Wie funktioniert überhaupt so ein "alternativer Kraftstoff"?

Um den Sinn hinter Kraftstoffen allgemein zu verstehen, muss man erst einmal wissen, wofür sie denn überaupt gut sind... Ich möchte euch das Ganze so kurz und verständlich wie nur möglich von chemisch-physikalischer Seite näherbringen.

Was macht dieser Kraftstoff denn überhaupt? Nun, kurzgesagt: Der Kraftstoff wird in die Zylinderkammer gepresst und dort entzündet. Die entstehende Explosion vergrößert schlagartig den Druck im Innern des Zylinders und drückt den Kolben nach Außen. Nun hat man im Regelfall 4 Zylinder, die Kolben sind über Pleuel mit einer Kurbelwelle verbunden und durch die 4 Explosionen wird die "Auf-/Abwärtsbewegung" des Kolbens in eine Drehbewegung des Motors umgewandelt. Diese Drehbewegung wird wiederrum über verschiedene Mechanismen in die Drehbewegung der Antriebsachse umgewandelt, aber das soll uns hier nicht weiter interessieren.

Warum gibt es E10?

Nun, darüber streiten die Geister.

E10 steht für "Ethanol 10". Ethanol, das ist einfach Alkohol, der dem Benzin beigemischt wird und die 10 steht für den prozentualen Volumenanteil am Benzin, nämlich (gesetzlich höchstens) 10% Ethanol.

Na und was soll das nun?

Benzin wird aus Erdöl gewonnen, es ist also ein fossiler Brennstoff. Fossile Brennstoffe haben die Eigenschaft, nur in "begrenztem" Maße auf der Erde vorzukommen. Man kann also sagen, irgendwann wird es auf der Welt kein Erdöl mehr geben. Wann der Zeitpunkt gekommen ist, das wird von den Lesern meines Artikels niemand mehr mitbekommen.

Ethanol hingegen kann künstlich, also aus anderen (nachwachsenden) Rohstoffen hergestellt werden, man nennt ihn daher auch "Bioethanol". Ethanol ist daher unbegrenzt verfügbar und soll die Erdölreserven indirekt schonen.

Nun, das hört sich alles klasse an, nicht wahr? Wieso nicht beim Autofahren gleich auch etwas für die Umwelt tun?

Weit gefehlt! Bioethanol hat mindestens einen entscheidenden Nachteil gegenüber herkömmlichem Benzin. Ethanol hat einen geringeren Energiewert gegenüber Benzin. Ich versuche das mal anschaulich zu erklären: Verbrenne ich 1 Liter Benzin, dann entsteht mehr Wärme, als wenn ich 1 Liter Ethanol verbrenne. Wenn wir uns zurück an die Funktionsweise eines Motors erinnern, hieße das: Verbrenne ich Benzin in dem Zylinderraum, dann ist die Explosion stärker, als wenn ich Ethanol dort verbrenne. Soll heißen: Mit einem Liter Benzin kann ich mit dem gleichen Auto größere Strecken fahren, als mit einem Liter Ethanol.

Jetzt ist E10 nicht pures Ethanol, sondern eben nur 10% Ethanol gemischt mit Benzin, der Unterschied zu herkömmlichem Benzin fällt also geringer aus.

Aber E10 kostet doch auch weniger, als Benzin!

Das sei natürlich jedem selbst überlassen. Damit mein Artikel hier nicht gänzlich ausufert, nenne ich nur ein paar Fakten, die der Entscheidung Hilfe leisten sollen.


Wer E10 tankt, der verbraucht ca. 1,5% - 2% mehr Kraftstoff wegen des geringeren Energiegehaltes. E10 ist in der Regel jedoch ca. 3 Cent günstiger als Benzin, daher liegen 100 gefahrende Kilometer mit E10 genauso schwer im Geldbeutel wie 100 gefahrene Kilometer mit Benzin, wenn E10 nicht womöglich sogar etwas günstiger ist.

Zur Verträglichkeit: Ca. 90% aller PKW mit Ottomotor, die sich derzeit auf Deutschlands Straßen befinden, vertragen E10. Ob auch Ihr Auto E10 verträgt, erfahren Sie beim Hersteller Ihres Automobils, im Internet oder vielleicht sogar beim Tankwart des Vertrauens. Das Ethanol im Benzin kann bestimmte Teile der Kraftstoffförderung des PKW angreifen, muss es jedoch nicht. Die Verträglichkeit verschiedener PKW beruht auf bauartbedingten Unterschieden in der Materialwahl. Soll heißen: Wenn Ihr PKW E10 verträgt, dann verträgt er es tatsächlich und nicht nur "so mehr oder weniger"! Hier gibt es quasi nur ein JA oder ein NEIN, entweder ganz oder gar nicht. Wenn Ihr PKW freigegeben ist, dann wird hier nichts kaputtgehen.

Eine Liste aller freigegebenen PKW findet sich auf der Homepage des DAT.

 

Und vollkommen abgesehen von Preis und Verträglichkeit, tun Sie womöglich ein Stück weit etwas Gutes für die Umwelt.

Tanken Sie E10?
ReadMeJones, am 09.10.2011

Kommentare


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profkm am 27.10.2011
Ich bin zum Glück nur indirekt betroffen, da ich selbst einen Diesel fahre. Aber der Wagen meiner Frau ist ein Benziner, der E10 fahren könnte. Was mir im Artikel fehlt, ist eine Überlegung zur tatsächlichen Umweltbilanz von E10. Beim Biodiesel oder beim Diesel, dem Bio-Diesel beigemischt wird, ist die Bilanz ja recht günstig, da man den Biodiesel quasi direkt aus der Pflanze quetscht. Biodiesel ist ja im Prinzip Pflanzenöl. "Bio"-Ethanol wird jedoch nicht direkt gewonnen, sondern erst durch verschiedene Prozesse wie alkoholische Gärung etc. Bei diesen Prozessen ist auch wieder Energieeinsatz nötig und es entstehen Treibhausgase. Macht es unter den Überlegungen überhaupt Sinn, E10 zu fahren? Oder verlagert das nur das CO2-Problem von der Strasse in Richtung Mineralölindustrie? Dabei lasse ich mal außer Acht, dass wir in Deutschland schon nicht genug Anbauflächen für Nahrung und Biodiesel haben - für E10 schon mal gar nicht. Die nachwachsenden Rohstoffe für E10 werden importiert, teilweise um die halbe Welt transportiert (wie Rohöl). Dennoch ein interessanter Artikel. Vielleicht gibt es ja mal einen zweiten Teil?
ReadMeJones am 10.10.2011
Auch wenn ich mich mit "Susanne" nicht direkt angesprochen fühle, danke ich dir dennoch herzlich für deinen Kommentar, Wolfgang! :-)
Wolfgang Bader am 09.10.2011
Die ganze Geschichte des E10-Superbenzins ist leider ein Ausdruck unserer unausgegorenen Politik. Wir sollten uns mal wirklich daran machen, wie die Energiepolitik der Zukunft aussehen könnte. Aber - ein guter Bericht, Susanne. Herzliche Grüße Wolfgang


Bildquelle:
berggeist007 / pixelio.de (Die Planung der Zugfahrten in Deutschland)
etech (Dashcam-Videos in der Schweiz – erlaubt oder verboten?)

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