Ein Meerschweinchen namens Frieda
Eine Kindergeschichte über Freundschaft und eine Meerschweinchen-Liebe
Der erste Tag in der neuen Schule
Heute ist Luisas erster Tag in ihrer neuen Schule. Die Familie des Mädchens ist erst kürzlich in das Dorf gezogen, in dem auch Moritz, Anne und Jakob wohnen, die ihr vielleicht schon aus dem Buch "Moritz und seine Freunde" kennt. Nun ist Luisa in derselben Klasse wie die drei Kinder.
So richtig wohl fühlt sich Luisa hier aber noch nicht. Sie kennt noch niemanden und in den Pausen und auch nach der Schule ist sie oft einsam und ganz allein.
Frau Kluge, so heißt Luisas Klassenlehrerin, hat natürlich längst bemerkt, dass das Mädchen auf dem Schulhof oft in einer entlegenen Ecke steht und traurig ist. Die Lehrerin heißt nämlich nicht umsonst Frau Kluge; sie ist wirklich sehr klug – und ganz besonders lieb.
Als Frau Kluge Luisa wieder einmal ganz allein am Schulhofzaun entdeckt und ein Stück mit ihr spazieren geht, erzählt ihr das Mädchen von Frieda, dem Meerschweinchen. Frieda ist Luisas einzige Freundin und kennt all ihre Geheimnisse, sogar die, von denen noch nicht einmal Mama und Papa etwas wissen und auch nicht Luisas große Schwester Franzi.
Frau Kluge hört aufmerksam zu und überlegt einen Moment, wie sie Luisa helfen kann, Freunde zu finden.
„Ich hab‘ eine Überraschung für Dich und die anderen Kinder in der Klasse, gleich morgen in der ersten Stunde!“ sagt Frau Kluge dann mit einem geheimnisvollen Lächeln im Gesicht. „Aber Du darfst niemandem etwas verraten!“
Luisa verspricht es und ist nun sehr gespannt, was morgen passieren wird.
„Wer von Euch hat ein Haustier?“ möchte Frau Kluge am nächsten Tag von den Kindern wissen - gleich in der ersten Stunde, wie sie es versprochen hat. Ob die Frage etwas mit der Überraschung zu tun hat, von der Frau Kluge gestern sprach?
Am liebsten möchten alle Kinder gleichzeitig von ihren Haustieren erzählen. Und das tun sie dann auch – eine ganze Stunde lang!
Nina hat zwei Kaninchen, die am liebsten Möhren essen.
Als Maike erzählt, dass sie eine Vogelspinne hat, staunen die Kinder. Manche bekommen eine Gänsehaut und schütteln sich.
Moritz hat zu Hause Fische – in zwei Aquarien! Und dann erzählt er von Tapsi, dem kleinen Hund, um den er sich gemeinsam mit Anne und Jakob kümmert. Anne hat außerdem noch eine Schildkröte, die den ganzen Winter über schläft.
Nun fragt Frau Kluge auch Luisa, was sie für ein Haustier hat.
„Ein Meerschweinchen!“ antwortet das Mädchen stolz.
„Ich auch!“ ruft plötzlich Jakob und freut sich, dass noch jemand in der Klasse ein Meerschweinchen hat.
„Prima!“ antwortet Frau Kluge und erklärt den Kindern, dass Meerschweinchen sich sehr einsam fühlen, wenn sie alleine sind. „Vielleicht werden Eure Meerschweinchen Freunde?“ überlegt die Lehrerin.
„Das wäre toll!“ freut sich Jakob und plötzlich versteht Luisa, was Frau Kluge gestern gemeint hat, als sie von einer Überraschung sprach. Die Lehrerin wusste natürlich ganz genau, dass auch Jakob ein Meerschweinchen hat, das sich über eine Spielgefährtin sicher freuen wird.
„Wie heißen denn Eure Meerschweinchen?“ möchte Frau Kluge wissen.
„Frieda!“ ruft Luisa ganz laut in die Klasse.
„Herr Neumann!“ antwortet Jakob und alle Kinder müssen lachen.
Luisa kann es kaum erwarten, in der Pause mit Jakob zu sprechen und auch der Junge ist ganz aufgeregt und überlegt schon, ob sich Herr Neumann und Frieda wohl vertragen werden.
Nun ist Luisa nicht mehr allein. Nach der letzten Stunde verabreden die beiden Kinder, dass Frieda und Herr Neumann sich am Nachmittag bei Jakob kennenlernen sollen.
Meerschweinchen brauchen viel Platz und Jakob hat einen riesigen Meerschweinchen-Käfig. Außerdem können die beiden dort auch frei im Zimmer herumtollen.
An Nachmittag wartet Jakob vergeblich auf Luisa und Frieda und am nächsten Tag kommt Luisa auch nicht zur Schule.
„Luisa ist krank!“ erklärt Frau Kluge mit besorgtem Blick und Jakob beschließt, das Mädchen am Nachmittag zu besuchen. Zuvor pflückt er auf der großen Wiese hinter dem Haus Löwenzahnblätter und Gänseblümchen für Frieda und einen großen bunten Blumenstrauß für Luisa.
Frieda
Luisa muss im Bett liegen. Aber das ist nicht so schlimm, denn gleich daneben steht Friedas großer Meerschweinchen-Käfig. So kann sich Luisa immer mit ihrer kleinen Freundin unterhalten, wenn sie möchte.
Kaum hat Jakob ein Blatt von dem saftigen Löwenzahn durch die Stäbe geschoben, da kommt Frieda auch schon aus ihrem Häuschen gekrabbelt. Verdutzt schaut sie den fremden Jungen an, macht „Männchen“ und beginnt sogleich, das Blatt genüsslich zu verspeisen.
Frieda ist ein besonders schönes Meerschweinchen. Sie ist sehr neugierig, tobt oft wie wild in ihrem großen Käfig herum und hört Luisa ganz still zu, wenn sie erzählt. Frieda hat eine braune und eine weiße Seite.
„Wenn Frieda glücklich ist, dann zeigt sie ihre braune Seite. Und wenn sie traurig ist oder Hunger hat, dann kann man ihre weiße Seite sehen.“ erklärt Luisa.
Tatsächlich!
Eben noch hat Frieda ihre braune Seite gezeigt. Nun hat sie das leckere Blatt aufgefressen, zeigt Jakob ihre weiße Seite und macht wieder „Männchen“.
„Sie möchte noch mehr Löwenzahn“ versteht Jakob und legt die restlichen Blätter und die Gänseblümchen in Friedas Käfig.
Hopp! Schon sehen die Kinder wieder die braune Seite des Meerschweinchens.
„Deine Frieda ist wirklich schlau!“ freut sich Jakob.
„Frieda kann sogar sprechen!“ meint Luisa stolz.
„Quatsch!“ antwortet Jakob. „Das glaube ich Dir nicht!“
„Doch!“ beharrt Luisa. Wenn Frieda „Männchen“ macht und laut pfeift, dann heißt das in Meerschweinchen-Sprache, dass sie Hunger hat! Wenn Frieda leise quietscht, geht es ihr gut oder sie genießt es, gestreichelt zu werden. Und wenn Frieda wie eine Alarmanlage pfeift, dann hat sie Angst!“ erklärt Luisa.
„Herr Neumann knattert und schnattert manchmal wie eine Gans!“ scherzt Jakob. „Wahrscheinlich sollte er nicht so viele Gänseblümchen essen.“
„Knattern heißt, dass Herr Neumann nicht gestört werden möchte oder dass er sich eine Freundin wünscht!“ belehrt Luisa. Wozu hat sie schließlich das dicke Buch von Mama geschenkt bekommen, in dem alles über Meerschweinchen geschrieben steht.
„Toll!“ freut sich Jakob. „Gut, dass Frau Kluge gestern über Haustiere gesprochen hat. Herr Neumann wird sich bestimmt mit Frieda verstehen!“
Dann schenkt Jakob Luisa die selbst gepflückten Blumen.
„Danke schön!“ flüstert das Mädchen verlegen und plötzlich wissen Luisa und Jakob gar nicht mehr, was sie sagen sollen. Die Beiden schauen sich wortlos an und müssen plötzlich loslachen.
Freunde
Obwohl Luisa heute noch im Bett bleiben muss, ist sie gar nicht mehr traurig, ja sie ist sogar glücklich, denn plötzlich stellt Jakob dem Mädchen eine wichtige Frage:
„Wollen wir Freunde sein?“ haucht der Junge ganz leise.
„Oh ja!“ flüstert Luisa – und dann beginnt sie zu erzählen, wie schlimm es für sie war, keine Freunde zu haben, dass sie jeden Tag nach der Schule geweint und nur Frieda ihr zugehört hat.
„Das ist ja jetzt vorbei und morgen komme ich wieder und bringe Herrn Neumann mit, versprochen!“ sagt Jakob.
„Aber was werden die anderen in der Klasse denken?“ sorgt sich Luisa. Vor allem die Jungen machen sich oft darüber lustig, wenn einer von ihnen mit einem Mädchen befreundet ist.
„Ach, das sind doch noch Kinder!“ antwortet Jakob altklug und Luisa muss schon wieder lachen, weil der Junge plötzlich wie ihr Papa drein schaut, ganz ernst und streng.
Meerschweinchen – Liebe
Am nächsten Tag nach der Schule sind Jakob und Herr Neumann wieder bei Luisa. Unsicher schaut sich Herr Neumann im Zimmer des Mädchens um. Als er Frieda entdeckt, die gerade unter dem Bett hervor krabbelt, schnuppert Herr Neumann zuerst einmal ausgiebig an ihrem Po.
„Aber Herr Neumann!“ ermahnt Jakob erschrocken.
„Das machen Meerschweinchen so beim ersten Date.“ erklärt Luisa und lacht. Kaum haben sich die Kinder wieder ein bisschen vom Lachen erholt, bekommt Frieda von Herrn Neumann einen dicken fetten Kuss!
Gemeinsam verspeisen die beiden Meerschweinchen die Löwenzahnblätter, die Jakob gepflückt hat und während Herr Neumann und Frieda sich kennenlernen, blättern Luisa und Jakob im großen, dicken Meerschweinchen-Buch:
Meerschweinchen können 6 bis 8 Jahre alt werden. Sie hören und riechen viel besser als der Mensch und mit ihren Schnurrhaaren können sie sich im Dunkeln gut orientieren. Sie brauchen täglich frisches Wasser und Heu. Außerdem mögen sie Löwenzahn, Gras, Gurken und Möhren, aber auch Sonnenblumen und sogar Zweige von Weiden oder Birken.
Eben hat Luisas Mama den beiden Meerschweinchen ein paar Gurkenscheiben gebracht.
„Hm! Gurke schmeckt gut!“ denkt sich Frieda und quietscht leise vor sich hin. Doch schwupp – schon hat Herr Neumann die Gurkenscheibe stibitzt.
„Das ist meine Gurke!“ protestiert Frieda in Meerschweinchen-Sprache, quietscht, pfeift und knattert bedrohlich. „Du kannst Dir selbst eine Gurkenscheibe suchen!“ schimpft sie aufgeregt.
„Ich will aber Deine!“ antwortet Herr Neumann trotzig. „Die schmeckt nämlich viel besser!“ – und beißt genüsslich in Friedas Gurke.
„Pah! Dann such‘ ich mir eben eine neue Gurke.“ motzt Frieda und macht sich ganz klein, damit Herr Neumann ihr nicht noch einmal ihr Lieblingsessen stiehlt.
Meerschweinchen sind nicht gerne allein. Wenn sie nicht gemeinsam in einem großen Käfig leben, sollten sie sich zumindest regelmäßig besuchen können – so wie heute Herr Neumann und Frieda.
Inzwischen haben die Beiden ihre Mahlzeit beendet und weil es schon spät geworden ist, muss Jakob nun auch nach Hause.
Luisa und Jakob sind nun Freunde. Auch Frieda und Herrn Neumann gefällt das gemeinsame Spielen sehr gut. Herr Neumann stolziert oft wie ein feiner Herr durch seinen Käfig und wackelt mit dem Po, während Frieda sich neuerdings gründlich putzt und hübsch macht…
„Oh oh!“ sagt Luisas Mama eines Tages mit schelmischem Blick, als die beiden verliebten Meerschweinchen sich wieder einmal schick machen. „Was das Putzen und hübsch machen in der Meerschweinchen-Sprache wohl zu bedeuten hat?“
Das und vieles mehr erfahrt ihr in einer anderen Geschichte!
© Luisa Große & Mario Lichtenheldt
Ein Meerschweinchen namens Frieda
Dieser Artikel als Download zum Ausdrucken und Vorlesen!
Mehr über ...
› Kunst & Kultur› Literatur
› Literarische Gattungen & Formen
› Kurzgeschichten
› Alle Themen












Kommentare
Als Kind hatte ich auch Meerschweinchen. Die sind erstaunlich vielseitig und jedes ist wieder anders.
Liebe Grüße Kerstin