Als dem starken August schwante, dass seine geliebte Mätresse und Mutter seiner drei Kinder, sich mehr und mehr in den Vordergrund spielte, wichtige Entscheidungen entgegen seinem Willen traf und sich viele Feinde am Hofe gemacht hatte, ließ er sie 1713 eiskalt fallen. Was ihm anfangs noch imponierte, wurde ihm plötzlich zu heiß. Anna Constantia von Cosel sagte ihm viele Dinge voraus, die tatsächlich eintrafen, warnte ihn vor unüberlegten Machtspielchen auf politischer Ebene in den polnischen Fürstenhäusern. Versessen kämpfte Friedrich August I darum, den Königstitel im katholischen Polen wieder zu gewinnen, den er verloren hatte, als er eine Niederlage im Großen Nordischen Krieg gegen die Schweden erlitt.
Gräfin von Cosel sah voraus, was kommen musste und dies kränkte den gerechten, starken und unverwundbaren Friedrich August den Ersten in seiner königlichen Ehre. Er wollte zurückerobern, was ihm „gehörte“ - den polnischen Königstitel. Da gab es bereits eine neue Frau, die ihm seinem Ziel sehr viel näher bringen konnte und so entschied er sich für eine Verbindung mit der zwar recht hübschen, jedoch nicht unbedingt geistreichen Maria Magdalena Gräfin Dönhoff. August der Starke handelte ziemlich schnell. Er verbannte seine einst liebste Mätresse - Gräfin von Cosel - vom sächsischen Hofe, mit der Auflage, dass sie diesen nie wieder zu betreten hatte. Die Gräfin zog sich nach Pillnitz zurück, wo sie sich zunächst mit der Umgestaltung des Schlosses befasste, welches August der Starke eigens für sie erworben hatte.
Nach Berlin reiste die Gräfin im Jahre 1715, um dort den Ehevertrag zu beschaffen, den sie an August den Starken aushändigen sollte. Er hatte der damals 24-Jährigen Holsteinerin die Ehe versprochen, sobald seine Angetraute - Christiane Eberhardine - das Zeitliche gesegnet hätte. Überdies hatte er sich bereit erklärt, Anna Constantina pro Jahr 100 000 Taler zu zahlen. Da die Cosel allerdings Schloss Pillnitz nicht verlassen durfte, wurde der Gräfin „Landesverrat“ vorgeworfen. Immerhin waren die Preußen politische Gegner und es war zu befürchten, dass die gewitzte Gräfin, brisante Staatsgeheimnisse in Berlin ausplauderte. August der Starke ordnete die sofortige Auslieferung seiner ehemaligen Mätresse an, da diese sich mehrfach weigerte, freiwillig nach Dresden zurückzukehren. Daraufhin wird Anna Constantia festgenommen und unter Arrest gestellt.
Wie es heißt, soll die Reichsgräfin von Soldaten mehrmals vergewaltigt worden sein, woraufhin sie auf das Schloss Nossen gebracht wurde. Dort erlitt die gepeinigte Gräfin einen Schlaganfall. Unter der strengen Aufsicht von 40 Männern, die sie rund um die Uhr bewachten, verweilte die kranke Reichsgräfin auf Schloss Nossen, um sich von ihrem Martyrium und dem Schlaganfall zu erholen. Jeglicher Schriftverkehr wurde ihr strengstens untersagt. Jeder noch so schwache Schritt, der von der schweren Krankheit gezeichneten Gräfin, wurde mit Argusaugen verfolgt, um einen möglichen Fluchtversuch zu verhindern.
Kommentare
@sissilu, herzlichen Dank für das große Lob.
Wünsche ebenfalls noch ein schönes Wochenende.
LG Kerstin
A la bonheur: Sie recherchieren sehr intensiv und das macht Ihre guten Artikel aus. Ihre prägnante Formulierung macht Freude beim Lesen. Schönes WE
Vielen Dank für eure Kommentare. @Heike, ich war als Kind nur einmal auf der Burg Stolpen. Mein Ausflug dorthin vergangene Woche veranlasste mich dazu, diesen Artikel zu schreiben. Richtige Fleißarbeit habe ich in meinem Blog geleistet, ich fand nämlich kein Ende : ) Heute ist mein persönlicher "Reisebericht" von Dresden nach Stolpen endlich fertig geworden und die Fotos sind auch sehr schön. Lest doch einfach mal rein und schaut euch die Bilder an. http://dresden-reise-elbflorenz.blogs...
LG Kerstin
Ein feines Lotterleben hatten die damals. Schön zu lesen.
LG Merlin
Mir gefällt der Artikel auch.
Er liest sich spannend und es macht Spass etwas dazu zu lernen.
LG und einen Daumen
Petra
Mir gefällt der Artikel auch.
Er liest sich spannend und es macht Spass etwas dazu zu lernen.
LG und einen Daumen
Petra
Ich war schon immer von der Gräfin Cosel fasziniert, habe viel über sie gelesen und war auch schon mehrmals in Stolpen. Finde das immer wieder beeindruckend, wie es diese Frau so viele Jahre dort aushalten konnte. Trotzdem habe ich in dem Artikel noch viele neue Dinge erfahren. Sehr ausführlich und sehr interessant!
LG Heike
So früh am Morgen schon wieder soviel dazugelernt … Werde mir den Artikel später nochmals genauer durchlesen!
LG Efes
Das war mal wieder ein spannender Artikel!
Liebe Grüße,
Angela