Sprachschludereien weit verbreitet - Auch rennomierte Autoren und Verlage sind nicht gefeit.

Sprachschludereien weit verbreitet

Selbst angesehene Autoren und Lektoren bedeutender Verlage sind nicht davor gefeit, blödsinnige Formulierungen und Wörter zu verwenden oder durchgehen zu lassen. Sie beförden (unbewusst) "Schlechtsprech" in der Alltagssprache.

Eines der schönsten Beispiele für diese Feststellung ist die absurde Formulierung: "Über die rote Ampel gefahren." Man stelle sich dieses Kunststück einmal in der Praxis vor!

Das folgende Geschichtchen enthält mehrere solcher unsinnigen Worte und Sprüche. Leser mit gutem Sprachgefühl werden die Missbildungen schnell entdecken und brauchen erst gar nicht unten zu spicken:

Missvergnügt kritzelte ich auf meiner Schreibtischunterlage herum und sinnierte über eine Auszeit. Vielleicht dort, wo die Welt aus Bayern besteht, die der Bayerische Rundpunkt beständig preist?"Ja, das wär‘s!"

Der Wetterbericht sagte Sonnenschein im Zielgebiet voraus. Also schnell gepackt, rein ins Auto und ab.

"Ich fuhr über die rote Ampel" - wie geht das?

Leider kam ich nicht weit, denn in meinem Glücksgefühl überfuhr ich eine rote Ampel und rammte ein Fahrzeug auf der bevorrechtigten Straße.

Das bedeutete Ärger mit der Polizei, eine sündteuere Unfallinstandsetzung und obendrein eine saftige Buße.

In unmittelbarer Nähe stand ein Fahrzeug zur Straßenunterhaltung. Allerdings schienen die Go-Go-Girls, die Band oder was immer zur Kurzweil des Asphaltteppichs aufgeboten wurde, gerade große Pause zu machen.

Deshalb schoben wir mit vereinten Kräften die beiden Unfallwagen dort hin. Der ganze Stress war mir auf die Blase geschlagen; ich musste dringend auf die Toilette. Zum Glück gehörte eine solche zum Straßenunterhaltungsfuhrpark.

Zu meinem Pech saß aber einer der Unterhaltungsmenschen vor der Tür und blockierte den Eingang. Höflich fragte ich: "Kann ich eintreten?" Antwort: "Probiern Sie's halt." Er rückte ein Stück beiseite und ich entbot ihm ein erleichtertes "Danke!"

"Gerne",gab er zurück und nuckelte weiter Apfelsaft mit seinem Strohhalm.

Wie heißt es korrekt?

  • "Schreibtischunterlage": Richtig ist Schreibunterlage.
  • "Welt aus Bayern": Dämlicher Werbespruch, der entweder signalisiert, dass die Welt aus Bayern gemacht ist oder falsche Sparsamkeit. Dann müsste es heißen: Die Welt aus Bayern betrachtet. Wetterbericht: Berichtet kann erst dann werden, wenn sich etwas ereignet hat. Das Wetter von Morgen kann nur vorhergesagt werden (Wettervorhersage)
  • "Überfuhr eine rote Ampel": Realitätsferne artistische Übung (siehe oben)
  • "Unfallinstandsetzung": Man kann ein Auto oder ein Haus instand setzen, aber keinen Unfall (den würde man nach dieser Schreibe wiederholen).
  • "Kann ich eintreten?": Das Wörtchen "kann" wird beinahe inflationär statt "darf" gebraucht. Wie hier dargestellt bedeutet die Formulierung, dass mir mein Gegenüber bescheinigt, dass ich in der Lage bin einzutreten.
  • "Gerne": ist so ein Modewort, das einem "Danke" hinterherlatscht. Früher hieß das mal "Gern geschehen."
  • "Strohhalm": Strohhalme werden zum Beispiel für weihnachtliche Strohsterne verwendet. Heutzutage sind die Trinkhalme aus Kunststoff und heißen auch so.

Eine kleine Bitte:

Wenn Ihnen solche Wort- und Satzschludereien begegnen, würde ich mich über eine Nachricht  sehr freuen.

federfuchs, am 16.02.2011
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Bildquelle:
W. Zeckai (Wie macht man eine Lesung erfolgreich?)
© Elisabeth R. Meier (photographer) (Ich schreibe ein Drehbuch)

Autor seit 3 Jahren
8 Seiten
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