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Vorsicht Orthopädie: Unnötige Operationen aus Kostengründen



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Deutsche Chirurgen haben gravierende Missstände bei der Behandlung von Krankenhauspatienten angeprangert. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, Dr. Reiner Gradinger, sprach in einem «Focus»-Interview von unnötigen Operationen, die nur aus Kostengründen durchgeführt würden. Dagegen werde auf notwendige Therapien verzichtet, weil sie zu teuer seien. (Focus-Online)

Dr. Gradinger hat seinen Kollegen und Klinikverwaltungen den Vorwurf gemacht, aus finanziellen Erwägungen heraus Eingriffe vorzunehmen, die fachlich sinnlos sind. Weiter würden notwendige Therapien nicht durchgeführt, weil sie zu teuer seien. „Behandlungseinrichtungen verkommen zum Marktplatz, wenn wir das so weiter laufen lassen“, sagt Dr. Gradinger. So würden beispielsweise bei Patienten mit Rückenschmerzen gewinnbringende, aber wissenschaftlich unbewiesene Behandlungen durchgeführt. Gleichzeitig werde bei Hüftprothesen für ältere Patienten gespart. „Ich schließe nicht aus, dass älteren Patienten aufgrund kommerzieller Überlegungen eine billigere, zementierte Hüfte eingesetzt wird. Das mit entsprechend höheren Risiken“.

Seitens der kaufmännischen Leitung sehen sich die Chefärzte der Kliniken unter enormen Druck. Werden die wirtschaftlichen Vorgaben nicht erfüllt, muss oft der Chefarzt gehen. Ärzte werden angehalten Gewinne zu erarbeiten, und sofern ein sehr kostenintensiver Patient in die Klinik kommt, werden Überlegungen angestellt, ihn in ein anderes Krankenhaus zu verlegen. Gradinger zufolge müssen sich die Ärzte auf die Ethik zurückbesinnen. „Das bedeutet, dass nur noch das gemacht werden soll, was medizinisch sinnvoll ist.“

Bis vor noch kurzer Zeit wäre eine solche Meinungsäußerung von einem führenden Schulmediziner absolut undenkbar gewesen. Hätte sie dagegen ein halbwegs prominenter medizinischer Außenseiter geäußert, dann hätten alle ärztlichen Koryphäen lauthals protestiert und den schnöden Verdacht des Gewinnstrebens empört und weit von sich gewiesen. Dass der Präsident der deutschen Gesellschaft für Chirurgie sich in dieser Form äußert, er dieses Thema auf dem diesjährigen Chirurgenkongresses in Berlin aufwirft, gleicht einer Bankrotterklärung.

Die Honorarregelung

Da Krankenkassen ständig unter Geldmangel leiden, bedarf es zwischen ihnen und den Ärzten Honorarabsprachen, nach denen die Bezahlung für ärztliche Leistungen bereits seit Jahrzehnten reduziert werden. Nach letztem Stand erhält beispielsweise ein Facharzt der Orthopädie eine Pauschale von 28 € pro Quartal und Patienten, egal wie oft er ihn sieht und behandelt. Von diesem Geld muss er die Praxiskosten, Löhne seiner Angestellten und den Unterhalt für die Behandlungsgeräte bezahlen. In Interviews werden diese Kosten mit monatlich etwa 25.000 € angegeben. Keine übertrieben lukrative Bezahlung, die u.a. nur wegen der hohen Zahl der Patienten das tägliche Brot bringt. Dass dabei individuell angepasste Leistungen nicht erwartet werden können, dürfte unter diesen wirtschaftlichen Bedingungen nachvollziehbar sein. So werden dann eben die Auswirkungen von Nierenleiden auf die untere Wirbelsäule unnötigerweise operiert. Danach muss zwar meist noch der Urologe tätig werden, aber der will von den ihm zugestandenen Pauschalen auch leben. Das Risiko beider Operationen trägt der Patient und die doppelten Kosten die Krankenkasse.

Einkommensdefizite versucht die Ärzteschaft durch die Behandlung von privat Versicherten auszugleichen. Das nach dem Motto, dass ein privat versichertes Knie, immer ein akutes Knie ist, dem möglichst eine Hüft-OP folgen sollte. So gesehen leben Privatpatienten noch viel gefährlicher als die der gesetzlichen Krankenkassen, bei denen u.U. aus Kostengründen auf eine Operation verzichtet wird, statt ihnen eine mehr anzuhängen.

Dennoch, mit den bis jetzt beschriebenen Vorgehensweisen wird das tägliche Brot verdient. Da Brot allein aber zwar satt macht aber langweilig ist, geht es anschließend um die Wurst und es wird kräftig „ge-igelt“. Dabei handelt es nicht um ein Winterhilfswerk für Stachelsäuger, sondern „ Igel „ steht für „Individuelle Gesundheitsleistungen“, die von Krankenkassen nicht bezahlt werden, Sie stellen den Brotaufstrich des Doktors sicher. http://www.igel-verzeichnis.de/index.php

„Ich hätte da etwas Ausgezeichnetes für Sie, dass leider noch nicht von der Krankenkasse bezahlt wird“, sind typische Formulierungen. Empfohlen werden die verschiedensten Leistungen, wie u.a. auch Akupunkturbehandlungsserien zu Preisen zwischen 50 und 150 € pro Sitzung. Stimmt der Patient diesem Vorschlag zu, bedeutet das „Kaviar aufs Toastbrot“ des Doktors, denn 100 Akupunkturnadeln kosten etwa 10 € und etwa 10 werden pro Behandlung benötigt. Bei näherer Betrachtung der zusätzlichen Angebote der Mediziner zeigt sich auch, dass vormals umstrittene und vehement bekämpfte Therapierichtungen der Heilpraktiker nun auch von Ärzten „gegen Bares“ angeboten werden.

Kathederbehandlung gegen Bandscheibenvorfälle

Unter diesen Voraussetzungen wird begreiflich, dass wissenschaftlich nicht abgeklärte Behandlungsverfahren von immer mehr Ärzten empfohlen werden. Internet, TV-Sendungen und Illustrierte („Schnelle Hilfe ohne Skalpell“, „Hoffnung für Millionen Patienten“) rühren die Werbetrommel. Der Eingriff kostet um die 2000 € und wird nicht von den Krankenkassen honoriert. Empfohlen wird er trotz bekannt gewordener Komplikationen, von Ärzten wahrscheinlich wegen der damit verbundenen Provisionen.

Patientenberich (Zitat Focus-Online): Seinen Penis habe er nach dem Eingriff monatelang nicht gespürt, empört sich Jürgen Hergert. Vor einem Jahr versprach man dem Schmerzgeplagten nach einem Bandscheibenvorfall schnelle und sanfte Hilfe. Ein Medikamentencocktail, der in einem Siegburger Krankenhaus per Katheter in die Nähe des Rückenmarks gespritzt wurde, sollte die Pein beheben. Ergebnis der Behandlung: Die Schmerzen blieben. Hinzu kamen Störungen an Blase und Darm sowie Potenzprobleme. Derzeit hat Hergert kein Gefühl im Gesäß. (Zitat von http://www.focus.de/gesundheit/news/orthopaedie-die-unerforschte-therapie_aid_208120.html)

… und die Krankenkassen?

Da Krankenversicherungen die medizinischen Leistungen honorieren, hätte die von Dr. Gradinger geäußerte Kritik am System längst auffallen müssen. Wahrscheinlich ist das auch der Fall. Krankenkassensachbearbeiter sind jedoch keine Mediziner, sondern Versicherungskaufleute, die ihre medizinische Meinung von den bei ihrer Firma angestellten Vertrauensärzten beziehen.

Vertrauensärzte genießen das Vertrauen der Versicherungen und ihrer Kollegen. Sie sind  somit gleichzeitig Lobbyisten der Ärzteschaft und werden deswegen auch in diesem Sinn unter Interessenwahrnehmung  beratend tätig sein. Angenommen einem Versicherungssachbearbeiter wäre aufgefallen, dass Hüftendoprothesen neuerdings billig gemacht werden. Da er medizinisch keine kompetente Ahnung haben kann, muss er sich für weitere Infos an den Vertrauensarzt wenden. Der wiederum begründet sich möglicherweise mit der besonderen Stoffwechsellage (Diabetes, Lebenserwartung etc.) dieser Patienten und damit sind die, seine ärztlichen Kollegen möglicherweise belastenden Einwände vom Tisch.

Lösungen

Um es gerade heraus zu sagen, Patentlösungen gibt es zu diesem Dilemma nicht. Es kann m.E. nach nur empfohlen werden ärztliche Zweitmeinungen einzuholen und sich keinesfalls auf Angebot einzulassen, die von gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen werden.  Selbst ein Wechsel zur privaten Krankenversicherung sollte, sofern er überhaupt möglich ist, gut überlegt werden, denn hier besteht möglicherweise die Gefahr, das Zuviel Leistungen „verkauft“ werden, um andere Verluste auszugleichen.

 

Weiterführende Literatur 
Klaus Radloff "Die chinesische Medizin kennt keine orthopädischen Krankheiten" 

Meine Website: 
Orthopädie: Die therapeutische Schnapsidee!
und weiteren Themen

http://www.klaus-radloff.com

Der Link zur Behandlungsmethode für Therapeut/Innen 
Energetisch-Statische Behandlung ESB/APM

 
 

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Kommentare

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Klaus_Radloff sagte:
am 23.04.2010
Deine Auffassung, dass der Körper sich weitgehend selbst heilt teile ich voll und der größte Teil meiner Arbeit besteht darin den Organismus zu unterstützen und nicht mit falsch ausgelegten Schematismen zu behindern.

Das die Ernährung dabei eine wichtige Rolle spielt, kann nicht bestritten werden. Nur welche Nahrungsmittel existieren noch in Reinform? Kuchen wird im Kühlschrank gebacken, Bäcker verwenden Backmischungen, fast jeder kann mit Soßenpulvern ein Restaurant eröffnen und der Rest enthält soviel Zusatzstoffe, dass das Durchlesen der Deklaration schon Übelkeit verursacht. Da ist der Einsatz von Vitaminpräparaten nun notwendiges Übel.


Inforitter sagte:
am 23.04.2010
Du beschreibst das immernoch vorherrschende mechanistische Weltbild in der „modernen“ Medizin. Ich bin der Meinung, dass unser Körper für fast alle Krankheiten selbst eine Lösung parat hält. Und dass so Klempnermethoden wie Bypässe usw überflüssig sind, ja sogar langfristig den Körper schädigen.
Anstatt den Körper dabei auf biologische Weise bei der Heilung zu unterstützen. Zum Beispiel mit richtger Ernährung und optimaler Versorgung mit Vitalstoffen.
Trauriges Beispiel: Die in Deutschland noch geltenden Höchstdosierungen für Vitaminpräparate sind viel zu niedrig angesetzt und auch nur hier in DE so niedrig. So daß Vitamine erfolgreich einsetzen richtig teuer werden kann.
Ich habe dabei immer diese Aussage im Kopf: Der Körper heilt sich selbst!
Weiss aber nicht mehr von wem der Satz stammt. Könnte Dr. Murphy sein...


Klaus_Radloff sagte:
am 23.04.2010
„Nichts besonderes“ ist die augenblickliche (23.4.) Bewertung des Artikels. Inhaltlich ist das Thema deutscher Patientenalltag. Exorbitant hohe Krankenkassenbeiträge und magere Leistungen sind üblich, also trifft es auch beim Betrug durch Leistungserbringer zu: Alles normal, und somit absolut „Nichts Besonderes“.

Bezeichnend erscheint mir weiter, das sinnlose Behandlungen offiziell empfohlen und von Krankenkassen honoriert werden. Nicht Lösung der Problematik wird von den Kassen bezahlt, sondern die Beschäftigung damit, egal mit welchem Ergebnis.

Angenommen, jemand hat etwas ihm Unbekömmliches gegessen, bekommt deshalb Nacken- oder Schulterbeschwerden und wendet sich hilfesuchend an einen Therapeuten, der mit seinen Bemühungen in dem Augenblick Erfolg hat, wenn das unbekömmliche oder gar verdorbene Nahrungsmittel ausgeschissen wurde.

Was bin ich doch für ein blöder Hund, der individuelle Lösungen für seine Patienten sucht – sie meist findet – sich die Arbeit kaum bezahlen lassen kann, weil meine Patienten ihr Geld bereits bei Ärzten und der Krankenkasse gelassen haben.

Handarbeit, Reaktionsbeobachtung, Wertung, sowie logisches Denken werden in Gebührenordnungen nur so nebenbei aufgelistet. Der Einsatz von Apparaten wird dagegen verhältnismäßig gut honoriert. Na ja, „Nichts besonderes, alles normal“!


Inforitter sagte:
am 22.04.2010
Naja, es soll doch alles angeblich so effizient wie möglich sein.
Da erscheint mir der Ansatz von Gunter Dueck in „Aufbrechen“ richtig: Weg von der Effizienzgesellschaft hin zur Excellenzgesellschaft!
Meint, dass wir bei unserem Tun darauf achten sollen, was den größtmöglichen Nutzen bringt. Ohne die Kosten mit dem Nutzen abzuwägen.
Beim Modellbau klappt das: Mit größtmöglichen Kosten so wenig Nutzen wie möglich erreichen. So sind wahre Meisterwerke herausgekommen, egal in welcher Sparte ;-)


Klaus_Radloff sagte:
am 22.04.2010
Hola Inforitter
Wie kommst du auf die Idee, dass Marktwirtschaft und Medizin vereinbar sein könnten? Krankenkassen sind die Selbstbedienungsläden der Mediziner. Mir sind Ärzte bekannt, die sich um die Kontrolle der Rechnungen ihrer Kollegen gerne kümmern. Sie bieten ihre kostenlose Mitarbeit bei kassenärztlichen Vereinigungen gerne an, um zu lernen wie aus einem Schnupfen rechnungsmäßig eine handfeste Schweinegrippe gemacht werden, und der Patient zur eierlegenden Wollmilchsau umfunktioniert werden kann.


Inforitter sagte:
am 21.04.2010
Warum nur habe ich das Gefühl dass Marktwirtschaft im Gesundheitsektor nichts zu suchen hat?


Veröffentlicht: 21. April 2010
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