Die Grabrede

Eine freie Rede vor einer mehr oder weniger großen Menschenmenge zu halten, ist eine Angelegenheit, die vielen Menschen nicht liegt und vielleicht Angst macht. Wer in dieser Hinsicht beruflich nicht gefordert wird, verfügt in der Regel über keine Erfahrung als Redner und hat aus diesem Grund mit einer enormen Anspannung sowie einer großen Unsicherheit zu kämpfen. Ist der Anlass für die zu haltende Rede ein Trauerfall, ist dies naturgemäß besonders schwer. So stellt sich die Frage, was man sagen soll und wie man die Grabrede gestalten kann. Der Tod eines geliebten Menschen trifft dessen gesamtes Umfeld schwer und bereitet allen Menschen, die den Verstorbenen kannten und schätzten, Kummer und Schmerz. In dieser Situation das Wort an die Trauergemeinde zu richten und eine Grabrede zu halten, ist eine schwierige Aufgabe. Nichtsdestotrotz kann es überaus positiv sein, diesen Schritt zu wagen, denn auf diese Art und Weise kann man seine eigenen Gefühle ausdrücken und zugleich den Hinterbliebenen Trost spenden.

Wichtige Aspekte beim Halten einer Grabrede

Das Halten einer Grabrede erfordert ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Sensibilität, denn alle Beteiligten befinden sich in einem emotionalen Ausnahmezustand und bedürfen angesichts des schweren Schicksalsschlages Zuspruch und Trost. Mit einer Grabrede kann man dies vermitteln, sofern man einige grundlegende Dinge beachtet. Hierzu gehört unter anderem die Länge der Trauerrede. Man sollte sich selbst und auch die Trauergemeinde nicht zu sehr beanspruchen und sich möglichst kurz fassen. Zudem sollte man besonderes Augenmerk auf die Wortwahl legen. Einerseits soll man seine eigene Trauer authentisch zum Ausdruck bringen, andererseits darf der Schmerz des Redners nicht zu einer zusätzlichen Belastung für die gesamte Trauergemeinde werden. Folglich ist eine sorgfältige Vorbereitung, zu der eine intensive Ausarbeitung der Grabrede gehört, unerlässlich.

Angesichts der Schwierigkeiten, mit denen Trauerredner unweigerlich konfrontiert werden, ist es ratsam, auf Muster und Vorlagen zurückzugreifen. Hieraus werden viele Dinge ersichtlich, so dass man schon einen großen Schritt weiter ist. Zugleich darf man sich allerdings nicht zu stark an der Vorlage orientieren, da es eine überaus persönliche Angelegenheit ist, eine Grabrede zu halten. 

Gütiger Engel

Gütiger Engel (Bild: Gedenkseiten.de (Oliver Schmid))

Weltliche Grabrede

Das Leben eines jeden Menschen wird von zahlreichen Dingen beeinflusst, auf die man oftmals keinen Einfluss nehmen kann. Obgleich die meisten Menschen nach Sicherheit streben, lässt sich diese nur in einem gewissen Maße erreichen, wie man nicht selten zu spüren bekommt. Unvorhergesehene Dinge können das gesamte Leben von einer Sekunde auf die andere grundlegend verändern und mitunter dafür sorgen, dass nichts mehr so wird wie es einmal war. Das lateinische Zitat "Mors certa, hora incerta.", das im Deutschen mit "Der Tod ist sicher, nur die Stunde ist ungewiss." übersetzt werden kann, macht deutlich, dass der Tod ein fester Bestandteil des Lebens ist, man aber nie wissen kann, wann er eintritt und so dem Leben ein Ende bereitet. Rational denkende Menschen sind sich dessen bewusst und sehen hinter dem Tod kein Wirken einer göttlichen Macht.

Eine weltliche Grabrede halten

Gehörte der Verstorbene nicht zu den Menschen, die fest im Glauben verankert sind, ist eine religiöse Grabrede unangemessen. Dies gilt auch für den Fall, wenn die Hinterbliebenen der Religion nicht zugetan sind. In einem solchen Fall ist eine weltliche Grabrede unbedingt zu bevorzugen, da ansonsten der Eindruck entsteht, man gehe nicht auf den Verstorbenen und dessen Angehörige ein. Auch wenn man sich nicht sicher ist, wie der Verstorbene zum religiösen Weltbild stand, ist es ratsam, eine weltliche Grabrede zu halten.

Eine weltliche Grabrede muss auch keineswegs auf einen passenden Trauerspruch verzichten. Es existieren zahllose Verse und Gedichte, die sich mit den Themen Trauer und Tod befassen, ohne den Glauben in den Mittelpunkt zu stellen. Durch eine sorgfältige Recherche und intensive Auseinandersetzung mit dem Thema kann man eine weltliche Grabrede erarbeiten, die dem Verstorbenen und dessen Angehörigen gerecht wird. Indem man auf religiöse Elemente verzichtet, verhindert man, dass man den Trauernden womöglich zu nahetritt oder sich diese peinlich berührt fühlen. 

Tiefe Trauer

Tiefe Trauer (Bild: Gedenkseiten.de (Oliver Schmid))

Beispiel einer Grabrede

Liebe Angehörige,
werte Trauergemeinde,

Liebe Angehörige, Sie haben einen wichtigen Menschen verloren und Ihr Herz ist schwer.

Wir verabschieden heute (Name). Ein Abschied tut immer weh. Der bittere Schmerz, der ersten Zeit wird nachlassen, doch der Verlust bleibt ein Leben lang. (Name) hat am (Datum) eine Schwelle überschritten, auf dem wir ihn/sie nicht begleiten konnten.

Heute wollen wir der Trauer eine Stimme geben. 

Eine kurze Biografie....

Ein paar persönliche Worte... (Was war der/die Verstorbene für ein Mensch).

Ich danke (Name) für manches gute Wort, für ein Lächeln, für einen Mut machende Rat. Jede und Jeder von Ihnen wird wohl solch einen Satz aussprechen können. Uns alle bewegt in dieser Stunde auch der Dank, einen ganz besonderen Menschen gekannt zu haben.

Lassen Sie uns einen Augenblick schweigen – zur Erinnerung an (Name).

Ein Mensch ist nicht vergessen, solange er in unserem Herzen wohnt.

Quelle: Gedenkseiten.de

Betender Engel

Betender Engel (Bild: Gedenkseiten.de (Oliver Schmid))

Religiöse Grabrede

Die Religion ist für viele Menschen ein wichtiger Anker und gibt ihnen Halt. Insbesondere in Krisensituation ist dies besonders wichtig, denn wenn man vor vermeintlich unlösbaren Aufgaben steht oder den Tod eines geliebten Menschen verkraften muss, kann der Glaube an eine göttliche Macht tröstlich sein und sich gewissermaßen als emotionale Rettung erweisen. Der Glaube an einen gütigen und gerechten Gott kann einem auch in schweren Zeiten eine Stütze sein und die Menschen davor bewahren, zu verzweifeln.

Religiöse Grabreden verfassen

In religiösen Familien ist eine Grabrede mit Bezug auf den Glauben somit angebracht und sinnvoll, schließlich kann man so in besonderem Maße auf den Verstorbenen sowie dessen Hinterbliebene eingehen und den Angehörigen Trost spenden, indem man auf das Leben nach dem Tod und Gottes Gnade verweist. In der Trostlosigkeit der Trauer kann man auf diese Art und Weise ein kleines Licht der Hoffnung entzünden und den Hinterbliebenen eine Hilfe sein.

Religiöse Grabreden werden in vielen Fällen nicht von einem Hinterbliebenen gehalten, sondern sind die Aufgabe eines Geistlichen. Der Pfarrer, der die kirchliche Trauerfeier geleitet hat, begleitet die Trauergemeinde ans Grab des Verstorbenen und spricht hier ein paar Worte in Form einer Grabrede. Eine solche religiöse Grabrede nimmt direkten Bezug auf den Glauben und soll den Hinterbliebenen auf diese Art und Weise Kraft spenden. Ein Geistlicher ist natürlich mit dem Halten religiöser Grabreden vertraut und diesbezüglich mehr oder weniger ein Fachmann. Unabhängig davon, ob ein Pfarrer oder Angehöriger die Grabrede hält, sollte diese nicht nur die Religion zum Thema haben. Auch in einer religiösen Grabrede soll der Verstorbene im Mittelpunkt stehen. So ist es von großer Wichtigkeit, auf die Persönlichkeit des Verstorbenen einzugehen und an dessen Stärken zu erinnern. Die Hinterbliebenen kannten und schätzten den Verstorbenen, so dass sie im Rahmen der Trauerrede ihre persönlichen Erinnerungen und Gedanken mit der Trauergemeinde teilen können. Übernimmt ein Geistlicher die religiöse Grabrede, ist im Vorfeld ein ausführliches Gespräch erforderlich, in dem man von dem Verstorbenen erzählt. 

Autor seit 1 Jahr
8 Seiten
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