Einfluss von Medien

Begriffe und Wörter, die uns durch die Medien und die Werbung ständig eingeimpft werden, kennt sicher jeder von uns. Sie haben oft mit Geschwindigkeit, Kraft, Ausdauer zu tun. Hier nur eine kleine Auswahl von Wörtern, die mittlerweile ständig unser Leben begleiten: Power, High-Speed, Geschwindigkeit, Leistung, sekundenschnell, Superlearning, Zeitersparnis. Jeder von uns kann diese kleine Aufzählung sicher mit eigenen Wörtern ergänzen.
Vor allem die Werbung gaukelt uns vor das alles immer irgendwie schneller und besser gehen könnte als bisher. Man spart Zeit, Geld, Arbeit und das Leben kann so einfach und schön sein. Eine durchgemachte Nacht, oder ein anstrengender Tag, wird heute selbst bei Männern einfach mit Cremes wieder "ungeschehen" gemacht. Durch Energiedrinks werden Müdigkeit und normale Tagestiefs überbrückt. Immer schön wach und frisch bleiben ist die Devise.
Die Zunahme von Stress-Krankheiten wie Burn-out, Bluthochdruck, Hörsturz und Herz-Kreislauferkrankungen sind erschreckend. Sicher ist Stress nicht der einzige Auslöser solcher Krankheiten, aber sicher ein Beschleuniger. Aber selbst dann, wenn die Gesundheit leidet, helfen die Medien bzw. die Werbung mit den passenden Pillen.

Reizüberflutung, ein schleichender "Virus"

Die Zahl der Informationskanäle und somit der Informationen sind, vor allem im letzten Jahrzehnt, sprunghaft gestiegen. Die älteren Semester unter uns können sich sicher noch an Zeiten erinnern, an dem Fernsehen (mit wenigen Programmen), Radio, Zeitung, normale Briefpost und ein Telefon ausreichende Informations- und Kommunikationsmittel waren. Inzwischen haben sich die Informations- und Kommunikationskanäle fast unmerklich erweitert und es werden immer mehr. Fernsehen (mit Pay-TV, Teletext, Video-on-Demand etc.) mit einer schon fast unüberschaubaren Fülle von Programmen. Dazu gekommen sind Handy (Smartphone), SMS, MMS. E-Mail und nicht zu vergessen das wahrscheinlich allseits beliebte Internet. (Diese kleine Aufzählung hat natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit!). Facebook und Twitter gehören heute für viele genauso zum täglichen Leben, wie die Tagesschau im Fernsehen. Informationen und Bilderflut werden so schnell zu einem unüberschaubaren Berg, der verarbeitet werden muss.

Ich möchte allerdings hier nicht den Eindruck erwecken, das ich zu denen gehöre die sagen: Früher war alles besser.........
Information und Kommunikation gehören zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Man sollte aber Nutzen kritisch hinterfragen, um nicht Opfer im Informationszeitalter zu werden!

Der Mensch besitzt nun mal einen sehr begrenzten Arbeitsspeicher, um hilfsweise ein Bild aus der Computertechnik zu nutzen. Das viel beschriebene Multitasking ist (auch bei Frauen) eine Illusion. In vielen Untersuchungen wurde festgestellt das sich, beim Ausführen mehrerer Tätigkeiten wie telefonieren mit gleichzeitigen Schreiben von Notizen, die Konzentration aufteilt. Man wird also nicht schneller und effektiver, auch wenn man subjektiv den Eindruck hat. Sicher streiten sich gelehrte Geister auch in dieser Hinsicht und man wird beim intensiven Suchen auch andere Ergebnisse finden. Ich bin allerdings der Überzeugung, das Multitasking nicht geht, bzw. nur mit dem Nachteil der Erhöhung der Fehlerquote.
Die Frage ist aber: Sind wir heute wirklich näher am Geschehen und informierter als früher? Das Problem ist eigentlich: Was ist wichtig und richtig und was ist Datenmüll? Wir müssen folglich auch mehr Entscheidungen (jeder für sich persönlich) treffen, was das Leben wiederum nicht vereinfacht. Interessiert es mich denn wirklich, ob Partygirl / boy XY irgendwo auf dieser Welt in irgendein mediales Fettnäpfchen getreten ist? Einfach gesagt: Wir müssen heute wesentlich mehr "filtern" als früher.  

Der ganz normale Wahnsinn?

Mehrfachbelastungen beginnen heute meist schon im Kindesalter. Eltern wünschen sich natürlich das Beste für Ihre Kinder. Kindergarten und Schule wird ergänzt durch den Sportverein, Theater AG, Klavierunterricht (Musikschule) und Ähnlichen. Natürlich werden auch schulische Schwächen durch Nachhilfe und Förderunterricht ausgeglichen. Gegen Förderung von Interessen und Nachhilfe ist natürlich nichts einzuwenden. Die Interessen und das Wollen der Betroffenen sprich der Kinder, müssen natürlich berücksichtigt werden. Wir Erwachsenen bzw. die Eltern oder Erziehungsberechtigten müssen uns kritisch hinterfragen: Wollen unsere Schutzbefohlenen in den Klavierunterricht (Musikschule) oder wollen wir (die Fürsorgeberechtigten) das? Ist es nicht nur das Prestigedenken der Erwachsenen ob in dem Kind vielleicht ein kleiner Mozart (ein Tennisass usw.) steckt? Freiräume für Kinder, Jugendliche, Heranwachsende, die freies Spiel, Selbsterprobung, Entspannung zulassen, sind wahrscheinlich wichtiger den je. Die Prägung auf Höchstleistung stellt auch die Weichen für das spätere Leben. Der Weg in den Burn-out?
Job, Haushalt, Kindererziehung, eventuell ehrenamtliche Arbeit sind für die heutige moderne Frau (Mann) selbstverständlich. Man(n) ist nicht nur Hausfrau/mann, Ernährer der Familie, sondern auch zumindest in irgendeiner Weise sozial tätig. Sicher tun ökonomische Zwänge in der heutigen Zeit ihr Übriges. Ein Gehalt reicht meistens nicht mehr für ein würdiges Leben. Der neu geschaffene moderne (?) Niedriglohnsektor, der von der Politik und der Wirtschaft geschaffen worden ist, leistet einen erheblichen Beitrag zur Beschleunigung des Lebens. Viele Beschäftigte im Niedriglohnsektor sind gezwungen Multijobber zu sein, was zusätzliche Wegezeiten mit sich bringt. Zeit, die für die Erholung dann schließlich fehlt.
Lebens- und Arbeitszufriedenheit bleiben so nur allzu oft aus, und sind schon fast Fremdwörter geworden.

Umgang mit der Zeit - Gelassenheit (neu) erlernen

Zunächst ein kleiner Exkurs:
Es scheint so zu sein, dass das Geheimnis für ein langes Leben ein niedriger Stoffwechselumsatz ist. Manche Schildkrötenarten werden locker 100 bis 200 Jahre alt. Hummer werden selbst in freier Wildbahn bis zu 100 Jahre alt. Ist das Geheimnis dieser Tiere ihr niedrigerer Stoffwechsel, der zu mehr Gelassenheit im Leben führt?
Nebenbei bemerkt, wenn auch etwas makaber: Leider ist dem in der Realität aber nicht so. Schildkröte (leider immer noch), als auch Hummer landen oft vorher in der Nahrungskette des Menschen.

Hier vielleicht ein paar nützliche Tipps für mehr Gelassenheit. Im Grunde nichts Neues. Allerdings muss man sich einige Dinge (eventuell) immer wieder bewusst machen.

- Man nehme: Einen Stundenplan, wie man ihn aus seiner Schulzeit kennt. So kann man einfach seine Zeit für bestimmte Tätigkeiten strukturieren. Auch ausreichende Ruhezeiten planen und eintragen!
- Planen, ohne zu überfrachten. Das heißt keine zu engen Termine, sondern Pufferzeiten einbauen. Auf diese Weise kommt man nicht so schnell in Hektik und Zeitdruck, falls die Dinge nicht so glatt laufen.
 - Man muss nicht, vor allem bei materiellen Dingen, mit anderen mithalten können. Weniger ist manchmal mehr, mehr Lebensqualität. Jeder hat persönliche Stärken, also mehr auf seine eigenen Stärken konzentrieren.
- Vielen helfen Entspannungstechniken wie Meditation, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung. Autogenes Training sollte man allerdings unter Anleitung lernen!

- Möglichst kurze Wege und unnötige Wege vermeiden. Das spart Zeit für schöne Dinge. 
Ist es tatsächlich notwendig zum Tanken zig Kilometer zu fahren, um wenige Cents zu sparen?
So schön ein Wochenende zum Beispiel am Meer sein kann. Ist die Reisezeit günstig? Statt eventuell stundenlang im Stau zu stehen, wäre nicht doch der Balkon oder der eigene Garten die bessere Alternative?
- Nicht jede Mode mitmachen und jedem Trend blind hinterher laufen. Nützliche Dinge (zu dem ich auch das Internet zähle) vergehen nicht. Selbst wer nicht an die Neuerung (Nützlichkeit) des World Wide Web geglaubt hat, dem ist es trotzdem nicht weggelaufen.
- Sich immer sagen: Morgen ist auch noch ein Tag! Manchmal müssen Dinge halt warten, es muss nicht immer alles geschafft werden, was man sich vielleicht vorgenommen hat.
- Keine Ängste haben irgendetwas zu verpassen. Nützliches und Schönes ist wie ein kunstvoll geschliffener Diamant - so gut wie unvergänglich.
- Man muss nicht ständig telefonisch (Handy, Festnetz) und mit E-Mail erreichbar sein. Schließlich ist man nicht der Notarzt oder die Feuerwehr!
Jeder mag diese Liste für sich persönlich ergänzen. In der Ruhe liegt die Kraft. Eine Weisheit, die man in der heutigen Zeit (neu) erlernen muss.

 Fotos: © Kuscheltier 2012

Kuscheltier, am 22.04.2012
6 Kommentare Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.


Bildquelle:
© Can Stock Photo Inc. / agencyby (Wie macht man einen Vortrag)

Autor seit 3 Jahren
17 Seiten
Pagewizz auf Facebook
Laden ...
Fehler!