Hilfe! Die Herdmanns kommen - Eine (vielleicht) völlig andere Weihnachtsgeschichte

Die Herdmanns sind eine kinderreiche Familie und leben in Amerika.
Dort gehen die Kinder im Allgemeinen in die Sonntagsschule, selbstverständlich nach der Kirche.
Die sechs Herdmann - Geschwister, vier Jungs und zwei Mädel, sind das Grauen pur, zumindest in den Augen der anderen Kinder und deren Eltern. Keiner kann sie leiden und so bleiben sie für sich.
Die Geschwister lassen sich in nichts hinein reden, verprügeln sich gegenseitig und andere natürlich auch. Zu allem Überfluss stehlen sie nicht nur, sondern erzählen auch schmutzige Witze. Am spektakulärsten ist jedoch, dass sie beim Rauchen sogar eine Scheune abgefackelt haben. Seit diesem "Unfall" sind die Herdmanns sogar allerseits gefürchtet und geächtet.

Die Autorin Babara Robinson beschreibt das Geschehen aus der Sicht eines 14-jährigen Mädchens.

Eines Sonntags erscheinen die sechs Geschwister in der Sonntagsschule. Der Grund ist trivial. Es ist ihnen zu Ohren gekommen, dass es dort für umsonst Süßigkeiten gibt. Zumindest war das am Osterfest so. Unter den Sonntagsschülern werden hinter den Kulissen hitzige Debatten darüber ausgetragen, wer dieses süße Geheimnis ausgeplaudert hat. Dass die Herdmanns erschienen sind, ist so gar nicht recht.
Jetzt steht das Weihnachtsfest bevor und die Rollen für die Weihnachtsgeschichte sollen verteilt werden. Die braven Sonntagsschüler haben keine Lust darauf, schon so oft haben sie das Krippenspiel aufgeführt. Die Herdmanns melden sich kurz entschlossen für die zu besetzenden Rollen in der Hoffnung auf noch mehr Naschereien. Es kommt, wie es kommen muss und die Geschwister bekommen zum Schrecken aller die Hauptrollen. Also Maria und Josef, den Engel der Verkündigung und sogar die Heiligen drei Könige.
Das ist noch nicht alles, denn die erfahrene Regisseurin bricht sich ein Bein und die Mutter des 14- jährigen Mädchens hilft ersatzweise aus.

Die Proben verlaufen recht ungewöhnlich - Fragen über Fragen

Die Herdmann - Geschwister erweisen sich zunächst als sehr unweihnachtlich. Sie wünschen Herodos ein blutiges Ende und verdächtigen die Heiligen drei Könige gar der Spionage. Was haben sie nachts auf dem Feld zu suchen? Ferner stellen sie fest, dass Tiere aus einer Krippe fressen und das diese dadurch völlig ungeeignet als Kinderbett ist. Alle Anwesenden bei der Probe sind sehr angespannt, aber auch gespannt auf das, was die Herdmanns als Nächstes tun. Für ein Highlight sorgt der Vergleich des Verkündigungsengels mit der Comicfigur "Batman". Naja, beide agieren im Dunkel der Nacht...

Außerdem kommt es zu einer faustdicken Lüge, mitten in einem Gotteshaus, denn die Mutter, die das Krippenspiel ersatzweise einübt, sagt, sie freue sich, die Herdmanns in der Kirche begrüßen zu dürfen. Im Grunde wünscht sie sich jedoch, dass sie meilenweit weg wären. Es spielt auch bestimmt eine Rolle, ständig Fragen beantworten zu müssen, die jedes "normale Kind" beantworten könnte.

Das Ende der Proben - Die Aufführung am Heiligen Abend

Alle sind sehr angespannt, denn die Herdmann-Kinder sind nach wie vor schwer einzuschätzen. Besonders die Regisseurin schwitzt gewissermaßen Blut und Wasser, denn die Proben sind nicht ein einziges Mal glatt verlaufen. Gut schaut es auch jetzt nicht aus, denn Maria und Josef kommen erst gar nicht; und als sie erscheinen, sehen sie zerrupft und ziemlich schmutzig aus. Nicht nur das, sie schlurfen herein und wirken gar nicht festlich. Bei Eugenia, sie spielt die Maria, hängt der Schleier völlig schief.

Das Entsetzen der Zuschauer schlägt in gespannte Erwartung auf die nächste Peinlichkeit um. Allerdings sickert bei manchen beim Betrachten der Szene ein, dass Maria und Josef seinerzeit obdachlos waren und nicht allzu schick daherkamen. Der Weg nach Bethlehem war weit und die Suche nach einer Bleibe anstrengend. Die Babypuppe, die das Kind darstellt, wird auch nicht gleich in die Krippe gelegt, sondern Eugenia legt es vorher auf ihre Schulter und klopft den Rücken. Völlig logisch, sie hat viele Geschwister und weiß, dass ein Bäuerchen feststecken könnte.

Allmählich empfinden die Betrachter das ungewöhnliche Krippenspiel als sehr authentisch.
Die Heiligen drei Könige sehen wie vom Donner gerührt aus, als der Verkündigungsengel sehr lautstark verkündet: He, euch ist ein Kind geboren. Sie bleiben wie versteinert stehen und bekommen den Mund nicht mehr zu. Das ginge wohl jedem so, das Ganze ist doch sehr ungewöhnlich. Die drei Weisen bringen übrigens Speck als Geschenk mit. Diese spontane Entscheidung basiert auf der Erkenntnis, dass Weihrauch, Gold und Myrrhe nicht satt machen.

Es geschehen bei diesem Krippenspiel noch eine Menge ungewöhnliche Sachen, die ich nicht verraten möchte.
Nur noch eine Kleinigkeit, Eugenia Herdmann, dass schrecklichste Mädchen der Herdmanns, die schmutzige Witze erzählt und raucht, fängt bei dem Lied "Stille Nacht, Heilige Nacht" an zu weinen. Sie wischt ihre Tränen noch nicht einmal ab. Für die Betrachter ist diese Szene das größte Weihnachtswunder der Gegenwart.

Meine Gedanken

Die Autorin des Buches versteht es meisterhaft, ihren Lesern zu vermitteln, dass Weihnachten auch ein Fest der Außenseiter und weniger gut situierten Menschen ist. Man fühlt sich ertappt, weil man oft dazu neigt, ein allzu großes Brimborium um das Weihnachtsfest zu veranstalten. Es ist auch sehr erstaunlich, dass am Ende der Geschichte klar wird, dass es viele Wege gibt, um weihnachtliche Ruhe zu erfahren.

 

Bilder pixabay
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