Lehmputz und seine Anwendung

Lehmpurt Verarb

Lehmputz Altbau

 

 

 

 

 

 

Lehmputz-Verarbeitung und Anwendung außen und innen beim restaurierten Altbau.

 

"Immer mehr erkennen Architekten, dass sie sich in ihrer Planung nicht nur auf die größtmögliche Wärmedämmung und Energieeinsparung konzen­trieren, sondern verstärkt ihr Augenmerk auch auf baubiologische Problem­stellungen richten müssen. Ursache des Umdenkens ist die Zunahme zahl­reicher Krankheiten, die Umweltmediziner auf ungesunde Wohnverhältnisse zurückführen. Diese findet man besonders häufig im hochgedämmten Neu- und sanierten Altbau", erklärt der Berliner Arzt Dietrich von der Ropp.

Firmen in Deutschland beantragten nun bei der Europäischen Union ein Förderprojekt, bei dem die Anwendung von Lehmputz untersucht wird, auch, wie man nachträglich isoliert und saniert mit Dämmverbundplatten auf Lehmbasis und mit einer Wand- und Deckenheizung und -Kühlung kombinieren kann. Dazu arbeiten sie auch mit Ansprechpartnern in Spanien zusammen. Dort wie im gegenüber liegenden Marokko kennt man ja eigentlich den Baustoff Lehm seit Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden. Doch moderne Baustoffe und viel Beton verdrängten auch hier den Naturstoff Lehm.

Kleine Geschichte des Lehmbaus

Es gilt als gesichert, dass die ersten Lehmbauten vor fast 10.000 Jahren erstellt wurden. Berühmt sind die neunstöckigen, oft 500 Jahre alten

  • Lehmhäuser im Wadi Hadramaut im Südjemen oder
  • die große Moschee der Stadt Djenné in Mali, UNESCO-Weltkulturerbe.
  • Bei der Sonnenpyramide in Teotihuacan in Mexiko wurden von den Mayas zwei Millionen Tonnen Stampflehm verbaut, der auch
  • bei der Chinesischen Mauer Verwendung fand. Sie wurde erst später mit Natursteinen verblendet.
  • In Weilburg steht Deutschlands höchstes Stampflehmgebäude mit sechs Stockwerken, das 1836 errichtet wurde.

Denkmalschützer schätzen Lehm

Bei der Sanierung von mittelalterlichen Fachwerkhäusern holte man das Bauen mit Lehm in Deutschland schon vor Jahren aus der Vergessenheit, indem man wieder ein uralt bewährtes Gemisch aus Lehm und Stroh anrührte und ins Gefach einsetzte. Inzwischen experimentiert man auch beim Neubau mit sogenannten Strohballenhäusern mit Lehmputzfassaden.bei Ausgrabungen

Pedro Gurriaran, ein bekannter Denkmalschutzarchitekt aus Málaga,  der von der andalusischen Landesregierung und den Gemeinden zwischen Almeria  und Algeciras für Restaurationen geholt wird von der Wiederherstellung des Torre de Reloj in Estepona bis zum Castillo Blanco in Almeria, einer früher maurischen Hochburg, setzt bei seiner Arbeit bei alten Mauern ein Lehm-Sand-Kalkgemisch ein (siehe Foto rechts). Er hat dazu eine Reihe von wissenschaftlichen Aufsätzen veröffentlicht, ist auch Professor an der Universität Sevilla. "Unsere auf diese Weise restaurierten mittelalterlichen Mauern sind an Stabilität dem Beton nicht unterlegen", so Pedro Gurriaran. Er ist begeistert von diesem neuen Förderprojekt und mit an Bord.

Lehmwände haben Zukunft

Wir kennen natürlich alle den Ziegel, gebrannt aus Lehm und Ton. Aber in Zukunft geht es darum, nicht den Lehm zu brennen, sondern seine Speicherfähigkeit direkt zu nutzen als Lehmputz oder mit industriell vorgefertigten Platten für Wände oder Decken. "Wir untersuchen gerade im jetzigen Stand des Projekts, die Röhrchen für Heizen und Kühlen direkt einzuputzen" so Dr.-Ing. Reinhard Hefele von EQUIDEAS S.L. in Manilva, der langjährige Erfahrungen auf dem Gebiet erneuerbarer Energien, und Einbau gesunder Klimatisierungen hat. Ihm kommt im Förderprojekt eine Schlüsselstellung zu. Er ist nun dabei, entsprechende Produkte für die Markteinführung zu erforschen und zu testen. 

Anschließend soll es in Andalusien eine eigene Produktion und den Vertrieb dazu geben. Ein Projekt, das Hoffnung macht bei der dortigen hohen Arbeitslosenzahl und traditionelles Wissen mit Umweltschutz-Knowhow verbindet.

Bild links und unten: Versuche mit Lehmplatten, in denen Kapillarrohrmatten zum Heizen und Kühlen eingeputzt sind.

Lehm hat viele gute Eigenschaften

Lehm hat die Eigenschaft, sehr viel Feuchtigkeit aufzunehmen und bei Bedarf wieder abzugeben. Das ist in Küstennähen besonders wichtig, um bei Wind, der vom Meer kommt und eine Luftfeuchtigkeit oft über 90 Prozent verursacht, besonders wichtig. Doch Lehmputz hält erwiesenermaßen selbst bei hohem Wasserdampfanfall die relative Luftfeuchte in einem Bereich von unter 60 Prozent.

Das gilt jetzt umgekehrt auch für heiße Wüstenluft, die bei unter 30 Prozent Luftfeuchtigkeit die Schleimhäute austrocknet und für ein hohes Infektionsrisiko sorgt. Doch wurden in Lehmhäusern nie Luftfeuchten unter 40 Prozent gemessen laut Dietrich von der Ropp. Physiologisch gilt der Bereich zwischen 40 und 60 Prozent Feuchtigkeit als die gesündeste Luft und somit auch besonders gut geeignet für Allergiker. Schimmelbefall kann man in Lehmhäusern nicht sehen, weil Lehm alkalisch ist, Schimmel aber saure Untergründe bevorzugt.

Arlequina, am 09.04.2012

Kommentare


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Arlequina am 29.04.2012

Danke MinaLosa - das mache ich! Nebenbei bemerkt, haben wir nur etwa die Hälfte der alten Mauern im Büro in Lehmputz.

MinaLosa am 29.04.2012

Also ich muss sagen, die Antwort ist schon recht ausführlich und auch beruhigend. Und mit Mecklenburg-Vorpommern seid ihr wohl sowieso auf der sicheren Seite! Also freu dich auf dein neues Büro! :-)

Arlequina am 28.04.2012

So, nun gibt es die offizielle Stellungnahme des Netzwerks Lehm e.V. zu dem Spiegelartikel vom 18. April diesen Jahres „Forscher warnen vor Strahlung in Lehmhäusern“ (s. link von Mina Losa):
"Auf unsere Anfrage hat das Bundesamt für Strahlenschutz folgendes erklärt: ´In Deutschland wurden keine zu Bauzwecken verwendbare Materialien festgestellt, die infolge erhöhter Thoriumkonzentrationen zu höheren Konzentrationen des Radon-220 (Thoro) in Räumen führen könnten.´
Es ist seit langem bekannt, dass Baustoffe, auch Lehm, Radon abgeben können. Die Ursache ist immer in den geologischen Bedingungen der Region zu finden, in der die Baustoffe hergestellt wurden. In einigen Regionen Deutschlands, wie z.B. Fichtel- und Erzgebirge, Teilen Frankens, dem Bayrischen Wald und dem südlichen Schwarzwald wurde im Erdreich und im Gestein eine rel. hohe Radonkonzentration gemessen. In dem „Radon Atlas Deutschland“ kann sich jeder Interessierte über die regionale Radonausgasung aus dem Boden informieren. So beträgt die Belastung mit Radon z.B. im südlichen Schwarzwald das 50 fache (!) der in der norddeutschen Tiefebene gemessenen Radonkonzentrationen.
Anzumerken ist, dass in den mit Radon belasteten Regionen weder die Lebenserwartung niedriger ist, als in sehr gering belasteten Regionen Norddeutschlands noch eine höhere Zahl von Lungenkrebserkrankungen festgestellt wurde (siehe Deutscher Krebsatlas). Vielmehr sind alle genannten Regionen bevorzugte Ferienziele und bieten neben Wellnessaktivitäten teilweise noch Radonbäder zur Behandlung von Atemwegserkrankungen, Hautkrankheiten und rheumatischen Beschwerden an..." (die ausführliche Stellungnahme ist bei www.netzwerklehm.de einzusehen).
Der in diesem Artikel beschriebene Lehmputz kommt aus dem norddeutschen Mecklenburg-Vorpommern.

Arlequina am 20.04.2012

Mina Losa:Mina Losa: toll - herzlichen Dank für diesen Artikel! Ich hätte aber in der Landkarte jetzt gerne gewusst, wie die Nähe zu welchem AKW wäre. Denn die ersten Lehmhäuser, bei der diese radioaktive Strahlung gemessen wurde, war ausgerechnet das Lehmhüttendorf bei Gorleben! Aber ich habe die Firma jetzt mal gleich um Stellungnahme gebeten.

MinaLosa am 18.04.2012

Bin heute zufällig darauf gestoßen: http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,828031,00.html und habe gleich an diesen Artikel denken müssen.

Arlequina am 15.04.2012

Anka: da nich für! :)Übrigens ist Lehm gerade auch im Innenbereich als Isolierung zu empfehlen, weil er diffusionsoffen ist.

Anja_Wurm am 14.04.2012

Sehr interessanter Artikel. Vielen Dank dafür.

Merlin am 11.04.2012

Da könnt man doch glatt ein bischen neidisch werden.




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