Dinosaurier in der Bibel?

Zwischen dem Aussterben der Dinosaurier und dem Auftauchen der ersten Urahnen des Menschen lagen weit über 63 Millionen Jahre. Somit konnte keiner unserer Vorfahren jemals einen lebenden Dinosaurier gesehen haben. So zumindest lautet die Ansicht der Wissenschaft.

Was wäre aber, ließe sich beweisen, dass Menschen und Dinosaurier Seite an Seite koexistierten? Ein solcher Beweis würde die Evolutionstheorie zum Einstürzen bringen und mehr noch: Er könnte sogar den Kreationisten Recht geben, religiösen Fundamentalisten die behaupten, die Bibel und mit ihr der Schöpfungsbericht sei wortwörtlich zu verstehen. Demzufolge wären die Dinosaurier nicht vor 65 Millionen Jahren vermutlich durch globalen Klimawandel ausgestorben, sondern wären gemeinsam mit dem Riesengeschlecht in der Sintflut ertrunken.

Dazu passen zwei sogar zwei Bibelpassagen aus dem Buche Hiob, in denen von Dinosauriern die Rede sein könnte, den legendären Monstern Behemot und Leviatan. So heißt es zum Behemot:

Sieh doch den Behemot, den ich mit dir gemacht habe! Gras frisst er wie das Rind. Sieh doch seine Kraft in seinen Lenden und seine Stärke in den Muskeln seines Bauches!  Er lässt seinen Schwanz gleich einer Zeder hängen, die Sehnen seiner Schenkel sind dicht geflochten.

Röhren aus Bronze sind seine Knochen und seine Gebeine wie Stangen aus Eisen.

Anmerkung hierzu: Mit "Zeder" sind die insbesondere im Mittelmeerraum verbreiteten Nadelbäume gemeint, welche eine Höhe von über 30 Metern erreichen können. Somit könnte der Behemot ein gewaltiger Sauropode gewesen sein, ein Vertreter der größten Landtiere der Erdgeschichte.

 

Dinosaurier in der Bibel?Der Leviatan wird wie folgt beschrieben:

In seinem Hals wohnt Stärke, und vor ihm hüpft die Angst her. Die Wampen seines Fleisches haften zusammen, sind ihm fest angegossen, unbeweglich. Sein Herz ist fest wie Stein und fest wie der untere Mühlstein. Vor seinem Erheben fürchten sich Machthaber, vor Bestürzung ziehen sie sich zurück. Trifft man ihn mit dem Schwert, es hält nicht stand, noch Speer, noch Wurfspieß oder Harpune.  […]

Auf Erden ist keiner ihm gleich, ihm, der zur Unerschrockenheit geschaffen ist. Auf alles Hohe blickt er herab; er ist König über alles stolze Wild.

Welche anderen Erdgeschöpfe außer titanische Dinosaurier könnten gemeint gewesen sein?

Kreationisten vereinnahmen die Spuren im Paluxy River

Das angesprochene Beweisstück in Form fossiler Abdrücke von Dinosaurier- sowie Menschenspuren wurde 1910 im Paluxy River nahe der texanischen Kleinstadt Glen Rose entdeckt. Beim Spielen entdeckten zwei Teenager im Flussbett eine Reihe seltsamer Abdrücke und erzählten dem Leiter ihrer Schule von ihrem Fund. Weshalb diese Abdrücke erst so spät entdeckt wurden, lässt sich damit erklären, dass durch die Wucht von Überschwemmungen Steinplatten aus dem Flussbett herausgerissen wurden und die mysteriösen Spuren nach Äonen wieder freigaben.

Der Schulleiter identifizierte die Spuren als fossile Abdrücke eines fleischfressenden Dinosauriers. Doch viele Einheimisch glaubten in einigen der Abdrücken Fußspuren von Riesen entdeckt zu haben. Und hatte nicht die Bibel selbst vom Riesengeschlecht berichtet, das in der Sintflut vernichten worden war?

DinosaurierspurenDerart große Wellen wie die Sintflut schlugen diese Behauptungen zunächst nicht. Erst Jahrzehnte später "entdeckten" Kreationisten die Bedeutung der angeblichen Menschenspuren neben den Dinosaurierfährten, darunter ein gewisser Henry M. Morris. Morris schrieb 1961 mit dem Theologen John C. Whitcomb eines der wichtigsten Bücher der Kreationisten "The Genesis Flood", in welchem er die Grundkonzepte des Kreationismus darlegte.

1963 war er einer der Mitbegründer des "Creation Research Society" und 1970 gründete er das "Institute for Creation Research". Beides Organisationen, die der Bibel unfehlbare Wahrheit zugestehen und sie wortwörtlich verstehen. Eine ihrer Thesen: Die Erde – und das von Gott geschaffene Leben – seit erst wenige tausend Jahre alt.  Der Fund im Paluxy River war natürlich Wasser auf die Mühlen der Kreationisten, die sich in ihren Ansichten gestärkt sahen, wonach alles Leben zur selben Zeit entstand.

Warum Menschen und Dinosaurier doch nicht gemeinsam lebten

Zeigen die Abdrücke im Paluxy River nun tatsächlich gemeinsame Spuren von Dinosauriern und Menschen? Die Antwort darauf ist vielschichtiger, als man zunächst vermuten möchte.

Wie bei jeder "Sensation" witterten Betrüger ihre Chance, Kapital daraus zu schlagen. Ein Bewohner der Kleinstadt Glen Rose etwa schlug einige der "Menschenspuren" aus dem Flussbett heraus und verkaufte diese. Trittbrettfahrer stellten Fälschungen her, die schlichtweg in Stein gemeißelt worden waren. Dass diese relativ leicht als Fälschungen entlarvt werden konnten, störte offenbar weder die Käufer, noch die Kreationisten selbst, die noch Jahrzehnte später die Spuren im Paluxy River als Beweis für die Koexistenz von Dinosauriern und Menschen anführten.

Dinosaurier im MuseumDoch was zeigten die Spuren tatsächlich? Wie bereits 1910 richtig vermutet, stammten sie von Theropoden, zweibeinigen Dinosauriern. Lange Zeit hatte man angenommen, dass alle Dinosaurier Zehenläufer wie beispielsweise der Strauß waren.

Wie sich aber herausstellte, gab es einige Dinosaurierarten, die ähnlich uns Menschen zumindest einen Teil des Fußes mit Sohle und Ferse aufsetzten. Dabei sollte sich zeigen, dass die Geh- bzw. Laufweise bei Theropoden abwechseln konnte und sie je nach Bedarf mal die Zehen, mal Sohle und Ferse belasteten. Erklärt wird dies durch unterschiedliche Verhaltensweisen, also dass die Tiere eventuell schnell laufen oder sich im Gegenteil Halt verschaffen mussten, was sich natürlich auf die Gangart auswirkte.

Eine weitere Erklärung für die fußähnlichen Abdrücke sind geologische Aktivitäten, die das Aussehen der Abdrücke verändern können. Fließt beispielsweise Schlamm in eine frische Trittspur, die später versteinert, kann dieser den Abdruck teilweise unkenntlich machen, indem er etwa die typischen Krallenspuren verwischt.

Fazit: Keine Dinosaurier in der Bibel

Inzwischen lehnen sogar viele Kreationisten die Abdrücke im Paluxy River als Beweis der Koexistenz von Menschen und Dinosauriern ab. Was bleibt ist nicht nur die Erkenntnis, dass der Mensch erst viele Millionen Jahre nach dem Aussterben der Dinosaurier die Welt zu bevölkern begann, sondern zudem wieder einmal die Einsicht, dass "Sieht so aus, wie …" kein Ersatz für wissenschaftliche Untersuchungen sein kann.

MarsgesichtÄhnliches gilt natürlich für die angeblichen Pyramiden auf dem Mars oder das Marsgesicht, die sich längst als ganz gewöhnliche Felsformationen herausstellten, nach wie vor aber als angeblicher Beweis einstiger Zivilisationen auf dem Roten Planeten angepriesen werden.

Und was ist nun mit den in der Bibel erwähnten Ungeheuern Behemot und Leviathan? Könnten diese nicht tatsächlich als Beschreibungen von Dinosauriern durchgehen? Kaum, denn zum einen ist die Bibel bei nüchterner Betrachtungsweise eine Sammlung von Überlieferungen, bei denen frei nach dem "Stille Post"-Prinzip mal etwas weggelassen, mal hinzugefügt wurde.

Zum anderen heißt es im Buch Hiob über den Leviathan:

Sein Niesen strahlt Licht aus, und seine Augen sind wie die Wimpern der Morgenröte. Aus seinem Rachen schießen Fackeln, sprühen feurige Funken hervor. Aus seinen Nüstern fährt Rauch wie aus einem angefachten und glühenden Kochtopf. Atem entzündet Kohlen, und eine Flamme fährt aus seinem Rachen.

 

Spätestens an dieser Stelle sollte klar sein, dass es sich um eine mythologische Figur handelt und keinesfalls um eine jemals existierende Tierspezies. Schließlich liebten wohl auch unsere Vorfahren gut erzählte Geschichten!

 

Quelle der Bilder: pixabay.com

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rainerinnreiter, am 07.01.2013
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Bildquelle:
Reisefieber (Die heilige Kuh in Indien)

Autor seit 4 Jahren
742 Seiten
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