Die Stehlampe und meinen Vornamen habe ich schon länger...

Zu den Meisen kam ich folgendermaßen. Im Dezember 2009 zog ich eine Wohnung mit einem riesigem Balkon. Wäre ich eine gute Tischtennisspielerin, würde der Platz darauf möglicherweise ausreichen. Doch lassen wir dieses Thema besser fallen...
Jedenfalls war alles sehr kahl, es gab noch nicht einmal Blumenkästen mit Tannenzweigen darin.
Mir war das zu trist, so erstand ich bei nächster Gelegenheit ein kleines Vogelhäuschen. Es bekam den Namen "Villa Spatz". Sicher übertrieben, es ist eher eine Kate als eine Villa.
Vögel kamen zuerst auch nicht. Ich versuchte sie mit Winterfettfutter und Meisenknödeln zu ködern, Fehlanzeige. Der Balkon wurde zu einem Ort, an dem alles abgestellt wurde, was gerade nicht gebraucht wurde. Dadurch wirkte er etwas lebendiger.

Im beginnenden Frühjahr setzte ganz allmählich der Besuch von Kohlmeisen ein. Eine davon war sehr markant. Sie hatte kaum Federn auf dem Kopf. Der Vogel bekam den Namen Glatzi, oder auch Herr Glatz. Mit der Zeit kamen noch Kleiber hinzu. Sie wirken etwas rüpelhaft in ihrem Auftreten. Verschaffen sich Platz an der Futterstelle, indem sie dem anderen Federvieh rüde in den Bürzel picken. Auf mich wirken sie immer ein bißchen wie bewaffnete Ermittler, die in einem Krimi die Türen sichern. Etwas überspitzt; ein bißchen wie Leslie Nielson in "Naked Gun", oder etwas in dieser Art. Die Kleiber habe ich jedenfalls sehr gerne. Sie selbst sehen sich bestimmt ganz anders...

Dann ging das Vogelfutter zur Neige. War erst skeptisch, ob ich weiter füttern soll, weil der Winter ja herum war.
Auf der NABU Homepage konnte ich mich dann informieren. Man darf Vögel füttern, wenn das Futter in Ordnung ist und die Futterstellen saubergehalten werden.                                                   Ich fand bald heraus, daß sie nur noch Sonnenblumenkerne aus dem Restfutter pickten. Nach einigen Anläufen konnte ich ungesalzene Kerne mit Schale erstehen.
Die Kohlmeisen waren begeistert und es wurden immer mehr. Jetzt kamen noch Blaumeisen dazu.

Die Meisen erobern das Wohnzimmer - Naja, ich war nicht unschuldig daran...

BlaumeisenkükenEs fing damit an, daß sich ein Blaumeisenküken verflogen hatte. Es flog durch das Wohnzimmer und merkte, daß dies nicht die freie Wildbahn war. Auf der Suche nach dem Ausgang flatterte es panisch umher. Schließlich geschah das Unvermeidliche, es donnerte an die Fensterscheibe. Danach saß es benommen unter der Heizung. Das kleine Herz raste, der Schnabel stand weit auf. Ich setzte es behutsam auf meine Hand und brachte es in das Vogelhaus.
Nach einer Weile rappelte es sich auf und flog weiter. Ich war sehr erleichtert...

Ich war dann eine paar Tage auf Fehmarn. Es gab eine Hochzeit zu feiern.


Wieder zurück, legte ich erneut Kerne heraus. Nach kurzer Zeit erkannte ich den Herrn Glatz wieder. Er hatte einige seiner Artgenossen im Schlepptau. Die Blaumeisenpopulation hatte sich  vergrößert. Die Kleiber ermittelten jetzt zu zweit.

Meine neueste Idee war, die Vögel zu filmen. Teilweise klopften sie vor Ort die Kerne auf. Einige sehr clever an einem Blumentopfrand, oder auf dem Dach des Vogelhauses. Manche hatten Schwierigkeiten mit dem Knacken der Kerne. Sie wählten beispielsweise ein dünnes Hortensienästchen, welches zu sehr federte um den Kern zu öffnen. Ich wollte auch wissen, was sie mit einer Haselnuß anstellen.

Die Filmerei erwies sich als schwierig. Das USB Kabel der Webcam war zu kurz. Den Rechner näher an die Tür zu stellen hätte nichts gebracht, dann wären die Vögel gleich weg gewesen. Also fing ich an, eine Spur mit Sonnenblumenkernen zu legen. Richtung Wohnzimmer. Es war ein bißchen wie bei Hänsel und Gretel...

Nur daß ich keinerlei Gedanken hegte, die Vögel zu verspeisen.


Mit der Zeit zahlte sich das Anlocken aus. Die Vögel kamen immer näher. Die nächste Hürde bestand darin, die Technik zu überlisten. Mein Lebensgefährte fand dann eine Einstellung für den Bewegungsauslöser der Kamera. Nach einiger Zeit und vielen Fehlversuchen konnten wir erfolgreich filmen. Der kleine Film dauerte Stunden und das Schneiden auch noch mal seine Zeit.

Im Hochsommer stand tagsüber die große Schiebetür des Balkons auf. Ich weiß, das sollte man nicht machen wenn keiner zu Hause ist, aber hier kann wirklich nur ein Gecco hochsteigen.
Eines Tages kam ich von der Arbeit und fühlte mich sehr beobachtet. Mein Blick fiel auf die Stehlampe. Es saßen doch glatt 7 Kohlmeisen darauf. Herr Glatz war natürlich auch dabei.
Das Federvieh war erst mal erschrocken. Ich eilte auf den Balkon, um von außen die Vogelscheuche zu geben. Die Rechnung  ging auf, sie flogen ins Freie.
Mit der Zeit gewöhnten sie sich an uns, schauten öfter mal herein. Sie ließen sich auch nicht stören, wenn wir auf dem Balkon waren. Ich fand es schön, nach Feierabend gelegentlich Meisengesellschaft zu haben.


Überhaupt ist dieser Ort eine Art Vogelparadies. In einer Dachritze brüteten Mauersegler, Amselküken lernten hier das Fliegen, und die Dompfaffen weideten in den Hornveilchen, nachdem die Pflanzen verblüht waren.

Im Spätsommer kam Herr Glatz nicht mehr. Ich denke, daß diese Meise schon alt war und gestorben ist. Habe sogar ein paar Tränen verdrückt...


Im Herbst und Winter kamen viele andere Vögel dazu. Grünfinken, Tannenmeisen, ein Zaunkönig, ein Baumläufer und eine Buntspechtdame. Besonders angetan war ich von einem Rotkehlchen. Inzwischen singt es sehr schön sein Frühlingslied. Der Text lautet möglicherweise: "Weg da, das ist mein Revier", oder " Wagt euch bloß nicht meine Fliegen zu schnäppen, sonst gibt es Ärger". Inzwischen ist ein weiteres dieser Art dazugekommen...


Die Amseln haben hier überwintert. Die Küken sind jetzt groß und ich bin froh, daß sie die kalte Jahreszeit gut überstanden haben.
Allmählich fängt die Balz an, da fliegen schon mal die Fetzen.
Don Merlo, der Amsel-Althahn, steckte seinen Kopf auch schon mal in das Wohnzimmer.
Ich bin gespannt, was da noch alles kommt...

Meisen + Kleiber - Aufgenommen und geschnitten von F.Horn. Vielen Dank dafür.
Autor seit 3 Jahren
50 Seiten
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