Gut für zwei Dinge: Lesen und publizieren bei Amazon

Nichts, so ist oft zu hören und zu lesen, werde das gute alte Buch ersetzen können. Das will der Kindle auch gar nicht, er ist, was er ist: ein Tablet, das nichts anderes kann, als Bücher, Zeitschriften und Zeitungen zum Lesen zur Verfügung zu stellen. Das macht er sehr gut. Das Buch wird weiterhin seinen Platz haben – oder sein Konzept muss noch einmal gründlich erweitert werden.

Zweitens liest und hört man begeisterte Stimmen aus der Reihe derer, die veröffentlichen wollen. (Dieser Aspekt gehört nur mittelbar zum Test, er soll aber nicht unterschlagen werden. Wer weiterlesen möchte mit dem Test, überspringt bitte diesen Absatz).

Für Autoren existiert mit dem Konzept des Kindle Direct Publishing (KDP) der derzeit einfachste Weg einer Veröffentlichung ihrer Werke: Man schreibt und schickt seine Texte an Amazon – das war's im Grunde. Die Einfacheit suggeriert zugleich Erfolg, der sich aber auch nicht von selbst einstellen wird; denn will man wirklich erfolgreich sein mit seinen Werken, so muss man akzeptieren, dass zwischen Schreiben und Veröffentlichen doch noch ein Weg mit etlichen Hürden liegt. Was also macht den Wert des eBook-Readers von Amazon realistisch betrachtet aus? Ein Fazit nach vierzehn Tagen Dauereinsatz …

Link zur Familie des Readers

Vorteil Nummer 1 beim Kindle ein Nachteil: das Lesen

Der Kindle ist in allererster Linie ein Werkzeug, nicht mehr und nicht weniger. Ob man das Werkzeug wirklich benötigt, muss jeder für sich selbst herausfinden. Der Reader ist federleicht, unproblematisch im Gebrauch, seine Anbindung an den Amazon-Shop versteht wohl jeder mit Grundkenntnissen des Internets, und letzten Endes macht er das, wozu er entwickelt worden ist, sehr, sehr gut: Sein herausragendes Display liefert ein gestochen scharfes, aber nicht unangenehmes Bild – immer wieder wird darauf hingewiesen, dass sich Bücher auf dem Tablet lesen ließen wie in einem Buch. 

  • Meine Einschränkung: Ich lese extrem schnell, das kleine Display zwingt mich zum ständigen Blättern. Anders als bei Büchern gerate ich hier schon beinahe in Hektik bei einer Tätigkeit, die doch eigentlich auch der Entspannung dient.

Vorteil 2 (und zugleich sein Nachteil): die Bücher

Machen wir uns nichts vor: Hinter dem Kindle von Amazon steckt ein Marktkonzept. Während die Verlage in Deutschland noch schläfrig an ihren Pfründen herumreiben und ihre Autoren mit unsinnigen Verträgen behelligen, hat Amazon mir nichts, dir nichts einen Marktplatz eröffnet: "Kauft, liebe Leute, elektronische Bücher. Kauft unseren Reader!" Recht haben sie bei Amazon!

  1. Neue Autoren werden angelockt (und dabei wird die gesamte Infrastruktur herkömmlicher Verlagsarbeit den Autoren aufgehalst; man muss Amazon im Grunde applaudieren für diesen geradezu genialen Zug der Kostensenkung).
  2. Bestehende Bücher werden digitalisiert und über den Vertriebsweg Amazon-Shop erneut angeboten – Mehrfachverwertung as its best! Ein paar einschränkende Anmerkungen dazu:
  • Amazon und die anderen Publisher verdienen sich mit elektronischen Büchern und der Peripherie eine goldene Nase. Der Grund: Herkömmliche Bücher kommen über Groß- und Einzelhandel zum Leser. Der Handel ist neben dem Druck die kostentreibende Position in der Kette einer Buchproduktion – die jetzt komplett umgangen wird. Trotzdem kosten eBooks dieselben hohen Preise wie ihre Kollegen aus Papier. Warum? Weil wir (die dummen) Leser es bezahlen.
  • Bilder können auf dem Kindle nur sehr begrenzt wiedergegeben werden. Somit scheidet er komplett aus für eine ganze Reihe von Büchern wie zum Beispiel Reiseführer. Doch gerade hier, bei den Reiseführern, würden die Vorteile der Publikationsart "eBook" zu Tage treten: Kommt der Ami oder der Japaner nach, sagen wir mal, Passau, könnte er vor Ort seinen Kindle zücken und sich bebilderte Informationen holen vom Restaurant, vom Hotel, von der Altstadt. Kann er aber (noch?) nicht. (Warum das so ist, beschreibt Ruprecht Frieling in seinem von mir wärmstens empfohlenen Buch "Wie veröffentliche ich ein eBook auf amazon.de?"; Bezugsquelle Amazon siehe am Ende des Artikels.)
  • Ein Szenario. Mein Herz spielt verrückt, und ich muss ins Krankenhaus. Und da ich gerne lese, nehme ich mir ein, zwei Bücher mit. Die liegen jetzt schwer neben und auf meinem Krankenbett. Da wäre ich doch froh, wenn ich einen eBook-Reader hätte, oder? Ich müsste mir halt Lesestoff besorgen, und der, siehe oben, kostet. Analog zum Verleih von Filmen gibt es mittlerweile ein Konzept für das Leihen von eBooks bei Amazon? Warum aber kann man den Kindle nicht im Krankenhaus oder für eine Reise leihen (auch das ein Markt für rührige Reiseveranstalter)? Laptops kann ich mir doch auch mittlerweile in Krankenhäusern mieten!
  • Der Reader von Amazon wird ziemlich nackt geliefert. Gut, man erhält als kostenlose Leseprobe "Alice im Wunderland", allerdings in einer etwas altertümlichen Version, und gut auch, dass man elektronische Wörterbücher verschiedener Sprachen mitgeliefert bekommt und das Handbuch. Ach ja: Ein USB-Kabel ist auch noch dabei, damit verbindet man Computer und Kindle zum "Tanken" von Strom oder Lesestoff.

Alles andere muss eigens geordert werden: Hüllen zum Schutz, Leselampe für die Nacht, Netzkabel für die vom Computer unabhängige Stromversorgung. Die karge Ausstattung kann man durchaus als ärgerlich betrachten – andererseits bietet sie natürlich wieder Möglichkeiten des Schenkens oder Beschenktwerdens.

Auch wenn ich nach vierzehn Tagen Test keine Kratzspur auf dem Display finde: Eine Hülle scheint mir unerlässlich genauso wie die Lampe. Da der Akku bei ausgeschaltetem Wi-Fi mindestens einen Monat hält, ist auch das Netzkabel nur wirklich dann erforderlich, wenn mal Monate lang kein Computer zur Verfügung steht. (Das sei unumwunden zugegeben: Der Akku arbeitet phantastisch! Ich habe den Kindle ganz bewusst nicht ausgeschaltet, sondern im Stand-by-Modus gehalten, und nach jetzt vierzehn Tagen ist die Batterie gerade erst einmal zur Hälfte leer!)

Wirklich notwendig? Fazit zum Test

Ich habe den Kindle vierzehn Tage lang ständig mit mir geführt: in Bus und Bett, in der Badewanne, der Sauna, am Schreibtisch und im Café. Mittlerweile schätze ich den diskreten Auftritt des Kindle sehr: eine ganze Bibliothek auf Postkartengröße! Ich hab's genossen, auch wenn ich noch ein, zwei Sätze als Einschränkung nennen möchte.

Alles, was ich auf dem Kindle kann, kann ich auch auf dem iPad! Zugegeben, zwischen beiden Tablets ragt eine Hürde von mehreren hundert Euro. Aber die zu überwinden ist es allemal wert – meine persönliche Meinung.

Der heiße Tipp: Ultimativer Ratgeber von Ruprecht Frieling
Wie veröffentliche ich ein E-Book auf amazon.de? oder: Kindle für Autoren

Amazon bietet unter dem Markennamen „Kindle“ die größte E-Book-Plattform der Welt und damit eine Bühne für Verleger und Autoren, sich einem aufgeschlossenen und modernen ...

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Nachtrag zum Test

Den Kindle gibt es in der preiswertesten Version bereits ab 79 Euro! Fantastisch! 

Die Kindle Familie ist mit dem "Fire" auf dem besten Weg, eine Alternative zu den Tablets der anderen Hersteller zu werden – zumindest Google und Windows (Android-basierte Tablets) werden es in Zukunft immer schwerer haben. 

Die Überlegung von Amazon ist dabei relativ simpel: Durch den Verkauf von Büchern über den Kindle Shop werden die Geräte des Unternehmens quersubventioniert! Das Konzept kann aufgehen, denn immer mehr Autoren entdecken, dass sie auf KDP, der Amazon-Plattform zur Veröffentlichung von Büchern, sehr rasch und sehr, sehr einfach ihre Werke anbieten und verkaufen können – der Markt wird also wachsen! Ja, er muss wachsen, sieht man sich die Erfolgsstories mancher Kindle-Autoren an!

Johannes Flörsch

jofl, am 30.12.2011

Kommentare


sunjo12 am 28.02.2012
Hi, ultimapalabra (uff, was fürn Name ;-)) Kennst du dich da aus`? Kann man auch die ebooks von amazon auf dem trekstor-Reader lesen?
ultimapalabra am 01.01.2012
Ein guter Artikel! Es gibt durchaus Alternativen zum Kindle, die weniger kosten und/oder mehr können. Der reader von Trekstor z. B. kostet weniger, stellt jedoch auch Farben dar und kann Musik abspielen. Ein iPad muss es übrigens nicht sein, schon für 300 € gibt es brauchbare Tablet PCs mit Android. Grüße, Angela
Grace am 01.01.2012
Es gibt Bücher zum Ausleihen für den Kindle. Auch gibt es sehr viele kostenlose Bücher. :-) Warum manche so teuer sind, verstehe ich allerdings auch nicht. Unter 10 Euro, das ist absolut okay, sofern das E-Book mehr als nur ein paar Seiten hat. Aber es gibt auch E-Books für 80 und sogar 100 Euro - das wirkt wie ein schlechter Witz. Und dann gibt es noch viele für weniger als 2 Euro - da verliert man wirklich nichts. ;-)
conny19 am 01.01.2012
Ein sehr interessanter Artikel. Danke, Daumen und ein frohes neues Jahr. LG Conny
jofl am 30.12.2011
@heitexfa: Du musst nur wie bei »normalen« Abos auch darauf achten zu kündigen. Also: Das Test-Abo endet nicht automatisch, sondern gleitet in ein reguläres Abonnement.
heitexfa am 30.12.2011
Hallo jofi, nein das wusste ich noch nicht - werd es mal ausprobieren. Danke!
jofl am 30.12.2011
@heitexfa: Heike, du weißt, dass man die Zeitungs-Abos 14 Tage lang kostenlos ausprobieren kann?
Heischu am 30.12.2011
Ich finde es gut, dass der Kindl eben nur ein Gerät zum Lesen ist und nicht noch tausend andere Funktionen wie beim IPad nebenbei erfüllt. Bei der ganzen neuen Handygeneration wurde ja auch fast vergessen, dass man damit ja eigentlich auch noch telefonieren will... Sicher steckt der Kindl noch in den Kinderschuhen, aber ich finde den Schritt von Amazon phantastisch und gibt neuen Autoren, mit denen sich die Verlage sehr schwer tun, endlich eine Chance auf den Markt zu kommen. Ein ganz klares Hoch auf den Kindl und einen Daumen für deinen Artikel. LG Heike



Bildquelle:
Larry Ewing, Wikipedia (Herzlichen Glückwunsch: Linux wird in 2011 stolze 20 Jahre alt)

Autor seit 3 Jahren
105 Seiten
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