Aus dem "Faktencheck Gesundheit" geht hervor, dass Kinder zu häufig und oft auch unnötig Antibiotika einnehmen. Laut Untersuchungen erhielten im Jahr 2009 ganze 38 Prozent aller Kinder und Jugendlichen das Medikament verordnet. Noch schlimmer sieht es bei den Drei- bis Sechsjährigen aus. Mehr als 50 Prozent der Patientengruppe wurden mit Antibiotika behandelt. In den meisten Fällen hätte die Antibiotika-Kur vermieden werden können. 

Antibiotika und die Folgen für Kinder

Antibiotika und die Folgen für Kinder (Bild: Benjamin Thorn / pixelio.de)

Warum werden Antibiotika verschrieben?

Antibiotika gelten als wirkungsvolles Medikament - aber nur gegen Bakterien!!! Das Antibiotikum hemmt des Wachstum von Bakterien oder tötet diese vollständig ab. Gegen gefährliche bakterielle Erkrankungen ist Antibiotika sehr sinnvoll, beispielsweise Lungenentzündungen, Keuchhusten, Hirnhautentzündungen, Scharlach oder Tetanus. Gegen Viren ist Antibiotika allerdings nutzlos und sogar gefährlich. 

Die erschreckende Wahrheit sieht aber folgendermaßen aus: Viele Hausärzte und Kinderärzte verschreiben Antibiotika bei jedem kleinen Husten. Demnach auch bei Viruserkrankungen. Also dann, wenn das Mittel gar nicht hilft. Die Gründe sind recht mannigfaltig. Zum einen werden Antibiotika oft als Wundermittel hochgelobt, zum anderen wünschen Eltern die Verabreichung um ein wenig beruhigt zu werden und außerdem soll alles möglichst schnell gehen. 

Antibiotika falsch verordnet!!!

Antibiotika wird schnell bei Husten, Schnupfen, Grippe oder Halsschmerzen verschrieben. Allerdings werden diese Erkrankungen in 80 Prozent aller Fälle von Viren hervorgerufen. Selbst bei Mittelohrentzündungen handelt es sich meist um virale Infekte. Sogar die Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften raten in den genannten Fällen von einer Antibiotika-Behandlung ab. Dennoch halten sich nur wenige Ärzte daran. 

Was ist so schlimm...

  • Antibiotika töten Bakterien ab: Die Wirkung der Antibiotika ist während einer schweren bakteriellen Erkrankung selbstverständlich sehr viel wert. Aber die Antibiotika töten auch dann Bakterien ab, wenn es sich um eine Viruserkrankung handelt. In diesem Fall werden keine gefährlichen, sondern notwendige Bakterien angegriffen. Im menschlichen Darm befinden sich Bakterien, die für das Immunsystem notwendig sind. Die Antibiotika hemmen das Wachstum dieser wichtigen Bakterien oder bekämpfen sie vollständig. Infolge dessen wird das Immunsystem sehr stark belastet. Es kann zu Durchfallerkrankungen, Erbrechen und Übelkeit kommen. Nach der Behandlung mit Antibiotika müssen sich diese nützlichen Darmbakterien wieder regenerieren. Wenn aber binnen kürzester Zeit weitere Antibiotika verschrieben werden, können sich die Bakterien nicht schnell genug wieder aufbauen und es folgen weitere Komplikationen
  • Resistenzen werden aufgebaut: Besonders problematisch ist die Tatsache, dass Bakterien anpassungsfähig sind. Sie können gegenüber Antibiotika Resistenzen aufbauen. Bedeutet, die Antibiotika erzielen keine Wirkung mehr. Mittlerweile sind bereits etliche Bakterienstämme bekannt, die gegenüber den gängigsten Antibiotika resistent sind. Infolge dessen muss oft auf Ersatzmittel zurückgegriffen werden, die eigentlich den besonders schwierigen Erkrankungen vorbehalten sind. Ferner kann dieser Umstand lebensgefährlich enden. Als Beispiel: Das Kind hat eine lebensbedrohliche Lungenentzündung, die von Bakterien hervorgerufen wird, die auf keine Antibiotika mehr ansprechen!

Ratgeber für Eltern...

1. Antibiotika nur, wenn Krankheit durch Bakterien hervorgerufen wurde!!! 

Im Zweifelsfall sollte eine Blutuntersuchung oder ein Rachenabstrich vorgenommen werden. Über beide Maßnahmen lässt sich feststellen, ob es sich um eine virale oder bakterielle Erkrankung handelt.

2. Bei viralen Infektionen Antibiotika ausschließen!!!

Auch wenn Antibiotika in gewisser Weise beruhigen, sollten sie keinesfalls gegeben werden, wenn es sich um eine virale Infektion handelt. Hustensäfte, Fiebermittel, Nasentropfen oder Sprays genügen. 

3. Halsschmerzen, Ohrenschmerzen und weitere Schmerzen

Bei Schmerzen jeder Art helfen Schmerzzäpfchen. Bei Halsschmerzen können auch Bonbons nützlich sein. Außerdem empfiehlt sich ein fester Schal. 

4. Fieber sicher behandeln

Fieberzäpfchen werden noch lieber verschrieben als Antibiotika, sollten aber erst gegeben werden, wenn die Temperatur über 39 Grad steigt. Hilfreich sind auch lauwarme Wadenwickel (bitte nur, wenn die Waden des Kindes heiß sind, keinesfalls wenn diese kalt sind). Persönlich bevorzuge ich Fiebersaft, beispielsweise von Nurofen - ist für die Kinder wesentlich angenehmer. Empfehlenswerte homöopathische Fiebermittel: Belladonna Globoli und Weleda Zahnungs- und Fieberzäpfchen. 

5. Wenn der Husten kommt

Gegen Husten helfen Hustensäfte. Beispielsweise Mucusolvan oder Prospan. Außerdem sind Inhalationen zu empfehlen - insbesondere, wenn es sich um einen hartnäckigen Schleimhusten handelt. Beispielsweise mit Kochsalzlösungen. Alternativ können auch Salben zum Einreiben Linderung schaffen - etwa Eucabal-Balsam. 

6. Dem Schnupfen ein Ende setzen

Die verschnupfte Nase kann besonders lästig werden. Hier helfen Nasentropen oder Sprays. Für die Kleinsten zum Beispiel von Nasivin oder Olynth. Zusätzlich sollte auf eine angenehme Luftfeuchtigkeit geachtet werden. Zu trockene Raumluft reizt die Nasenschleimhäute. Beispielsweise genügt ein Schälchen Wasser auf der Heizung. Bei einer verstopften Nase kann inhalieren mit Kamille oder Pfefferminze helfen. Wie beim Husten empfiehlt sich auch hier das Eucabal-Balsam oder andere Alternativen. 

Zu guter Letzt
Viel Ruhe, Schlaf und Flüssigkeit - idealerweise Tees!!!

Erfahrungsbericht...

Abschließend möchte ich noch einen kleinen Erfahrungsbericht schreiben. Der Hauptgrund für diesen Artikel, für den ich gerne mit meinem Gesicht geradestehe. 

Mein Sohn, jetzt ein Jahr und drei Monate jung, sollte erstmals mit zwei Monaten Antibiotika einnehmen - obwohl es sich um eine Virusinfektion handelte. In den folgenden Monaten kamen weitere Verordnungen hinzu. Ich vertraute den Ärzten und habe mich, zugegeben, nicht rechtzeitig schlaugemacht. 

Aktueller Stand - durchgehend krank seit etwa zwei bis drei Monaten. Dabei mindestens alle drei Tage hochfiebernd. Im Moment: Vor drei Wochen Antibiotika wegen beginnender Bronchitis (Herkunft bakterieller Art). Keine Besserung. Seit vier Tagen, beginnende Lungenentzündung. Eine weitere Antibiotika-Verordnung folgte (anderes Mittel - Bakterienart bekannt). Bislang keine Besserung. Stattdessen Erbrechen, Durchfall und Magenkrämpfe, Schläfrigkeit, teils Apathie, Appetitlosigkeit. 

Zwischenstand: Gestern wurde der Kleine endlich in das Krankenhaus eingeliefert. Das Gespräch mit dem Chefarzt hat mich erschüttert. Nur wenige Stunden später und es wäre zu spät gewesen. Laut Chefarzt haben die Antibiotika so extrem durchgeschlagen, dass er einen extremen Flüssigkeitsverlust hatte. Das Schlimmste: Auch unsere neue Kinderärztin lag falsch. Es ist nicht die von ihr "erkannte" Bakterienart, sondern ein Viruseffekt!!! Außerdem eine möglicherweise unerkannte Stoffwechselerkrankung. Der Kleine wurde höchstwahrscheinlich über Monate hinweg falsch behandelt, selbst nach einem Arztwechsel. Jetzt geht es endlich bergauf, denn der Chefarzt hat sofort!!! Spezialuntersuchungen angefordert und die Antibiotikaverabreichung eingestellt.

Bevor jemand denkt, wir hätten uns nicht richtig gekümmert: Wir waren innerhalb der letzten drei Monate zweimal pro Woche bei der Kinderärztin, in einigen Wochen auch dreimal. Zuletzt waren wir drei Tage hintereinander täglich bei der Kinderärztin. Der Kleine liegt dieses Jahr zum vierten Mal!!! im Krankenhaus. 

Mittlerweile, leider zu spät, sind wir schlauer und haben den Kinderarzt gewechselt. Haben Heilpraktiker hinzugezogen und hoffen, dass es besser wird. In diesem Sinne mein Rat: Die Antibiotika-Einnahme sollte zwingend genau überprüft werden und nicht aus dem Bauchgefühl heraus entscheiden. 

schreibmaus, am 16.04.2012

Kommentare


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Nora am 22.04.2013
Hallo, Danke für dein Artikel, hat mir sehr viel geholfen. Meinem Sohn (15 Monate alt) hat auch Antibiotika für rin Virusinfekt bekommen. Ich habe es ihm aber nicht gegeben, hatte aber ein schlechtes Gewissen, dass ich es doch geben sollte!? Nach deinem Artikel bin ich mir sicher, dass wir ohne auskommen! Hoffe deinem Sohn geht es gut, und die Dauerkrankheit ist längst vorbei. Grüße Nora
Merlin am 17.04.2012
Da drück ich Euch für den Nachwuchs nicht nur den/die virtuellen Daumen. LG Merlin
Hanna am 17.04.2012
@Susivital Danke, das werde ich mir mal sofort aufschreiben und bei der nächsten Gelegenheit die Kinderärztin fragen. Wir haben eh demnächst einen U Termin. :) Danke!
susivital am 17.04.2012
Es ist wirklich schade, dass ein wirklich lebensrettende Mittel so missbraucht wird. Meine zwei (mittlerweile fast 6 und 4) sind bisher komplett ohne Antibiotika ausgekommen. Allerdings werden auch beide seit der Geburt klassisch Homöopathisch betreut. So manches mal war ich zwar am Zweifeln, ob das so alles funktioniert, aber bisher ist alles immer gut vorüber gegangen. Auch Scharlach wurde rein Homöopathisch behandelt, sowie ein Harnwegsinfekt. @ Hanna Gut für Kinder eignet sich auch die Darmaufbauserie von Symbiopharm. Es besteht aus drei verschiedenen Fläschen. Zuerst wird Pro-Symbioflor, dann Symbioflor I und dann Symbioflor II gegeben. Ich habe das schon vom Kinderarzt verschrieben bekommen. Ansonsten kann man das auch selber kaufen. VG Susi
kaktus am 17.04.2012
Meine Frau ist eine sehr schulmedizinische Krankenschwester. Hänschen bekommt auch bei Viruskrankheiten Antibiotika. Sehr gut informiert, verdient 3 Däumchen. jurgko
schreibmaus am 17.04.2012
Ich denke, das Problem ist auch, dass vor allem junge Eltern nicht ausreichend über die Nebenwirkungen und möglichen Folgen informiert sind und werden. Ich selber war es leider auch nicht. Mein Kleiner wurde heute von unserer neuen Kinderärztin ins Krankenhaus eingewiesen, weil 1. die Darmflora zerstört ist und 2. das Antibiotika nicht mehr anschlägt, er die Nahrungsaufnahme komplett verweigert und sein Flüssigkeitshaushalt total im Keller ist. Freilich wäre es etwas einfach, alles auf das Antibiotika zu schieben, doch selbst die Kinderärztin musste heute zugeben, dass es mehr Schaden als Nutzen angerichtet hat. Ich denke, die Ärzte wollen meist schön schnell handeln, weil einfach nicht genug Zeit für alle Patienten da ist. Viele nehmen sich nicht mal ausreichend Zeit, um mit den Eltern den Gesundheitszustand zu besprechen, oft wird nur mit halben Ohr hingehört oder gar nicht richtig informiert. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es bei mir als Kind genauso war. Ich glaube ich musste noch gar kein Antibiotika einnehmen (jedenfalls soweit ich mich erinnern kann). Liebe Grüße Moni
AlphaBeta am 17.04.2012
Leider verordnen Ärzte immer noch viel zu oft Antibiotika. Keine Ahnung, warum nicht erst genau analysiert wird, woher die Krankheit kommt. Zum Aufbau der Darmflora ist auch Mutaflor zu empfehlen. Bei Kindern wird dies auch von den Kassen übernommen.
Hanna am 17.04.2012
Hallo Moni, ja die Heilnahrung von Humana kennen wir. Ganz am Anfang haben wir sie genommen. Nils hat sie gut gemocht, vor allem wegen dem Bananen Geschmack. Er liebt Bananen über alles. Der Körper verlangt manchmal nach dem, was er braucht und ihm gut tut. So langsam geht es. Eine Packung steht immer noch in der Küche für den Notfall. Der länger anhaltende Durchfall erleichtert auch nicht gerade das Trocken werden. Ich merke auch, dass wenn er zu viel Milch zu sich nimmt, er auch öffter muss. Wenn sie reduziert wird, ist auch der Stuhl fester. Der Rat kam auch durch einen Arzt. Das hat uns auch weiter geholfen. Danke für deine Tipps... Deine Seite ist richtig wertvoll für Mütter! Danke ;)

Autor seit 3 Jahren
134 Seiten
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