Heiligenspiel in Bad Endorf
von JASP
Wie ein Fels in der Brandung trotzt das drittälteste Theater Bayerns seit über 200 Jahren Weltkriegen, Seuchen und den Veränderungen in der Medienwelt.
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Tief in der Tradition verwurzelt...
...und älter als das Münchener Oktoberfest
1790 tobt noch immer die französische Revolution, Leopold II. wird Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und Mozarts Oper Cosi Fan Tutte wird uraufgeführt. Auch im oberbayerischen Bad Endorf fand zu dieser Zeit eine Uraufführung statt. Die „Thraurige Vorstellung dess Erschrecklichen Jingsten Gerichts“ markiert den Beginn einer langen Spieltradition, die nur durch die beiden Weltkriege und die Maul- und Klauenseuche unterbrochen wurde. "Wagenplahen habens` gehabt für die Bühn, und auf einer Wiesen sind die Zuschauer gesessen", ist in den historischen Aufzeichnungen zur ersten Aufführung zu lesen.
In der Anfangszeit experimentierten die Endorfer noch gerne, weshalb zwischen bekannten religiösen Kassenschlagern wie „Moses“ (Uraufführung 1868) und „Der ägyptische Joseph“ (Uraufführung 1817) immer wieder Ritterspiele (Ritter Eisenbeiß, 1833) und lustige Stücke (Privatier Wamperl 1905) in der Chronik auftauchen. Selbst vor Opern schreckte Bad Endorf nicht zurück. Mozarts Don Juan (1834) gibt sich mit Webers Freischütz (1939) ein Stelldichein. Im Jahr 1817 spielte die Theatergesellschaft erstmals mit dem Gedanken ein eigenes Theaterhaus zu errichten. Dies gelang allerdings erst 1867, nachdem zwölf Spieler eine Gesellschaft gegründet hatten, die sich um Finanzierung und Bau des soliden Gebäudes kümmerte. Noch heute werden die Initiatoren als „die 12 Apostel“ bezeichnet.
2011 ist die Theatergesellschaft
Bad Endorf e.V. nicht nur ältester Verein der Marktgemeinde, sie
betreibt auch das drittälteste Theater Bayerns und gilt mit ihren
religiösen Bühnenstücken als herausragender Kulturträger der
Region. Kirchliche Würdenträger und politische Prominenz haben die
Aufführungen in Bad Endorf seit langem als wichtigen Punkt in ihren
Terminkalendern stehen.
So besuchte beispielsweise Kardinal
Ratzinger, heute besser bekannt als Papst Benedikt XVI., 1981 das
Stück Augustinus und seine Mutter Monika.
Auf politischer Seite finden sich Namen wie MdL Barbara Stamm, Präsidentin des Bayerischen Landtags, der ehemalige Kultusminister Prof. Mayer, der ehemalige Vize-Regierungspräsident Dr. Kunert, die ehemaligen Landtagsmitglieder Konrad Breitrainer und Max Dinglreiter sowie die jeweils amtierenden Landräte und Bürgermeister.
Hildegard von Bingen auf der Bühne
Die Visionärin des Mittelalters erleben
Auch am Pfingstmontag, den 13. Juni 2011 wird die Prominenz nicht fehlen, wenn sich der Vorhang fü
r das neue Stück Hildegard von Bingen
hebt. Paula Aiblinger verkörpert die im 12. Jahrhundert lebende Benediktinerin, die sich Zeit ihres Lebens in einer von Männern
dominierten Welt zurechtfinden und durchsetzen musste. Gegen den
Widerstand des Abtes und der Mainzer Prälaten baute sie das erste
Frauenkloster mit modernen hygienischen Einrichtungen. Ihr Ruf als
Mystikerin und Heilkundige machte sie weltweit berühmt. Noch heute
stützen sich viele Erkenntnisse der Medizin auf die Schriften der
Ordensfrau. Bekannt sind auch ihre Visionen, die sie in Büchern wie
„Liber Scivias Domini“ festhielt.
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Auf Sinnsuche im Dschungelcampam 03.02.2011
Gut gebrüllt Löweam 25.01.2011




Kommentare
Die Kieferer muss man als Parodie sehen - dann ist es phantastisch ;-)
Es ist nur oft deprimierend, wenn ich mir deren Zuschauerzahlen anschaue und wirklich gute Stücke ( egal von welcher Bühne) mit hohem
Niveau haben teilweise nur 10 Besucher Pro Vorstellung.
@Grace:
Hab mir schon gedacht, dass Du eine aktive Theaterin bist :-)
Endorf und Kiefersfelden sind Geschmackssache, ich kann mich vor allem bei den Kieferern herrlich amüsieren.
Die "Kieferer Ritterspiele" sind ja auch so eine Sache - allerdings sind die manchmal so schlecht, dass es schon wieder eine gute Parodie ist.
Ich spiele selber seit ca. 25 Jahren Theater und für mich wäre es absolute Folter, 40 Minuten lang dazustehen und einen Monolog ohne Bewegung zu präsentieren. Bei uns ( Theater: "Das Narrenschiff" in Wasserburg) ist teilweise fast schon zuviel Action - jedenfalls, wenn ich an meine blauen Flecken denke. ;-) Ich mag lieber diese Mischung aus Klassik und moderne.
@Grace:
Du hast schon irgendwie recht. Ich hab bei meinem Kommentar vorhin aber ein bisschen schnell geschossen. Folgendes muss man bei denen bedenken:
Es liegt nicht nur am Regisseur, sondern auch daran, dass die Stücke so dargebracht werden sollen, wie es vor 200 Jahren üblich war. Damals waren Monologe üblich, der Schauspieler durfte während dem Vortragen nicht einmal mit den Wimpern zucken weil das den Zuschauer abgelenkt hätte. Bewegung wurde erst im modernen Theater als wichtig erachtet. Endorf ist in dieser Hinsicht noch nicht mal besonders schlimm. Die Ritterspiele in Kiefersfelden sind noch statischer, bei echten Klassikern wie Homers Ilias dauern die bewegungslosen Monologe oft 40 Minuten!
Auf moderne Menschen, die von TV und Kino geprägt sind, wirken so alte Stück natürlich oft langweilig oder skurril. Heute kann es nicht genug Action geben. Natürlich wissen das auch die Endorfer und lockern die historischen Schranken ein wenig. Es wird sich mehr bewegt, als noch vor 20 Jahren. Komplett nach modernen Regeln inszenieren will man aber nicht. Dann würde dieses Theater a) seine historische und kulturelle Bedeutung verlieren und b) seine Einzigartigkeit verlieren. Moderne Inszenierungen gibts an jeder Straßenecke.
Das ist eben das Problem, die guten Spieler sind heiss begehrt und meistens ausgebucht. Allerdings könnte ein guter Regiesseur da schon was rausholen. :-)
@Grace:
Im Film bewegen sie sich :-)
Das Problem bei so nem Stück: Es stehen bis zu 80 Darsteller auf der Bühne. Die meisten Stücke haben fünf oder zehn Rollen und fünf oder zehn gute Spieler findest Du in jedem Dorf. Aber 80? Da muss man halt nehmen was man kriegt :D
Die kenn ich. Genauer gesagt habe ich mal ganze 5 Minuten davon ertragen. Haben die mittlerweile Theaterspielen gelernt oder ist das immer noch "rumstehen und text aufsagen" - ja, das klingt jetzt böse und gehässig - ist aber leider so. ;-)