1,2 Rizinus, Mammutbaum
3,4 Strelitzie, Hibiscus
5,6 Sommerblumenmischung, Traubenkerne
7,8 Brugmansie, Passionsblume
Samensammlung digital
Kleine Welt auf Augenhöhe
Der Zoologe und der Botaniker haben etwas unterschiedliche Auffassungen, wenn es um die Definition des Begriffs geht. Und auch der Laie versteht darunter auch ohne wissenschaftliche Ausbildung mindestens zwei unterschiedliche Erscheinungsformen. Wenn bei den Tieren von Samen die Rede ist, dann ist der erforderliche männliche Anteil für die Fortpflanzung und Arterhaltung gemeint, der erst nach einer Befruchtung weiblicher Keimzellen zum Entstehen neuen Lebens führt. Der Botaniker dagegen betrachtet den Samen, oder auch besser das Samenkorn, als das gewachsene Ergebnis einer Befruchtung (Bestäubung). Er sieht darin den perfekten Speicher der Erbanlagen der Ursprungspflanze und weiß, dass latentes Leben nur auf günstige Umweltbedingungen wartet, um einen Kreislauf der Arterhaltung und Vermehrung aufrecht zu erhalten. Und um diese Samen geht es bei nachfolgender Betrachtung.
Samensammlungen werden aus den verschiedensten Gründen angelegt. Vordergründig sind da wissenschaftliche Belegsammlungen zu sehen, die häufig Samen von Arten enthalten, deren Existenz heute bedroht ist. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass etliche Nutz-und Zierpflanzen in der Folge von Eingriffen durch den Menschen (Züchtung) so verändert wurden, dass es sie nur noch in dieser Form gibt und kaum ein Sammler die Wildformen mancher Pflanzen kennt oder gar findet. In diesem Moment wird erkennbar, dass die beschriebenen Samensammlungen auch Samenbanken sind und sogar für künftige Züchtungen auch Goldbanken darstellen können, sofern noch genetisches Material isolierbar ist. Diese Sammlungen sind nicht Bestandteil der nachfolgenden Betrachtungen, sondern die Sammlungen, die von angehenden Fachleuten und Studierenden zum Zwecke der Anschauung angelegt werden. Oft sind es Sammlungen, die zusammen mit Herbarien entstehen. Und wenn es auch umfangreiche, bebilderte Literatur zu diesem Thema gibt, wird die Beschäftigung mit den Objekten immer eine ausbildungsfördernde Wirkung haben. Zu jeder Sammlung gehört ein System, innerhalb dessen man die Objekte eindeutig zuordnet und ein Finden problemlos möglich ist. Für die umfassenden wissenschaftlichen Sammlungen wird die botanische Systematik Anwendung finden. Der Auszubildende wird sich im Zusammenhang mit seinen spezialisierten Berufsziel bereits vor dem Anlegen einer Sammlung einen Rahmen setzen. Um eine Sicht auf die möglichen Eingrenzungen zu finden nachfolgend ein paar Beispiele. Diese unabhängig davon, ob die Samenkörner als Vollkorn oder zerkleinert verwendet werden.
Nahrungsmittel: Getreide, Lein, Sonnenblume, Raps, Erbse, Bohne, Linse
Genussmittel: Kaffee, Kakao, Haselnuss, Walnuss, Kokosnuss
Würzmittel: Fenchel, Anis, Pfeffer, Senf, Muskatnuss
Heilmittel: Lein, Rizinus, Kümmel, Fenchel
Futtermittel: Getreide, Mais, für viele Wildvögel Samen von Gräsern (Körnerfresser)
Es gäbe auch die Spezialisierung einer Sammlung nach folgenden Kriterien: Verbreitung durch den Wind (Getreide, Löwenzahn) oder durch Hafteinrichtungen per Tierfell (Klette),
Weitere Begrenzung einer Sammlung wäre evtl. die Berücksichtigung von z.B. Pflanzenfamilien oder Biotopen.
Grundsätzlich aber ist wichtig, dass die Benennung des Samens immer mit dem wissenschaftlichen Namen der Pflanze erfolgen muss. Die weitere Betrachtung wird nun von der bisher üblichen Verfahrensweise beim Anlegen einer Samensammlung abweichen. Und diese Abweichung ist möglich, wenn es bei der Sammlung vorrangig um die Anschauung geht und die Archivierung des Originalmaterials nicht unbedingt erforderlich ist. Gemeint ist eine Sammlung in digitaler Form, wobei momentan unberücksichtigt bleibt, ob diese Daten auf Papier ausgedruckt werden sollen oder die Dateien geordnet auf einem Datenträger abgelegt werden, um die Sammlung für eine Betrachtung am Bildschirm verfügbar zu haben und problemlos vervielfältigen zu können. Es gäbe für diesen Weg verschiedene Möglichkeiten. Eine Adaption der digitalen Kamera (SLR) an ein Mikroskop ist sicher von der Anschaffung die kostenaufwändigste Sache. Ein Makroskop ist auch im Eigenbau noch recht teuer. Eine moderne Digitalkamera mit entsprechend hoher Auflösung gestattet oft auch Nahaufnahmen im Zentimeterbereich. Damit wären Ausschnittvergrößerungen machbar. Diese Kamera übersteigt jedoch immer noch erheblich die Anschaffungskosten eines Flachbettscanners. Dieser ist in geeigneter Qualität (Auflösungsvermögen bis 4800 dpi) deutlich unter einem Anschaffungspreis von 200 Euro erhältlich ist. Es wird also vorausgesetzt, dass außer einem PC ein Flachbettscanner vorhanden ist oder sich dessen Anschaffung am ehesten realisieren lässt. Diese Scanner gestatten, um einen Begriff aus der Mikroskopie zu verwenden, die Auflichtbetrachtung. Eine Durchlichtbetrachtung ist ohnehin nicht erforderlich, da Samenkörner fast immer undurchsichtig sind. Das Scannen der Samen sollte immer auf einer Unterlage von glasklarer Folie erfolgen, um die empfindliche Glasplatte vor Kratzern oder evtl. auch Flecken (bei frischem öligem Samen möglich) zu schützen. Der Sinn des Scannens liegt in der möglichen Abbildungsvergrößerung des Samenkorns. Eine einheitliche „Rezeptur“ kann dazu nicht gegeben werden, da einerseits die Originale sehr unterschiedliche Größe haben (Mohnsamen-Bohne) und anderseits die gewünschte Größe, oder besser Vergrößerung, entscheidet mit welcher Auflösung das Scannen erfolgen muss. Dazu ist es noch erforderlich zu berücksichtigen ob die entstandene Bilddatei ausgedruckt werden soll. In diesem Falle wäre mindestens eine Endauflösung von 150 dpi erforderlich. Ist allerdings die ausschließliche Wiedergabe am Bildschirm vorgesehen, dann ist fast immer eine Auflösung von 72 dpi (75 dpi rechnet sich besser) ausreichend.
Beispielrechnung
Für die Ermittlung der erforderlichen Auflösung beim Einscannen ist nachfolgender einfacher Rechenweg sehr hilfreich. Es wird angenommen, dass die Vorlage eine Größe von 2,0 cm x 2,0 cm hat und eine Endgröße von 10,0 cm x 10,0 cm erreicht werden soll. Da das Ergebnis mit 300 dpi verwertet werden soll, lässt sich die erforderliche Einscannauflösung mit dieser Formel ermitteln: Ausgangsgröße in cm geteilt durch Endgröße in cm mal Auflösung in dpi. 10,0 cm : 2,0 cm x 300 dpi = 5 x 300 dpi = 1500 dpi. Aus diesem erzielten Ergebnis (Vergrößerung gegenüber der Vorlage) lässt sich nun problemlos der gewünschte Ausschnitt erstellen und per Bildmontage in die Blattgestaltung einbeziehen. Gleichzeitig wird bei diesem Rechenweg deutlich wie groß die Reserven für weitere Ausschnittsvergrößerungen sind. Bei der Anwendung des Ergebnisses zur Bildschirmbetrachtung ist es erforderlich an der Stelle von 300 dpi 72 (auch 75) dpi in die Formel einzufügen. Der Vergrößerungsmaßstab lässt sich erweitern in Abhängigkeit von der Leistungsfähigkeit des verwendeten Scanners variieren. Eine peinlich saubere Glasscheibe des Scanners ist erforderlich und damit können die ersten Versuche beginnen. Zusätzlich wird auf den Bildern einen günstigen Nebeneffekt erkennbar. Mit dem Scanner erzielt man etwas mehr Tiefenschärfe als bei einer Makroaufnahme mit einem Fotoapparat. Diese Bilder lassen sich mittels einem einfachen Bildbearbeitungsprogramm zusätzlich nachträglich Schärfen. Dazu empfehle ich den Filter UNSCHARF MASKIEREN. Bitte nicht übertreiben. Auch hier hilft nur experimentieren, um Verfälschungen vorzubeugen. Die Bilddateien ließen sich erforderlichenfalls auch mit anderen Filtern bzw. Bearbeitungsstufen des Bildbearbeitungsprogramms in fast grafische Darstellungen umwandeln, wenn es z.B. vordergründig um die Darstellung von Strukturen ginge. Zum verwendeten Bildbearbeitungsprogramm kann nur bemerkt werden, dass es sehr preiswerte Programme gibt, die alle diese Anforderungen erfüllen. Jedoch sollten sie mit der Ebenentechnik arbeiten und der Nutzer sich mit dem Programm angefreundet haben. Die Beispielbilder dieses Beitrages sind mit den Programmen PHOTOSHOP ELEMENTS und PHOTOSHOP 6.0 entstanden. Beide ermöglichen das Montieren von Teilbildern und das Einfügen von Text. Alle Teilbilder sowie auch der Text können während der Montage bearbeitet werden. Nur sollte man alle Teilergebnisse im hauseigenen Dateiformat des jeweiligen Programms ( hier psd) abspeichern, damit eine erneute Bearbeitung problemlos möglich ist. Erst wenn das Bild völlig fertig gestellt worden ist, sollte das endgültige Dateiformat (TIFF oder JPEG) gewählt werden. Die Bilddarstellung des Samens mit dem Text der Beschreibung und möglicherweise Textergänzungen zur Eigenschaft oder Nutzung kann mit den vorgenannten Techniken der Bildmontage genutzt werden, um z.B. das gescannte Bild eines Sämlings oder auch das Foto der blühenden Pflanze mit zu integrieren. Dadurch würde der Informationsgehalt der digitalen Samensammlung erheblich erweitert werden.
Diese digitalisierte Samensammlung weicht in ihrer Form erheblich von der traditionellen Samensammlung ab. Es sind keine Originalbelege. Sie ist somit kein Speicher mehr für genetisches Material. Aber damit bin ich bereits an der Stelle, an der die Vorteile erkennbar werden sollten. Für die Anschauung ist die vergrößerte Darstellung von Vorteil. Trotzdem sollte zur Abbildung eine Angabe des Vergrößerungsmaßstabs oder die Angabe der Originalgröße gehören. Auf einem „Sammelblatt“ ist nicht nur das Samenkorn dargestellt, sondern möglichst auch ein Scan des Sämlings. Die ausführliche Beschreibung befindet sich nicht an gesonderter Stelle, sondern neben dem Bildteil. Es ist ohnehin auch für den Fachmann und Praktiker wichtiger Hinweise für die Bedingungen der Keimung und Informationen zum Zeitraum der Keimfähigkeit zu erhalten, als am „abgelagerten“ Material zu testen ob noch eine Wiederbelebung möglich ist oder nicht. Da könnte es bei einer Ausbildung sicher lehrreicher sein eine Probe des Samens, der gescannt wurde, zum Keinem zu bringen um dann auch vom diesem ein digitales Abbild anzufertigen und damit die Sammlung aussagekräftiger zu machen. Eines bleibt in jedem Falle erhalten. Es ist die intensive Beschäftigung mit den Samenkörnern und die unterweisende Arbeit mit der Fachliteratur. Dazu gehört selbstverständlich die Freude an der individuell gestalteten Sammlung.
samen
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Kommentare
Sehr schöne Aufnahmen
Danke für die Anmerkung. Ich werde bestrebt sein weitere in gleicher Qualität anzubieten.
Gruß Klaus
Also auch hierzu kann ich - wie auch zu Deiner Mineralienseite - nur sagen: Spitzen Aufnahmen! Respekt!
VG Simon