Von klein auf war ich fasziniert von den Cartwrights und ihrem chinesischen Koch Hop Sing. Zuerst waren es die schönen Pferde, die mich fesselten, später der fesche Little Joe in seinem grünen Wildlederjäckchen (wobei ich gestehen muss, dass ich jeden der Schauspieler auf seine Art toll fand). Später hielten mich besonders die ausgeklügelten, oft humorvollen aber auch dramatischen und nicht selten psychologischen Geschichten bei Stange und Pernell Roberts samtweiche Stimme, bei der gelegentlich der prominente Südstaatenakzent durchbricht. Was irgendwie witzig ist eingedenk des Konzepts der Charaktere. Adams Mutter sollte ein Yankee sein, Little Joes Mutter eins Südstaatenschönheit aus New Orleans. Im echten Leben war nämlich Michael Landon der Yankee, und Mr. Roberts der "Redneck".

Als Fan war ich unglaublich froh, als in Deutschland vor einigen Jahren die vollständigen Staffeln auf DVD veröffentlicht wurden. Zumindest die ersten sechs konnte ich mir nicht entgehen lassen. Highlights darauf sind für mich "The Quality of Mercy" (deutscher Titel: "Die Erlösung"), in der sich Little Joe mit dem Dilemma der Sterbehilfe konfrontiert sieht, "The Hayburner" ("Little Joe setzt auf Sieg"), "The Crucible" (Adam Cartwright geht durch die Hölle"), in der Adam auf einen wahnsinnigen Lee Marvin trifft und es zu einem psychologischen Machtkampf zwischen beiden Männern in einsamer Wildnis kommt. An Dramatik und Spannung war das kaum zu überbieten. Und auch der Humor kam nie zu kurz und wirkt immer noch frisch. Vorrangig ging es in jeder Episode jedoch darum, sich einander trotz aller Unterschiede zu akzeptieren und nie vorschnell über Andersdenkende zu urteilen. Was, wie ich finde, eine wichtige Botschaft ist. Heute vielleicht wichtiger als damals.

Die Frauengeschichten haben mich nie wirklich interessiert, denn es war ja klar, dass eine Frau auf der Ponderosa undenkbar war und kein Existenzrecht von Dauer hatte. Hätte ja den ganzen Spaß verdorben. Meist waren das ohnehin Püppchen, die bei den rauhen Bedingungen im Cartwright-Imperium keinen halben Tag überlebt hätten, da sie schon beim Zuschauen der Rinderkennzeichnung mittels Branding in Ohnmacht fielen.

Eigentlich möchte ich aber nicht über die Serie plaudern, sondern eine Rarität vorstellen. Dass die vier Herren und besonders Pernell Roberts erstaunlich gute Sänger waren und letzterer in den 1960ern mit einem Folk-Album recht erfolgreich war, ist gewiss nicht vielen bekannt, obwohl man ihn in der Serie bisweilen gekonnt die Klampfe zupfen sieht. Mit der Veröffentlichung der DVDs kam zugleich eine Zusammenstellung des Albums "Come all ye fair and tender ladies" und den gesanglichen Versuchen der übrigen Familienmitglieder heraus, und die sind wirklich gut gelungen.

Selbst mein Besuch aus Amerika war verblüfft, als ich bei meinem morgendlichen Bellicon-Training schnaufend erklärte, dass Adam Cartwright mich hier mit dem Bold Soldier oder der Lily of the West auf Trab hält. Sie waren derart angetan, dass sie mich baten, ihnen eine Kopie der Platte anzufertigen (hab sie ihnen dann geschenkt).

Auch "Pa" Lorne Greene überrascht mehr oder weniger mit großer Stimmresonanz. Zwar meinte er anlässlich eines Treffens mit seiner deutschen Synchronstimme Friedrich Schütter, dieser habe die besseren vokalen Qualitäten als strenger Patriarch, aber ob das als Kompliment gemeint war, sei dahingestellt. Ich finde Pa im Original einfach netter mit seinen Jungs. Wirklich streng ist er nur ganz selten bei Gelegenheiten, in denen es anders nicht möglich ist. Im Prinzip ist Ben Cartwright der Übervater; einer, von dem Jungs nur träumen können. Und manchmal sogar zu weichherzig. Aber trotzdem immer sympathisch.

Die beiden Jüngeren - Michael Landon und Dan Blocker - sind eigentlich eher Spaßsänger. Vor allem von Hoss erwartet man auch nichts anderes. Aber irgendwie hat das auch seinen Reiz, und die Lieder, die alle vier zusammen zum besten geben, haben gerade wegen ihrer unterschiedlichen Stimmlagen hohen Unterhaltungswert.

Letztes Jahr im Januar ist Pernell Roberts im Alter von 81 Jahren als letzter der Cartwrights an Bauchspeicheldrüsenkrebs verstorben - und ehrlich, ich habe ein paar Tränchen verdrückt, als ich es im Radio gehört habe. Seine Populariät steigerte sich übrigens erst mit wachsender Frauenbeteiligung unter den Fans - vorher war er buchstäblich das schwarze Schaf, da er aus künstlerischen Gründen aus der Serie ausstieg, was unter Produzenten und Schauspielkollegen für Unmut gesorgt hat. Obwohl die Produzenten ihm die Option offen hielten, zurückzukommen, hat er das Angebot nie genutzt und tauchte stattdessen höchstens mal namentlich auf, wenn Little Joe im Wundfieber phantasiert hat.

Erstaunlich immerhin, dass der kleine und der große Bruder scheinbar inniger miteinander verbunden waren, als es das Gezeigte auf dem Bildschirm vermuten lässt.

Privat sollen sich die beiden übrigens sehr gut verstanden haben, und dass Lorne Greene für die erwachsenen Buben wie ein Vater war, versteht sich fast von selbst.

 

 

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Christine, am 21.03.2011

Kommentare


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Gerhard am 13.11.2012

Hallo Zusammen,

auch bin ein ein großer Fan von Bonanza. Vor allem mag ich Folgen, in denen Hoss und Little Joe irgendwas zusammen aushecken dass dann meist sehr humorisch endet. Verweisen möchte ich da z. b. auf die Folge "das spanische Abenteuer" aus der ersten Staffel, wo Hoss und Joe eigentlich nur einen neuen Zuchtbullen von einem mexikanischen Züchter holen sollen und dann ein komplettes Wagengespann und eine mexikanische Familie mitbringen und sie dort auch allerhand Unsinn getrieben haben (Beinahe-Hochzeit, Duell mit Degen, ein Ringkampf von Hoss mit einem Bären usw). Oder dann mag ich noch so Folgen, in denen alle Cartwrights involviert sind. So. z. B. aus der 3. Staffel "Überfall in Alkali". Am liebsten von den vieren mag ich übrigens Little Joe, wobei ich finde, dass jeder auf seine Art irgendwie klasse ist.

Michaela am 01.01.2012

Stimmt, Christine, das war genau diese Folge - wusste ich allerdings nicht, dass die Schauspielerin Sean Penns Mutter ist. Wieder dazu gelernt! :)
Ich mochte auch immer die humorvollen Episoden ganz besonders gerne. Da war doch noch eine mit Little Joe, Hoss und einem Fenster ... ? Das war früher auch eine meiner Lieblingsfolgen. Erinnere mich leider nur noch dunkel daran.

Christine am 01.01.2012

@Michaela ~ oh, ja! Das war "The Wooing of Abigail Jones" mit Sean Penns Mutter. Zum Brüllen komisch, als Adam für den unglücklich in Abigail Verliebten "Playback" auf ihrer Veranda singt und dann von ihr erwischt wird, während sich der Andere vom Acker macht. Die komischen Episoden haben mir immer gut gefallen, weil der Humor nie platt war oder jemandem geschadet hat.

Michaela am 31.12.2011

Auch ich mochte "Bonanza" früher sehr gerne - eines der TV-Highlights meiner Kindheit. Es wundert mich nicht, dass die vier Cartwrights auch gut singen können: Speziell den Song "Early one morning", den Pernell Roberts in einer der Episoden singt, höre ich heute noch gerne.
http://www.youtube.com/watch?v=0jEizWzybOQ

Christine am 22.03.2011

Danke schön euch allen. Freut mich, dass der Artikel Erinnerungen weckt und vor allem, dass meine erste Lieblingsserie trotz ihrer über fünfzig Jahre nicht vergessen ist. Ich denke schon, dass ein solches Konzept mit einem Vater und drei erwachsenen Söhnen unter einem Dach heute undenkbar wäre, aber irgendwie sind die Themen erfrischend und manchmal auch erschreckend aktuell geblieben.

chefkeem am 21.03.2011

Was fuer ein netter "Bonanza Tribute"-Artikel, Christine. Die Wiederholungen der Serie laufen hier ja fast taeglich auf irgendeinem Channel und manchmal erlaube ich mir einen kleinen, nostalgischen Moment. :)

Stehlampen-Petra am 21.03.2011

Schöner Artikel,
dass die Jungs von der Ponderosa gesungen haben ist mir neu.
Jedenfalls habe ich Bonanza sehr gemocht.
Trapper John M.D., eine weitere Serie von Pernell Roberts habe ich auch gerne gesehen, besonders weil es der Trapper aus der Serie M*A*S*H war.
LG
Petra



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