Wodurch kennzeichnet sich der Insektenkörper?

Insekten haben sechs Beine, die sich jeweils seitlich an den drei Körperteilen befinden: Dem Kopf, dem Thorax im Brustteil, an dem bei manchen Arten die Flügel sind, und dem Abdomen genannten hinteren Teil.

Am Kopf sind die Augen angesiedelt – oft Facettenaugen für einen guten Rundumblick, manchmal aber auch einfache Punktaugen zur besseren Unterscheidung von Hell und Dunkel –, manchmal Fühler als zusätzliches Sinnesorgan und der Mund, über den sie wie andere Tiere auch die Nahrung aufnehmen. Dem entsprechend haben die Kerbtiere im Kopf auch Sinneszellen und Nerven. Mit Rezeptoren, die über den ganzen Körper verteilt sind, nehmen sie wichtige Sinnesreize wie den Luftdruck und die Temperatur wahr. Ein weiteres Sinnesorgan, das Johnstonsche Organ im zweiten Glied der Fühler, ist für ihre Wahrnehmung von Geräuschen und feinsten Vibrationen zuständig.

Im Körper dieser Gliederfüßer befinden sich Gedärme für die Verarbeitung der Nahrung, deren Überreste über das Abdomen ausgeschieden werden. Auch der Geschlechtsverkehr findet über das Hinterteil statt, aus den die befruchteten Eier dann gepresst werden. Prinzipiell ist also alles vorhanden, was auch andere Lebewesen benötigen, nur eben in einer anderen Variante.

Die Atmung von Gliederfüßern findet mittels Tracheenröhren und passiv statt. Das heißt, die Luft strömt automatisch durch den Körper der wirbellosen Tiere, ohne dass sie eine Anstrengung hierfür unternehmen müssen. Weil sie auf diese Weise atmen und nicht, wie bei höher entwickelten Tieren, mit einer Lunge, können Insekten und somit beispielsweise auch Flöhe nicht husten. Ihr Blutkreislauf vollzieht sich in einem Hohlraum, in dem all ihre vorhandenen Organe im Blut schwimmen.

Geschützt werden die inneren Bestandteile durch einen Chitinpanzer, welcher als Exoskelett fungiert. Das bedeutet, bei Insekten ist das Skelett nicht drinnen, sondern außen drum. Zugleich ist der Chitinpanzer hinreichend flexibel und nicht hart wie bei unseren Knochen, damit die Tiere beweglich sind. Erst das Struktureiweiß Sklerotin sorgt für die Robustheit des Panzers.

Das Nervensystem von Insekten zieht sich durch den ganzen Körper. Es besteht aus einer Art Knoten, den Ganglien, die auch miteinander verbunden sind. Im Kopf ist ein solches Ganglium angesiedelt. Im Körper haben diese Wirbellosen ein auch Bauchmarkstrang genanntes Strickleiternervensystem, das sich aus Ganglienpaaren zusammensetzt. Damit Dinge wie die Verdauung und Sex bei den Insekten funktionieren kann, haben sie natürlich auch ein vegetatives Nervensystem. Sogar einen Hormonhaushalt nennen sie ihr Eigen. Bei der Häutung etwa spielen das Juvenilhormon und Ecdyson-Hormone eine wesentliche Rolle.

Ist es wirklich möglich, dass Insekten ein Gehirn haben?

Damit bin ich auch schon beim Hauptthema angelangt. Ja, natürlich! Wenn Sie zu diesem Schluss gekommen sind, haben Sie die Anatomie von Lebewesen sehr gut durchschaut. Da ist wohl etwas aus dem Biologieunterricht in der Schule zumindest rudimentär hängen geblieben.

Aber kann es tatsächlich sein? Die Vorstellung, dass Gliederfüßer ein Gehirn haben, mag einige vielleicht befremden. Schließlich sind es so kleine Tiere. Die meisten finden sie eher lästig, obwohl es auch ansehnliche Arten wie Käfer oder Schmetterlinge gibt und nicht nur Schädlinge, sondern auch nützliche Insekten. Wie viele Menschen essen gerne Honig – aber macht man sich dabei Gedanken darüber, was Honigbienen leisten, um die Blüten zu finden, deren Nektar sie zu der zähen goldenen Essenz verarbeiten? Oder über ihr Sozialleben?

Doch es stimmt tatsächlich, so unglaublich es auf dem ersten Blick erscheinen mag: Insekten besitzen ein Gehirn! Zwar ist es nicht mit anderen, weiter entwickelten Gattungen und schon gar nicht mit dem eines Menschen vergleichbar. Auch sieht es nicht so aus, wie man sich gemeinhin ein Gehirn vorstellt. Es besteht nicht aus dieser gallertartigen Masse und ist längst nicht so komplex und eng vernetzt. Vielmehr ist das Insektengehirn so schlicht und einfach gehalten, wie es nur geht. Da sind die Sehnerven, die Globulizellen, der Antennennerv sowie der Laminanerv, dazu das Ganglion im Mundbereich... All diese für die Wahrnehmung wichtigen Dinge. Die sensorischen Neuronen werden durch die motorischen Neuronen ergänzt, welche für die Bewegung zuständig sind. Synapsen verbinden das Ganze, und über sie werden die Informationen / Sinnesreize durch den Botenstoff Acetylcholin ausgetauscht.

Übrigens haben nicht nur Insekten, sondern alle Gliederfüßer ein Gehirn. Auch Spinnen sind mit so einem Wunderwerk der Natur ausgestattet. Ihr Wahrnehmungsapparat sowie noch einige weitere Merkmale in ihrem Körperbau unterscheiden sie von der Unterart der Insekten. Die wichtigsten Unterschiede zwischen beiden Tierarten bestehen darin, dass die Spinne acht Beine hat und ihr Körper sich aus zwei statt drei Teilen zusammensetzt. Zudem können Spinnen mittels speziellen Drüsen bekanntlich Netze aus klebrigen Fäden weben, mit denen sie ihre Beute fangen. Ein Insekt ist dazu nicht in der Lage. Mit den lyriformen Organen an den Spinnenbeinen nimmt die Spinne kleinste Erschütterungen wahr. Diese Sinnesorgane dienen ihr auch zur Orientierung in ihrem Spinnennetz und auf dem Boden. Für ihr Hörvermögen sind hingegen vor allem die Becherhaare verantwortlich.

Was können Gehirne von Insekten leisten?

Über die Intelligenz von Insekten weiß man bis jetzt kaum etwas. Das Gehirn der Gliederfüßer wurde noch nicht umfassend erforscht. Man nimmt an, dass die Wirbellosen rein reflexartig handeln. Allerdings sollen sie bis zu einem gewissen Grad auch lernfähig sein, was ja eine Gedächtnisleistung erfordert. So fand ein Wissenschaftler heraus, dass Bienen den Weg zu einer versteckten Zuckerquelle finden können. Dies geht aus einem Beitrag für das Online-Magazin EDGE, dessen Aussage in Spiegel online unter dem Titel Insekten-Gehirne veröffentlicht wurde, hervor. Nach seinen Beobachtungen hatten sich die Bienen offenbar die Anordnung der Möbel in seinem Labor, durch das sie mussten, gemerkt, und reagierten irritiert auf eine Veränderung dieser Anordnung. Außerdem ließen sie sich leicht ablenken, so lange sie den Zucker nicht gefunden hatten. Während des Naschens waren sie hingegen durch "nichts aus der Ruhe zu bringen", so der Wissenschaftler.

Ein gewisses, sehr einfach gestricktes Bewusstsein, das die über die Sinnesorgane erhaltenen Reize verarbeitet, könnten die Kerbtiere also durchaus haben. Bewiesen ist das jedoch nicht. Es handelt sich bis jetzt nur um eine Hypothese, über die Forscher unterschiedlicher Meinung sind. Klar ist allerdings: Sie haben keinerlei Ich-Bewusstsein, denn dazu fehlt ihnen ein hierfür notwendiger Bestandteil des Gehirns, welcher den Säugetieren vorbehalten ist. Das Selbstbewusstsein liegt dort in der Großhirnrinde. Vor 400 Millionen Jahren, als die ersten Insekten aufkamen, war so etwas in der Evolution noch nicht vorgesehen. Auch Denken, dieser Vorgang der Reflexion über das Wahrgenommene, die Welt oder auch sich selbst, ist den Gliederfüßern daher unmöglich. 

Die_Utopische, am 23.02.2013

Kommentare


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primapage am 24.02.2013
sehr informativ und spannend erklärt. Zu den Bienen, Ameisen und anderen organisierten Insekten gehe ich davon aus, dass ein wesentlicher und überlebenswichtiger Bestandteil des "Gehirns" (besser Bewusstseins) in eben dieser Gemeinschaft liegt. Das legt die Opferbereitschaft und Tätigkeitsteilung nahe.
Die_Utopische am 23.02.2013
@ ultimapalabra: Richtig. Das sollte natürlich auch für die Tiere gelten, von denen wir uns später ernähren. Leider sind wir davon heute noch weit entfernt. Und so lange die Masse der Konsumenten erwartet, dass alles jederzeit und möglichst billig verfügbar sein muss, wird sich daran wohl nicht allzu viel ändern. Um zu den Insekten zurückzukehren: Klar gibt es auch solche, die problematisch werden können. Mücken zum Beispiel sind nicht nur lästig, sondern können, wenn man sich nicht davor geschützt hat, in manchen Gegenden auch Borreliose übertragen. Auch Flöhe und Läuse gehören v. a. aus Gründen der Krankheitsübertragung eher in die unerwünschte Kategorie. Selbiges gilt für solche Insekten, die bei mangelhafter Hygiene gehäuft auftreten (Küchenschaben, Silberfische etc.). Letztendlich wäre es aber tatsächlich nicht schlecht, seinen Umgang auch mit diesen Tieren zu überdenken. Es gibt durchaus auch "humanere" / natürlichere Methoden, sie loszuwerden - es muss beispielsweise nicht immer gleich die Chemiekeule sein, was obendrein noch der Umwelt schadet. Es ist sicher gut, sich - anstatt in blinde Wut auszubrechen o. Ä. - vor Augen zu führen, dass auch diese Schädlinge letztlich nur, wie alle, ums Überleben kämpfen. Sie können ja nichts dafür, dass sie eben so geboren sind, wie sie sind, um im Verlauf der Evolution spielten sie sicher auch ihre Rolle. @ Alice_Alphabet: Stimmt. Man braucht dazu nur mit offenen Augen durch die Welt zu laufen, und auch mal genauer hinzuschauen - das Augenmerk auch mal auf die kleineren Dinge zu richten. Faszinierend finde ich auch Ameisenkolonien. Wie sie sich z. B. organisieren und alles "Hand in Hand" funktioniert.
Merlin am 23.02.2013
Sehr schöner Artikel.
ultimapalabra am 23.02.2013
Sehr informativ! Die Vorstellung, dass Tiere nicht denken bzw. kein Bewusstsein haben, kann ich eh nicht nachvollziehen. Allerdings würde diese Einsicht auch einen anderen Umgang mit Tieren verlangen. LG, Angela
Alice_Alphabet am 23.02.2013
Das ist wieder ein Bildungs-Artikel der besten Art. ich wusste wohl, dass sie ein Nevensystem haben, aber nichts Genaues nicht. Dass Tiere mit ein paar wenigen Nervenzellen "lernen" können, sieht man auch selber. Das habe ich bei Schnecken erlebt, die wir als Kinder gehalten haben. Mit der Zeiten hatten sie raus, dass es Salat gibt, wenn sie hochgehoben werden und kamen dann aus den Häusern raus. Das sind jetzt zwar keine Insekten aber auch nicht die Weltmeister des Großhirns.


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