Zwei Mädchen im Schnee (Bil...
Zwei Mädchen im Schnee (Bild: Kerstin Schuster)

Es war der Abend vor Weihnachten. Die kleine Birgit hatte heute ihre Großmutter besucht. Die Oma hatte extra für sie leckere Zimtsterne gebacken und warmen Kakao dazugestellt. Die Fingerchen waren noch kalt, als sie den heißen Kakaobecher umschlossen. Es war viel Schnee gefallen und im Park, dort wo der kleine Hügel ist, konnte man herrlich rodeln. Dort traf sie auch Anita.

Anita war ein Mädchen aus der Nachbarschaft, was sie vom Sehen her kannte. Als Birgit sah, dass Anita keinen eigenen Schlitten besaß, bot sie kurzerhand an, mit ihr zusammen zu rodeln. Hey – das war ein Spaß. Anita war wirklich nett, sie war etwas größer und wahrscheinlich auch ein wenig älter als Birgit. Und so zog Anita unermüdlich wieder und wieder den kleinen Schlitten den Hügel hinauf, damit sie beide erneut hinunterrodeln konnten.

Während einer kurzen Verschnaufpause fragte Birgit: "Sag mal Anita, warum bist du denn so dick angezogen? Es ist doch heute gar nicht soo kalt!"

Anita lächelte nur etwas mysteriös und schob ihre Hand in die Kragenöffnung ihres Wintermantels. Was sie zum Vorschein brachte, sollte Birgits bisherigen Tagesablauf von Grund auf verändern:

Zwei super-süße Zwergpudel – einer schneeweiß und der andere rabenschwarz.

"Möchtest du sie gerne haben?", fragte Anita ...

 

Birgit fragte weder, woher die Zwergpudel stammten, noch musste sie lange überlegen. Natürlich wollte sie die süßen Zwergpudel haben. Also nicht beide, nur einen davon. Den Weißen. Der hatte sofort Birgits Herz im Sturm erobert und das Mädchen hatte sogar schon einen Namen für ihn –Flöckchen.

Anita freute sich, dass Birgit die Zwergpudel behalten wollte. Ähm, einen der Zwergpudel.

„Und was ist mit dem schwarzen Hündchen?“, wollte Anita wissen.

Birgit hatte schon eine Idee, wer den schwarzen Zwergpudel bekommen sollte. Die alte Frau Schmittel, deren Pudel vor einem viertel Jahr verstorben war. Seitdem war Oma Schmittel – wie sie von fast allen Kindern genannt wurde – sehr traurig, lachte kaum noch und auch ihre Geschichten, die Birgit immer so gern gehört hatte, waren längst nicht mehr so lustig.

Obwohl sie niemand hören konnte, wagte es Birgit nicht, ihre Idee laut zu äußern. Stattdessen flüsterte sie Anita ins Ohr, wer den schwarzen Zwergpudel bekommen sollte. Birgit war überzeugt davon, dass dieses Geschenk Oma Schmittel zu einem schönen Weihnachtsfest verhelfen würde.

Anita war nicht ganz so begeistert von Birgits Vorschlag, der alten Oma Schmittel den schwarzen Zwergpudel zu schenken.

 

Hatte sie vielleicht etwas gegen Frau Schmittel?

Anita zog die Stirn in Falten und sagte mit sorgenvoller Stimme: „Oma Schmittel ist doch schon sooo alt, das Hündchen aber sooo jung! Ob sie überhaupt mit einemWelpen zurechtkommt? Und dann ist ja auch noch die Frage, wer sich um das Hündchen kümmert, wenn Oma Schmittel mal krank wird – so, wie der alte Hans Krick, der schon seit vielen Jahren nur noch im Bett liegen kann und zu dem jeden Tag die Schwestern vom Pflegedienst kommen?“ Birgit nickte zustimmend und sagte: „Oh ja, Anita, daran habe ich überhaupt nicht gedacht. Du hast recht, wir müssen uns überlegen, wie wir das managen. Aber ich bin sicher, wir machen Oma Schmittel eine Riesenfreude, wenn wir ihr den kleinen Racker als Weihnachtsgeschenk überreichen.“

„Wie wollen wir das schwarze Wollknäuel überhaupt nennen?“, unterbrach Anita Birgits Gedankengang.

„Das Hündchen hat dunkles Fell und ist ein Rüde. Da passt eigentlich Bruno sehr gut. Bruno ist italienisch und heißt ‚dunkles Fell‘. Das habe ich in den Sommerferien von einer italienischen Freundin in Florenz gelernt“, berichtete Anita stolz. „Prima Idee! Jetzt müssen wir nur noch sehen, wie wir das mit Oma Schmittel deichseln“, sagte Birgit und deutete mit einem strahlenden Lächeln an, dass ihr bereits eine Lösung vorschwebte.

Birgit sah in Anitas Augen, die sich bereits mit Tränen füllten und traute sich kaum zu fragen. Doch sie fasste sich ein Herz und fragte: „Du, irgend etwas macht dich doch traurig, oder? Sagst du mir, was los ist?“ Anitas Blick ging zu Boden und eine Träne fand den Weg über ihre Wangen. „Es ist ... es ist ...“ Ihre Stimme zitterte: „Glaubst du an Engel, Birgit?“ Birgit schaute nun verwundert auf Anita herab.

Anita schüttelte schnell den Kopf, sodass die Schneeflocken aus ihren Haaren zu tanzen begannen. „Jedes Jahr vor Weihnachten ...“ Anita stockte wieder, sie sah zu Birgit und ihre Augen sahen so ausdruckslos aus. „Nun, sag schon“, forderte Birgit ihre neue Freundin auf.

Ihr Blick ging zum Himmel, dort wo auch die Sterne, die bevorstehende Weihnacht verkündeten und sie fing an zu erzählen. Es war die Nacht vor Heilig Abend, als ihre Mutter das Haus verließ. Sie sollte nicht mehr wieder kommen, aber genau in dieser Nacht, sah Anita einen "Neuen Stern" am Himmel. Für sie war es der neue Weihnachtstern.

Birgit schluckte, das hatte sie nicht geahnt. Beide schauten in den Himmel und es schien, als würde dieser Stern über sie wachen, dabei war die Nacht noch nicht eingebrochen. Anita sagte leise: "Meine Mutter ist ein Engel, sie hat mir diesen Stern an dem Himmel gesetzt, damit ich nicht alleine bin und jedes Jahr zu Weihnachten scheint es, als sitzt sie auf ihm. Ich höre dann ihre Stimme, wie sie unser Lied singt."

Birgit wischte sich schnell ihre Tränen weg, die wie kleine Kristalle über ihre Wangen wanderten. "Sie ist immer bei Dir" mehr brachte Birgit nicht heraus. Es war ein Moment der Stille, sie wusste nicht wie sie Anita trösten konnte. Doch dann überkam es sie.

Birgit setzte sich neben Anita auf den Schlitten und legte tröstend den Arm um sie. Mit der anderen Hand streichelte sie abwechselnd Flöckchen und Bruno. „Schau mal, wie niedlich die gucken“, versuchte sie ihre Freundin aufzumuntern. Aber Anita blickte immer noch traurig nach unten. Am anderen Ende des Parks bellte ein Hund. Flöckchen und Bruno rissen sofort ihre niedlichen Köpfe herum, spitzten die Ohren und zappelten wild. Anita wollte gerade zugreifen, da befreiten sich die beiden aus ihrem Mantel und liefen schnurstracks in die Richtung, aus der gerade noch das Hundegebell ertönt war. „Wo wollt ihr denn hin? Bleibt stehen!“ Birgit und Anita schauten sich entsetzt an und stürzten hinterher. 

Die Hunde liefen in einem Affenzahn davon. „Bleibt stehen!“, versuchten es die Mädchen immer wieder. Sie versanken dauernd im Schnee und kamen schlecht voran.

Atemlos erreichten sie das Ende des Parks. Sie konnten gerade noch erkennen, wie die beiden Zwergpudel im angrenzenden Wald verschwanden.

 Langsam setzte die Dämmerung ein. Was sollten sie jetzt tun?

Die beiden Mädchen schauten sich ratlos an. Birgit standen die Tränen in den Augen. „Wo sind sie nur hin? Ich kann sie nicht mehr sehen!“ Plötzlich hörten sie ein leises Wimmern aus dem Wald. Anita schaute Birgit an: „Da muss was passiert sein! Schnell los, hinterher!“

Die beiden Mädchen rannten durch das dichte Unterholz, immer dem leisen Wimmern nach. Doch statt dem Wimmern näher zu kommen, schien es, als entfernte sich das Wimmern immer mehr von ihnen. Bald schon waren sie im tiefen Wald verschwunden. Sie bemerkten nicht, dass inzwischen neuer Schneefall eingesetzt hatte und ihre Spuren langsam verdeckte.

Endlich kamen sie dem Wimmern näher. Es war mittlerweile jedoch schon sehr dunkel geworden und nur der Mond leuchtete ihnen den Weg. Er erhellte den weißen Wald in der Dunkelheit, sodass sie wenigstens nicht ständig über die vielen Wurzeln stolperten.


Dort, auf der schmalen Lichtung sahen sie Bruno. Er saß wimmernd im Schnee, zitternd vor Kälte. Von Flöckchen war nichts zu sehen, aber man konnte sie hören. Ganz leise, als ob sie weit weg wäre. Die Mädchen erreichten Bruno und sahen, dass er vor einem Loch kauerte. Aus diesem Loch kam das klägliche Wimmern Flöckchens. Es schien ein verlassener Fuchsbau zu sein. Sein Eingang war schmal und zog sich weit ins Erdinnere.

Irgendwo da drin war Flöckchen gefangen.

Plötzlich wurde es hell und warm auf der Lichtung, aber der Schnee schmolz nicht. Die Mädchen drehten sich um und sahen einen hellen Lichterkranz um eine dunkle Gestalt. Sie erschraken heftig, als die Gestalt anfing zu sprechen.

Mit tiefer warmer Stimme sprach die Gestalt: „Habt keine Angst. Ich folge und beobachte euch schon ein Weilchen. Ihr seid hier im Weihnachtswald, zu dem ihr Menschen normalerweise keinen Zugang habt, weil dieser in einem verzauberten Winkel des Waldes liegt. Wie ihr es trotzdem geschafft habt hineinzukommen, weiß ich nicht. Ich spüre aber, dass ihr nichts Unrechtes wollt. Schließlich bin ich der Schutzwächter des Weihnachtswaldes.“

Birgit und Anita waren erst einmal sprachlos und sahen sich nur mit großen, erstaunten Augen an. Brunos Wimmern ging in ein klägliches Winseln über. Aus dem unterirdischen Gang der Fuchshöhle erklang gedämpft Flöckchens Stimme. Anita fand ihre Sprache wieder: „Die Hunde waren uns fortgerannt. Jetzt ist Flöckchen gefangen. Was können wir nur tun?“

„Soso“, meinte die dunkle Gestalt mit dem hellen Lichterkranz, „da seid ihr einfach so da und bringt ein Problem mit.“

Birgit und Anita begannen sich unbehaglich zu fühlen, konnten sie doch nur die Umrisse der dunklen Gestalt ausmachen und kein Gesicht. Wie meinte dieses Wesen das und hatte es einen Namen?

Jetzt fasste sich die kleine Birgit ein Herz: „Entschuldigung, Herr . . . ? Na, wie auch immer Sie heißen . . . Also, wir sind Anita und Birgit, und wenn wir Flöckchen befreit haben, verlassen wir gleich wieder Ihren Weihnachtswald – versprochen. Wir wollten das alles nicht, ehrlich!“ Die dunkle Gestalt kam jetzt näher. „Oh, ich vergaß, ich heiße Schokoplakupuddi, ihr dürft mich Schoko nennen. Und das da drüben ist kein Fuchsbau, sondern unsere Weihnachtshöhle. Euer vorwitziges Flöckchen steckt wohl im Entlüftungsschacht fest. Ich habe einen Schlüssel. Kommt mit, das haben wir gleich.“

Die Weihnachtshöhle
Die Weihnachtshöhle
Quelle: Michaela

Sie gingen ein Stück tiefer in den Wald hinein, wo hinter dem Loch ein kleiner Hügel war. Auf seiner Rückseite befand sich eine Holztür mit einem Schloss. Schoko schloss auf und sie traten ein. Wärme umhüllte sie und Bruno, den Anita im Arm hielt, begann wild zu strampeln und zu bellen. Flöckchen antwortete von fern. Goldenes Licht erhellte das Innere der riesigen Höhle . . . .

Die Kinder gingen dem Geräusch nach, gefolgt von Schoko, der sich merklich unwohl fühlte. Weihnachtsgeheimnisse aufzudecken war nicht sein Wunsch. Flöckchen bellte aufgeregt von Weitem und Bruno hielt es nicht mehr aus, er strampelte sich frei und lief in die helle, strahlende Höhle.

Woher kam eigentlich dieser helle Schein? Anita und Birgit hatten bis jetzt nicht auf die Umgebung geachtet, so schnell wollten sie Flöckchen retten. Beim raschen Laufen durch die Weihnachtshöhle sahen sie nun, wie an den Wänden und an der Decke der Höhle überall schimmernde und fluoreszierende Steine leuchteten, über und über war die Wandoberfläche mit diesen Edelsteinen bedeckt. Schoko nahm das ganz gelassen hin, er erklärte nur: „Unsere Welt braucht Licht, das ohne Strom leuchtet. Die Steine reflektieren den Schein der Wesen, die uns bei der Erfüllung der Weihnachtswünsche helfen. Ich glaube, ihr nennt sie Engel. Sie sind in der Zeit vor dem Fest unterwegs zu uns und überbringen die Wünsche der Kinder aus der ganzen Welt. Dort vorn seht ihr sie stehen, seid bitte leise, wir wollen sie nicht stören.“

Doch die Engel hatten schon vor der Ankunft der Kinder ihr Tun vergessen, Flöckchen hatte sie überrascht ... Sie war durch den Luftschacht in die Höhle gerutscht. Das Bellen und Wimmern hatte bewirkt, dass ein Weihnachtswächter dem kleinen Hund half, die klammen durchgefrorenen Beinchen zu strecken und ganz ins Innere der Höhle zu gelangen. Jetzt sprang Flöckchen an ihm hoch und freute sich über die wiedergewonnene Freiheit. Neben einem Kaminfeuer konnte sie die Wärme genießen.

Flöckchen entdeckte seine Freunde. Was für eine Freude! Er lief auf sie zu und begrüßte alle durch einen Freudentanz. Freudentränen liefen den beiden Mädchen über die Wangen. Sie haben sich solche Sorgen um Flöckchen gemacht.

Die Engel beobachteten das Geschehen aus der Entfernung. Sie freuten sich über die Zusammenkunft. Der Weihnachtswächter fragte: „Und was machen wir nun mit euch? Es ist nämlich das erste Mal, dass wir hier Besuch in unserer Weihnachtshöhle erhalten.“ Beide Mädchen fühlten ein aufkommendes Unwohlsein. Was würde wohl mit ihnen geschehen? Sie haben durch die verzwickten Umstände die Weihnachtshöhle betreten, die ja geheim ist.

Der Weihnachtswächter hatte eine blendende Idee: „Ich hab`s! Ja, so machen wir das. Die Engel werden euch behilflich sein, wieder aus der Weihnachtshöhle in eure Welt zu kommen. Sie müssen ja immer wieder auf die Erde, um die Wünsche der Kinder entgegenzunehmen. Sie nehmen euch einfach mit.“

„Und wie machen wir das?", fragte Birgit. „Wir können doch nicht fliegen wie die Engel. Wir haben keine Flügel.“

„Da werden wir einfach unseren Weihnachtsschimmer einsetzen. Der Weihnachtsschimmer schenkt euch die Kraft mitzufliegen!“, antwortete der Weihnachtswächter. Rasch steckte er seine rechte Hand in die Jackentasche und holte sie als Faust wieder raus. Er öffnete die Hand. Ein glitzerndes Häufchen wurde sichtbar. Der Weihnachtswächter holte ganz tief Luft. Er blies so stark er konnte den  Glitzerstaub auf Birgit, Anita und beide Hündchen!

Was jetzt passierte, hatte mit der Realität nichts mehr zu tun ...

Schoko hatte alles mit einem noch besorgteren Gesicht betrachtet. Der Weihnachtswächter neigte immer ein wenig zu Übertreibungen. Er hatte seinen Beruf noch nicht sehr lange und hatte den Staub, aufgrund mangelnder Erfahrung, ein klein wenig zu stark auf die beiden Welpen geblasen. Flöckchen musste schrecklich niesen und überschlug sich fast dabei. Bei jedem Nieser stoben Glitzersternchen aus der kleinen, empfindlichen Nase. Es sah fast ein wenig lustig aus ...

Nachdem Flöckchens Nase sich wieder beruhigt hatte, stand dem Flug nichts mehr im Wege, außer der Angst der beiden Kinder. Verständlich, denn schließlich waren sie weder Engel noch Vögel.

Ein Engel sagte, dass Anita Bruno und Birgit Flöckchen unter die Jacke stecken soll und gab jedem Mädchen ein Seil. Die Jacken wurden am Bund fest zugebunden, so konnten die Welpen nicht nach unten durchrutschen und aus der Jacke fallen. Die Hundebeine waren noch sehr kurz und es war nicht sicher, ob sie damit fliegen können.

Flöckchen und Bruno ließen sich gerne auf diese Weise verpacken und rollten sich unter den Jacken der Kinder ein. Die beiden kleinen Hunde waren inzwischen sehr müde von den aufregenden Ereignissen und sie schliefen auf der Stelle sicher und geborgen ein.

Danach führte ein Engel vor, welche Bewegungen mit den Armen nötig waren, um sich in die Luft erheben zu können. Nach ein paar Trockenübungen hoben die beiden Kinder und ein Engel ab und stiegen sanft in den nächtlichen Himmel auf. Die Angst verschwand mit jedem Meter, den sie höher stiegen und es war schön, die Welt von oben zu sehen. Die Mädchen wurden von einer großen Freude erfüllt und sie jauchzten vor Vergnügen. Sie flogen immer schneller und sicherer. Nach einer Weile war das Ziel erreicht und der Engel zeigte ihnen, wie man landet. Nun standen sie auf der Wiese unweit ihrer Wohnungen und es war Zeit Abschied zu nehmen.

Nein, dieser Abschied war nicht traurig, denn während des Fluges war etwas geschehen.

Anita und Birgit hatten verstanden, dass sie ein großes Geheimnis gesehen hatten. Eine Welt voller Wärme und freundlicher Wesen, die ihnen geholfen hatten. Einfach so, ohne viele Fragen zu stellen. Die Bewohner im Weihnachtswald waren so anders als manch ein Erwachsener, den Birgit und Anita kannten. Obwohl Schoko so eine Art Bürgermeister war, hatte er nicht angegeben und niemand hatte geschimpft, weil die Welpen ausgebüxt sind. Im ganzen Weihnachtswald waren keine Geschenkeläden zu sehen gewesen. Das größte Geschenk war die Freude, dort gewesen zu sein, das Vertrauen der freundlichen Bewohner des Weihnachtswaldes zu spüren und die Hoffnung, wieder nach Hause zu kommen und das alles gut ausgeht.

Sie umarmten den Engel ein letztes Mal und winkten ihm lange nach, als er zurück in den Weihnachtswald flog.

Bruno und Flöckchen schliefen so fest, dass sie von alledem nichts mitbekommen hatten.

Als auch der letzte Schein der Engel verschwunden war, schauten sich die beiden Mädchen glücklich an. Keiner sagte ein Wort und die Hunde schliefen immer noch tief und fest. Birgit atmete tief und fest. Anita versucht das gerade Erlebte in Worte zu fassen, aber es fiel ihr schwer, die richtigen Worte zu finden.

Birgit fand schneller ihre Sprache wieder und sagte: „Es ist schon spät. Wir müssen schnell nach Hause, aber was machen wir nun mit den Zwergpudeln? Flöckchen nimmst du mit, aber was ist mit Bruno?“ Birgit schaute nachdenklich auf den braunen Rüden und hoffte, dass Anita guten Rat wusste.

Anita erwiderte kurz: „Für eine Nacht kann ich beide nehmen, aber morgen müssen wir uns eine andere Möglichkeit für Bruno ausdenken.“
Die beiden Mädchen gingen so schnell sie konnten nach Hause. Das war gar nicht so leicht, da der Schnee schon sehr hoch lag. Anscheinend hatte es während ihres Aufenthaltes im Weihnachtswald viel geschneit. Jeder einzelne Schritt fiel schwer und Anita, die jetzt beide Hunde unter ihre Jacke warm hielt, kam kaum voran.

Der WeihnachtswaldSo liefen die beiden Kinder eine ganze Weile durch den dichten Schnee, bis sie zu einer verschneiten Kreuzung kamen. Zögerlich und vor Kälte zitternd murmelte Birgit: „Sind wir hier überhaupt richtig? Welchen Weg müssen wir nun gehen? Sicherlich werden sich die Eltern schon große Sorgen machen!“.

Doch Anita zuckte nur mit der Schulter und wusste keinen Rat. So standen die beiden Mädchen eine ganze Weile an der Kreuzung konnten sich für keinen Weg entscheiden.

Doch plötzlich hörten sie aus der Ferne ein Geräusch, das schnell näher kam. Es klang wie viele, kleine Glöckchen und tatsächlich erschien ein Schlitten aus dem Dunkel des Waldes. Mehrere Laternen am Schlitten tauchten die kleine Lichtung in ein bläuliches Licht.

Schnell erkannten die Mädchen vier prächtige Rentiere die einen großen Schlitten zogen.

Ist das der Weihnachtsmann?

Die Zügel hielt ein alter Mann mit weißem Bart, gekleidet in einem schweren Mantel. Die Mädchen trauten kaum ihren Augen. Beiden Mädchen schoss ein Gedanke durch den Kopf„Sollte es tatsächlich der …“. Doch da hielt schon der Schlitten direkt neben den beiden Kindern und ächzte unter seinem Gewicht. „Kommt Kinder, wir haben den gleichen Weg. Ich bringe Euch nach Hause.

Eure Eltern warten sicherlich schon“ sprach der alte Mann mit warmen Stimme. „Ich komme aus dem Weihnachtswald“ fuhr er fort. „Nehmt Euch Decken und sucht Euch einen Platz hinten auf dem Schlitten zwischen den Säcken. Achtet darauf, dass die beiden süßen Hündchen nicht aufwachen“. Beide Mädchen suchten sich einen sicheren Platz und der Schlitten setze seinen Weg fort. Nach einer kurzen Fahrt erschienen die Lichter des kleinen Dorfes am Horizont. Sie waren wieder zu Hause.

Anita und Birgit saßen ganz still und sogar die kleinen Hündchen schliefen noch unter den dicken Decken, wo es kuschelig warm war. Als der Schlitten hielt, hörten sie eine tiefe freundliche Stimmen.

„Anita, Birgit, wir sind da. Hier müsst ihr aussteigen. Geht diesen Weg entlang, und ihr werdet das Haus von der alten Frau Schnittel sehen. Dann seid ihr ja auch schon zu Hause.
Anita und Birgit waren inzwischen aus den Schlitten geklettert und sahen sich fragend an. Woher wußte der alte Mann das alles? Birgit ging mutig auf den bärtigen Mann zu und sagte, „danke für die schöne Schlittenfahrt. Darf ich einmal fragen, woher sie alles über uns wissen?“

Der Mann drehte seinen Kopf ganz langsam und sah lächelnd Birgit und Anita an.
„Habt ihr dass noch nicht erraten? Ich sagte euch doch, dass ich aus dem Zauberwald kam. Nicht wahr?“
Anita hielt sich die Hand vor den Mund und konnte es immer noch nicht glauben wen sie da vor sich sah. „Dann, dann, dann bist du der Weihnachtsmann?“ Stotterte sie.

„Ja, der bin ich. Und ich weiss das ihr der alten Frau Schnittel einen kleinen Zwergpudel schenken möchtet. Aber ihr macht euch Sorgen falls die alte Frau krank wird. Ich weiss auch, das sie sich über einen kleinen Hund sehr freuen würde. Darum gebe ich euch einen guten Rat. Findet eine Lösung, bis ihr beim Haus der alten Frau Schnittel angekommen seit. Sie sitzt jetzt am Fenster und hält nach euch Ausschau.“

Anita und Birgit waren sehr beeindruckt, was der Weihnachtsmann alles wußte! Angst hatte die beiden Mädchen nicht mehr, darum fragte Anita. „Lieber Weihnachtsmann,weisst du eigentlich alles von uns Kindern?“„Natürlich, bei uns im Zauberwald können wir alles hören und sehen. Alles was die Kinder das ganze Jahr über so anstellen. Darum ist es ja ein Zauberwald.
So, nun muss ich aber weiter fahren. Eins möchte ich euch noch sagen. Ich weiss auch, das ihr niemanden erzählt, dass es einen Zauberwald gibt. Das muss ein Geheimnis bleiben. Und damit Ihr eure Eltern nicht anschwindeln müsst, wo ihr solange gewesen seit, habe ich die Uhrzeit angehalten. Ihr braucht keine Angst zu haben wenn ihr so spät jetzt nach Hause geht. Besucht aber vorher noch Frau Schnittel.“


Bevor Anita und Birgit noch etwas sagen konnten, war der Weihnachtsmann verschwunden.

Die Mädchen schauten sich an. „Was für ein Tag, ich kann es kaum glauben, was heute alles passiert ist. Jetzt muss aber schnell ein Lösung für Bruno her“. „Okay, lass es uns so machen“, meinte Birgit nach kurzem überlegen: „Oma Schmittel soll den Bruno zu Weihnachten bekommen, und ich nehme ihn immer mit, wenn ich mit Flöckchen Gassi gehe. Dann kann er mit Flöckchen toben, und Oma Schmittel muss nicht mehr so oft raus. Wenn Sie krank ist, kann er auch mal bei uns bleiben. Meine Eltern haben sicher nichts dagegen, ich wünsch mir schließlich schon soo lange einen Hund. Wenn ich keine Zeit habe, dann musst du einspringen. Meinst Du, das könnte klappen?“ „Oh, das wär toll, aber…“ Anita war schon wieder den Tränen nah, und brachte keinen Ton mehr raus. Traurig betrachtete Sie die zwei kleinen Pudel, die immer noch friedlich schlummerten.

Die Geschichte "des geheimnisvollen Weihnachtssterns" ist aus einem Online-Projekt von mehreren Pagewizz-Autoren entstanden und unterstützt hilfsbedürftige Kinder und Jugendliche hier in Deutschland.

Damit ging ein ereignisreicher Tag zuende. Die Mädchen gingen nach Hause und schliefen bis zum nächsten Morgen tief und fest. Sie träumten von den aufregenden Erlebnissen des Tages, von Engeln und dem Weihnachtsmann.

Am nächsten Tag.....

 

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Der Weihnachtsstern (2) - eine wunderbare heilige Nacht


Titelbild: Kerstin Schuster (KreativeSchreibfee)

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Grafik "Die Weihnachtshöhle" und "Der Weihnachtswald" von Michaela Steininger (Michaela)

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