Kragenbären-Mama beim Säugen ihres ...

Kragenbären-Mama beim Säugen ihres Jungen (Bild: Abu0804 / GNU-Lizenz Wikipedia)

Welches Alter die Tiere in freier Wildbahn erreichen können, ist nicht sicher bekannt. In menschlicher Obhut artgerecht gehaltene Kragenbären wurden manchmal bis zu 36 Jahren alt. In der freien Natur ist der Bestand an Mondbären durch Jagd und Zerstörung ihres Lebensraumes stark zurückgegangen, und in vielen asiatischen Regionen ist diese schöne Bärenart so gut wie ausgerottet. Eine der Hauptgründe ist der Glaube an die Heilwirkung der Bärengalle. Um an die Gallenflüssigkeit zu gelangen, werden die Tiere seit über 3000 Jahren gejagt. Traurig genug, doch seit 1970 gibt es in China, Vietnam und Korea eine andere noch viel üblere Methode zur Gewinnung der Gallenflüssigkeit…

Kragenbär oder Mondbär (Bild: Guérin Nicolas / GNU-Lizenz Wikipedia)

Junger Kragenbär (Bild: Abu0804 / GNU-Lizenz Wikipedia)

Jill Robinson macht in China eine furchtbare Entdeckung

Die Engländerin Jill Robinson war von 1987 bis 1998 für die Tierschutzorganisation "International Fund for Animal Welfare" IFAW in Hongkong tätig. 1993 wurde sie auf einer Reise durch den Süden Chinas auf eine furchtbare Tatsache aufmerksam. Sie entdeckte eine merkwürdige "landwirtschaftliche" Einrichtung, eine Art "Farm", mit einer Vielzahl von Käfigen, in denen große schwarze Kragenbären eingesperrt waren.

Es waren keine Tierkäfige, wie man sie aus dem Zoo kennt.  Auch in Zoos wird den Tieren häufig zu wenig Platz zuerkannt. Aber hier handelte es sich um etwas, was die britische Tierschützerin bisher noch nicht gesehen hatte. Es schien wie ein Alptraum zu sein, doch es war Realität. Große ausgewachsene Asiatische Kragenbären waren in winzige verrostete Drahtverschläge eingepfercht, in denen sie sich nicht einmal umdrehen konnten. Doch das war noch nicht alles…

Unglaublich, aber wahr: Die armen Tiere wurden als lebende Zapfsäulen missbraucht. Um an den in der "Traditionellen Chinesischen Medizin" verwendeten Gallensaft der Bären zu gelangen, werden die Tiere buchstäblich angezapft, indem ihnen Katheder aus Metall einfach in den Unterleib gestoßen werden. Die oftmals eitrigen Wunden bleiben unversorgt. Das Unglaubliche ist, das Kragenbären sehr widerstandsfähig sind, und es kann sogar vorkommen, dass die Tiere selbst unter solchen extrem tierquälerischen Bedingungen viele Jahre weiterleben, bis sie der Tod erlöst. Dabei wären weder die Jagd auf Kragenbären noch diese unsäglichen Qualen für die Tiere überhaupt notwendig, da es auch pflanzliche und synthetische Alternativen zur Bärengalle in der Traditionellen Chinesischen Medizin gibt.

Die Animals Asia Foundation wird gegründet

Jill Robinson, eine mutige couragierte Frau, fasste nach diesem Erlebnis den Entschluss, die schwer misshandelten Mondbären unter allen Umständen zu retten und sich für die Schließung solcher "Bärenfarmen" einzusetzen. So gründete sie 1998 die Tierschutzorganisation "Animals Asia Foundation" (AAF), mit der Zentrale in Hongkong.

Durch vielfältige Aktivitäten, vor allem auch durch Verhandlungen mit lokalen Behörden, ist es der Organisation gelungen, Hunderte von Kragenbären aus diesen grässlichen Tierhöllen zu befreien. So werden für befreite Mondbären Auffangstationen geschaffen. In diesen Bärenrettungszentren wird alles für die Genesung und  artgerechte Versorgung der Tiere getan. Für die geretteten Bären bedeutet das, von der Hölle ins Paradies zu kommen. Leider hatten viele der befreiten Tiere keine hohe Lebenserwartung mehr. Aber sie konnten noch einmal auf weichem Gras liegen, wurden liebevoll umsorgt mit gutem Futter, bekamen beste tierärztliche Versorgung...

Auch bei der Aufklärung der Bevölkerung über die Misshandlung der Bären hat die AAF bereits viel geleistet. Inzwischen unterstützen auch viele Chinesen und Vietnamesen die Arbeit der Organisation, deren Ziel es ist, den Respekt vor Tieren wieder herzustellen und Menschen, gerade auch Kindern, den artgerechten Umgang mit Tieren beizubringen. Auch für andere Tiere setzt sich die AAF ein. Denn immer noch werden Hunde und Katzen gegessen, immer noch gibt es in China Massentötungen von Hunden und Katzen als "Maßnahme zur Tollwutbekämpfung", gibt es Pferdekämpfe und Lebendfütterungen in Zoos zur Unterhaltung, werden lebende Schildkröten auf chinesischen Märkten gehandelt, sind die Chinesen besonders scharf auf Produkte von aussterbenden Tierarten (z.B. Tiger, Nashörner), werden Schweine unter katastrophalen Bedingungen gehalten …

Die "Animals Asia Foundation" hat nach wie vor ihren Hauptsitz in Hongkong, hat aber auch Büros in China, Deutschland, Neuseeland, Australien, Italien, den USA und in Großbritannien eingerichtet. Inzwischen kann die Tierschutzorganisation auch viele hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigen, ist aber auch auf ehrenamtliche Helfer angewiesen und finanziert sich überwiegend aus Spendengeldern. Und es gibt leider noch so viel zu tun…

 

Gerhard Künl

Eine Auswahl an weiterer Information zur AAF für interessierte Leserinnen und Leser

Homepage der Animals Asia Foundation
Sehr wichtige interessante Homepage mit aktuellen Infos über Jill Robinson, die AAF und natürlich um die Bären und andere Tiere in Not

Die Rettung der Mondbären von Susanne Everding

Animals Asia Foundation bei Wikipedia

Käfighaltung für Kragenbären in der Süddeutschen Zeitung aus dem Jahr 2007

Bärenhilfe
Interessante Homepage eines Vereins, der sich auch für die Rettung von Kragenbären einsetzt

Die Fotos der Kragenbären stammen aus Wikipedia.

Fotos von Guérin Nicolas und Abu0804 unter GNU-Lizenzen.

gk60, am 10.08.2012
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Bildquelle:
Karin Scherbart (Naturschutzgebiet Drover Heide)

Autor seit 2 Jahren
43 Seiten
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