FERIEN(S)PASS - AKTION DER GEMEINDE WINDECK - Ehrenamtliche Helfer engagieren sich für Kinder.

Das Wertvollste auf dieser Welt ist neben Gesundheit  nicht die Shareholder Value. Es ist die Zeit! Unbestechlich, nicht käuflich, tickt sie für uns alle  gleichermaßen. Eine der seltenen Gerechtigkeiten. Deshalb ist sie so kostbar. Darum ist es ein schönes Geschenk, sie mit jemandem zu verbringen. Sie zu teilen oder sie zu opfern.

Ehrenamtliche Helfer bringen viel Zeit auf, die sie auch anderweitig sinnvoll nutzen könnten.

Alle Jahre wieder kommen die Schulferien im Sommer. Die schönste Zeit des Jahres ist der Urlaub. Wir haben ihn alle verdient. Er wird sorgfältig geplant. Millionen Mitbürger verreisen. Tapetenwechsel, raus aus dem Alltag.

Aber es gibt auch sehr viele Familien, die nicht wegfahren. Termine, wichtige Aufgaben, Krankheit oder weil einfach nur der schnöde, blöde Mammon fehlt.

Betroffen sind dann  häufig die Kinder. Nun haben sie schon mal frei, können aber nichts damit anfangen.

Zur Abhilfe hat die Gemeinde Windeck ( bereits seit 21 Jahren ) den Ferienpass eingeführt. Der kostet 9,-- € und enthält eine Menge Gutscheine. Machen andere Gemeinden natürlich auch.

Unter dem Namen Ferien(S)pass Aktion sucht der Fremdenverkehrsverein  Firmen, Vereine, Privatpersonen oder Institutionen, die sich dann 1 - 2 Tage um  " daheimgebliebene "  Kinder kümmern.

Die Eltern haben  auch mal einen Tag für sich, was denen meist sehr gut tut. Die Kinder sind über den Pass versichert, das ist ganz wichtig!

Hobbyisten stürmen die Burg Windeck.

Erstmals erwähnt wurde Burg Windeck 1174. Residenz der Grafen zu Berg, gehört sie heute dem Kreis Siegburg. Die Ruine auf dem Schlossberg ist das Wahrzeichen der Gemeinde Windeck. Sie wird restauriert ( ABM-Stellen ),  ist Ausflugsziel und Freiluft-Theater ( "Der Graf von Windeck"). Sie mußte auch schon mal als Filmkulisse "Geisterjäger John Sinclaire - Dämonenhochzeit" herhalten.

Die Mittelalterfreunde Siegburg und der Hobby-verein Kukuruz organisieren im Rahmen  der Aktion einen Mittelaltertag für Kinder.

Dieser ist gut besucht, viele Kinder nehmen seit Jahren immer wieder teil.

Neben Spass an der Freud wird auch Wissen vermittelt.

Am Anfang werden alle Kinder gefilzt. Süßigkeiten, Limonade und Ähnliches gab es damals ja nicht! Dann werden sie umgezogen. Nachbarn haben aus einfachem Stoff die berühmten Tüten-Hemden genäht. Das waren ehemalige Stoff-Einkaufstaschen vom Lidl.

Gruppen von 6 - 7 Kindern werden  jeweils einem Gruppenleiter zugeteilt. Sicherheit steht natürlich auch hier an erster Stelle. Klettern verboten!

Das älteste Kind trägt jeweils den Wimpel. Gruppen wie Eule, Fuchs und Wildschwein stehen dann im Wettstreit miteinander.

Die Besten können kleine Souvenirs gewinnen, die andern bekommen auch welche. 

Spiel und Übungen in herrlicher Kulisse - Der Nachwuchs war begeistert.

Hier wird mit der Armbrust geübt. Nur erfahrene Jäger werden satt. Fleisch war im Mittelalter eher rar. Deshalb gibts zum Mittag auch nur Brot, Käse, alte Obstsorten und die inzwischen berühmte Wurzelgemüsesuppe. Über offenem Feuer geköchelt, mit Kräutern gewürzt. Lecker.  

 

Natürlich ist auch der "Schwarze Ritter" mit dabei. Keine Angst, den Namen hat er sich selber gegeben.  Er wurde zwar seinerzeit gegen zwei Ziegen eingetauscht, aber wir wollen doch political Correctness üben.

Hier im Kampf mit einer Maid. Natürlich mit Latex-Schwert. Meistens verliert er. Zwei Ziegen waren wohl doch ein gar überzogenes Gebot.

 

 

Wissen vermitteln, Freude haben, frische Luft atmen.

Tänze werden eingeübt, am späten Nachmittag dann stolz den Eltern vorgeführt.

Reale, aber auch Phantasiegeschichten zu erzählen macht Freude.

In kleinen Kursen gehts  rund ums Mittelalter. Zunder klöppeln, mit Stein und Eisen Feuer schlagen. Nahrungsmittel und Zubereitung.  Sie erfahren aber auch, daß unsere Vergangenheit nicht so toll war. Meist arme Bauern lebten in den Wäldern. Frondienst für die Burg- und Lehnsherren. Oder die mangelnde Hygiene. Der Ausdruck:  " immer der Nase nach", stammt aus jener Zeit. Mangels WC und Müllabfuhr stanken unsere Herrensitze dermaßen, daß die Herrschaften schon mal für ein - zwei Jahre umzogen.   Die konnten sich selber nicht mehr riechen.

Heute stinkt manches immer noch zum Himmel, aber aus diversen anderen Gründen!

Mit leichten Strohsäcken sich gegenseitig vom Balken stupsen macht Spass.

Im richtigen Mittelalter hörte die Kindheit mit 6 Jahren auf. Dann mußten die kleinen Erwachsenen mitarbeiten, Tiere hüten u.s.w.

Der einfache Bauer hatte selbst seine Mist für den Burg-Garten der hohen Herren abzuliefern.

Keine schöne Zeit. Heute wird "Hotel-Mama" bis zum geht-nicht-mehr ausgereitzt und gejammert, was das Zeug hält.  " Ihr habt Glück, seit Osram die Glühbirne erfand, ist das finstere Mittelalter zu Ende."

 

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Gegendarstellung in eigener Sache.

Zum Abschluß gibts noch ein Gruppenbild. Wenn alle Souvenirs verteilt sind und die Schatulle leer ist, dann sind wir auf den Hund gekommen. Auch ein alter Ausdruck. Am Boden befindet sich ein abgebildeter Hundekopf. Paradoxerweise hat man, einmal auf den Hund gekommen, keine Flöhe mehr. 

Natürlich werden im Rahmen der Ferien-Aktion auch andere Sachen angeboten. Besuch im Zoo, Volleyball, Töpfern, Erlebniswanderungen, Waldlehrpfad, Hundetraining, Umgang mit Pferden u.s.w.

Alles ehrenamtliche Helfer. Danke im Namen der Kinder!

 

Klarstellen möchte ich hier, ich mache keine Werbung für Windeck.

Warum sollten Sie wissen, daß Windeck die flächengrößte Gemeinde im Regierungsbezirk Köln ist?  Daß Windeck in besseren Zeiten Naherholungsgebiet und Ausflugsziel für  Bonn, Köln, Düsseldorf  war. Wen juckt es, daß im Luftkurort Herchen die Engelbert-Humperdinck-Villa steht. Daß Humperdinck hier in den lauschigen Wäldern  zu seiner Oper Hänsel und Gretel inspiriert wurde. Ursprünglich verliefen die beiden sich in Windeck, und nicht im Wald!  Die Sieg, einst der fischreichste Fluß Deutschlands, heute wieder Lachse beherbergt. Auch geht es keinen etwas an, daß hier die Lungenheilanstalt war, die vielen Kumpels aus dem Ruhrpott zu besserem Atem verhalf. Heute ist sie ab und zu nochmal Filmkulisse. Der relativ unbekannte Till Schweiger dreht schon mal hier. Ich erzähle niemandem, daß früher Eisenerz abgebaut wurde. Unser Besucher-Bergwerk ist auch geheim. Heilbrunnen und Heilquelle mit mineralhaltigem Wasser können wir auch selber nutzen. Verraten werden auch nicht die geführten Wanderungen, sollen die Leute sich doch auf den Höhenwegen verlaufen.  Der Basalt-Steinbruch ist auch nicht sehenswert. Wer was wissen will,  soll sich an den Fremdenverkehrsverein wenden.

 

Kurz, diese bösartigen Unterstellungen entsprechen der Wahrheit!

http://www.deutschland-tourist.info/firmen/Windeck%20-%20...
Verkehrsverein Windecker Ländchen

http://www.windeck-bewegt.de/
Seite der Gemeinde Windeck

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Merlin, am 25.11.2011

Kommentare


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Merlin am 27.11.2011

Danke, es gibt viele Vereine, die etwas in der Jugendarbeit tun, und das ist gut so.
Ich untestütze den "Sanften Tourismus" hier in Windeck. Joggen, Nordic Walking, Wandern, Kanu- oder Radfahren in der Natur fördert die Gesundheit und bringt Mensch und Landschaft zusammen.
Bringt erstmal weniger Geld in die Gemeindekasse als Sauf-Tourismus a la Ballermann. Gibt es auch genügend hier im Westerwald, an Rhein, Ahr und Mosel.
Langfristig kosten gesunde Menschen der Allgemeinheit aber weniger.
Und Leute, die die Natur lieben, erhalten diese auch.

Liebe Grüße
Merlin

KreativeSchreibfee am 26.11.2011

Ein toller Artikel und eine schöne Sache, die du hier vorstellst und die sollte als Beispiel im Vordergrund stehen. Es gibt den Ferienpass überall, so jedenfalls glaube ich, doch es gibt nicht überall so tolle Angebote für Kinder in den Ferien.
Manchmal wünschte ich, so viele Sachen wären nicht erfunden wurden, weil viele Menschen heute nicht mehr zu schätzen wissen, was sie bekommen und woher sie es bekommen, das harte Arbeit hinter vielen Dingen steht, wenngleich auch diese nicht mehr so hart ist, wie im Mittelalter. Dennoch, ich glaube, die Menschen damals waren trotz alledem glücklicher und zufriedener, auch wenn sie hart arbeiten mussten, um sich selbst zu versorgen.
Werbung für Windeck und Werbung für den Fleiß der ehrenamtlichen Helfer, die ein so großartiges Projekt auf die Beine gestellt haben, ist genehmigt. Was gut ist, darf beworben werden : ) Mein Däumchen für den Artikel und die anschauliche Darstellung.

Liebe Grüße Kerstin




Autor seit 2 Jahren
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