Etwas Persönliches

von Christine

Eine kleine Biografie und davon, die Schwierigkeiten im Leben zu meistern, sich ihnen zu stellen und nicht aufzugeben.

Kinderzeit - auf den ersten Blick unbeschwert...

... aber prägend

Dieser Bericht wird ein bisschen persönlich. Ich hoffe, nicht zu sehr, denn ich neige dazu, meine Gefühle mit mir durchgehen zu lassen, wie mir die letzten anderthalb Jahre gezeigt haben, die alles andere als ein Honigschlecken waren. Zum ersten Mal wurde mir bewusst, dass ich - eigentlich optimistisch, fröhlich und phantasievoll - ein recht komplizierter Mensch bin.

Von klein auf habe ich eine halbseitige Lähmung. Keiner weiß so wirklich den medizinischen Grund; entweder Sauerstoffmangel während der Geburt oder eine Folgeerscheinung der unzähligen Impfungen, die ich als Frühchen über mich habe ergehen lassen müssen. Die Ärzte prophezeiten mir ein Leben im Rollstuhl oder bestenfalls auf Krücken. Überrascht habe ich alle, als ich nur etwas später als der Durchschnitt laufen lernte. Krankengymnastik, Beinschiene und Übungen zuhause gehörten zum Alltag, und ich glaube, dass daher meine Krankenhausphobie rührt, die ich nie überwunden habe. Glücklicherweise bin ich selten krank und brauche auch keine Medikamente, so dass ich mich als Kind und Teenager nicht sehr von meinen nichtbehinderten Freundinnen und Freunden unterschied. Überhaupt: als behindert habe ich mich nie betrachtet. Alles, was andere Gleichaltrige machten, wollte ich auch tun und habe es durch eisernen Willen auch geschafft. Reiten, Schwimmen, Radfahren, am Sportunterricht teilnehmen... alles Dinge, an denen ich Spaß fand und die mir das Gefühl gaben, kein Außenseiter aufgrund einer körperlichen Einschränkung zu sein.

 

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Der Ernst des Lebens...

...beginnt nach der Grundschule

Mit elf kam ich aufs Gymnasium. Fast alle meine Freundinnen waren auf anderen Schulen, und ich hatte es schwer, Anschluss zu den neuen Klassenkameraden zu finden. Es gab Fächer, in denen ich gut war. Englisch, Deutsch und Religion. Das, was mir vorher sehr viel Freude gemacht hat, nämlich der Sportunterricht, wurde zur Qual. Früher bekam ich Anerkennung dafür, dass ich daran teilgenommen habe - jetzt wurde ich regelmäßig als Letzte für Mannschaftssportarten ausgewählt und bekam meine physischen Unzulänglichkeiten nicht nur von Mitschülern zu spüren. Fast schlimmer waren die Lehrer, die mir vorwarfen, mir die "Rosinen" auszupicken, wenn mir etwas zu schwer schien, oder solche, die Hänseleien oder Handgreiflichkeiten keinen Einhalt geboten. Manche sahen meine Behinderung nicht und beschimpften mich als ungeschickt. Noten? Gab es in Sport nicht mehr. Selbst auf ein "Mit Erfolg teilgenommen" habe ich später vergebens gehofft. Wie sehr mich das Verhalten von damals verletzt hat, habe ich erst in jüngster Zeit rekapituliert und verstanden. Ich hoffe, dass man das heute auf Schulen anders handhabt.

Nach der neunten Klasse verließ ich das Gymnasium, um die Mittlere Reife und anschließend eine Lehre als Einzelhandelskauffrau zu machen.

Begabungen und Erfolge...

...sind nicht abrufbar.

Mit meiner tollen Familie habe ich ein Geschäft aufgebaut, das zu der Zeit, als ich es als Selbständige übernahm, ganz gut lief. Wir waren auf Ausstellungen, Fortbildungsseminaren und jagten jedem Trend in der Bastelbranche hinterher. Nebenbei habe ich ernsthaft das Schreiben angefangen und zwei Romane veröffentlicht. So weit, so gut.

Anfang 2010 machten sich erste Burn-Out-Erscheinungen bemerkbar. Beruflich hatte ich mich verausgabt, viel investiert, nicht viel zurück bekommen. Dazu kam die Enttäuschung, dass offenbar niemand Interesse an meinen Büchern zeigte. Die Meinung, ich schreibe halt "über Themen, die nicht so populär sind" fand ich als Entschuldigung ein bisschen dürftig. Natürlich gibt es auch positives feedback, was mir viel bedeutet hat. Trotzdem waren meine Unbeschwertheit und mein Selbstwertgefühl plötzlich wie weggeblasen. Ich hatte keinen Appetit mehr, war apathisch und mutlos und wollte oft gar nicht aufstehen, weil mir alles so sinnlos schien.

Als ich nur noch 45 Kilo wog und ein Schatten meinerselbst war, schleppte mich meine Mutter zum Arzt, der zugleich auch Psychotherapeut ist. Der stellte Perfektionismus, selbst auferlegten Leistungsdruck und ein straffes Bindegewebe fest (immerhin!). Gefallen hat mir mein Zustand selbst nicht. Dank meiner Familie, meinem Willen und nicht zuletzt meinem Glauben an Gott, den ich nie verloren habe, geht es mir heute wieder besser. Ich weiß, dass ich mich nicht anstrengen muss, um geliebt zu sein und zu werden.

Meine Schreibblockade macht mir immer noch zu schaffen, aber ich bin doch stolz auf das, was ich bisher erreicht habe. Demütigung und Verletzungen von Menschen sind schlimm und können sich wie in meinem Fall unbewusst durch das gesamte Leben ziehen. Daher bin ich froh, dass ich mein Problem erkannt habe und mir jetzt erst mal eine Pause gönnen darf. Alles andere wird sich finden. 

 

Meine Romane...

... handeln von Freundschaft in vergangenen Zeiten

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Christine, am 03.11.2011
 
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Kommentare


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Christine am 12.04.2013

Hallo Anne-Karin ~ danke für deinen netten Kommentar! (O: Außenseiter haben es nicht leicht, da hast du recht. Ich habe mich nie als einer empfunden, denn zum Glück hatte ich auch gute Freunde und ein nettes Umfeld, wo mein "Anders-Sein" nie ein Problem war. Wie gesagt, war ich ein ziemlich fröhliches Kind, und ich glaube, auch als Teenager soweit recht pflegeleicht. Aber dadurch wurde auch viel verdrängt von mir.

Besonders freut mich auch deine Meinung über den Grafen! Finde es immer schön, wenn andere an meinen Büchern Freude haben.

Anne-Karin Reinbold am 12.04.2013

Ja ich hab auch sehr viel negatives erfahren in meinem Leben, gerade als Kind , aber als Jugendlicher auch, ich war der Außenseiter, ich hatte lange damit Probleme .
Aber seid ich mich mit mir beschäftige und meine Werte immer mehr erkenne an mir selbst, bin ich nicht mehr so deprimiert, denn auch Du hast außergewöhnliche Fähigkeiten und Du bist eine einzigartige Persönlichkeit. Dein Buch ist auch außergewöhnlich. Und es gefällt mir sehr gut. ( Das Bildnis des Grafen ).
Ich kann Dich nur ermutige weiter zu machen und Dich nicht von einigen neidischen Menschen, die anderen kein Erfolg gönne, Dich runter ziehen zu lassen.
L.G. Anne-Karin

Christine am 10.11.2012

Danke schön, Alma! (O:

Alma am 10.11.2012

Du hast viel in negatives in deiner Kindheit erfahren. Das macht dich für die Zukunft nur stärker. Glaub weiter an dich. Du schreibst super Artikel.
L.G.Alma

Christine am 10.11.2012

@ frank ~ wenn jemand "fesch" statt "süß" schreibt, kann das ja nur einer sein. (O; Hast du mich doch noch hier gefunden. Vielen lieben Dank für deinen Kommentar. Bin nach über einem Jahr immer noch am Lernen, aber es wird.

Man sieht sich,
Christine

frank am 10.11.2012

hey, fesches kinderfoto!! das war keine leichte reise bis hierher christine, doch "du weißt das du dich nicht anstrengen musst um geliebt zu sein...". und du fühlst es hoffentlich auch so, denn du wirst ja sehr geliebt, wie man auch in diesem artikel lesen kann. bei all den vergleichen was die "anderen" so alles machen, können und haben, schneidest du im geliebt werden ziemlich gut ab :) - das kann dich auf deiner reise auch dahin führen, dich selbst zu lieben. absichtlich und bewusst, jeden tag eine zeit lang liebe in dir und für dich wahrzunehmen; vor allem auf der faulen haut geht das prima... ;-)

Christine am 01.08.2012

Hallo ihr beiden! Danke schön für eure Kommentare, das Lob und die Ermutigung. Mein Leben ist ein wenig entspannter geworden. Ich glaube, dass man einfach erkennen muss, wo die persönlichen Grenzen sind, und dass man sich auch mal auf die faule Haut legen kann, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Wenn mir das gelingt, habe ich schon viel gewonnen, denke ich. (O;

Kuscheltier am 24.07.2012

Du wirst sehen jede Krise, die man im Leben überwunden hat, macht einen etwas stärker.
Danach kann einen nicht mehr so viel erschüttern!
Krise ist immer auch eine Chance zur positiven Veränderung. Diese Chance nutzt Du ja im Moment offensichtlich auch.
Grüße: Kuscheltier

Medo am 24.07.2012

Sehr schön geschrieben! Noch schöner finde ich allerdings, dass Du eine Familie hast die Dich unterstützt. baue darauf auf:-) LG Medo

Christine am 11.03.2012

Vielen Dank, Joe. Es ist nicht leicht, Verhaltensmuster zu durchbrechen, die sich über so lange Zeit aufgebaut haben. Meine physische Einschränkung war mir dabei weniger im Weg als der Wunsch, sich von "normalen" Menschen nicht zu unterscheiden. In meiner Kindheit war das noch gut (wer weiß, wie mein Leben sonst aussehen würde), aber später sollte man ein bisschen seine Eigenheiten und Macken akzeptieren können...

Besonderen Dank für deine lieben Wünsche für mich und das schöne Lob über meine schriftlichen Ergüsse!!!
Liebe Grüße zurück nach Wien,
Christine


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