Die Geschichte des Papstpalastes in Avignon

Im Mittelalter haben sich die Päpste gegen die steigende Macht des französischen Königs aufgelehnt. Clemens V war der erste Papst, der vollständig unter dem Einfluss des französischen Königs Philip IV stand, weil er vorher der Erzbischof von Bordeaux war. Er ließ sich nicht einmal in Rom weihen, sondern blieb sogar dafür in Frankreich, in Lyon. Und natürlich musste er sich einen Ort für seine Residenz suchen.

Seine Wahl für den Papstpalast fiel auf einen kleinen Ort, der bis 1308 reichlich unbekannt war: Avignon. Somit wurde das kleine, beschauliche Städtchen in Südfrankreich mit einem Schlag zu der größten und bekanntesten Baustelle des Jahrhunderts. Nach Clemens V lebten hier sechs weitere Päpste, die von der Kirche offiziell gewählt worden waren.

Doch es gab noch die sogenannten Gegenpäpste, die die französischen Kardinäle gewählt hatten. Sie eröffneten ihr eigenes Papsttum in Avignon, da sie die Autorität des Papstes, der 1377 wieder nach Rom zurückgekehrt war, nicht anerkannten. Somit war die katholische Kirche bis zum Jahr 1417, in dem das Konzil von Konstanz stattfand, gespalten.

Erbaut wurde der Papstpalast in zwei Bauphasen und wurde immer wieder verändert und erweitert.

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Besichtigung des Papstpalastes

Der Papstpalast wirkt von außen wie eine Festung, die alles enthält, was eine mittelalterliche Festung haben sollte: Pechnasen, kreuzförmige Schießscharten für Gewehre. Der Palast steht auch auf massivem Felsgestein, damit ein Eroberungsversuch durch die beliebte Taktik der unterirdischen Gänge scheitern musste. Der Papst hatte scheinbar nicht nur Freunde.

Es lohnt sich, einmal um das beeindruckende Bauwerk herumzulaufen und es von außen zu bestaunen. Auf den ersten Blick wirkt es einfach wie ein gigantischer Klotz, aber wenn Sie um den Papstpalast herumgehen, werden Sie feststellen, dass es sich um ein sehr facettenreiches und interessantes Gebäude handelt.

Im Papstpalast selbst gibt es einen aus 30 Stationen bestehenden Rundgang, der durch die Erklärungen des Audioführers, der im Eintrittspreis inbegriffen ist, gut erläutert wird. Im Palast gibt es jede Menge Räume und Säle. Wir starten im Innenhof, folgen dann dem Rundgang über die Schatzkammer zu den Speise- und Festsälen und steigen schließlich aufs Dach. Von hier aus hat man einen spektakulären Ausblick auf Avignon, die Brücke Pont St. Bénezet und die Umgebung. Dann geht es durch verschiedene Kapellen, über die Ehrentreppe und weitere wichtige Orte im Papstpalast in Avignon.

Möbel enthalten die Räume nicht mehr. Der Audioführer beschreibt die Einrichtung des Papstpalast sehr genau und mit genügend Fantasie kann man sich das Leben in der damaligen Zeit vorstellen. In vielen Räumen gibt es Tafeln und Bilder, die allerdings nur französische Texte enthalten. Fresken und Malereien lassen die ehemalige Pracht des Innern des Palastes erahnen.

Leider ist der Schmuck zu den größten Teilen während der Französischen Revolution zerstört worden. Die Revolutionäre waren ja bekanntermaßen nicht gut auf die Kirche zu sprechen. Die letzten Verzierungen wurden zerstört, als der Papstpalast ab 1810 als Kaserne benutzt wurde. Heute können wir wirklich nur noch Überreste der einstigen Pracht sehen. Eine Ausnahme ist das Hirschzimmer, das mit Bildern eines unbekannten Künstlers mit Jagdszenen verziert ist. Der größte Saal ist der Speisesaal mit einer Länge von 48 Metern und einer Breite von 10 Metern. Diese Tatsache lässt natürlich Rückschlüsse auf den Klerus der damaligen Zeit zu.

Bei der Besichtigung geht es sehr viel treppauf und treppab. Die Treppen sind schmal und teilweise nicht ganz leicht zu besteigen, wie es bei mittelalterlichen Gebäuden häufig der Fall ist.

 

Der Papstpalast in Avignon von außen (Bild: Selbst aufgenommen)

Wie erreiche ich den Papstpalast in Avignon?

Da der Papstpalast mitten in der Altstadt von Avignon liegt, muss man nicht allzu weit laufen. Die Ausschilderung lässt ein bisschen zu wünschen übrig. Kostenpflichtige Parkplätze sind vorhanden und je weiter sie im Stadtkern liegen, desto teurer werden sie natürlich. Die Parkplätze in der "Zone bleue" sind die günstigsten. Sie liegen ein bisschen außerhalb des Stadtkerns und man muss dann eben zehn Minuten länger gehen.

Karte mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Avignon
Poster zum Papstpalast und Avignon

Arch Bridge Lit Up at Night, Avignon Bridge, Rhone River, Avignon, Cote d'Azur, France (Bild: Panoramic Images / AllPosters)

Eintrittspreise und Öffnungszeiten

Die Öffnungszeiten sind je nach Monat sehr unterschiedlich und die Kassen schließen immer eine Stunde vor der Schließung.

Monat Öffnungszeiten
1. bis 14. März 9:00 Uhr bis 18:30 Uhr
15. März bis 30. Juni 9:00 Uhr bis 19:00 Uhr
Juli 9:00 Uhr bis 20:00 Uhr
August 9:00 Uhr bis 21:00 Uhr
1. September bis 15. September 9:00 Uhr bis 20:00 Uhr
16. September bis 1. November 9:00 Uhr bis 19:00 Uhr
2. November bis 28. Februar 9:30 Uhr bis 17:45 Uhr

 

Die Eintrittspreise werden nach Saison gestaffelt:

  • Nebensaison: 16. November bis 28. Februar
  • Hauptsaison: 1. März bis 15. November
Normalpreis Reduziert
Hauptsaison 10,50 € 8,50 €
Nebensaison 8,50 € 7,00 €

 

Es gibt auch ein Kombiticket für die beiden Sehenswürdigkeiten in Avignon: den Papstpalast und die Brücke "Pont St. Bénezet":

Normalpreis Reduziert
Hauptsaison 13,00 € 11,00 €
Nebensaison 10,00 € 8,50 €

Zusammenfassung

Der Papstpalast von Avignon ist sehr beeindruckend, allerdings kann man ihn auch bedrückend finden, denn es handelt sich um einen düsteren Komplex, der an die Festung eines bösen Magiers erinnern mag, wenn man sich dunkle Wolken und um die Türme herumfliegende Raben vorstellt.

Alles in allem ist der Papstpalast in Avignon sehr empfehlenswert, denn es handelt sich um ein wichtiges Stück französischer und katholischer Geschichte. Aufgrund der fehlenden Möbel wirkt der Palast von innen ein bisschen leer, aber da das Bauwerk so beeindruckend ist, kann man darüber hinweg sehen.

cuchulainn, am 12.02.2012

Kommentare


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Merlin am 14.02.2012

Das weckt Erinnerungen.
LG Merlin

Autor seit 2 Jahren
72 Seiten
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