ARD und ZDF an der Zuschauerquote orientiert

Öffentlich-rechtliche Programme verflachen - Aufholjagd mit Privatvernsehen bei den Zuschauerzahlen

Nun also auch die Sportler! War die Kritik an den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern von ARD und ZDF bisher eher in den Kulturteilen der Zeitungen und Zeitschriften zuhause, mäkeln nun auch kleinere Sportverbände wie der Deutsche Ruderverband an der eingeschränkten Live-Berichterstattung zugunsten der Massenmagneten, die Zuschauerquote bringen.

Gewichtheber-Präsident Klaus Umbach bemängelt: »Kleine Sportarten werden fast nicht mehr rübergebracht. Wenn man nicht gerade einen Olympiasieger als Zugpferd hat. « Auch beim Deutschen Basketball-Bund sieht man sich von ARD und ZDF vernachlässigt. Seit Jahren spiele nicht einmal die Nationalmannschaft eine Rolle, klagte Präsident Ingo Weiss. Beim Tischtennis sind für das Fernsehen zahlreiche Regeln geändert worden. Trotzdem gab es nicht mehr Fernsehzeit.

Auch die Volleyballer haben die Regeln den Forderungen der Fernsehmacher angepasst. Zugeständnisse des Schwimm-Verbands ans Fernsehen brachten bei den letzten Deutschen Meisterschaften zwar gute TV-Quoten. Bezahlen mussten aber die Mehrfachstarter unter den Endrundenteilnehmern mit Abstrichen bei den Pausen.

Beim Tischtennis wurden ebenfalls Regeln für die Fernsehtauglichkeit geändert. Die neue Zählweise und die größeren Bälle führten aber keineswegs zu mehr Fernsehzeit.

Fazit: Von einem Gleichgewicht zwischen Massensportarten wie Fußball und weniger den verbreiteten Sportarten wie beispielsweise Leichtathletik sind ARD und ZDF weit entfernt. Die Deutschen Leichtathletik-Asse und ihre Verbände forderten darum in einem offenen Brief an alle Intendanten von ARD und ZDF, die für den Sport bestimmten Gebühreneinnahmen und die Sendezeiten »in einem angemessenen Verhältnis für die Vielfalt des Sports zu verwenden« und nicht auf eine Sportart zu konzentrieren. Die Programme von ARD und ZDF werden über Gebühren finanziert und dürfen sich auf Grund ihres öffentlich-rechtlichen Auftrags nicht an der Zuschauerquote orientieren.

Fußball bei Live-Übertragungen privilegiert

Die Privilegierung des Fußballs dürfte wohl ebenso der Quote geschuldet sein, wie weite Teile der TV-Unterhaltung, in denen dieser Fetisch die Regie hinter der Regie führt. "Die Quote ist der Widerspruch schlechthin zur Gebührenfinanzierung. Die Quote heißt Markt, die Gebühr heißt Unabhängigkeit vom Markt. Mit anderen Worten: Wenn das öffentlich-rechtliche System seine Legitimationskrise lösen will, dann muss es sich zwischen Quote und Gebühr entscheiden." (Jens Jessen in ZEIT-Online)

Der Staat jedenfalls "duldet die Gebührenfinanzierung eines Systems, das sich diese Qualität nur am Rande und nur in Ausnahmen leistet". (Jessen)

ARD und ZDF sind der Meinungsvielfalt verpflichtet

Der hehre Anspruch aus der Präambel des Rundfunkstaatsvertrages (RundfStV) "Öffentlich-rechtlicher Rundfunk und privater Rundfunk sind der freien, individuellen und öffentlichen Meinungsbildung, sowie der Meinungsvielfalt verpflichtet" hält jedenfalls einer Wirklichkeit nicht stand, die ohne Not mit Boulevardmedien konkurriert, die bekanntlich keinen hohen Intelligenzquotienten erfordern.

Ohne Not deshalb, weil die Öffentlich-Rechtlichen nämlich gebührenfinanziert und darum eigentlich auf Werbeeinahmen nicht angewiesen sind.

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Hohe Fernsehgebühren für weniger Qualität

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Qualität wird in Spartensender verbannt

Das Verbannen der Qualität in Spartensender, beziehungsweise in die späten Nachtstunden, lässt den Schluss zu, dass die Verantwortlichen in den Fernsehanstalten der Meinungsvielfalt im Sinne der Präambel des RundfStV nicht nachkommen - oder nicht nachkommen wollen, weil die Unterhaltung auf Quotenförmigkeit getrimmt werden soll. Die Zuschauerquote bringe den Beweis dafür "dass die Zuschauer ihre geistige Lage nicht gebessert sehen wollten", argumentieren die Programmmacher (laut Jessen).

In diesem Zusammenhang sei die Überlegung erlaubt, ob ARD und ZDF nicht jeweils einen ihrer wiederkäuenden Spartensender wie einsplus oder zdf-neo in einen reinen Sportsender verwandeln könnten. Darüber würden sich bestimmt alle Zuschauer freuen, die nicht dauernd auf ihre Favoriten-Programme verzichten müssten, weil "ihre" Sendung beispielsweise Kickern und ihren Fans geopfert wird - oder ihre Schlafgewohnheiten nicht den Gesetzen der Quizsendungen anpassen müssten, die ihre meist ohnehin schon lange Sendezeit regelmäßig überziehen. Das ist eine grobe Unhöflichkeit gegenüber den Zuschauern, die auf das Folge-Programm warten müssen.

federfuchs, am 02.03.2011

Kommentare


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Grace am 08.03.2011

Obwohl ja ARD und ZDF immer noch erholsam sind, die privaten Sender sind ja nicht mehr zu ertragen. Wenn überhaupt, dann schau ich mir den BR an, Filme auf ORF oder Dokumentationen. Da fällt mir ein, ich hab seit Monaten nicht mehr ferngesehen, ich hab da nur noch eine dunkle Erinnerung an "Das Supertalent".... und dann hab ich abgeschalten - sollte mal testen, ob mein Fernseher überhaupt noch funktioniert. ;-)

Krimifreundin am 08.03.2011

Ich schalte oft auf die dritten Programme um oder auf 3Sat oder ARTE, wo anspruchsvolle Angebote zu finden sind.

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