Schon lange beschäftige ich mich mit dem Judentum, das für mich ungeheuer faszinierend ist. Ein Volk, so klein, und doch in der ganzen Welt verstreut, mit dem ungebrochenen Willen, trotz aller Widrigkeiten zu überleben, hat einfach meine Bewunderung. 

In den 1990er Jahren bin ich selbst nach Israel geflogen. Die Kontrolle am Frankfurter Flughafen war damals noch nicht so streng wie heute, doch wir bekamen Schwierigkeiten und sorgten für Aufsehen, weil unsere Pässe neu ausgestellt waren. Tatsächlich wurden wir von den übrigen Passagieren getrennt und genauestens unter die Lupe genommen. Wahrscheinlich war es nicht üblich, dass zwei junge Mädchen allein dorthin reisen, und später wurde uns klar, dass man uns als potentielle Gefahr einstufte. Trotzdem waren die Beamten recht nett und machten uns später sogar ein paar versöhnende Komplimente. Und die Vorsichtsmaßnahmen sind ja verständlich, betrachtet man die politische Lage im Land, die damals so angespannt war wie heute.

Mitten in der Nacht kamen wir in Haifa an und wurden als einzige Gäste mit einem klapprigen Bus nach En Bokek chauffiert, einem Badeort südöstlich vom und direkt am Toten Meer. Unser Hotel war das Hod Hotel. Sehr exklusiv, mit einer riesigen Lobby, in der man den besten Cappuccino der Welt serviert bekommt, und einer Sonnenterrasse ganz oben auf dem Dach, auf der man nackt herumwandeln konnte. In den Mittagsstunden erreicht die Temperatur dort im Sommer locker um die 60°C, was dank des Wüstenklimas jedoch recht angenehm ist. Die trockene Hitze dort kann man mit der schwülwarmen in unseren Breitengraden gar nicht vergleichen. Allerdings haben wir uns erst gegen Ende unserer Woche am Toten Meer getraut, das Sonnendeck aufzusuchen, das hauptsächlich für Neurodermitispatienten reserviert war. Vorher hielten wir uns meist am Meer oder dem hoteleigenen Pool auf. Dort schlossen wir Bekanntschaft mit einer Gruppe Polizisten, die ihren freien Tag zum Müßiggang nutzten. Aber selbst in ihrer Freizeit trugen sie ihre Waffen mit sich herum. Ein junger Mann namens Avi zeigte uns eine alte Schussverletzung und ließ mich sogar seine Waffe inspizieren, nicht ohne vorher sicherheitshalber die Patronen zu entfernen.

Zum Abschied machten wir Fotos und Avi meinte keck, dass ich ganz sicher mal reich werden würde, weil das das unausweichliche Schicksal von Leuten mit Zahnlücken sei... mal sehen, ob sich seine Prophezeihung irgendwann noch bewahrheitet. (O; Manchmal frage ich mich, was sie heute wohl machen, die scherzenden Polizisten.

Überhaupt die Leute. Fast alle, denen wir begegnet sind, waren sehr höflich, humorvoll und offen; manche hielten uns für Einheimische und sprachen uns in Iwrith an, wie das neue Hebräisch genannt wird, und waren dann ganz enttäuscht, wenn wir entschuldigend auf Englisch antworteten. Natürlich gab es hier und da Resentiments, sobald klar wurde, dass wir aus Deutschland kamen. Aber die Vorurteile konnten doch recht bald aus der Welt geschafft werden, wenn man sich näher kennen lernte.

 

 

Western Wall and Dome of the Rock Mosque, Jerusalem, Israel (Bild: Michele Falzone / AllPosters)

 

Die zweite Woche verbrachten wir in der Küstenstadt Netanja am Mittelmeer. Da gefiel es uns nicht mehr gar so gut. Der Strand war zu jeder Tageszeit touristisch überlaufen, und wir wurden nach der anstrengenden, holprigen Busfahrt in ein anderes Hotel verwiesen, zu dem wir einen Gewaltmarsch mit Gepäck auf uns nehmen mussten und das wesentlich heruntergekommener war als das, auf das wir uns im Reiseprospekt eingestellt hatten. Nicht einmal einen Pool gab es dort. Immerhin war uns die Benutzung der des Schwesternhotels erlaubt, um den sich täglich um Punkt zwei Uhr Nachmittags eine Gruppe Omas und Opas scharrten, um Bingo zu spielen. Das war nicht wirklich das, weswegen wir hergekommen sind, und so unternahmen wir einige Ausflüge, u.a. eine Fahrt nach Tel Aviv.

 

Man sagt ja, dass der Jerusalemer Bazar noch beeindruckender sei, aber ich fand auch diesen sehr schön. Düfte und Gewürze (und Schweiß) aus aller Herren Länder hängen da in der Luft, und man kommt aus dem Staunen über das Treiben und dem scheinbar endlosen Warenangebot nicht mehr heraus.

Obwohl wir relativ viel gesehen haben auf unserem zweiwöchigen Trip, war es doch ein wenig bedauerlich, nicht nach Yad Vashem und Jerusalem gegangen zu sein. Als Mädchen ohne männliche Begleiter riet man uns davon ab. Aber es war bestimmt nicht das letzte Mal, dass ich das Heilige Land besucht habe, und beim nächsten Mal werde ich mich ausgiebiger der Kultur widmen... aber es war auch eine Erfahrung, mehr die Leute kennen zu lernen als die Sehenswürdigkeiten, die jeder Tourist einmal gesehen haben muss. Und wie gesagt, die Hilfsbereitschaft und Unvoreingenommenheit besonders der jüngeren Generation war sehr wohltuend. Das Einzige, woran man sich als unbedarfter Europäer wirklich gewöhnen muss, waren/sind die jungen Männer und Frauen in tarngrünen Uniformen mit ihren schweren Maschinengewehren und Patronengürteln, die das Straßenbild prägen.

Ich muss sagen, dass mir dieser Urlaub viel bedeutet hat, denn er hat geholfen, die Lage der Israelis besser zu verstehen.

Christine, am 14.04.2011
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Bildquelle:
Reisefieber (Dezember in Goa, Indien)
Martin Seibel (Guangxi - Chinas verzauberte Provinz)

Autor seit 4 Jahren
86 Seiten
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