Der Adelstitel in Deutschland seit 1919

Am 14. August 1919 wurde durch die Weimarer Verfasung in Deutschland der Adelstitel als rechtliche Institution abgeschafft. Alle Bürger wurden vor dem Gesetz gleichgestellt, der Adel hatte fortan keine Standesrechte mehr, die Bezeichnungen waren lediglich noch Bestandteil des Namens und die Vorteile beschränken sich - wenn überhaupt - nur noch auf das gesellschaftliche Ansehen. Dadurch, dass der Adel keine rechtliche Institution mehr ist, ist es mittlerweile jedermann möglich, einen Adelstitel zu bekommen. Oft wird das über den Weg der Adoption versucht, der sehr kostenintensiv ist (20.000 Euro sind keine Seltenheit) und gleichzeitig wenig erfolgversprechend, da die Familiengerichte dem Adoptionswunsch oft einen Riegel vorschieben, wenn die Adoption offensichtlich nur den Zweck erfüllen soll, einen Adelstitel weiterzugeben.

Privat organisierte Adelsverbände versuchen seit des schon beinahe inflationären Anstiges der Adelstitel, den alten deutschen Adel in seiner historischen Form zu bewahren. Ins Verzeichnis des Deutschen Adels werden nur Mitglieder aufgenommen, die eine entsprechende blutsverwandtschaftliche Linie vorweisen können.

Einen Adelstitel kaufen - Die Alternative zur Adoption

Auch mit einem durch Adoption erworbenen Adelstitel kommt man nicht in das Verzeichnis des deutschen Adels. Seitdem in den 70er-Jahren der Handel mit Adelstiteln nur so boomte, sah sich die Organisation gezwungen, die Aufnahmeregelungen in den erlauchten Kreis zu verschärfen und auf eine strikte Einhaltung zu achten. Aber um eine Aufnahme ins Adelsverzeichnis geht es den meisten Menschen auch gar nicht, wenn sie einen Adelstitel als Bestandteil ihres Familiennamens kaufen wollen. Sie wollen einen Hauch von Luxus verspüren, eine bevorzugte Behandlung in Hotels und Restaurants genießen oder ihre privaten und geschäftlichen Briefköpfe mit Wappen und Titel schmücken. Einer Erika Mustermann, Gräfin von Musterburg, begegnet man eben anders als einer Frau Erika Mustermann.

Welchen Adelstitel soll ich kaufen?

Wer sich einen Adelstitel kaufen will, sieht sich bald in einem Wirrwarr von in- und ausländischen Angeboten. Eins vorneweg: Gemeinsam ist allen Angeboten, dass sie als Bestandteil des Familiennamens geführt werden dürfen,

Sie können sich nennen, wie Sie wollen!

Allerdings haben Sie keinen Anspruch darauf, dass Ihr neuer Namenszusatz auch in Ihren Ausweis eingetragen wird. Dort ist nämlich gar kein Feld für Adelstitel vorgesehen, da es ihn schlichtweg seit fast 100 Jahren nicht mehr gibt. Allerdings gibt es im Ausweisformular ein Feld für den Künstlernamen. Dort kann man sich unter bestimmten Umständen den gekauften Adelstitel eintragen lassen, wenn man glaubhaft macht, dass man unter diesem Namen national bekannt ist und diesen in Namen in verschiedenen Lebensbereichen verwendet, evt. eine Homepage unter diesem Namen betreibt oder unter diesem Namen öffentlich auftritt oder Korrespondenz führt.

Einen deutschen Adelstitel kaufen

Oft findet man Angebote, dass man einen deutschen Adelstitel kaufen kann, weil es ganz einfach keine Erben für den Titel gibt, also niemanden, der den Titel weiterführt, nachdem der letzte Träger des Titels verstorben ist. Allerdings werden solche Titel oft fälschlicherweise als "ruhende" Titel bezeichnet. Das ist irreführend, denn mit dem Tod des letzten Titelträgers ist der Titel ausgestorben. Und ausgestorben bedeutet, er existiert nicht mehr - und was nicht existiert, kann auch nicht wiederbelebt werden. Dennoch sind die Angebote, einen solchen Titel zu kaufen, durchaus legal. Denn sie bezeichnen nichts anderes als ein Recht, einen Namen zu führen, den eben sonst kein anderer führt. Rechtlich nimmt man den Adelstitel nicht an, sondern man führt den Namen als Künstlernamen, solange das mit dem Gesetz in Einklang steht, das heißt, solange niemand anderes Berechtigtes auf Unterlassung klagt.

Einen ausländischen Adelstitel kaufen - Irische und schottische Adelstitel - inklusive Grundbesitz

Vor allem aus Irland und Schottland gibt es zahlreiche Angebote, wie man Adelstitel kaufen kann. In beiden Ländern ist der Adelstitel oft an einen Grundbesitz gekoppelt. Gewitzte Titelhändler besitzen dort Landgüter und verkaufen diese in kleinen Teilen weiter - selbstverständlich inklusive des dazugehörenden Titels. Sie teilen den Landstrich, der mit dem jeweiligen Titel verbunden ist, auf ihre Käufer auf und vervielfältigen somit den Titel, da jeder Eigentümer der manchmal nur wenige Quadratzentimeter großen Grundstücke berechtigt ist, sich als Landbesitzer zu bezeichnen und somit auch berechtigt ist, den Titel zu führen. Manchmal wird auch nicht das Eigentum, sondern nur der Mitbesitz per Urkunde bescheinigt. Die Urkunden selber sind meistens sehr aufwändig gestaltet und sind als Blickfang für private und geschäftliche Räume bestens geeignet. Oft kann man nicht nur den Adelstitel kaufen, sondern auch noch entsprechendes "Zubehör" dazu, beispielsweise Siegel, Visitenkarten, Wappen und ähnliche Dinge. Oft gibt es für den Ehepartner den Titel kostenlos dazu, er muss also nicht gesondert ebenfalls den Adelstitel kaufen.

Sie können auch exotischere Adelstitel kaufen

Da man ja in allen Fällen nicht die echte Zugehörigkeit zum Adel kauft, sondern lediglich einen Namenszusatz, spielt es auch keine Rolle, um welchen Namen es sich jetzt exakt handelt. Viele alte Namen verbindet man mit bestimmten Charaktereigenschaften und so ist es möglich, sie denjenigen auszusuchen, mit dem man sich identifizieren kann. Es ist aber auch genauso möglich, sich auf Robin Hoods Spuren zu begeben und sich "Graf von Sherwood Forest" zu nennen oder gar einen komplett erfundenen Namen zu wählen, "Lieschen Gräfin von der Dorfwiese". Einige Titelhändler bieten auch Grundstücke auf dem Meeresgrund an, verbunden mit klangvollen Namen wie "Lord of Pacific Ocean" oder "Atlantic Sealord".

 

Sophie1975, am 27.05.2012
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Kerstin Schuster (Vereinheitlichtes EU-Gesetz - neue Regelungen und Richtlinien im On...)

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