Die Ladekontrolle leuchtet, der Mechaniker greift unter das Armaturenbrett und schraubt das Birnchen heraus. Mit dieser Reparatur sind Sie natürlich nicht zufrieden aber Vergleichbares wird Ihnen in der Medizin ständig geboten.

Die medizinische Bildung des Publikums

Damit das gewinnorientierte System funktionieren kann, wird bereits die breite Öffentlichkeit von ärztlichen Organisationen darauf vorbereitet. Gesundheitsbeiträge in Zeitschriften und dem Fernsehen werden nicht zur Information der Allgemeinheit gebracht, sondern sind in erster Linie Werbeträger ärztlicher Werbung. So beispielsweise mit der Aussage: "Bei Schmerzen sofort zum Arzt!" 

Natürlich gleich zum Richtigen und dazu ist die Übermittlung der Erkenntnis, mit welchen Beschwerden welcher Facharzt konsultiert werden sollte, wichtig. Die Beiträge sind streng an den medizinischen Fachrichtungen orientiert.  Also bei Rückenschmerzen zum Orthopäden bei Bauchbeschwerden zum Facharzt für Magen-Darmkrankheiten etc. Die Möglichkeit, dass die jeweiligen Beschwerden Auswirkung, also Symptom einer gänzlich anderen Erkrankung sein könnten, bleibt unerwähnt, denn das würde weitere, uneinträgliche Untersuchungen bei Fachkollegen erforderlich machen. 

Schmerz und Ursache befinden sich nur dann am gleichen Ort, wenn man

mit dem Hammer auf die schmerzende Stelle geschlagen hat!

MRT des gesunden Knie´s (Bild: Wikipedia.de)

Schmerzlokalisation und Hintergründe

Die Folge dieser "Erziehung" ist, dass sich kaum jemand vorstellen kann, dass Schmerzort und Ursache unterschiedlich sind. Beispielsweise zeigt das Röntgenbild eines Kniegelenkes eindeutige und hochgradige Abnutzungserscheinungen einer fortgeschrittenen Arthrose. Ein Magnet-Resonanz-Tomogramm (MRT) des Knie´s zeigt später das gleiche Resultat und es wird nun eine Spiegelung des Gelenks, eine Arthroskopie projektiert. Drei Untersuchungen zu einem sich nicht schnell verändernden Zustand.

Zwischenzeitlich wird dem Patienten eine Akupunkturbehandlung - natürlich auf seine Kosten - vorgeschlagen und am Ende dieser Karriere steht wahrscheinlich eine Gelenkprothese. Ein intensiver aber praktisch nicht brauchbarer Aufwand der Schadenbeschreibung wird betrieben, ohne das hinterfragt wird, warum es zu diesem prekären Zustand kommen konnte. Dieses "Warum" ist wahrscheinlich denkenden Medizinern durchaus bekannt und es ließe sich daraus eine wirksame Prophylaxe ableiten. Nur, Krankenversicherungen zahlen keine vorbeugenden Behandlungen aber viel Geld für einen Gelenkersatz.

Eine häufige Fehleinschätzung: Nierenleiden und Rückenschmerz

Etwa bei einem Drittel meiner, zumeist in orthopädischer Behandlung befindlichen Patienten, weisen Urinbefunde eindeutig auf die Harnorgane als Verursacher von Beschwerden hin. Personen, die einer urologischen und nicht orthopädischen Behandlung bedürfen. Auch hier wird oft über Monate mit "Entzündungshemmern und Co" laboriert und so werden nicht selten Versteifungsoperationen der Wirbelgelenke nach dem Motto: "Wo sich nichts bewegt, kann nichts wehtun", durchgeführt.

Hier als Extrembeispiel eine Leidensgeschichte: Die nun 65 jährige Patientin erlitt vor etwa 40 Jahren einen schweren Autounfall, von dem sie sich nach langem Koma und jahrelanger Rehabilitation völlig erholte. Nach 30 beschwerdefreien Jahren traten häufig extrem starke Rückenschmerzen auf. Bereitschaftsärzte gaben sich deshalb oft Nachts "die Klinke in die Hand". Eine eine renommierte orthopädische Klinik sah die Beschwerden, ebenso wie alle anderen ärztlichen Behandler als Unfallfolge an. Lösung war es schlussendlich, dass sich Nierensteine als Verursacher der Beschwerden herausstellten.

Lebensgefahr durch Orthopädie

Schmerzen im unteren Rücken waren "das Thema" des etwa 65 Jährigen. Beschwerden, die sich weder durch orthopädische oder physiotherapeutische Behandlungen, noch durch stärkste Medikamente nennenswert beeinflussen ließen. Meine Empfehlung eine Darmspiegelung vornehmen zu lassen, lehnte der Patient verärgert und vehement ab. Seine Frau überredete ihn doch dazu und es wurde ein fortgeschrittener Dickdarmkrebs gefunden. Nach einer Darmoperation wurde dieser Patient absolut beschwerdefrei und bedankte sich für die Lebensrettung persönlich bei mir. Dazu reiste er aus Mittelschweden in die Karibik.

Ja, geht es denn noch schlimmer? Doch das geht!

Schmerzen im oberen Rücken, etwa zwischen den Schulterblättern. Klinische Diagnose: Bandscheibenvorwölbungen (Protrusionen) zwischen den oberen Brustwirbelkörpern. Daraufhin auf Wunsch des Patienten stationäre Behandlung und Injektion von Ibuprofen etc. Der Patient verstarb in der ersten Nacht nach seiner Aufnahme im Krankenhaus an einer Lungenembolie.

Für die behandelnden orthopädischen Ärzte waren Rückenbeschwerden das Leitsymptom. Ein Blick über den Gartenzaun in nachbarliches Fachgebiet wurde nicht unternommen.Der für Nichtmediziner nur schwer nachvollziehbare Zusammenhang zwischen der oberen Brustwirbelsäule und den Atmungsorganen schütze wahrscheinlich diese Klinik vor einer Schadenersatzklage.

Die Personen der hier geschilderten Fallbeispiele gehören unterschiedlichen Nationen an. Es kann deshalb keinesfalls behauptet werden, dass die hier geschilderte Problematiken speziell nur auf ein Land zutreffen. Es handelt es sich somit um ein internationales Problem.

Organprojektionen - vereinfacht

Die in Vergessenheit geratene spinalnervliche Innervation

Diese Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen und die dabei sich aufwerfende Frage ist die, nach den funktionellen Hintergründen. Die lassen sich mit dem spinalen Nervensystem begründen. Dabei handelt es sich keinesfalls um eine Außenseiterlehre, sondern um einen festen Bestandteil der Neurologie.

Vereinfacht ausgedrückt wird der Organismus von nervlichen Impulsen gesteuert. Ein Teil dieser Signale wird durch das in der Wirbelsäule gelegene Rückenmark in den Körper geleitet. 

Nerven verlassen das Rückenmark, rechts und links, zwischen benachbarten Wirbeln, teilen sich und versorgen in dieser Etage u.a. die Muskulatur und innere Organe.Es wird dabei auch von einem Segment gesprochen. Sofern sich ein Organ in einem Störungszustand befindet, überträgt sich dessen Reiz auf die dazugehörige Muskulatur und es entstehen möglicherweise Rückenschmerzen.

Danach können Beschwerden der Lendenwirbelsäule vom Dickdarm und den Nieren, Schmerzen in der unteren Brustwirbelsäule von Verdauungsorganen, wie beispielsweise dem Magen und der Gallenblase und in der oberen Brustwirbelsäule den Atmungsorganen und dem Herzen, kurz von allen inneren Organen verursacht werden.

Die Kenntnis von der Höhe der organischen Nervenaustritte könnte zur Klärung von Ursachen beitragen. So werden z.B. die Nieren und die Harnleiter von Nerven versorgt die aus dem Rückenmark zwischen dem 2. 3. und 4. Lendenwirbel austreten. Bei Schäden dieser Wirbel sollte es logisch sein, die Nieren zu überprüfen. Diese Möglichkeit wird jedoch nicht genutzt und es wird, unzutreffend die Wirbelsäule behandelt. Sollte sich nach längerer Zeit doch die Niere als Ursache herausstellen, bleibt es dem Patienten ja unbenommen einen Urologen zu konsultieren.

Diese Lehre wird seit einiger Zeit ignoriert und so verschwiegen, dass sich jüngere Fachärzte kaum daran erinnern und so geschieht es, dass Urologen Patienten mit ihrerseits gesicherten Befunden an Orthopäden überweisen, "denn von der Wirbelsäule kommen ja viele Beschwerden". Es werden oft nur noch Fachgebiete gesehen und nicht das Individuum, der Mensch mit der Vielfalt seiner Funktionen. 

Die finanzielle Stellung der Ärzte

Wenn ein Mensch Kaufmann oder Mediziner wird, unterscheidet sich das durch die Dauer und Kosten der Ausbildungen. Der Lehrling erhält von seinem ersten Lehrjahr an, ein Gehalt, während ein Medizinstudent vom ersten Semester an Studiengebühren entrichten muss. Während ihrer Lehre erwerben Auszubildende bereits Anrechte auf Altersversorgung, in deren Genuss Studierende erst nach Abschluss des Studiums und Aufnahme der beruflichen Tätigkeit kommen. 3 - 4 Jahre Lehrlingsausbildung stehen bis zu 14 Jahre Studium gegenüber. Wenn nach so langer Zeit endlich Geld verdient wird, sind viele Ärzte bemüht die einkommenslosen Studienjahre möglichst umgehend aufzuholen. 

Trotz kostendämpfender Maßnahmen sind Jahresumsätze in orthopädischen Praxen von 1.000.000 Euro und mehr in Deutschland keine Ausnahme. Der Arzt erhält von Versicherungen eine Pauschalsumme von knapp 20 Euro pro Patient und Quartal. Das, egal wie oft ihn der Patient konsultiert. Um zu Geld zu kommen, werden "3 bis 5 Minuten-Konsultationen" durchgeführt. Nachvollziehbar, dass dabei wegen Zeitmangel weitergehende Differenzierungen nicht vorgenommen werden. In dieser Pauschale sind Schmerzabschaltungen mit unspezifisch wirkenden Entzündungshemmern und Painkillern enthalten. Dazu kommen Einnahmen aus speziellen Untersuchungen, wie beispielsweise Arthroskopien etc. sofern sie in der eigenen Praxis durchgeführt werden. 

Nächste Einnahmequelle die Operation. Der Orthopäde, als selbst operierender Belegarzt einer Klinik verdient sich damit zusätzlich eine Fallpauschale von 300 bis 1000 Euro. Sofern er nicht operieren will oder kann, ist ihm die Dankbarkeit seines Kollegen, an der er überwiesen hat, gewiss. Es ist auch deshalb nicht im Interesse der behandelnden Ärzte eingehende Abklärungen vorzunehmen, von deren Ausgang sich möglicherweise ein Verdienstausfall ergeben könnte. Unabhängige Gutachter sagen, dass bei 87% (!!!) der zur Operation vorgeschlagenen Fälle, die Indikationen nicht vorliegen. (Siehe den beigefügten You Tube Film.)

Weitere Einnahmequellen sind ergeben sich in Deutschland aus den Igel-Methoden. "Igel" steht für Individuell gesundheitliche Eigenleistung und es handelt sich um Leistungen, die vom Patienten selbst zu bezahlen sind. Bei einem Teil dieser Angebote handelt es sich um durchaus sinnvolle Dinge, wie z.B. Atteste, Impfungen, Gesundheitchecks usw., die nicht von den Krankenkassen übernommen werden können. Darüber hinaus werden Behandlungsmethoden zur Linderung der Beschwerden gegen eigene Bezahlung angeboten. Dabei handelt es sich großteils um sog. Außenseitermethoden, die bevor sie zur Igel-Leistung erhoben wurden, von vielen Ärzten als Scharlatanerei abgelehnt wurden. Heute delegiert ein Praxischef diese Arbeiten an sein Personal und erzielt so Stundenumsätze von bis zu 200,- Euro.

 Zum Video:

Sonia Seymour Mikich: "2003 wurden die Krankenhäuser durch die große Gesundheitsreform in einen harten Wettbewerb gezwungen. Alles sollte effizienter, transparenter werden. Aber inzwischen mahnen auch Ärzte, das System fährt vor die Wand. Lutz Polanz über die Ware Patient."

Sieben von acht Bandscheibenpatienten in Deutschland müssten gar nicht unters Messer? Kann das stimmen? Wir schauen uns die nüchternen Zahlen an: 2005 wurden etwa 177.000 Patienten wegen Problemen an Wirbelsäule und Bandscheiben operiert. Fünf Jahre später waren es 325.000, fast doppelt so viele. Werden die Deutschen etwa immer kranker?

Prof. Joachim Jähne, Deutsche Gesellschaft für Chirurgie, Vizepräsident: "Es werden Eingriffe durchgeführt, um die ökonomischen Ziele des Krankenhauses zu erreichen und ohne zu berücksichtigen, ob dieser Eingriff für den Patienten auch gerechtfertigt ist.

Absicherungen für Patienten

Gegen die Gefahr zur medizinischen Geldquelle zu werden, gibt es leider keine eindeutigen Absicherungen. Dennoch sind Patienten nicht völlig ohne Möglichkeiten.

  • Holen Sie sich eine unabhängige Zweitmeinung ein. Ihre Krankenkasse müsste Ihnen dabei behilflich sein können einen solchen Gutachter zu finden.
  • Rufen Sie sich bei Beschwerden der Skelettmuskulatur und der Gelenke internistische Vorerkrankungen in Erinnerung. Das Wiederauftreten dieser Krankheiten könnte die augenblicklichen Beschwerden auslösen.
  • Erfahrungsgemäß können Knie- und Hüftbeschwerden, sowie Schmerzen des unteren Rückens von Störungen der Harnorgane, also der Nieren, Harnleiter und der Harnblase aber auf von Affektionen des Dickdarms ausgelöst werden. Hinter Schmerzen der Brustwirbelsäule stehen vielfach Erkrankungen der im Oberbauch befindlichen Organe, wie beispielsweise der Gallenblase, des Magens, der Bauchspeicheldrüse und des Dünndarms aber möglicherweise auch die der Atmungsorgane..
  • Sofern sich der Verdacht auf eine Störung oder Erkrankung innerer Organe bestätigen sollte, ist es ratsam diese vorrangig behandeln zu lassen. Es hat sich gezeigt, dass sich in vielen Fällen dadurch Rücken- und Gelenkbeschwerden quasi "in Luft auflösen".

Für alle die sich zu diesem Thema noch eingehender informieren wollen, hier ein weiterer Link:

http://www.symptome.ch/blog/rueckenschmerzen-hueft-und-knieprobleme-unbeachtete-moegliche-ursachen/

Klaus_Radloff, am 26.08.2012
8 Kommentare Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.



Autor seit 5 Jahren
89 Seiten
Pagewizz auf Facebook
Laden ...
Fehler!