Love-Scamming - die miesen Tricks der Internet-Betrüger

von KittyFox

Der Heiratsschwindler mit Schlips und Kragen und roter Rose im Knopfloch hat ausgedient. Und sein Jagdrevier ist heute nicht mehr das Tanzcafé, sondern das Internet.

Stellen Sie sich vor, Sie sind Single, schon lange allein und im Internet auf Partnersuche, in einer Partnerbörse oder einem Flirt-Chat. Vielleicht sind Sie nicht besonders gesellig, vielleicht finden Sie sich auch nicht besonders attraktiv, jedenfalls klappte es bisher nicht so recht mit der Partnersuche. Und dann erhalten Sie eine nette Mail von jemandem, der Ihnen ausnehmend gut gefällt - ansprechendes Foto, seriöser Beruf, sehr persönlicher und einfühlsamer Schreibstil. Eine Mail ergibt die nächste, es wird gechattet, bald auch telefoniert.

Schnell wird die Internet-Bekanntschaft sehr emotional und sehr innig. Dass die Sprache meist Englisch ist, stört nicht weiter. Schließlich lebt der/die Angebetete im Ausland. Täglich kommen lange Mails und verliebte Anrufe mit herzerwärmenden Liebesbekundungen. Bald wird von Zusammenbleiben oder gar Heirat gesprochen. Man passt doch so wunderbar zusammen, hat die gleichen Vorlieben, die gleichen Anschauungen - das große Liebesglück scheint gefunden zu sein.

Love
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Plötzlich gibt's Probleme

Und dann ist es endlich soweit. Ein Besuch des/der Liebsten in Deutschland steht ganz kurz bevor, aber ach - plötzlich taucht ein Hindernis auf (Unfall, Kreditkarte blockiert, Verzögerungen, irgend etwas), das nur mit einer größeren Bargeldanweisung Ihrerseits zu beheben ist. Selbstverständlich lassen Sie die geliebte Person gerade jetzt nicht im Stich und überweisen freudig das Geld, und es macht Ihnen auch nichts aus, dass es sich um Hunderte oder gar Tausende von Euros handelt. Ist das erste Hindernis dank Ihrer großzügigen finanziellen Hilfe behoben, taucht recht bald das nächste auf.

Wieder tätigen Sie einen Bargeldtransfer, zumal der/die Angebetete Ihnen glaubhaft versichert, wie peinlich das Ganze ihm/ihr sei, dass Sie seine/ihre einzige und letzte Rettung seien und dass Sie das Geld ohne Frage ganz schnell zurückerhalten, sobald er/sie bei Ihnen in Deutschland ist.

Sollten Sie zu diesem Zeitpunkt stutzig geworden sein und den Namen der geliebten Person mit dem Zusatz "scamming" einmal googeln, werden Ihnen möglicherweise die Augen übergehen. Sie werden nämlich erfahren, dass Sie einem Internet-Betrüger aufgesessen sind, einem modernen Heiratsschwindler, auch Scammer genannt. Das Wort "scam" kommt aus dem Englischen und bedeutet "Betrug, Beschiss".

So funktioniert die Abzocke

Die Masche der Love-Scammer oder auch Romance-Scammer ist (mit Variationen) immer die gleiche. Zur Kontaktaufnahme werden gezielt Dating-Seiten und Partnerschafts-Portale durchsucht. Schnell wird eine Beziehung zum Opfer aufgebaut, Gemeinsamkeiten vorgegaukelt, Nähe und Zuneigung vorgespielt. Dann werden ganz plötzlich hohe Summen Bargeld benötigt, zu einem Zeitpunkt, wo das Opfer längst von seinen Gefühlen benebelt in einem Liebestraumel treibt. Denn Liebe (oder besser: Verliebtheit) macht blind, das wissen wir. Aber sie macht auch taub und immun den kritischen Stimmen gegenüber, die eventuell aus dem Freundes- und Bekanntenkreis kommen. Der Scammer weiß das, er kennt sich aus in der menschlichen Psyche und ist sich bewusst, wie leicht gerade einsame Herzen zu beeindrucken und zu verführen sind. Ist die emotionale Bindung erst einmal hergestellt, fällt es schwer, kritische Distanz zu wahren. Der Scammer hat ausgezeichnete Vorarbeit geleistet, hat das Opfer nach allen Regeln der Kunst umgarnt und benebelt, hat Versprechungen, Komplimente und Liebesschwüre zuhauf gemacht, er hat Pläne für die gemeinsame Zukunft geschmiedet und dem Opfer durch starke Anteilnahme an dessen persönlichem Alltag und Umfeld das Gefühl gegeben, geliebt und geborgen zu sein. Übrigens sind nicht nur Frauen die Opfer, auch Männer sind beliebte Beute der Love-Scammer. Die Täter sind meist junge Männer und Frauen, oft aus Osteuropa oder Afrika. Unnötig zu sagen, dass das schöne Foto aus dem Internet geklaut war ...

Und nun?

Zu dem finanziellen Schaden kommt die enttäuschte Liebe, an der manche länger und stärker leiden als an dem verschwundenen Geld, das man natürlich niemals wiedersieht. Trotzdem empfiehlt es sich, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Inzwischen gibt es sogar spezielle Hilfe-Seiten im Netz, auf denen sich Betroffene austauschen können. Es gibt auch ganze Kataloge mit Erkennungstipps, um auf frühe Warnzeichen zu achten. Dass auch die Polizei inzwischen auf mehreren Seiten detaillierte Hilfestellungen anbietet, zeigt, wie verbreitet das Problem ist. Nicht immer läuft es nach dem oben beschriebenen Schema ab, es existieren viele Varianten. Manchmal werden auch Sachwerte eingefordert, Notebooks, Handys, auch von Autos bis hin zu Apartments reicht die Wunschliste der Romance-Scammer. 

Der wirkungsvollste Rat ist immer noch, eine gesunde Skepsis walten zu lassen. Schwierig, wenn man bis über beide Ohren verliebt ist. 

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KittyFox, am 16.07.2011
 
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Kommentare


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rainerinnreiter am 13.08.2012

@ traumstundenfee
"Ich finde es nach wie vor traurig, dass es Menschen gibt, die man so abzocken KANN"
Meiner Überzeugung nach kann man JEDEN Menschen abzocken! Man muss nur die richtigen Knöpfe finden und drücken. Persönlich kann ich es auch nicht nachvollziehen, warum manche Menschen gar so leichtgläubig sind und auf solche und ähnliche Betrügereien hineinfallen. Andererseits bin ich abseits des Internet auch schon einige Male auf die Nase gefallen, weil ich sozusagen an das Gute im Menschen glaubte oder dachte, mein Gegenüber wäre ein verlässlicher Freund. Da könnten andere sicher auch den Kopf schütteln darüber.

KittyFox am 13.08.2012

Hallo cuchulainn.
Danke! Bin schon gespannt auf deine weiteren Artikel.
LG

cuchulainn am 11.08.2012

Guter und wichtiger Beitrag über eine Betrugsmasche, die nur tiefe Verachtung verdient hat. Das sind genau die Gründe, weswegen ich zur Polizei in den Bereich Internetkriminalität wollte. Leider bin ich wegen einer blödsinnigen und weltfremden Ministeriumsentscheidung abgeblitzt. Jetzt versuche ich wenigstens durch Artikel im Internet wie hier bei PageWizz einige Leute zu erreichen und zu warnen. Deswegen verlinke ich diesen Artikel mal bei meinen "Sicherheit im Internet"-Artikeln. Daumen :D

traumstundenfee am 16.07.2011

die Masche kannte ich - nur dass sie schon einen Namen hatte wusste ich nicht.Ich finde es nach wie vor traurig, dass es Menschen gibt, die man so abzocken KANN, denn wenn man näher darüber nachdenkt stellt man fest, wie einsam diese in unserer schnellebigen weit verzweigten und vernetzten Gesellschaft sein müssen....

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