Hüte als modische Accessoires behielten ihre Bedeutung nur noch in einigen Königshäusern oder beim berühmten Pferderennen in Ascot. Das soll sich im kommenden Sommer ändern, wenn es nach den Vorstellungen einiger Designer geht.

Damenhüte - die aktuellen Trends

Bei der Präsentation der aktuellen Frühjahrs- und Sommermode  schickten die Designer ihre Models in den abenteuerlichsten Hutkreationen auf den Laufsteg. Und was da geboten wurde, übertrifft bei Weitem alles bisher da gewesene an schlechtem Geschmack. So wie es aussieht, entstanden diese skurrilen Hüte in Anlehnung an die Topfhüte der 20er und 50er Jahre.

Topfhüte, Lampenschirme und viel Charme

Schon in den 20er und 50er Jahren gingen die Vorstellungen von Schönheit bei den Modeschöpfern seltsame Wege.

Sie verpassten den Damen unförmige Kopfbedeckungen, die häufig so aussahen, als hätte sich die Trägerin in ihrer Verwirrung versehentlich einen Lampenschirm oder Blumentopf aufgesetzt. Doch das war schon bei unseren Müttern und Großmüttern volle Absicht. Die Begeisterung darüber hielt sich vor allem in der Männerwelt sehr in Grenzen.

20er Jahre (Topf-)hüte

Mit der Retrowelle, die im kommenden Sommer im Zeichen der 50er und 20er Jahre steht, wurden bereits die ersten Cloches gesichtet, die dominierende Hutform der 20er Jahre: Hüte in rundlicher Nachttopfform, die tief in den Nacken gezogen werden und die Frisur fast vollständig verdecken.

Strohüte und Schlapphüte

Ebenfalls tragbare und sehr schöne optische Ausnahmen stellen Schlapphüte in allen möglichen Variationen und Farben dar. Sie sind lässig, zeitlos und stehen so gut wie jeder Frau. Sie passen perfekt zu den weit schwingenden Sommerkleidern. Mit einer Sonnenbrille in Schmetterlingsform a la Audrey Hepburn wird daraus ein jugendliches Outfit, das schon jetzt Vorfreude auf die schönste Jahreszeit aufkommen lässt.

Damenhüte: lässig und cool

Wer es lieber kühl und androgyn bevorzugt, könnte an den Damenhüten im Herrenlook gefallen finden. In Kombination mit einer Jeans oder Hotpant wird aus einem schlichten Outfit ein frecher modischer Look. Die glamouröse Variante mit einem Hosenanzug lässt Erinnerungen an Marlene Dietrich wach werden, die zu ihrer Zeit für viel Aufsehen durch männliche Kleidung gepaart mit weiblichem Sex-Appeal erregte.

Die Alternative zum Strohhut: der Korbhut

Nun treiben es einige Designer in ihren neuesten Kollektionen noch auf die Spitze: Einer setzte seinem Model einfach einen umgedrehten Einkaufskorb auf den Kopf - komplett mit Henkel, der ganz dekorativ unter dem Kinn herumbaumelt. (zur optischen Unterstützung: hier das Beweisbild)

Durch die fehlende Passform - er ist schließlich für einen anderen Zweck bestimmt und demnach nicht auf die Größe eines Frauenkopfes zugeschnitten - hängt der Korb bis unter die Augen und nimmt dadurch die komplette Sicht. Der Vorteil bei diesen Modellen ist, dass sich keine Frau mehr Gedanken über ihr Make-up oder die Frisur machen muss. Auch lenkt er besser von sämtlichen Problemzonen ab, als es irgendein anderes Kleidungsstück könnte.

Ob ein solcher "Hut" tatsächlich Abnehmerinnen findet, ist eher unwahrscheinlich. Allerdings könnte dieser Trend von Frauen jeder Einkommensschicht problemlos nachgeahmt werden. Sollte gerade kein schlichter Einkaufskorb zur Hand sein, kann die modebewusste Frau genauso gut einen geflochtenen Bast-Übertopf aus dem Blumenhandel verwenden. Damit sollte man allerdings warten, bis es tatsächlich als Modetrend offiziell anerkannt ist, um peinliche Anspielungen auf den eigenen Geistezustand zu vermeiden.

Der letzte Schrei - das brauchen Sie für einen aktuellen Korbhut
Henkelkorb Pflanzkorb Pflanzgefäß Kaminholz Kie...

Ausgefallene Damenhüte für den Sommer

Neben diesem extremen Hutmodell wirken die Kreationen anderer Designer geradezu alltagstauglich: Werkstoffplastik, Vögel und Blätter wurden hier aufgetürmt und erinnern stark an die übergroßen Kopfgebilde des Rokoko und Barock. Für die Durchschnittsfrau, die ihre Freizeit nicht unbedingt mit Teestunden bei der Queen oder auf der Rennbahn verbringt, dürften solche Kunstwerke vermutlich nicht zur Diskussion stehen. Trotzdem finden Hüte seit einigen Jahren still und heimlich ihren Weg zurück in die Damenmode und sollen dieses Jahr eine Renaissance erleben.

Fascinators a la Dita von Teese

Sehr viel schöner und eleganter sind dagegen "Fascinators". Dabei handelt ist es sich um kleinen verspielten Kopfschmuck, den auch Dita von Teese seit Längerem trägt und der schon letztes Jahr begeisterte Nachahmerinnen fand.

Hüte sind gut für die Wirtschaft

In den 50er Jahren, einer Blütezeit der Damenhüte, regierte in Deutschland Wohlstand und wirtschaftlicher Aufschwung.

Ob die Modeschöpfer bei ihrer Suche nach einem Hauch von Nostalgie bei den Hutzwängen unserer Vorfahrinnen gelandet sind oder sich an das damalige Wirtschaftswunder erinnerten, bleibt wohl deren Geheimnis. Die Auswahl an Hüten für die bevorstehende Saison ist auf jeden Fall größer als die letzten Jahrzehnte und wer weiß, vielleicht geschieht ein neues Wunder...  

Grace, am 10.05.2012
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Bildquelle:
Wikimedia Commons, Gemeinfreies Bild (Kilt und Plaid - Geschichte und Tradition schottischer Kleidung)

Autor seit 4 Jahren
158 Seiten
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