Märchen - was bezwecken sie?

Märchen - sie sollen uns in eine  zauberhafte, fantastische Welt entführen, zum Träumen anregen und letztendlich Lehren vermitteln. Mündliche Überlieferungen von alten Märchen vermitteln uralten Volksglaube und Wissen aus der Vergangenheit. Wahrheiten wurden mit Träumen, Fantasien und Ängsten vermischt - so entstanden Märchen.

Zahlreiche Märchen sind wirklich traumhaft schön, dies betrifft in den seltensten Fällen jedoch deutsche Märchen. Diese sind zu einem großen Teil von Gewalt geprägt - Kannibalen, Wechselbälger, einäugige Monster, böswillige Stiefmütter und großmütterfressende Kreaturen sind nur eine Auswahl. Da drängt sich die Frage förmlich auf, ob derlei Horrorgeschichten wohl für Kinder geeignet sind.

Wehrlose alte Frau von wilder Kreatur gefressen!

Ein Horrorfilm mit dem Inhalt von Rotkäppchen würde mit Sicherheit das FSK 18 Siegel bekommen.

Oder würden Sie Ihrem Kind zumuten wollen, dass es anschaut, wie ein kleines Mädchen zuerst einmal von einer fremden Kreatur im Wald bequatscht wird und später auch noch dessen Oma von eben dieser schrecklichen Kreatur aufgegessen wird? Wohl kaum, denn so ein Film würde mit Sicherheit die Nachtruhe erheblich stören.

Rotkäppchen allein im Wald

Märchen oder Realität?

Infos zu Märchen
Märchen sind eine gruselige Sache und oft nur bedingt für Kinder geeignet. (von AlphaBeta)
Kinder brauchen Märchen, behaupten Pädagogen und Psychologen. Sie machen stark, machen Mut, machen selbstbewusst - und Märchen können noch viel mehr bewirken! (von Michaela)
Hörbücher sind eine schöne und sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeit. (von AlexandraMuders)

Lebkuchen wurden Hänsel und Gretel zum Verhängnis

Schlagzeile: Kinder von Kannibalen entführt!

Auch bei "Hänsel und Gretel" sollte darüber nachgedacht werden, ob dies ein wirklich kindgerechtes Märchen ist. Vergessen Sie nicht – Kinder haben eine lebhafte Fantasie! Wie grausam ist eine Welt, in der Kinder in Käfigen gehalten werden, damit Sie später gegessen werden können? Wie schrecklich sind die psychologischen Folgen, wenn ebendiese Kinder sich nur aus dieser Situation befreien können, indem Sie den Entführer bzw. die Entführerin in einem Ofen verbrennen? Stellen Sie sich die Frage, ob Sie Ihr Kind einen Kriminalfilm mit diesem Inhalt anschauen lassen würden. Denn im Prinzip ist es nichts anderes: Zwei Kinder laufen daheim weg und landen in den Händen eines Kannibalen. Dieser hält Sie gefangen, doch die Kinder können sich glücklicherweise befreien, indem Sie den Entführer verbrennen. Super, oder?

Fantasie oder Realität?

Ist es nun sinnvoll, Kindern solche Märchen zu erzählen oder vorzulesen? Können Kinder verstehen, was hinter der Geschichte steckt? Ich denke nicht, dass ein 7 oder 8 Jahre altes Kind die böse Hexe im Wald mit einem Kindesentführer - also einem echten Menschen - assoziieren kann. Kommt es einmal in eine Situation, in welcher ein Mensch dem Kinde etwas böses will, wird es erstaunt sein, dass dieser Mensch gar nicht ausschaut wie die bucklige Alte aus dem Märchen, sondern wie ein normaler Mensch. Doch aus den Märchen hat das Kind gelernt - die bösen Menschen kann man am Äußeren erkennen. Dieser Mensch hier sieht jedoch ganz normal aus, also will er sicher auch nichts Böses.

Meiner bescheidenen Meinung nach können Kinder bis zu einem gewissen Alter Realität und Fantasiegeschichten nicht genügend auseinanderhalten, um die Lehre hinter der Geschichte zu verstehen. Märchen vermischen sich mit dem wahren Leben und schon hat das Kind Angst vor einer Hexe im Kleiderschrank oder einem Monster unter dem Bett.

Der Umgang mit Märchen

Sicherlich gibt es nicht nur grausame Märchen und auch die gruseligen Märchen sollen etwas vermitteln: Kinder sollen brav sein, nicht mit fremden Menschen sprechen und nicht daheim weglaufen. Dies ist zunächst etwas durchaus Positives. Allerdings ist meiner Meinung nach diese Art der Angstmacherei nicht der richtige Weg, um Kinder über Gefahren des Alltags aufzuklären. Es gibt weitaus bessere Methoden, um Kindern die Gefahren näher zu bringen, als Ihnen verkappte Horrorgeschichten zu erzählen.

Natürlich möchte ich Märchen nicht verteufeln und man sollte auch bedenken, dass viele Märchen zur Allgemeinbildung gehören. Deswegen sollte man diese alten Geschichten behutsam mit den Kindern gemeinsam erkunden – wenn sie bereit dafür sind. Wichtig ist es, mit den Kindern über den Inhalt des Märchens zu sprechen und den Kleinen klar zu machen, dass es eben Märchen sind und in Wahrheit keine Wölfe die Oma auffressen und im Wald kein Hexenhaus mit einer kinderfressenden, buckligen Alten steht. Ungeeignet sind derlei Märchen auf jeden Fall als Gute-Nacht-Geschichte, schließlich lassen Sie Ihr Kind ja auch keinen Horrorfilm anschauen und schicken es dann zu Bett.

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Wie stehen Sie zu klassischen Märchen

Welcher Meinung sind Sie, wenn es um Kinder und Märchen geht? Sinnvoll oder unangemessen? Wie lesen Sie Märchen mit den Kindern und wie reagieren Ihre Kinder darauf?

AlphaBeta, am 20.03.2012

Kommentare


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die_Optimistin am 21.03.2012

Also ich fand bzw. finde Märchen auch sehr gruselig. Ein russisches Märchen, und vor allem die Verfilmung davon, werde ich wohl nie vergessen - "Die feuerrote Blume" (das ist quasi die russische Version von "Die Schöne und das Biest"). Dieses "Märchen" kam mir auch eher vor wie ein Horrorfilm - eine düstere Atmosphäre und dazu noch dieses Ungeheuer (das machte mir am meisten Angst!). Selbst heute bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich daran denke und anschauen könnte ich es vermutlich auch nicht. Und ich frage mich auch, wie man Kindern solche Märchen vorlesen bzw. zeigen kann.

lg Irina

AlphaBeta am 20.03.2012

Ja, das ist auch ein "nettes" Beispiel. So was tut doch weh! Autsch.

Merlin am 20.03.2012

Bei Max und Moritz hat ein Jurist mal so an die 100 Straftaten festgestellt.
Kann also nur als abschreckendes Beispiel herhalten. Trotzdem fand ich es als Kind furchtbar, dass die zum Schluß zermahlen wurden.
LG Merlin

AlphaBeta am 20.03.2012

In den meisten Krimis und Horrorfilmen wird das Böse meistens auch irgendwann besiegt :-P. Klar kennen die Kleinen die Bezeichnung Kannibale noch nicht, aber eine Oma die im Wald wohnt und kleine Kinder essen will, ist das nun mal. Ich bin mir halt einfach nicht sicher, was richtig ist. Auf der einen Seite werden gewaltverherrlichende Computerspiele verteufelt, auf der anderen Seite lesen wir den Kids Geschichten von Mord und Totschlag vor. Passt für mich alles irgendwie nicht so richtig zusammen.
Und wie gesagt - bei mir haben als Kind die Märchen ganz wilde, nicht unbedingt schöne, Fantasien ausgelöst.

Heischu am 20.03.2012

Ich verbinde Märchen mit einer heimeligen Athmosphäre am warmen Ofen im Kreise der Familie. Zum Glück geht am Ende für die Guten meist auch alles gut aus, was ja im richtigen Leben leider nicht so aus. Aber du hast schon recht. Besonders in den Verfilmungen sind die Märchen oft durch gruslige Momente geprägt. Ich würde vielleicht nicht gleich von Kannibalen sprechen, denn die dürften kleinere Kinder noch garnicht kennen. Für diese Altersklasse zählt tatsächlich vorrangig, dass das Böse einfach besiegt wird.
LG Heike

Efes am 20.03.2012

Zeiten Ändern sich und damit auch die Art der Märchen. Märchen haben immer auch einen erzieherischen Charakter ud wenn man bedenkt aus welcher Zeit zahlreiche Märchen stammen, verwundert es nicht, das entsprechend der Erziehungsmethode auch die Geschichten etwas "drastischer" ausfallen. Es gibt aber ganz gute sprachliche Anpassungen vieler Märchen an die heuteige Zeit oder auch, wie du erwähnst, sehr schöne neue märchenhafte Geschichten, die in swn heutigen pädagogischen Grundgedanken besser entsprechen.

Für diesen Artikel ein märchenhaft verzauberten Däumling
LG Efes



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