Hat der Fremdwährungskredit in Österreich eine Zukunft?
von JuliaH
Es ist noch nicht lange her, da galt der Fremdwährungskredit in Österreich als einer der beliebtesten Finanzierungsformen. Doch die Zeiten ändern sich ...
Schreckensmeldungen über den stetig ansteigenden Schweizer Franken halten all jene Kreditnehmer in Anspannung, die vor wenigen Jahren Fremdwährungskredite in Schweizer Franken beantragt haben und diese noch nicht getilgt haben. Der starke Franken treibt die Kreditlast natürlich in die Höhe und ein Rückgang scheint nicht in Sicht. Momentan steht der Schweizer Franken bei rund 0,92 Euro. Wenn das so weiter geht, könnten wir uns bald mit einem 1:1-Kurs konfrontiert sehen. Da der Franken weiterhin Rettungsanker und „Fluchtwährung“ ist, wird sich sein Hoch wohl fortsetzen, begünstigt durch die Herabschwächung der Kreditwürdigkeit der USA und damit des US-Dollars.
Ein Konvertieren der Frankenkredite in Euro ist derzeit also keine gute Idee, so viele Experten. Abwarten, heißt es ihnen zufolge und jetzt nicht krampfhaft eine Entscheidung herbeiführen. Andere raten dazu, lieber jetzt umzuwandeln, v.a. wenn der Kredit noch über mehrere Jahre läuft. Allen voran, wenn dies spesenfrei möglich ist, sollte von dieser Option Gebrauch gemacht werden.
Müssten sämtliche noch offene Frankenkredite zum jetzigen Zeitpunkt zwangskonvertiert werden, würde der österreichischen Volkswirtschaft ein Verlust von mehreren Mrd. Euro entstehen. Dies sind erschreckende Zahlen, doch müssen die Kredite ja nicht konvertiert werden. Die Entscheidung steht jedem Kreditnehmer offen. Banken haben Teile ihres Personals auf die gezielte Beratung für das weitere Vorgehen bei Fremdwährungskrediten spezialisiert, denn die beunruhigten Kunden müssen entsprechend versorgt werden.
Neben dem Schweizer Franken waren lange Zeit auch Yen-Kredite sehr beliebt, doch liest man momentan so viel über den Frankenkredit, dass dieser beinahe vergessen zu sein scheint. Der Yen war allerdings bereits vor wenigen Jahren so volatil, dass er für Fremdwährungskredite nicht mehr so attraktiv war.
An Beliebtheit und für „Devisenzocker“ hat der Fremdwährungskredit freilich eingebüßt. Gebremst wurde der „FX-Hype“ in Österreich auch durch die wesentlich strengeren Auflagen bei der Vergabe von Fremdwährungskrediten durch FMA und Nationalbank bzw. das augenscheinliche Aus, denn das große Volumen dieser Kredite in Österreich war nicht gerne gesehen. Ist ja auch kein Wunder, wenn man bedenkt, wie sehr die Verschuldung nun in die Höhe getrieben wird.
Eine genaue Vorhersage der weiteren Entwicklung der Fremdwährungskredite kann keine getroffen werden, doch wird die Bewältigung der momentan noch laufenden Frankenkredite die Diskussion noch länger am Laufen halten. Ist dies einmal bewältigt, wird die weitere Vergabe vermutlich noch weiter eingeschränkt werden. V.a. für Privatpersonen und jene, die versuchen, durch einen Fremdwährungskredit im Endeffekt einen günstigeren Kredit herauszuschlagen, wird es wohl keine FX-Kredite mehr geben. Ein wesentliches Kriterium für den Erhalt eines Fremdwährungskredites wird nun nämlich verstärkt jenes sein, dass man sich den Kredit ohne Weiteres auch in Euro leisten könnte bzw. über Einkommen in der Fremdwährung verfügt. Damit soll verhindert werden, dass eine Aufwertung der Fremdwährung den finanziellen Ruin für die Kreditnehmer bedeutet.
Angesichts des jetzigen Höchststandes wäre es ja rein theoretisch ein günstiger Zeitpunkt zum Einstieg in einen Frankenkredit. Vorausgesetzt, die Schweizer Währung ist wieder im Sinken begriffen, wonach es momentan ganz und gar nicht aussieht. Zudem haben sich auch andere Voraussetzungen für Fremdwährungskredite geändert. Aufgrund der starken Schwankungen auf den Märkten kann heutzutage so viel passieren, was einen Fremdwährungskredit wohl einfach zu unsicher machen würde. Auch der früher so bekannte Zinsvorteil dürfte somit in Zukunft nicht mehr gewährleistet sein. Und reinste Spekulation zusätzlich zur ohnehin unsicheren Währungsentwicklung ist vielen dann einfach eine Nummer zu groß.
Quelle: Fremdwahrungskredit.at



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