Aus Liebe zum Tier die erlösende Entscheidung getroffen - Eine Entscheidung, die man nur schweren Herzens trifft

Caspar

 

Diese Geschichte schreibe ich zu Ehren einer meiner geliebten verstorbenen Hunde. Sein Name war Caspar, ein treuer, witziger kleiner Weggefährte, der mich neun Jahre meines Lebens durch dick und dünn begleitet hat. Ein viel zu kurzes Hundeleben für so einen kleinen Kerl.

Ich weiß es noch, als wäre es gestern gewesen. Der Tag, an dem ich aufgeregt zum Züchter fuhr, um ihn dort abzuholen.

Die Eltern der Welpen begrüßten mich bereits freudig an der Haustür, als ich klingelte und mir geöffnet wurde. Und die kleine Rasselbande, bestehend aus noch fünf Welpen wuselte gleich darauf um mich herum, als ich das Haus betreten hatte.

Ach was waren die Tiere hübsch anzusehen. Mein Herz hüpfte geradezu vor Freude bei dem Gedanken, dass einer dieser kleinen Wollknäuels bald mein Hund werden würde. Ich schätze in diesem Moment freute ich mich auf die Art und Weise, wie Kinder es tun. Ganz unbefangen.

Ich hielt mich beinah zwei Stunden beim Züchter auf, um die Kleinen zu beobachten und natürlich auch noch Fragen zu klären.

Caspar war der kleinste Welpe aus dem Wurf, den die anderen auch immer wieder von den Näpfen wegdrängelten. Eher schüchtern und zurückhaltend war sein Verhalten gegenüber seiner Geschwister.

Zu mir kam er jedoch immer wieder angetapst und schlabberte mich freudig ab.

Er war außerdem der einizge schwarze Welpe des Wurfes. Genau aus diesen Gründen, dass er der kleinste, eher etwas ausgeschlossene und einzige schwarze Welpe war entschied ich mich für ihn.

Ich wollte es mir zur Aufgabe machen, aus ihm einen prächtigen, selbstbewußten und starken Kerl zu machen. Was mir auch wirklich gut gelungen ist, in all den Jahren.

Langsam führte ich ihn an die Ereignisse eines Hundelebens heran, als er an meiner Seite aufwuchs.

Die Menschen in unserem Umfeld, Familie und Nachbarn waren alle total begeistert von ihm, und hatten ihn in ihre Herzen geschlossen.

Wenn wir irgendwo spazieren gingen und auf Leute trafen, die wir durch die Hundeschule oder Sapziergänge kennengelernt haben, hieß es immer: "Ach, da kommt ja Caspar." Mit einem Grinsen im Gesicht erwiderte ich den Leuten darauf immer, "ja, und ich bin auch dabei. Caspar darf mich heute wieder mal ausführen." Das Gelächter war dann immer groß.

Caspar war ein kleiner Shih Tzu. Zu seinen Eigenschaften gehörte es nicht Menschen oder andere Hunde anzubellen, um sich zu behaupten oder auf sich aufmerksam zu machen.

Immer wieder kam es vor, dass selbst größere Hunde ihn anbellten. Er schaute dann nur, scharrte kurz wie ein kleiner Stier mit den Hinterpfötchen und ging dann weiter.

Ich war dann immer unheimlich stolz auf ihn, da viele Menschen kleine Hunde für kleine giftige Kläffer halten.

Caspar überzeugte immer wieder vom Gegenteil.

Ich habe all die Jahre viel Spaß mit ihm gehabt. So z. B. auch, wenn wir Fußball miteinander spielten, was er total klasse fand. Ich kickte dann immer einen kleinen weichen Ball in seine Richtung.

Er begann mit den Vorderpfötchen zu tribbeln, der Ball kam und Caspar hielt. Er war ein super Torwart unter den Wauzies.

Vor etwas über einem Jahr wurde er dann plötzlich schwer krank. Seine Nieren begannen zu versagen und die Blutwerte verschlechterten sich dadurch natürlich zusehends.

Viele Tierarztbesuche, Spezialfutter und selbst der Aufenthalt in einer Spezialklinik konnten meinen Caspar nicht mehr retten und gesund machen. Plötzlich hieß es nur noch, dass er jämmerlich sterben muß, wenn ich ihn nicht erlösen lasse.

 

17.02.2010

Diesen Tag werde ich nie vergessen, denn genau da habe ich eine meiner für mich schlimmsten Entscheidungen treffen müssen. Die Entscheidung zum Tierarzt zu fahren und ihn dort von seinem Leid erlösen zu lassen.

Ich werde nie seinen Blick vergessen, als wolle er mir sagen, Frauchen bitte hilf mir. Ich schaffe es nicht mehr und habe keine Kraft mehr.

Meine Tränen tropften auf sein Fell, als ich ihn im Arm hielt, als ihm die erlösenden Spritzen gegeben wurden.

Zwanzig Minuten lang hielt ich ihn dann noch tot im Arm und nahm auf diese Weise Abschied von ihm.

Der einzige Trost für mich war, seinen kleinen, geplagten kranken Körper ganz entspannt sehen zu können. Erlöst von seinen Qualen, und dem Wissen, dass ich bei ihm war, als er starb.

Aus Liebe zu meinem Hund habe ich mich am 17.02.2010 für seine Erlösung entschieden.

Auch wenn ich wieder glücklicher Besitzer eines anderen Hundes bin, ich werde Caspar nie vergessen.

Saramis, am 19.02.2011

Kommentare


Christine am 03.03.2011
Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich eine so schwere Entscheidung bisher nicht treffen musste. Ich kenne Leute, die sich deswegen jahrelang schuldig fühlen. Obwohl das Einschläfern einem langen Leiden vorzuziehen ist, weiß ich nicht, wie ich an deren Stelle drauf wäre. Mein Kater ist 21 und noch fit; ich hoffe, dass er von Krankheiten verschont bleibt.
susivital am 19.02.2011
Zum Glück gibt es bei den Tieren die "Sterbehilfe", damit die Tiere nicht mehr lange leiden zu müssen. Das schwierigste ist nur, diese Entscheidung auch zu treffen. LG Susi
Alpay am 19.02.2011
Eine sehr traurige und bedrückende Geschichte. Nicht um sonst sagt man, dass der beste Freund des Menschen der Hund sei. Ich kenne eine Wahre Geschichte, bei der ein Hundebesitzer so eine enge Beziehung zu seinem lieben Hund hatte, dass nach dem der Besitzer gestorben ist, sein Hund aus Trauer ebenfalls starb. Meinen herzlichen Beileid..


Bildquelle:
Eigene Bilder (Das unheimliche Buch)
Sabine Kranich (Das Landleben-Buch aus Portugal)

Autor seit 3 Jahren
127 Seiten
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