Viele träumen davon, nach einem langen Arbeitstag in ein gepflegtes und gemütliches Heim zu kommen.
Die Rolle der Hausfrau ist häufig nicht mehr traditionell besetzt. Die Zahl der Single-Haushalte hat sich vermehrt und der Anteil berufstätiger Frauen ist seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts gestiegen. Ein Grund dafür ist, dass Frauen seit 1977 Arbeitsverträge ohne Zustimmung des Ehemanns abschließen können und eine verheirate und berufstätige Frau nicht mehr außergewöhnlich ist.
Seit das Anstellen einer Haushaltshilfe als Minijob meldepflichtig ist, entstehen Unternehmen, die einen Haushaltsservice anbieten. 

Das Angebot ist umfangreich - Die Kosten entsprechend

Das Reinigen der Wohnung ist der Hauptgrund, weshalb eine Haushaltshilfe engagiert wird. Viele Anbieter übernehmen auch das Waschen und Bügeln der anfallenden Wäsche. Selbstverständlich werden auch das Kochen, der Einkauf sowie die Betreuung der Kinder an den Nachmittagen übernommen. Es gibt sogar Angebote, die das Reinigen am Wochenende oder über Nacht anpreisen.
Das klingt alles sehr gut und hilfreich, aber es hat natürlich auch seinen Preis.
Eine Arbeitsstunde wird durchschnittlich mit 30€ abgerechnet. Bei diesem Preis ist klar, dass sich diese Unternehmen an gehobene Haushalte richten.

Die Kasse klingelt

Welche Leistungen erbracht werden, wird bei einem etwaigen Vertragsabschluss festgelegt. Es ist üblich, eine Probezeit von vier Wochen festzulegen. Kommt es zu einem Abschluss, ist der Kunde möglicherweise für ein Jahr gebunden.
Um einen guten Profit zu erzielen, ist es nicht ungewöhnlich, dass eine Mindestarbeitszeit von 3 Stunden pro Woche festgelegt wird. Dies wird als Basispaket verkauft und beinhaltet das Reinigen der Wohnung. Die Wäschepflege wird als Extra abgerechnet und für die Reinigung der Fenster ist es üblich, eine 2. Arbeitskraft einzusetzen, die zusätzlich in Rechnung gestellt wird. Oft wird hier noch eine Anfahrtspauschale erhoben. Stellt der Anbieter Reinigungsmaterialien, wie Emulsionen, Tücher und Wischgeräte zur Verfügung, werden diese ebenfalls in Rechnung gestellt. Eine gute Verkaufstaktik, denn das Reinigungsmaterial soll nebenbei an den Kunden verkauft werden.
Der Auftraggeber gibt einen Wohnungsschlüssel an das Unternehmen und stellt einen Platz für die Arbeitsgeräte bereit. Ein Reinigungsplan wird gleichfalls hinterlegt, damit eine Ersatzkraft bei Bedarf nahtlos einspringen kann.

Ein gehobener Haushalt wünscht gut geschultes Personal - Oft wird mehr versprochen, als erfüllt wird

Liest man die Stellenausschreibungen der Unternehmen, wird meist eine Hauswirtschafterin oder ein Hauswirtschafter gesucht. Ein Beruf, dessen Ausbildung in der Regel 3 Jahre dauert und eine Abschlussprüfung der IHK erfordert. Der Arbeitgeber verlangt ein polizeiliches Führungszeugnis und im Arbeitsvertrag werden Datenschutzerklärungen beigefügt. Im Klartext heißt das, der Arbeitnehmer wird verklagt, sobald Details über das Privatleben der Klienten an die Öffentlichkeit gelangen. In einigen Fällen verpflichtet sich der Arbeitnehmer zum Stillschweigen über den jeweiligen Einsatzort, auch der eigenen Familie gegenüber.
Schaut man ein wenig hinter die Kulissen, stellt man fest, dass auch ungelernte oder branchenfremde Bewerber eingestellt werden. Der Lohn wird dann von 9€ brutto auf 6 - 7€ brutto gesenkt. 

Die Stellenanzeigen versprechen Vielerlei - Diensthandy, Firmenwagen und eine flexible Arbeitszeit

Flexible Arbeitszeit klingt sehr schön, allerdings eher für den Unternehmer. Durch das Handy ist man jederzeit erreichbar und mit dem Dienstwagen kann man überall hinfahren. So kann ein Arbeitstag unerwartet verlängert oder auch verkürzt werden. Da sich Entlohnung nach den gearbeiteten Stunden richtet, ist es auch nicht immer sicher, was am Monatsende gezahlt wird. Für einen Arbeitnehmer kann es außerdem schwierig werden, einen Arztbesuch oder die Freizeit zu planen, denn die Einsatzpläne können sich sehr schnell ändern.

Die Unternehmen erfüllen die gesetzlichen Vorgaben teilweise nur sehr knapp. Das bedeutet zum Beispiel, dass der Jahresurlaub die Mindestanzahl von 24 Tagen beträgt und oft ist es strittig, ob die Fahrzeiten zwischen den Einsatzorten als Arbeitszeit gelten. Die gesetzlich vorgeschriebene Pause nach 6 Stunden wird selten eingehalten, weil das nächste Objekt angefahren werden muss. Packt einen der Hunger, ist man aus Zeitgründen gezwungen, hinter dem Steuer zu speisen.

Viele der Bewerber sind froh, dass sie eine Anstellung bekommen. Die Gründe sind vielfältiger Natur. Eine lange Familienphase, eine schwierige finanzielle Situation oder Unerfahrenheit. Sind die Arbeitsbedingungen sehr schlecht, setzt eine hohe Fluktuation des Personals ein. Qualifizierte Kräfte suchen sich oft eine besser bezahlte Stelle mit günstigeren Konditionen. Der Kunde hat dann das Nachsehen, weil er sich an eine neue Kraft gewöhnen muss.

 

In anderen Branchen ist oft es sehr ähnlich
An allen Ecken und Enden trifft man im Hotel auf Fremdpersonal. Das breite Job-Spektrum reicht vom Tellerwäscher bis zum Buchhalter. (von Nante)

Geschafft!

Weiterbildung der Mitarbeiter - Dem Klientel wird viel versprochen und das Personal wird entsprechend geschult

In diesem Job ist Schnelligkeit gefragt. Oft fällt nach dem Reinigen der Wohnung noch die Bügelwäsche an. Ein Herrenhemd sollte in etwa 7 Minuten glatt auf dem Wäschebügel hängen. Um diese Zeiten zu erreichen, werden nach den Arbeitstagen Schulungen durchgeführt. Leider haben die  Schulungen nicht immer das Niveau, das bei einer Abschlußprüfung der IHK gefordert wird. Oft wird nicht ausreichend auf die persönliche Arbeitssicherheit hingewiesen. Das Personal wird in manchen Fällen haupächlich auf Schnelligkeit gedrillt, zeitfressende Sicherheitsbestimmungen sind dann bestenfalls lästige Pflicht. Diese Unterweisungen werden oft nicht als Arbeitszeit gerechnet und dürfen dennoch nur mit einem ärztlichen Attest versäumt werden. Private Verpflichtungen sind kommentarlos zu streichen. Oft schließen die Schulungen nahtlos an einen Arbeitstag an. Eine Pause zum Essen oder Wechseln der Kleidung ist oft nicht möglich. Fraglich, ob die Aufnahmefähigkeit noch in einem ausreichenden Maß gegeben ist.

Kommt dann der wohlverdiente Feierabend für das Personal des Haushaltsservice, muss oft noch die Waschmaschine zum Waschen der Reinigungstücher angestellt werden, um diese am nächsten Tag wieder parat zu haben. Die gestellte Dienstkleidung ist ebenfalls zu reinigen und der Bestand ist so knapp kalkuliert, dass man gerade so durch eine Arbeitswoche kommt. Spätestens am Wochenende ist es an der Zeit, sich der Dienstkleidung anzunehmen.

Wodurch zeichnet sich ein guter Haushaltsservice aus - Worauf sollte bei einem Vertragsabschluß geachtet werden

Nicht alle Haushaltsdienste halten, was sie versprechen. Dennoch gibt es auch sehr gute, bei denen das Preis-Leistungsverhaltnis stimmt. Anbei einige Punkte, die beachtet werden sollten.

Es sollten keine Knebelverträge unterschrieben werden. Ein Jahr ist eine lange Zeit und es kann sich viel ändern. Ein Umzug oder ein Verdienstausfall können eine Haushaltsservice zu einer Belastung statt zu einer Entlastung werden lassen.

Das Personal sollte qualifiziert sein. Nicht auzudenken, wenn der Lotuseffekt einer Sanitärkeramik zerkratzt oder der Echtholzfußboden ertränkt wird. Einen nasses Hemd sollte auch nie auf einen Holzbügel gehängt oder ein Teppich auf einen feuchten Boden gelegt werden. Selbstverständlich sollte nach der Reinigung  alles wieder auf dem angestammten Platz stehen.

Die Arbeitsabläufe sollten strukturiert sein. Werden beispielsweise Fenster gereinigt, sollte  erst danach das Zimmer gesäubert werden. Die Arbeitszeit wird sonst zu Lasten der Kunden unnötig in die Länge gezogen.

Manche Leistungen könnten überteuert sein. Es lohnt sich zu erfragen, ob es unter Umständen günstiger ist, die Bügelwäsche außer Haus zu geben. Viele Bügelservices bieten auch das "Hand-Bügeln" von Herrenhemden zu einem akzeptablen Preis an. Das Hemd wird hierbei mit dem Eisen und nicht mit der Bügelpresse geglättet.

Schulungen sollten zertifiziert sein. Dadurch ist gewährleistet, dass Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden und die Inhalte eine wirkliche Quaifikation vermitteln.

Das Personal sollte entspannt und ausgeglichen sein. Nur dann ist ein gutes Arbeitsergebnis zu erwarten. Das ist bei Billiglöhnen, schlecht geregelten Arbeitsbedingungen und großem Zeitdruck nur schwerlich möglich.

 

Eine gute Alternative kann es sein, privat eine Haushaltshilfe zu suchen. Das hat den Vorteil, dass selbst entschieden werden kann, wer ins Haus kommt.

 

 

 

 

Bilder und Vorschaubild: pixabay

Stehlampen-Petra, am 09.01.2012

Kommentare


Stehlampen-Petra am 03.09.2012
Danke für deinen Kommentar. Schlimm ist, dass sich inzwischen Firmen darauf spezialisieren in "gehobenen" Haushalten tätig zu werden. Das Personal hat sehr schlechte Bedingungen ( Lohn etwa 8,50€ brutto, 24 Tage Urlaub Nacht u.- Wochenenddienst) und ausgebildete Fachkräfte gibt es nur selten. Nach außen hin sind es Hauswirtschafter/innen, die eine 3 jährige Prüfung mit IHK Abschluss absolviert haben.
sissilu am 03.09.2012
Toller Artikel! Gerechter Lohn für Alle, gerade für Hausangestellte, deren Arbeit in Privathaushalten nicht leicht ist. Es ist unverschämt, wie manche Stellenanzeigen formuliert sind, gerade bei Gesuchen von Putzhilfen - da merkt man ganz genau, was die Leute von ihnen halten. Schöne Grüße
Achatnia am 13.01.2012
Toller Artikel. Ich mache meinen Dreck auch selber weg. Und bei mir lohnt es sich auch, denn ich habe einen Bauernhof, da wird öfter mal ne Menge Dreck rein getragen. Die Bezahlung für die Leute, die in diesem Dienstleistungsbereich arbeiten, ist natürlich unter aller Kanone. Ich habe aber auch schon des Öfteren gehört, dass sich immer mehr Leute in dieser Branche selbstständig machen und sich eigene Kunden suchen. Dann passt es ja halbwegs wieder für beide Seiten. Liebe Grüße Achatnia
Stehlampen-Petra am 10.01.2012
@ Efes Ich mache meine Sachen auch lieber selbst. My home is my castle :-) @ Leseratte Danke. So sollte es auch sein.
Stehlampen-Petra am 10.01.2012
@ Kerstin Da hast du ja einiges erlebt ... Ob Hotel, Haushalt oder Sozialdienst, es ist wohl alles recht ähnlich. Mindestlohn bringt wahrscheinlich nichts, so wie einst die 35 Stunden Woche. Das Ergebnis würde wohl ähnlich ausfallen, mehr Arbeit für vielleicht ein bißchen mehr Lohn. Damals musste man in weniger Zeit die gleiche Arbeit bewältigen.
Stehlampen-Petra am 10.01.2012
@ Ruth Ich mag dich immer mehr :-)
Krimifreundin am 10.01.2012
...nur zur Ergänzung: Ich bin für gerechte Entlohnung und faire Arbeitsbedingungen. Deshalb brauche ich die Million bei PageWizz, um mir einen Haushaltsservice nach meinen Vorstellungen leisten zu können. Ich arbeite daran...;-)
Leseratte am 10.01.2012
Informativ für beide Seiten.



Bildquelle:
S.Hofschlaeger - pixelio.de (Aufsatz üben mit Grundschülern)

Autor seit 3 Jahren
50 Seiten
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