beispiel:

 

„Liebe Omma, wir komen Dich am Sontag besuchen.“

(richtig: "Liebe Oma, wir kommen Dich am Sonntag besuchen.")

Dieser Satz enthält drei lesbare/hörbare Fehler. Falsch wäre es meines Erachtens, wenn man dem Kind nun sagen würde, welche Fehler es gemacht hat.

 

Richtiger wäre es dem Kind zu sagen:

 

„Ich lese Dir mal den Satz so vor, als wären alle Wörter richtig geschrieben.“

 

Wir Erwachsene müssen also darauf achten, dass das „O“ bei der Oma länger gesprochen wird, als die beiden „o“ bei „kommen“ und „Sonntag“.

 

Wenn Sie Ihrem Kind den Satz so vorgelesen haben, als seien alle Wörter richtig geschrieben worden, lassen Sie Ihr Kind den Satz vorlesen, bestehen aber darauf, dass das Kind so liest, wie es geschrieben hat.

 

Das Kind muss also bei „Omma“ wirklich ein kurzes „o“ sprechen.  Solange das Kind bei „Omma“ ein längeres „o“ spricht, wird es nicht in der Lage sein, die falsche Schreibweise zu erkennen.  Also vom Kind immer wieder verlangen, mit dem Vorlesen neu anzufangen, bis aus dem gelesenen „Oma“ ein „Omma“ wird.

 

Wenn das Kind nach dem vierten oder fünften Leseversuch noch immer „nicht richtig“ liest, lesen Sie dem Kind seinen „geschriebenen Satz“ vor und fragen Ihr Kind, was ihm aufgefallen ist.

 

Ist dem Kind nichts aufgefallen, lesen Sie dem Kind den Satz zweimal vor:

a)  so wie er dasteht

b)  so wie er dastehen müsste.

 

Sollten Sie entsprechend akzentuiert gesprochen haben und das Kind keinen Unterschied gehört haben, sollten Sie sich auf Ursachenforschung begeben.

 

Es könnte sein, dass Ihre Aussprache nicht akzentuiert genug ist.

Aber es könnte auch sein, dass das Kind an einer mehr oder minder ausgeprägten Gehörschwäche leidet und Sie sollten das Kind – rein vorsorglich – von einem Ohrenarzt untersuchen lassen.

 

Durch die ständige Wiederholung dieses besonderen Lesevorganges wird die Aufmerksamkeit des Kindes erhöht:

Der Prozess, das geschriebene Wort so zu lesen, wie es dasteht und dann mit dem richtig ausgesprochenen Wort zu vergleichen, wird dadurch automatisiert, so dass nach einer gewissen Zeit, lautes Lesen überflüssig wird.


Mit der Zeit wird das Kind dahin kommen, den „Klang“ seines Wortes mit dem „Klang“ des richtig geschriebenen Wortes nur noch geistig zu vergleichen und so in vielen Fällen, aber nicht in allen Fällen zur richtigen Schreibweise gelangen.

 

Fortsetzung folgt

Stratege, am 18.09.2010
 
Vielen Dank! Möchten Sie noch einen Kommentar schreiben?
2

Kommentare


   Einloggen
Laden ...
Fehler!