Angesichts von derzeit rund 7 Milliarden Menschen - Tendenz in Afrika und Asien: Stark steigend - scheint ein Planet Erde ohne uns völlig unvorstellbar. Dabei rückte eine Dürreperiode vor 70.000 Jahren die Menschheit an den Rand des Aussterbens. Weniger Glück hatten unsere nahen Verwandten, die Neanderthaler: Vor etwa 28.000 Jahren starb der Homo neanderthalensis aus, vermutlich vom aggressiveren Homo sapiens erfolgreich verdrängt. Ähnliche Schicksale erlitten mächtige Weltreiche wie das assyrische Weltreich, das Imperium Romanum oder die präkolumbianischen Hochkulturen Amerikas.

Freilich: Der Untergang ganzer Zivilisationen vollzieht sich nicht über Nacht, genauso wenig wie auf Grund einer einzigen kriegerischen Auseinandersetzung. Ein besonders drastisches Beispiel hierfür lieferte der überfällige Zusammenbruch der Sowjetunion, die noch wenige Jahre zuvor als nahezu unüberwindbare Bedrohung der Freien Welt gegolten hatte. Der ökonomische, wie auch gesellschaftliche Ruin des menschenverachtenden Kommunismus hatte das riesige Weltreich, das weite Teile der Welt unter seiner Knute gehalten hatte, in verblüffendem Tempo kollabieren lassen.

Die Gründe für den Zusammenbruch einer Gesellschaft variieren oftmals, wie der amerikanische Evolutionsbiologe Jared Diamond in seinem fesselnden Sachbuch "Kollaps: Warum Gesellschaften überleben oder untergehen" anschaulich erklärt.

Cover "Kollaps" - Jared Diamond

Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen

Auf über 700 Seiten führt der Pulitzer-Preisträger aus, weshalb prächtig gedeihende Kulturen scheinbar urplötzlich untergingen. Insbesondere die präkolumbianische Zivilisation der Maya liefert ein Musterbeispiel dafür, wie eine Hochkultur auf Grund äußerer Umstände, aber auch katastrophaler Misswirtschaft binnen kürzester Zeit zusammenbrechen kann. Jared Diamond widmet sich aber auch den weltgeschichtlich weniger bedeutenden Tragödien wie dem Untergang der Wikinger-Siedlung auf Grönland oder den Osterinseln und schlägt einen Bogen in die Gegenwart und nahe Zukunft. Schließlich liefert die Vergangenheit immer noch die besten Anhaltspunkte dafür, was das Morgen erwarten lässt. Gerade der umweltpolitische Raubbau in China lässt Düsteres erahnen, und wohin Überbevölkerung verbunden mit archaischen Gesellschaftsstrukturen führen kann, ließ sich 1994 in Ruanda beobachten.

Einige Rezensenten bemängelten an Jared Diamonds "Kollaps" die angeblich fehlenden Lösungsvorschläge oder die ohnehin evidenten Auswirkungen von Fehlentwicklungen. Hierzu muss aber angemerkt werden, dass dieses Buch einen solchen Anspruch erst gar nicht erhebt. Im Gegenteil: Es will als Warnung verstanden werden, aus den Katastrophen der Vergangenheit zu lernen. Dankenswerterweise verzichtet Diamond, der Mitglied des WWF ist, auf einen stets erhobenen Zeigefinger und moralinsaure Lektionen. Stattdessen konzentriert er sich auf die Ursachenforschung und was wir daraus lernen können. Eine Konstante für den Zusammenbruch von Kulturen ist die Überbevölkerung. Günstige klimatische Bedingungen und wirtschaftlicher Erfolg ziehen neue Bewohner, wie auch neidische Blicke an - eine meist verhängnisvolle Mischung! Denn die Konzentration zahlreicher Menschen auf engsten Raum bedingt verhängnisvolle Umweltzerstörungen, die rasche Übertragung von Krankheiten oder mörderische Konflikte.

Ein besonders drastisches und anschauliches Beispiel liefert die Osterinsel. Diamond gelingt es begreiflich zu machen, weshalb eine isoliert lebende Gesellschaft sehenden Auges ihren eigenen Untergang herbeiführte, indem sie systematisch überlebensnotwendige Ressourcen aufbrauchte, etwa durch Abholzung der Wälder. In wesentlich größerem Maßstab lässt sich eine ähnlich paradoxe Verhaltensweise auch gegenwärtig erkennen. Da werden etwa die Weltmeere skrupellos abgefischt und in wirtschaftlich dramatisch unterentwickelten Gegenden sorgen verantwortungslos hohe Geburtenraten für absehbare Hungersnöte und kriegerische Auseinandersetzungen um die wenigen Ressourcen.

Sicher: "Kollaps" ist eine beachtliche Schwarte mit nicht gerade leicht verdaulichen Informationen. Gerade die fundierte Ursachenforschung und die sich daraus ableitenden Aussichten für unsere Zukunft machen dieses Buch aber nach Ansicht des Rezensenten zu einem ganz wichtigen Werk, das wohl so manchem Leser die Augen für die drängenden Probleme der Menschheit öffnen werden.

Originaltitel: Collapse

Autor: Jared Diamond

Veröffentlichungsjahr: 2005

Seitenanzahl: 722 Seiten

Verlag: Fischer

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rainerinnreiter, am 19.05.2012

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Bildquelle:
Karin Scherbart (Asterix bei den Pikten – Rezension)

Autor seit 4 Jahren
740 Seiten
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