Die Entstehung der Jakobs-Pilgerwege

Der Legende nach starb Apostel Jakobus der Ältere einen Märtyrertod, als er sich zu Missionszwecken auf der Iberischen Halbinsel aufhielt, und wurde im heutigen Santiago de Compostela beerdigt. Schon im 10. Jahrhundert nach Christi entstand eine Pilgerbewegung zu seinem Grab auf einem Wegenetz, dessen Anfänge in den unterschiedlichsten Teilen des damaligen christlichen Europas lagen und alle nach Santiago führten. Auch heute noch können Jakobspilger ihre Pilgerwanderungen in verschiedenen Ländern Europas beginnen. Der Begriff "Caminho Português" bezeichnet alle Pilgerwege, die in Portugal ihren Anfang nehmen. An zunehmender Beliebtheit erfreut sich der Caminho Português, der in Porto beginnt und über Rates und Barcelos führt nach Ponte de Lima, von dort über Rubiães nach Valença auf portugiesischem Gebiet.  Ziemlich genau die Hälfte des Weges befindet sich in Portugal und die andere in Galicien/Spanien. Der spanische Teil führt über Tui, Redondela, Pontevedra und Padrón nach Compostela. Die Wege verlaufen häufig auf historischen Römerstrassen.

Ein Erfahrungsbericht: Warum gerade dieser Weg?

Meine Freundin Helga wohnt auch schon lange in Portugal und die Idee den Jakobsweg zu gehen, entstand bei ihr bereits vor 10 Jahren aufgrund von Paulo Coelhos Buch: Auf dem Jakobsweg. Ursprünglich wollte sie den ganzen Weg gehen – den Caminho Francês,  aber dieser erschien ihr mittlerweile zu überlaufen. Der Caminho Português dagegen steht gerade erst am Anfang seiner Popularität,  Mitte April waren hier nur wenige andere Pilger anzutreffen. Eine Freundin aus Deutschland kam dazu und beide Frauen sind die 230 km des äußeren Jakobsweges Mitte April von Portugal aus in 10 Tagen gegangen. Helga: "Wir haben diese Pilgerwanderung nicht aus spirituellen Dingen gemacht, sondern weil wir gerne im Norden Portugals in schöner Natur wandern wollten, es war sozusagen ein Wanderurlaub". Der Weg führt fast vollständig durch eine landschaftlich schöne Umgebung auf kleinen Landstrassen und Feldwegen in Küstennähe. Felder, Wälder, kleine Dörfer und Buchten wechseln sich ab. "Es ist eine sehr schöne Wandererfahrung durch viel Grün und fast immer plätschern Bäche neben dem Weg".

Erfahrungen zum Streckenverlauf:

Beginnend in Porto haben sich die zwei Frauen Tagesetappen von ungefähr 20 Kilometer vorgenommen. Vom Flughafen Porto aus ging es mit der Metro nach Mercado de Matosinhos und von dort am Sandstrand entlang Richtung Norden, denn der erste Tag konnte dank einer vorab gebuchten deutschen Führerin am Strand entlang und überwiegend auf Holzstegen gegangen werden bis nach Vila de Conde. So blieb die nicht sehr reizvolle Route durch ein Industriegebiet Portos ausgespart. Andere Pilger beginnen bereits an der Kathedrale in Porto ihre Wanderschaft. Die Wegmarkierung ist ein gelber Pfeil, aufgemalt auf Steinen, auf der Strasse oder auf Hauswänden. Später in Spanien sieht man auch die Jakobsmuschel aufgemalt als Wegweiser. Anfangs ist es noch schwierig die Markierungen zu finden, aber mit der Zeit bekommt man Übung darin. Bei Porrino hätte die Etappe durch ein Industriegebiet geführt.

Helga berichtet weiter: "Dieses Wandererlebnis wollten wir uns ersparen und haben hier ein Taxi genommen von Orbenlle bis Mos. Meine Befürchtung, dass am Ziel Santiago de Compostela zu vermarktet und überfüllt sein würde, hat sich nicht bestätigt, im Gegenteil, es war nicht überlaufen und Santiago und vor allem auch die Kathedrale haben eine wunderschöne Wohlfühl-Atmosphäre. Besonders schön war die Führung von Rita, einer deutschen Angehörigen einer Jakobsbruderschaft in Compostela. Sie hat für deutschsprachige Pilger kostenfrei eine erinnernswerte Führung angeboten über die äußere Kathedrale und die umstehenden Gebäude mit Geschichten über Jakobus und mit Erläuterungen zu den einzelnen Portalen und Bildhauerarbeiten.

Praktische Erfahrungen:

Übernachtet wurde in einfachen Pensionen oder kleinen Hotels. Helga: "Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, mit anderen Pilgern zusammen in den typischen Pilgerherbergen in Schlafsälen zu übernachten. Wir sind jeden Tag ungefähr 20 km gegangen. Da es öfters geregnet hat, haben wir unseren Zeitplan nach dem Wetter gerichtet und sind eigentlich nie vor 10.00 Uhr morgens zur nächsten Etappe aufgebrochen. Als Gepäck hatte ich einen Rucksack dabei, der 7 kg gewogen hat. Es gibt eine Faustregel für diese Wanderung, nicht mehr als 10 % des eigenen Körpergewichts mit zu tragen. Daran habe ich mich gehalten. Mit dabei im Gepäck war Funktionskleidung aus Mikrofaser, leicht und nach Auswaschen schnell zu trocknen. Wegen des doch manchmal kalten Windes hatte ich allerdings Sehnsucht nach meiner normalen Baumwollkleidung", berichtet mir Helga nach ihrer Rückkehr vor wenigen Tagen. Und weiter: "Als Wanderschuhe hatte ich eingelaufene Wanderhalbschuhe. Boots sind nicht nötig, da der Weg die ganze Zeit befestigt ist. Wir haben nicht viele Menschen kennen gelernt, wir waren ja zu zweit und haben in Pensionen übernachtet und es waren auch nicht viele andere Pilger zu dieser Zeit unterwegs."

 

Empfehlungen von einer, die den Weg gegangen ist

Jeder, der/die täglich eine gewisse Anzahl von Kilometern wandern kann, ist in der Lage, diesen Weg zu gehen. Es gab einmal eine Etappe, die 5 Stunden lang durch Natur führte ohne ein Cafe oder ein Restaurant. Und es ist vorteilhaft, flexibel zu sein, was Essenszeiten und Wanderzeiten angeht. Gegessen wird, wenn eine Möglichkeit dazu kommt, wobei es für Vegetarier manchmal etwas eintönig ist, denn Salat und Pommes werden in den Gasthäusern auf dem Weg oft als ausreichend vegetarisch befunden.

Empfohlen wird unbedingt die Pilgerreise bis zum Cap Finisterre hinaus zu verlängern. Finistere liegt 90 km hinter Santiago und wer nicht mehr dorthin laufen möchte, kann es bequem per Bus erreichen. Es ist ein wunderschönes Kap, bei dem die Berge quasi ins Meer fallen und das alles erinnert eher an einen österreichischen See, denn an das große Meer.

Insgesamt ist der Weg gut zu laufen und nicht zu anstrengend, da es keine bedeutende geographischen Höhen zu überwinden gilt. Der Weg ist gut markiert und es gibt genügend Herbergen, um auch kürzere Tagesetappen zu gehen. Der Pilger wird nicht auf sehr viele andere Pilger treffen. Kurzum dieser Weg ist gut geeignet als "Anfängerpilgerweg" oder für Pilger, die Natur und Alleinsein genießen wollen, ebenso wie das portugiesische und spanische Hinterland.

Wandschmuck

Cathedral in a City, Santiago De Compostela, La Coruna, Galicia, Spain (Bild: Panoramic Images / AllPosters)

sally, am 22.05.2012

Kommentare


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sally am 23.05.2012

Stimmt, und zwar sowohl Pferd als auch Mensch.
Da würden sich meine Pferde-Seniorinnen aber herzlich bedanken :)

Arlequina am 23.05.2012

Mit Pferd wär schon toll, aber da muss man vorher schon ausgiebige Wanderritte trainieren.

renzmarketing am 23.05.2012

Ja, sehr schön beschrieben und die Einstellung dazu (das Ganze ohne Hetze zu machen) finde ich toll.

Alice_Alphabet am 22.05.2012

Ich kriege richtig Lust, wenn ich das lese und sehe.
Mit Pferd wär auch mein Ding.

sally am 22.05.2012

Die Fotos hat Helga auf ihrer Wanderung live gemacht.
Ich könnte mir einen Teil des Jakobsweges per Pferd gut vorstellen.
Das wär dann so mein Ding.

Arlequina am 22.05.2012

Tolle Fotos! Aber von Porto ist es ja nicht gar so weit nach an Sebastian. Aber ich muss reden: ich würde überhaupt so etwas nicht machen, bewundere aber die Pilger.

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