Madeira, der schwimmende Garten im Atlantik

Diese Bezeichnung stammt von den Briten und sie haben auch das Ihre dazu beigetragen, dass Madeira diesen Ruf erlangte. Denn die britischen Handelsfamilien, die sich hier niederließen, und der portugiesische Adel bepflanzten ihre Gärten im Wettstreit miteinander mit Pflanzen aus aller Herren Länder. So kommt es, dass man besonders in den Straßen der Städte, den Gärten, aber auch im Freiland Kamelien, Jacarandabäume, Strelitzien, Callas und Orchideen aus aller Welt antrifft.

Unberührte Natur - Gartenkultur: beeindruckende Gegensätze

Urwald Lorbeerwald (Bild: adele sansone)

Von Farnwäldern, Lorbeerwäldern bis zu Bananenplantagen

Durch das gleichbleibend milde und regenreiche Klima und die Abgeschiedenheit der Insel hat sich auf Madeira eine eigenständige Flora entwickelt. 15 Prozent aller Blütenpflanzen, wie den Stolz von Madeira, gibt es nur auf dieser Insel (endemische Pflanzen).

Klimatisch gehört Madeira zum sogenannten Zonobiom V, das sind warmtemperate, regenreiche, episodisch frostbelastete Gebiete mit immergrünen Wäldern. Die Jahresmittel bewegen sich zwischen 13 - 17° C, die Sommer sind nicht heiß, aber niederschlagsreich und schwül. Die Winter sind kühl, aber bis auf die Höhenlagen, nicht kalt. (Georg Grabherr, Ökosysteme der Erde, Ulmer).

Laurisilva - im Lorbeerwald

Lorbeerbaum (Bild: adele sansone)

Der Lorbeerwald auf Madeira - Natur pur

Der urtümliche Lorbeerwald hat sich in Südeuropa nur mehr auf Madeira gehalten. Vor der Eiszeit waren Lorbeerwälder noch häufig vertreten, die heute erhaltenen Lorbeerwälder sind Relikte der tertiären Mittelmeerwälder. In der Kernregion des Naturparks Madeira (Laurisilva-Urwald) auf der Nordseite der Insel kann man ihn noch bewundern. Azorischer Lorbeer, Stinklorbeer, Kanarischer Lorbeer wechseln ab mit atlantischer Heide und der Madeira-Heidelbeere.

Der als Lorbeer- oder Lauriphyllenwald bezeichnte zonale Waldtyp besteht aus einem bis zu 30m hohen Mischwald. Er gedeiht besonders in den Nebelzonen von etwa 300 bis 1.000m. Die hohen Bäume wirken nebelkämmend. Das abtropfende Wasser benetzt den Boden. Südbuche, Eichenarten gedeihen hier neben den verschiedenen Lorbeerarten. Typisch dafür ist der Unterbewuchs durch schattentolerante Arten, wie Farne, Lianen oder Epiphyten. Fallen Waldteile einem Flächenbrand zum Opfer, so besiedlen als Erstsiedler sofort üppige Farne die kahlen Flächen. Durch diesen Laurisilva an einer der Levadas zu wandern ist schon etwas Besonderes.

Eukalyptus - der Einwanderer

Eukalyptusblüte (Bild: adele sansone)

Eukalyptuswälder - Madeira und nicht Australien

Passt der Lorbeerwald nach Madeira, ist man verblüfft, plötzlich durch Eukalyptuswälder zu wandern. Aber es hat schon etwas Spezielles. Fehlen nur noch die Koalabären. Diese allerdings hat man hier nicht künstlich ausgesetzt, den Eukalyptus hingegen schon. Durch künstliche Aufforstung entstanden vorerst wirtschaftlich genutzte Eukalyptuswälder. Eukalyptusholz für die Zellstoffindustrie kann bereits ab dem 8. Jahr geerntet werden. Der Anbau allerdings führt zur Ausbeutung des fruchtbaren Bodens. Durch den schnellen Wuchs der Pflanze laugt der Boden aus und verdrängt somit den ursprünglichen Wald. Heute existieren auf Madeira verwilderte Eukalyptus-Wälder.

Der weitere Nachteil von Eukalyptus ist der, dass ein Funke genügt und die Bäume brennen wie Zunder, Eukalyptusöl brennt hervorragend. Das Einzige was dabei überlebt sind die Eukalyptussamen, die Feuer zum Keimen brauchen. So können reine "Feuerwälder" nach australischem Vorbild entstehen und die ursprünglichen Pflanzen haben das Nachsehen. Dennoch ist es für den normalen Europäer ein besonderer Zauber, durch diese fremdartigen Wälder zu wandern.

Blandy's Garden - Kamelien-Allee

zarte Kamelien-Schönheit (Bild: adele sansone)

Blandy's Garden, Palheiro Garden - Schaugärten auf Madeira - Gartenkunst in Vollendung

Stellvertretend für die zahlreichen Schaugärten auf Madeira, sei nur einer herausgepickt:

Blandy's Garden: einer der vielen ursprünglich privaten Parks, der aber mit seiner Anlage und seiner Pflanzenvielfalt heraus sticht. Er liegt an der Straße nach Camacha, 9 km östlich von Funchal, auf 600 m Höhe mit wunderbarem Blick auf das Meer. Die Quinta do Palheiro Ferreiro ist seit 1885 im Besitz der britischen Weinhändlerfamilie Blandy, daher der Name. Um deren private Landvilla (nicht zu besichtigen!) schmiegt sich ein englischer Garten mit zahlreichen exotischen Pflanzen.

Blandys Garden besticht durch seine Pflanzenvielfalt und seine Sinne berauschende Kamelien-Allee. Hauptblütezeit ist von November bis April, aber auch jenseits dieser Zeit findet sich genug zu sehen, zu riechen und zu bestaunen. Exotische Pflanzen aus Südafrika, kunstvoll angelegte Buchsgärten, Seerosen oder der versunkene Garten, der wie der Eintritt in ein Märchenland wirkt. Ein Muss für Garten- und Blumenliebhaber.

Lese-Tipp: Woher haben Kamelien ihren Namen?

 

Blandy's Garden - die Exoten

Südafrika (Bild: adele sansone)

Madeira, das alles wächst auf den Terrassen

Terrassen (Bild: adele sansone)

Früchte - weit und breit

Was dem Mitteleuropäer sein Gemüsegarten ist dem Madeirer seine Gemüseterrasse inklusive Bananenplantage und sei sie noch so klitzeklein.

Wer den Markt von Funchal besucht entdeckt, welch enorme Vielfalt auf Madeira gedeiht. Besonders schmackhaft dabei sind die typischen kleinen Madeira-Bananen, die überall wachsen und angeboten werden. Uns bekanntes Obst, wie Apfel, Orange, Zitrone wächst genauso wie Ananas,  Avocados, Mangos, Melonen, Papayas, Maracujas, auch Exoten wie Cherimoyas, Guaven, Nespera (Mispel), Pitanga (Kirschmyrte) oder  der Aração (Rosenapfel). Auch Zuckerrohr gedeiht am Wegrand, auf Madeira ist der Vielfalt fast keine Grenze gesetzt.

Früchte auf Madeira

Madeira-Bananen (Bild: adele sansone)

Alles Madeira
Wer Reisen mit Wandern verbinden will, ist auf Madeira goldrichtig. Denn so kann man ein Land intensiver kennen lernen: Wanderungen über die Insel auf den berühmten Levadas ...
Porto Moniz, eine besondere Sehenswürdigkeit, als Zeuge der vulkanischen Entstehung der Insel Madeira. (von Adele_Sansone)

Für Pflanzen- und Blumenfreunde

Wer nicht so weit fahren will, kann sich auch in Tagesausflügen oder Kurzreisen volle Blütenpracht gönnen.

... und was blüht alles auf

... Sardinien?

Adele_Sansone, am 11.02.2012

Kommentare


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Adele_Sansone am 25.03.2014
Für Pflanzen"depperte" ist diese Insel schon etwas ganz Besonderes.
KreativeSchreibfee am 24.03.2014
Toller Artikel, tolle Fotos! Da hast du wirklich ein schönes Fleckchen dieser Erde erkundet.
Merlin am 11.02.2012
Tolle Bilder. Gefällt mir wirklich sehr gut. LG Merlin


Autor seit 3 Jahren
118 Seiten
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