Unterwegs im 1000-jährigen Reich Rom - Story

Trotz Dreifachverglasung findet das römische Hupkonzert meine taube Bewunderung. Ich reisse das Fenster auf: THIRTY-FIVE CENTIMETERS! How about you? 

Der Dichtungsgummi fliegt mir um die Ohren, genau wie der Zorn des Pullifahrers, der meinetwegen die Ausfahrt verpasste. Sein Finger erigiert. Ich grüsse zurück -; meinem Ständer entsprechend, verpasse ich dem Fensterflügel einen Stoss, der gummilos kracht wie eine Regieklappe, und schlage eine neue Seite meines Reiseführers auf, den ich mir am Ciampino Aeroporto so automatisch einsteckte, wie ich es verabsäumte, ein Metroticket zu ziehen. Immerhin, er kennt den Weg; Nach draussen; Auf die Strasse, wo der substituierte Schwanzlängenvergleich fortsetzt, in einer nachdrücklichen Wichtigkeit, die mir imponiert.

Legal BudOhne Plan, dafür mit beachtlich metrokulturellen Unverstand bestückt, mache ich mich auf, ans andere Ende der Stadt, verprasse die Preisdifferenz zwischen meinen 2, und den 5 Sternen der Hiltoner Präsidentensuite in Form dutzender Netzkarten, die ich mir absurderweise leiste, anstatt wie gewöhnlich, auf einen Deal mit der Mafia zu hoffen, verliere zwei Stunden dabei, mir eine Stadtführung zu spendieren (der Führer ist lausig, hat null Ahnung von Italien, dafür spricht er deutsch), und lande später als erhofft im angeblichen Zentrum des Drogenhandels, das mir eine freundliche Dame ("Mamma Mia, der junge Herr wird doch sicher noch zum Spaghettiessen bleiben?") in rührender Fürsorge anzeigte, zu umgehen.

Natürlich umgehe ich ihn nicht, den Piazza Vittorio. Stattdessen kann ich nicht umhin, ein schmales Italienerchen, das fluchend eine Skandinavierin an ihren blonden Korkenzieherlocken über den Gehsteig schleift, über die Motorhaube zu legen, als mimte ich den gehörnten Part eines lausigen Pärchens am Set einer Capone-Produktion. Blubb, bloss so. Eine Ottakringer-Reklame beantwortet die Frage nach dem Grund. Im selben Augenblick springt ein Tisch Jugendlicher auf, der unweit des Piazza Vittorio betont lässig seine Eiskaffees schlürft. Der Alphaschwanz pfeift, tributiert meinen Auftritt mit einem Jacksongriff, die Doggen lachen, klatschen, setzen sich. Home sweet home!...Es ist doch immer wieder schön zu sehen, wie Drogen die Menschen zusammenführt. 200 Meter Luftlinie, eine Trasse höher, teilt sich die Mafia das Drogengeschäft mit den Carabinieris. Schulterblickend schaue ich durch, gehe weiter, en passant; Ein Urlauber, und ich: Entschlossen wie eine Dalmatinerschnauze einem saftigen Kotelett dem Checkertisch zusteuernd. Einen ellbogenweit davor bleibe ich stehen, senke meinen Blick in die Runde. Ein zierliches, edelstählernes Lavazzastühlchen schiebt sich knirschend meinem Arsch entgegen, als wollte es sagen: Hey Määän, wtz goin on? Der Kellner ist schnell. Ich trinke den Alibisaft, zahle ihn nur, und biege mit dem Lacklatino, Marke Louis Vuitton, der nur aussieht wie ein Italiener, seinem Akzent nach aber eher einem Promenadenfick maltesischer Herkunft entstammen dürfte, um den nächsten Häuserblock. Wir "gehen spazieren". Die Show ist dieselbe wie in jeder anderen Grossstadt des Good Old...wie ich das hasse. Ich kaufe dem falschen Italiener die Hektik nicht ab, das Gras natürlich schon. Biologic stuff. Der Preis erzählt mir, dass Rom doch weiter südlich liegt als ich dachte. Ich verhandle nicht, den Rest soll er in Tütenkautschuk eintauschen um der Welt einen weiteren Prototypen seinesgleichen zu ersparen. 

Harte Gesetze, billiger Stoff. Legal BudEine Faustregel, die auch in Rom gilt. Wer den ultimativen Kiffurlaub sucht, muss ergo summ nach Thailand schippern. Die paar gegrillten Touristen, die immer mal wieder durch den Boulevard geistern, sollte man gedanklich auf die Bank strecken, oder hoffen, dass man mit einem Monat Folter in der Einzelhaft davonkommt,...

Die Gewürznasen der Einheimischen sind sensibel. Sie riechen mich. Am Rückweg kaufe ich zwei weitere Päckchen. Eines mit Thaigras von einem Rasta, der mich an der Theke eines Supermarkts breit angrinst, als ich gerade Orangensaft in meinen Rucksack stopfe, das zweite Baggie wechselt von einem Crackjunkie in die 5th pocket meiner Lee. Mit Sicherheit mieses Zeug, das er mir zu einem überhöhten Preis gestresst andreht, aber verglichen mit der Europlatte immer noch recht preiswertes Hasch. Auf das Thaigras freue ich mich, das ist schwer zu kriegen. Und potent. Hybridzucht -, indoor selbstverständlich, und keine Samen, was mich wundert bei dem Preis. Der Rasta hält es mir ungeniert unter die Nase. Immerhin knapp ein Deka Realgewicht, mit dem ich gutgelaunt den Rückweg antrete. 

Meine Maschine geht in 36 Stunden. Das sollte hinzukriegen sein. Als erstes feuere ich meinen Stadtführer und winke einem Taxi. Zwei Strassen vor dem Continental Inn weise ich den Afro an, rechts ranzufahren. Ich laufe einmal um den Block auf der Suche nach einem Bistro, wo ich mich mit Kohlenhydraten, Vitaminen, noch mehr hochprozentigen Fruchtsäften und Kakaopulver eindecke um mich für den hereinbrechenden Insulinflash zu rüsten. Mein Gras dampft aus der Leistengegend wie eine verrusste Kohlenfilterschnecke, und die sommerliche Blechhitze zwingt mich bald in den Schatten. 

Ich drehe die hässlichste Tröte meines Lebens auf der beschissensten Toilette Roms. Das Dreiblatt klebt, aber nicht vom Gummi arabicum, und ich ärgere mich über die fünf Millionen Eurotrafikanten, die es schaffen, die miesesten papers zu verticken, wo doch die Spanier jährlich Tonnen besten Reispapiers unter dem selbsterklärenden Labelnamen Smoking nach Amerika schiffen. Stattdessen ziehe ich das Red cross Rizla der Schweizer, das ich mir unter Protest andrehen liess; Weil es qualmt wie feuchtes Herbstlaub. Die Verachtung dieser Zunft ihrer eigenen Profession gegenüber ist aber nicht das einzige, was mir nachläuft. Mein Ofen, mehr Kegel als Tröte, zieht einen Schweif hinter mir her, der mich bis in die hinterste Gasse des Bahnhofsviertels verfolgt. Paranoia kriecht hoch; Als liefe ich mit der Freiheitsstatue im Handgepäck an der Zollwache vorbei. Und wie im Traum haspeln meine Schuhe hinter meinen Füssen her. Ein Gang auf heissem Teer. Meine Lunge pfeift, als hätte ich den Regenwald geraucht. Ich jage mir den Rest mit drei Zügen hinunter, der erste Koller, ich ziehe noch mal. Sauerstoffmangel. Einer geht noch. Zwei. Schnipp -, und tschüss! Das Zeug kommt langsam, dafür von allen Seiten wie eine 7.2 Dolby Surround-Anlage von Sony, Thai eben: seine Wirkung auf die Schleimhäute habe ich masslos unterschätzt. Die Spuke reicht gerade noch, um an der Rezeption ein key heraus zu würgen. Beim please klebt meine Zunge schon am Gaumen fest. Ich höre mich an wie ein bekifftes Handtuch, meine Pelzzunge schmeckt wie ein Dieselfilter nach 60.000 Kilometern, mein Herz schlägt wie ein Subwoofer und zu all dem werde ich den Verdacht nicht los, dass mir jemand folgt -oder Etwas, dunkles, faulig-fettes, wie eine Qualle,...

Die erste in dieser Stadt verschlang mich unweit des Termini: 4 Wände, Decke & Boden. Ein Würfel von innen. Keine Absteige. Schlicht und ergreifend: Ein Loch. Ich zwänge meinen Arsch hinein. Meinen Koffer stelle ich in die Duschtasse. Mehr Platz ist da nicht. Das Würfelinnere wird von einer Gipskartonwand durchzogen, die einen halben Meter vor der gegenüberliegenden Mauer endet, was täuschend ähnlich die Illusion eines zweiten Raums imitiert: das Bad. Wer immer schon wissen wollte, ob er Klaustrophobiker ist, dem kann ich diese Adresse wärmstens empfehlen,... Eine architektonische Meisterleistung, die es verstanden hat, aus nichts, fast nichts zu machen. Man versteht es, aus kleinen Dingen grosse Sternchen heraus zu quetschen. Klein, aber...naja. Italien hat´s in sich. Ich kann mich nicht entscheiden, wonach es aussieht: Ist meine Junior Suite eine Duschkabine, oder steht da eine Kloschlüssel neben dem Bett? In Österreich würde man Nachtscherben sagen. Beinbruch, wenn es das Essen, Halsbruch, wenn es das Bierchen war. Such es dir aus, Nico. Wenn ich aus der Dusche steige, stehe ich in der Kacke. Wortwörtlich, sofern ich mir nicht das Genick brechen will, beim Wagnis darüber zu steigen, was mich an meine letzte Beziehung erinnert. Das war auch so eine Geschichte. Ein Gschichtl, auf gut Kaisermühlerisch, oder wie die Bayern sagen: eine Wuchtl, worunter Almöhis wiederum eine in warmer Milch schwimmende Flaumteigkugel mit Topfenfülle verstehen, was in etwa der Konsistenz gleicht, die mir gerade durch die Poren dampft: Warm. Weiss. Auf. Ab. Irgendwie schräg. Rein, raus -, und noch einmal: Rein. Das Gefühl, von einer Qualle verfolgt zu werden, weicht dem Gefühl, von einer Qualle verschlungen zu werden. Feucht. Feuchter. Am Feuchtes-testen, wie die Emos auf Neu-Deutsch weinen würden, und Philologen schlicht Böhmisch nennen. Irgendwer hat jetzt gestöhnt. Oder ist draussen auf der Strasse ein Penner umgekippt?  

Jedem seine Sprachbarriere. Und mir die allermeisten. Wenn schon nirgends daheim, dann überall. Trotz alledem bin ich angekommen. Soeben. Also jetzt. Grad eben halt; ist was entwichen. Und ab ins Flugzeug. Hau weg die Scheisse! Prost. Servus! Und Kölle Allaf! Fasching ist ja auch bald wieder. Und nach dem Fasching ist vor dem Fasching. Und sowieso. Fasching -Wurst wenn was entweicht; Und ich nicht dabei bin. Nicht so richtig. Dabei habe ich nicht mal einen Kalender, damit ich weiss, dass ich den Fasching mal wieder nicht gefeiert habe. Und dann feiere ich. Den Fasching. Wo war ich...? Ein Fragezeichen, kein Fragezeichen. Noch eins. Drei. Zwei. Eins. Die Boeing klappt das Fahrgestell nach unten; Mit den Rädern dran. 149 Meter Gummi auf Rippbeton. Vielleicht ein bisschen mehr. Mehr vom fehlenden Personal. Und einen Whisky. Auch wenn der extra kostet. Ich trete aus dem Klo, bin ausgetreten. Bitte bleiben sie solange angeschnallt, bis das Flugzeug seine endgültige Parkposition erreicht hat. Ich trete wieder ein. Das ist wie heiraten. Global marriaging, das neues-teste. Einmal um die Welt heiraten. Beim Rückflug dann die Scheidung. Dafür braucht man nur einen Anzug. Macht sechs Hochzeitsnächte in 72 Stunden. Und ein Tränenmeer dazu...Meer. Das ist weit weg in Rom. Und doch. Rom ist immer gut für eine neue Erfahrung. Mailand, Prag, London, Paris, Tokio,...Nicht Wien. Wien ist anders. Horizonterweiterung? Nicht im Tal der Schluchtenscheisser. Da stehen nur Alpen blöd herum; wie Hühner, wenn es blitzt. Einen Horizont sucht man dort vergeblich...Nein, es ist nicht schwer zu erraten. Ich mag es nicht; dieses Österreich. Auslüften. Umziehen. Abhauen. Das ist, was es um jeden Preis zu tun gilt. Des Bürgers erste Pflicht: Sterben, in diesem Land, wäre die Hölle,...

Where are YOU from? Die Frage, die ich fürchte. I,...I,...I´mashamed,... Genügt das? 

Mal ehrlich...Wofür ist Österreich bekannt? Mozart, Heidi, Schwarzenegger. Und seit neuestem...Amstetten. Das Inzest-Dorf (nicht Inzersdorf). Nicht zu vergessen: Adolf Hitler und die Sängerknaben. Summa summarum: Österreich ist weltbekannt!...für 1. die schwulste Perücke der Welt, als 2. Wixvorlagenproduzent für Pädos, einer 3. Nimmerland-Boyband für Eunuchen, 4. einen serienmordenden Gouvernator, 5. einen rhetorisch versierten Massenmörder, für Kellerverliese und Papis, die es mit ihren Töchtern treiben,... Kinder, Sex & Mord. Das Thema zieht sich durch: Klar, hier will man unbedingt wohnen. Der CNN-Reporter, der mich in der Ybbsstrasse abfängt, ignoriert das halbe Dutzend Kofferschleifen, die am Griff meines Samsonite baumeln und fragt mich, ob ich nichts mitbekommen hätte...wo ich doch ganz in der Nähe des Horror-House wohne. Und was in Österreich los wäre? Und,... Klar ist mir was aufgefallen! 

Die Österreicher sind durchgeknallt. Das ist los, sage ich achselzuckend, umzingelt von Dauerlutschern, einem grünen, gelben, orangen und zwei weissen Samtdildos -bereit, der Welt meine Meinung zu trichtern. Auch der BBC hat Wind bekommen, und eine Hand voll anderer Reporter, Kameramänner, Mikrofonträger umschwirren mich wie Schmeißfliegen. Äh...Nein, sorry, mir ist doch nichts aufgefallen. Ich bin erschüttert. Unerklärlich das alles!...Bestürzt, Ja! 

...Die Schmeissfliegen ziehen wieder ab. Das war vor drei Tagen. Ich hätte meine Wäsche auf Malta waschen lassen sollen, statt die Maschine meiner Eltern zu bemühen, kurz bevor meine eigene nach Rom abhob.

Aber nein doch. Als geplagter Texter, verfolgt von Staatsanwälten, Verfassungsrechtlern und erzkonservativen Fundis, der zur Überquerung scheinbar unüberwindbarer Grenzen auf ryernde, irische low-cost-Vögel angewiesen ist, musste ich mal wieder am Weg nach London 9,2 Tonnen Co2 freisetzen, und kurz am Mutterboden aufsetzen, bevor es endlich gen Süden gehen konnte. Das Chaos, das wandelnde. Das Nico. Das reinste Würgen, diese Intermezzi und im Ohr: mein ipod, die Nano-Zeilen eines Prager Kultusministers hämmernd, der von Österreich nach Tschechien flüchtete, mit den Worten: Ich fahre über die Grenze nach Österreich, steige aus und muss kotzen. Ein Seelenverwandter. Keine Frage. Als Wortlaut, 20 mal hintereinander, auf repeat eingestellt, im Ohr: Bernhard, Dutschke -, so einen hatten wir nicht, und Hitler. An Lösungsvorschlägen hat es ja nie gemangelt in der heimischen Literatur. Die eine oder andere Endlösung. Ausrufezeichen. Hört keiner. Die Auslöschung. Hört keiner. Aus-Löschung. Das wünschen sie uns, den Nestbeschmutzern. Uns, die an einer Krankheit kranken; Gegen dieses Land, wünschen sie das. Als ob man für eine Krankheit was könnte, die so altbekannt ist wie die Ödnis, die uns ihre sorgsam frisierte Landschaft aufzwingt, mit ihren Mostbirnblüten, ihren Dorfkirchen und Wanderpfaden, die von einer Kapelle zur nächsten führen, jederzeit bereit, jenen die Beichte abzunehmen, die keiner bedürfen. Und dann ist da noch der berühmte Wiener Schmäh, den alle so furchtbar amüsant finden, der mich erschaudern lässt. Furchtbar; Diese Mischung aus Zynismus und Selbstverachtung, die der Selbsterkenntnis entfleucht, einer kollektiven Saubarde aus Mördern und Seelenhuren, Verbrechern und Perversen abzustammen. Das ist das Juwel des Österreichers. Er weiss, dass er eine Sau ist. Er weiss es. Mit seiner scharfen Selbstwahrnehmung, die er auf alles und jeden projiziert, weiss er das. Um keinen Preis darf er sich erlauben zu glauben, andere wären anders. Dabei glaubt er sonst jeden Mist. Eine Nadel im Heuhaufen finden ist möglich, aber im Morast,...

Selbsterkenntnis ist nicht immer das Wahre. Wahr schon, nur halt nicht das Wahre. Für den Österreicher; bedauerlicherweise, ist seine Sicht gerechtfertigt: Durch die falsche Annahme, alle Menschen wären gleich; gleich wie wir: Schlawiner.  

Passengers on the flight to Rome, please go to the gate 9A,...

Endlich. Seit Jahren versuche ich den Gesichtsausdruck von Menschen zu deuten, denen ich in der Welt begegne, und zwar exakt in dem Moment, wenn ich Austria sage. Es ist irgendwas zwischen Verachtung und Mitleid. Niemals Neid. Ein perverses Interesse manchmal. Bestenfalls haben die Leute nie davon gehört.

Ich laufe die Gangway des Stansted Airport entlang, hinein ins offene Maul dieser ISI-Patrone, die mich für die nächsten zwei Stunden gefangen halten wird. Ich geniesse das Kribbeln, bevor ich meinen Fuss über die Gummilippen setze. Ein Schuss ins Warme. Österreich. Ade! Aus London. Wie üblich vergass ich die Verabschiedung des Bekannten zugunsten der Begrüssung des Fremden. Das hässlichste an Österreich ist die kompromisslose Senilität seiner Bevölkerung, seine tiefverwurzelte Weigerung zu lernen. Österreicher übersetzen das mit Beständigkeit, Sicherheit -, oder noch schlimmer: Heimatliebe. Spätestens an der Stelle wird´s Zeit für F16. Das ist keine Funktionstaste auf meinem Mac, sondern eine Sitzplatznummer der Boeing 737 auf Interkontinentalflügen. Ich sitze immer auf F16, denn sollte auf 12.000 Metern Flughöhe plötzlich klar werden, das ich den Boden nur in Einzelteilen erreichen werde, kann ich von dort aus bequem über die Tragfläche ins Getriebe hüpfen -, in der Hoffnung, als pulverisierter Nebelregen zumindest teilweise das Meer zu erreichen. Seltsamerweise grinse ich bei dieser Vorstellung ebenso unergründlich wie all die Menschen, denen ich von meiner Herkunft erzähle. Damit die Vorfreude berechtigt wäre, müsste es davor allerdings ein Malheur geben, einen Atomunfall während eines Frankreich-Aufenthalts, und ich -zufällig in der Nähe, oder einen Terroranschlag in der U-Bahn. Aber bleiben wir realistisch...90% der Unfälle passieren bei alltäglichen Verrichtungen. Beim Aus-dem-Bett-Steigen zum Beispiel. In Richtung Bad, der einzigen möglichen Richtung in diesem Loch, abgesehen von der, die aus dem Fenster führt,...

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Dusche. Hahn aufdrehen. Einseifen. Wasser laufen lassen. Das Waschbecken ist nicht viel grösser als ein Türstopper, aber diese Funktion erfüllt es tadellos, wie mir die abgesprungene Kante leidvoll klagt: "Endlich ist da jemand, der unsere Sprache spricht! Helft uns doch!", flehen die Goldmariechen Gegenstände. Aber ich habe keine Lust auf Märchen; entscheide mich gegen die Realität, fuchtle mit dem Handtuch in der Luft herum, versuche meine Halluzinationen zu verscheuchen. Aufwachen! Nüchtern werden. Aufschlagen. Mit dem Hinterkopf am Etagere. Warm. Rot. Feucht. Mit allen Wassern waschen, abwaschen, das Blut verdünnen, mit Wasser. Der Hahn würgt was er kann, aber das ist nicht besonders viel. Das Becken würde er nie vollkriegen; Gar keins. Legal BudDas Hähnchen wirkt so eindrücklich lächerlich wie ein Dreizehnjähriger, der eingeschüchtert vor einer Bordelltür auf und abtrippelt, wildentschlossen sein jungfräuliches Erektoplasma der erstbesten Puffmutter zu widmen, und sei es um den Preis jenes reibungslosen Gefühls, das entsteht, wenn man eine Salami ins Fussballtor wirft. Auf mehr Widerstand stossen da schon meine Ellbogen, meine Kniescheiben und Zehen, wenn ich versuche, wohl gezahnt das Bad zu verlassen. Was drinnen bleibt, wird unter der Dusche geputzt. Am Kloring sitzend drehe ich shit ins Papier, zünde den Marokkaner an und warte auf das Klick; Aber die American Cool springt nicht an. Es bleibt Roman-Hot & sticky. Rauchschwaden verzappendustern das Bad wie der brennende Augustsmog in Athen. Halb blind schlage ich mir den Kopf am Etagere, schon wieder; fummle ich nach dem Handtuch, mache es feucht, kühle das Brennen, die Schwellung, den Schmerz. Aber das verdammte Ding wäre selbst als Teppich zu gross. Ich verliere mich darin wie in einem schlechten Acidtrip, während das dope den 2. Gang einlegt und wie wild gegen meine Schläfen trommelt. Der strangen Kombination aus Marokkaner & Thailänder versuche ich mit einer abgefahrenen Mischung aus Indian Mango & spanischen Limetten beizukommen -erfolglos. Ebenso mein Kampf mit dem Handtuch. Ich steige aus dem Loch ins Loch, lege mich patschnass ins Bett, drehe den Fernseher auf; oder was sie dafür halten. Das Teil sieht aus wie ein Fussball. Natürlich. Ich stehe interessiert auf und sehe mir das Ding genauer an...ob es denn als Hantel taugt? Nein. Es ist angeschraubt. Verständlich. Passt in jede Aktentasche. Die Töne stürzen geradewegs in die schwere Hotelbettdecke. Den kurzen Weg zum Bett schaffen sie nicht. Keine Chance gegen das sinnfreie hupen auf den Strassen. Ein müder Geräuschdämpfer nur, der die Höhen und Tiefen schwächt, kein Fernseher. Es ist alles da, aber nicht wirklich. Ich sehe die Idee, aber nur bei geschlossenen Augen. Der Gute Wille zählt; oder irgendein anderer. 

Rom hat die Flutlichter gedämmt. Wenn ich nachts wach werde, weiss ich oft nicht, wo ich bin. Ganz ehrlich: ich weiss es fast nie. Dann warte ich; Mit Lidern -geschlossen dicht wie ein dänisches Pub im Morgengrauen -; bis es mir einfällt. Das passiert, aber nicht selten nicht. Manchmal unterbricht mich ein Spielverderber, unten auf der Strasse, der es mit seinem Geplapper verrät; Oder es wird hell. Solange es aber dunkel ist, und mein Erinnerungsvermögen verblasst, sind es die Düfte, die mir verraten, in welcher Stadt ich bin. Leichter wäre es, die Augen zu öffnen, aber das ist nicht immer ratsam; Doch unerlässlich für den, der eine Stadt durchdringen will; Die Architektur historischer Stadtkerne...Wer sie ansieht, dem entschleiert sich die Frau. Anhand des Balkons etwa, erkennt man den Formwunsch des Dekolletés, an Erkern und Schornsteinen sieht man, wie Mann sich Ohrschmuck, Armrüschen und die dämliche Frisur, Pardon: die Haartracht der holden Damen träumt. Wer spanische Häuserfassaden betrachtet, wird feststellen, dass die ideale Spanierin korpulenter gebaut ist als ein Dutch Girl, oder eine Griechin; nicht dick, aber üppig sollte sie sein und runde, wohlproportionierte Formen muss sie haben -wie ein harmonisch orchestrierter Obstkorb. Wenn ich dagegen hier aus dem Fenster blicke, sehe ich Kabeldreck und Ruß. Keine Birne, keine Pflaumen, nicht mal eine Banane. Die Männer, die hier leben, träumen schlecht. Keine Frage. Ich sollte umziehen. Wäre ich nur nicht so stoned. Ich würde von Barbies träumen, von Asiatinnen oder kleinen Kindern, mich aufgeilen an der Angst der anderen vor meinen Gedanken, die nur ihre eigenen sind. Von der idealen Französin würde ich träumen, die sich auf Schritt und Tritt, zierlich aber gross, stolz und edel gibt -wie eine Strassenlaterne: eine rundum würdevolle Erscheinung. Nichts zum dastehen und sabbern, mehr was zum anbeten, etwas, das wie ein luzider Tagtraum subtil vorbei weht, wie Parfüm in der Nase: deutlich, aber unaufdringlich. Mehr Idee als Wirklichkeit. Denn in Paris sehen die Frauen nicht aus als wären sie einem Gemälde entsprungen. Sie wandern darin umher. Die Frauen. Die Stadt. Die hübschen Cafés, die Brasserien und Patisserien, die Boutiquen, Gemüseläden und Blumenstände...eine einzige Kulisse. Die Stadt ist ihr Make-up. Paris. Ein Set für Nachtschwärmer und Tagträumer. Immer mal wieder...träumen, erwachen; schweissgebadet im Laken einer viel zu engen...Hauptstadt. Es geht wieder los. Das Raten. Da drinnen. Im heissen, engen, feuchten. Rom. 

Hauptstädte verraten eine Menge über das Menschenbild einer Nation. Da fällt das Raten leicht. Oft stören Einzelheiten, ein Hupen, ein Schnäuzen, ein Rotzen, ein Pupsen. Das Gesamtbild: A Schass; Wie neumoderne Bauten, die lieblos an geschichsträchtigem Pomp angekleistert wurden -wie Taubenscheisse auf Vanilleeis. Andernorts wirken flachverklebte Lifestylemenschen wie Fremdkörper unter eiternassen Wunden. Selten passt die Welt zusammen, so wie in Frankreich, wo die Menschen eins sind mit der Welt ringsum. Nicht sezierbar, wie Plankton im Wasser schwimmen sie im Städtemeer. Ein homogenes Fliessen, ein Treiben, ein sanftes Stossen und zärtliches Reiben an den Konturen der Wirklichkeit. Viva La France! Warum bin ich nicht dort? Zugegeben: Franzosen halten sich für die Welt, aber Österreicher wissen gar nicht, dass es eine gibt. Auch das spiegelt sich an den Rändern der Gezeiten, den Häuserfassaden, den Kirchen und Schlössern, im Zirkelbau der Judenviertel, den Herrenhäusern und Adelstürmen auf den Plätzen: gefrorene Musik. Wer Ohren hat, der hört sie noch. Wie sie sich bewegen; In ihr. Der Welt. Den Frauen,...

Ich steige aus der Dusche. Lag ich nicht eben noch im Bett? Wo ist die Zeit hingekommen? Oder her? Egal. Weiterträumen, an die Decke starren, und Zeit haben...für ein paar Clichés: Schweizer sind langsam, humorlos und fressen ständig Käse, wenn sie nicht grade das Geld anderer Leute waschen (oder miese papers exportieren). Italiener laufen mit einem Dauerständer durch die Gegend, Deutsche sind penible Ordnungsfanatiker, Britten sind prüde, spiessig und haben hässliche Visagen. Und Italien? Rom ist grössenwahnsinnig, aber nicht gross. Hier ist alles alt, und eben römisch; Von jeher nationalgestimmt. Auch was feines, grobgemeint. Ja, es gibt sie noch, die Unterschiede im sonst so gleichen Euroraum. Noch sind die Differenzen ungebügelt, der Antichrist noch nicht verfügt; Unter Tage noch, und unerhoben aus dem Sumpf der Gleichgeschnallten konkurriert der Fastfoodkrebs mit dem republikanischen Moment der Architektur, das in Frankreich so würdevoll-heroisch mit einem ekstatischen Menschheitsbild verschmilzt. Italien ist das unbekannt. Dafür haben sie eine funktionierende Mafia, und sind Weltmeister im Fussball. Auch wenn sie´s grade mal nicht sind,... eine durchweg positive Erscheinung, dieses Rom. Erbaut auf Schweizer Käse; und brüchig wie poröse Knochen. Keine weibliche Stadt, und schon gar keine junge. Etwas verstaubt, nicht besonders adrett, nicht besonders rein, dafür laut. Italiener reden nicht, sie schreien! Wie eine alte Schachtel. Unfein, ich weiss. Schlecht erzogen, von einer Nordeuropäerin zu träumen während man mit einer Römerin schläft. Aber Gedanken sind frei, selbst vor dem, der sie denkt. Ich werde in die Kirche gehen und dem Pfarrer beichten. Ihn bitten, er möge mir ein Bildchen aus dem heiligen Keller schenken. Dann werde ich mich besser fühlen; in dieser 1000-jährigen Stadt, deren 999stes bereits geschlagen hat -, wie es scheint: Die versteckten haben es mir besonders angetan. Das laute Stöhnen stiller Seiten. Der verbotene Blick, der langsam zerbricht wie das Auge der Geliebten, oder das Jungfernhäutchen nach ungezählten Nächten; imSecretum: Mann muss wagen einen Blick. Und tief eindringen. Tiefer! Noch tiefer! Wie eine Zunge in einen schmierig-fetten Schokodonut, um den herum sich spiralförmig, zur Mitte hin schneller werdend, die Dinge verdichten -wie ein schwarzes Loch...und schreien,...

Rom. Du alte Hure...! Je tiefer ich ins Zentrum stosse, desto mehr stinkst du, so vollständig wie die Pornosammlung des Vatikans. Ich reisse das Fenster auf: THIRTY-FIVE CENTIMETERS! Es läuft wie eine Todgeburt; Ein Schrei in schwarzer Nacht...Ich koste sie, und atme ein. Und noch ein Stoss! Und noch ein Zug,...Ich hasse sie und liebe sie, und lebe in der Stadt wie Sie. Erwacht! ---In Rom. Ein Tier in mir...! Stoff für Träume und Geschichten,...

Ja! Rom ist ein Loch, so brauchbar wie ein Jetlag. Und alt. Ja, alt. Sagte ich schon, dass es alt ist? Rom ist ein Museum: Interessant, aber ohne Höhepunkt. Wie ein Fick durchs Kamasutra: Kapitel 4-6 -, eine multiple Enttäuschung. Den Orgasmus hebe ich mir für Prag auf...Und doch, Oh ja! Rom ist gut genug zum Sterben; Für ein, zwei Tode -, oder mehr. Im Continental ill,...

 

Copyright 2007 by Nico Schiefer

stranden, am 13.01.2011

Kommentare


stranden am 26.01.2011
@Ela81 Danke für dein Kompliment. Na ja, Nazumis Eltern zum Beispiel :=) Nebenbei bemerkt: Das hier ist die ROM-Story, aber macht nichts, in Rom geht´s auch heiss zu :) Gruss Danke auch dir, jurgkodi.
stranden am 23.01.2011
Danke für ihren Kommentar! "for your convenience" habe ich eine Artikel-Liste angehängt. Eine kurze, knackige Story aus Malta, zynisch-heiteres aus Siquijor Island, eine längere Story aus der Stadt der Liebe (und Kakerlaken), und natürlich ein radikal-subjektiver Bericht aus Amsterdam, durch die Brille des LSD, betrachtet, ist auch dabei. Voila! Und guten Appetit, wünscht ihr "S-BAR?" Autor.




Bildquelle:
Donnaya (Gothic, Mittelalter, Dark Metal - Musik außerhalb des Mainstreams)
Informationen vom Wachholtz-Verlag (UNESCO Welterbestätten in Deutschland: Die Lübecker Altstadt)
Catharina D. Scharfschwerdt (Forza kommt nach Saarbrücken und St. Ingbert)
Kerstin Schuster (Kunst aus Metall – dekorative Dinge für Garten, Balkon und Terrasse)

Autor seit 3 Jahren
33 Seiten
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