Deutscher Trailer "Das Ding aus einer anderen Welt (1951)"

Keep watching the skies!

Erster großer Invasions-Film...

Eines vorneweg: Um einen Science-Fiction-Klassiker wie "Das Ding aus einer anderen Welt" entsprechend würdigen zu können, muss man ihn im historischen und gesellschaftlichen Kontext seiner Zeit betrachten. Jüngere Generationen, die mit derartigen Filmen nicht aufgewachsen sind, werden für die Tricktechnik, die Charaktere und vor allem das Monster vermutlich nur ein müdes Lächeln übrig haben. Anders als moderne Blockbuster wie "Transformers" setzte dieser Streifen voll und ganz auf den Plot und seine Atmosphäre.

1951, also zur Entstehungszeit von "Das Ding aus einer anderen Welt", steckte die cineastische Science Fiction noch in den Kinderschuhen, vom Subgenre der Außerirdischen-Filme ganz zu schweigen. Man bedenke, dass die ersten medial aufgegriffenen und dokumentierten UFO-Sichtungen durch Kenneth Arnold erst vier Jahre zurücklagen und die Idee, dass Außerirdische auf der Erde landen könnten, noch reichlich exotisch wirkte. Ganz anders hingegen die literarische Science Fiction, in der bereits seit Jahrzehnten Aliens die Erde besuchten, wobei sie meist nicht "in Frieden" kamen. Noch ehe der Begriff "Science Fiction" vermutlich von Hugo Gernsback 1926 kreiert wurde, hatten sich Autoren wie H. P. Lovecraft und Charles Fort mit dem unheimlichen Treiben fiktiver Aliens auf Erden beschäftigt. Es sollte aber noch Jahrzehnte dauern, bis freundlich oder feindlich gesinnte Außerirdische über die Leinwand flimmerten.

 

... basierend auf John W. Campbells "Who Goes There?"...

Insofern betrat "Das Ding aus einer anderen Welt" Neuland, wenngleich die Plotidee der berühmten Kurzgeschichte "Who Goes There?" von Science-Fiction-Autor John W. Campbell entlehnt war. Die Geschichte enthielt viele der heute gängigen Genre-Motive: Eine Gruppe von der Außenwelt isolierter Menschen muss sich eines außerirdischen Monsters erwehren. Dabei überließ Campbell die Herkunft des Außerirdischen der Phantasie des Lesers, was in den darauf basierenden Filmen beibehalten wurde. Die wesentlichen Unterschiede der bislang drei Adaptionen von "Who Goes There?" sind zu einem guten Teil der Tricktechnik geschuldet. Für die erste Version von 1951 war es schlichtweg unmöglich, ein die Gestalt wandelndes Monster zu erschaffen. Wer somit beim Anblick des zwei Meter großen James Arness, der mit ein bisschen Schminke in eine Art extraterrestrische Frankenstein-Kreatur verwandelt wurde, amüsiert lächelt, sollte eben diesen Umstand beachten. 30 bzw. 60 Jahre später konnten John Carpenters "Das Ding aus einer anderen Welt", sowie das Prequel "The Thing" aus dem Vollen schöpfen. Finanziell erfolgreich war allerdings nur die erste Version.

 

... unter Regie-Legende Howard Hawks entstanden...

Trotz oder vielleicht sogar dank des geringen Budgets und der kaum vorhandenen Tricktechnik, schafften es Regisseur Christian Nyby (der nie wieder einen Film drehen sollte) und der legendäre Produzent und Regisseur Howard Hawks (dessen Repertoire fast sämtliche Genres umfasste) einen durchaus spannenden Science-Fiction-Thriller zu inszenieren. Hier werden keine monumentalen Schlachten zwischen der US-Armee und außerirdischen Invasoren in den Mittelpunkt gestellt: vielmehr konzentriert sich der Film auf eine kleine Gruppe Wissenschaftler und Soldaten, die einer unheimlichen Bedrohung auf engstem Raume ausgesetzt sind. Das Setting könnte sowohl im Film, als auch in der literarischen Vorlage kaum isolierter gesetzt sein: Außerhalb des winzigen Stützpunktes in der Arktis können die Protagonisten nicht überleben. Eine simple Flucht vor dem Ungeheuer ist ausgeschlossen, und auf Grund des feindseligen Verhaltens der Kreatur lautet der Slogan: Es oder wir! John Carpenter und Matthijs van Heijningen drehten die Schraube noch ein Stückchen fester, indem sie dem Alien die Fähigkeit zur Gestaltwandlung zusprachen, sodass buchstäblich jeder in der Arktis feststeckende Forscher eine tödliche Gefahr darstellen konnte.

Dennoch hat auch die Urversion ihre ganz eigenen Reize und verfolgt das Konzept eines sich von Blut ernährenden Pflanzenwesens, das über keinerlei moralischen Vorstellungen verfügt: Ebenso wie die Eingeschlossenen selbst trachtet es nach seinem Überleben. Nicht untypisch für Filme dieser Ära wird den Wissenschaftlern misstraut und etwas arg viel Vertrauen in die Fähigkeiten des Militärs gesetzt. Wenig überraschend entpuppt sich einer der Wissenschaftler als skrupellos wenn es darum geht, das fremde Wesen zu erforschen, und nimmt dabei den Tod seiner Mitmenschen ungerührt in Kauf. Hingegen wissen die Soldaten, wie man dem Alien zu begegnen hat: Mit Gewalt …

 

... und mit legendärer Warnung schließend!

Überraschend emanzipiert tritt die einzige Frau des Filmes auf (zur Erinnerung: In John Carpenters Version besteht die gesamte Forschungscrew aus Männern und die einzige weibliche Stimme gehört ausgerechnet einem Computer), die durchaus ihren eigenen Willen hat. Sicher: Letztendlich trägt auch sie wenig zum Kampf gegen das Monster bei und sehnt sich offenbar nur danach, von einer festen Männerhand in den Hafen der Ehe und anschließend vermutlich an den Herd gekettet zu werden. Verglichen mit dem vorherrschenden Frauenbild dieser Zeit, stellte dies aber immerhin einen beachtlichen Fortschritt dar. Aufgelockert wird die düstere Schwarzweiß-Atmosphäre durch liebevolle Kabbeleien der Forscher und Soldaten.

Legendär wurden die Schlussworte des Filmes: "Watch the skies everywhere. Keep looking. Keep watching the skies”. Eine Warnung, die durchaus auf die berechtigte Angst vor der Infiltration durch die Kommunisten verstanden werden konnte, später eine Wandlung erfuhr und heute eher in Zusammenhang mit drohenden Einschlägen von Asteroiden verwendet wird. Gleich wie: "Das Ding aus einer anderen Welt" ist zu Recht einer der ganz großen Science-Fiction-Klassiker und weiß immer noch zu unterhalten, so man bereit ist, sich auf einen 2D-Film in Schwarzweiß und ohne großartige Tricktechnik einzulassen.

Originaltitel:The Thing from Another World

Regie: Christian Nyby

Produktionsland und -jahr: USA, 1951

Filmlänge: ca. 83 Minuten

Verleih: STUDIOCANAL

Deutscher Kinostart: -

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

rainerinnreiter, am 31.07.2012
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