Eine kurze Entwicklungsgeschichte des größten Lebensmittelkonzerns der Welt, Nestle`

Nestle` kommt aus dem Schwäbischen und bedeutet kleines Nest. Das war auch das Familienwappen und wurde zum Firmenlogo. Ähnlich wie Coca Cola wurde das erste Produkt von einem Apotheker erfunden. Lösliches Milchpulver für Säuglinge als Muttermilchersatz. Der Konzern ist eine Aktiengesellschaft, wurde 1866 in der Schweiz gegründet. Firmensitz ist Vevey – Schweiz.

Er beschäftigt 328.000 Mitarbeiter und erzielte 2010 einen Umsatz von 110 Milliarden Schweizer Franken. Nestle` betreibt 443 Produktionsstätten in 81 Ländern. Durch Zusammenschlüsse und Zukäufe wuchs die Firma zum Weltkonzern. Ob Schokolade, Kaffee, Suppen, Tiernahrung, Kosmetika, Speiseeis, Tiefkühlpizzen, Babynahrung und Trinkwasser in Flaschen. Nescafé wurde zum Innbegriff für löslichen Kaffee, die Marken: Maggi, Bärenmarke, Wagner Tiefkühlkost, Perrier, Sanpellegrino, Vittel, Purina, Dreyer`s USA, DiGiornio USA, die Babynahrungssparte von Pfizer USA u.s.w.! Nestle ist in etlichen Bereichen Weltmarktführer, bei Speiseeis, Tiefkühlpizzen und Wasser in Flaschen.

Ließt sich wie eine Erfolgsstory ohne gleichen. Und trotzdem ziehen düstere Wolken am Reibach-Himmel auf.

2007 bekam der CEO Peter Brabeck-Letmathe und die Großaktionärin Liliane de Bettencourt den "Black Planet Award 2007" eine Negativauszeichnung für Zerstörung des Planeten, vergeben von ethecon – Stiftung für Ethik und Ökonomie.   

Greenpeace zwingt den Weltkonzern zum Einlenken via Social Media

Geschäftsaktivitäten werden bei Nestle` von Integrität, Fairness und der Einhaltung aller anzuwendenden Gesetze bestimmt. So der Konzern. Im März 2010 machte Greenpeace  publik, dass die Sinar Mas Group wider allen Vereinbarungen und gegen nationale Gesetze indonesischen Regenwald, ein Rückzugsgebiet der Orang Utans, rodete, zur Gewinnung von Palmöl. Nestle reagierte nur halbherzig. Stellte die direkte Beziehung zwar ein, bezog aber über Handelsunternehmen weiterhin Palmöl dieser Firma. Die daraufhin angelaufenen Kampagne in den sozialen Netzwerken brachte den Marken-Multi zum Einlenken. Er ging eine Alliance mit The Forest Trust ein. Strenge Sozial- und Umweltstandards sollen eingehalten werden.

Ein Konzern sollte sich gerade in der heutigen Zeit genau überlegen, wie verantwortungsvoll oder los er handelt. Positive Nachrichten werden 3 – 4 mal weiterverbreitet, Negative bis zu 15 mal. Und durch Social Media erreichen diese in sekundenschnelle Millionen von Lesern, die letztendlich auch Verbraucher sind und ihr Kaufverhalten ändern können.

Flaschenwahn statt Wasserhahn - eine Doku

Der Schweizer Journalist R. Gehriger hinterfragt das Geschäft mit abgefülltem Wasser.

Das Geschäft mit abgefülltem Wasser wird eindeutig von Nestle` dominiert.

Laut Konzern geht es um: " Die Bereitstellung gesunder und sicherer Produkte zur Deckung des Flüssigkeitsbedarfs der Verbraucher, das Verwalten der Wasserressourcen im Sinne der Nachhaltigkeit, Aufklärung über den richtigen Umgang mit Wasser mit Fokus auf der Erziehung der Kinder u.s.w."!

Na da freu ich mich doch, wenn ein gewinnorientierter Konzern meine Kinder in seinem Sinne erzieht. Zumal der Weltmarktführer 800-mal mehr für sein Flaschenwasser bekommt, als die vergleichbare Menge Leitungswasser kostet. Und das Hauptgeschäft in Ländern erzielt wird, in denen sich viele das gar nicht leisten können. Die sind dann auf immer mehr verdrecktes Wasser angewiesen.

Und die Gewinne gehen dabei überwiegend an die Aktionäre und Manager.

Aber es gibt auch Gegenwind. In Amerika wird in manchen Orten Flaschenwasser verboten. Studenten erhalten Mehrweg-Flaschen aus Edelstahl und befüllen diese an ganz normalen Wasserhähnen.   

Der Lebensmittelriese verpflichtet sich zu umweltfreundlicherem Einkauf

Immageverbesserung nach heftiger Kritik ist angesagt und hoffentlich keine Augenwischerei. Gewinne müssen sein, aber nicht um jeden Preis!

Auch sonst kam der Konzern in die Kritik. In Entwicklungsländern starben Säuglinge, die mit Milchpulver in Verbindung mit schmutzigem Wasser ernährt wurden. Der Konzern hatte aggressiv geworben. Gerade in diesen Ländern sollten  Säuglinge mindestens 6 Monate gestillt werden. Nur das fördert die Abwehrkräfte. In Kolumbien wurde abgelaufenes Milchpulver verkauft.  Unfairer Handel, keine Unterstützung für Kaffeebauern in einem ruinösen Wettbewerb. Kritiker ließ Nestle bespitzeln. Tierexperimente in der Lebensmittelforschung. Einführung von genveränderten Lebensmitteln. In Südamerika wurden Gewerkschafter behindert, die einen lebenserhaltenden Lohn einforderten. Kindersklaven arbeiteten in Afrika auf den Kakao-Plantagen. Keine schönen Geschäftsmethoden!

Peta, Attac und Greenpeace stehen hier an vorderster  Front.

Aber unsere Politik trägt eine Mitschuld. Früher waren Aktiengesellschaften dem Allgemeinwohl verpflichtet, heute nur noch der Shareholder-Value.

Trotzdem kann sich auch ein Weltkonzern so einen Imageschaden nicht leisten. Und die Manager haben ebenfalls Kinder, die eine heile Welt benötigen.

Schindluder fällt auf die Verursacher zurück. Nur ein bisschen Politur reicht da nicht aus! Die beste Selbstdarstellung taugt absolut nichts, wenn sie nicht ehrlich ist. Jedes Unternehmen dient letztendlich dazu, Gewinne zu erwirtschaften. Das ist legitim, nur Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung  sollten da keine leere Phrase bleiben.

Merlin, am 30.04.2012
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