Mein Hund ist gelähmt III

von Fachinformatikerin

Ich glaube, jetzt kann es nur noch aufwärts gehen.

Unser nächster Termin in der Klinik war für den 06.01. vorgesehen, aber ich rief einen Tag vorher an und bat darum, ihn vorzuziehen, denn Mogwai baute weiter ab und das laufen und aufstehen wurde immer weniger. Es war auch kein Problem, die Ärztin meinte wir sollen sofort kommen. Kurze Zeit später saßen wir zu viert im Untersuchungsraum auf dem Fussboden, die Ärztin, die Physiotherapeutin, Mogwai und ich. Er wurde sehr gründlich und intensiv untersucht und nach einer (für mich) Ewigkeit sagte die Ärztin zu mir, dass Mogwais Gefühle und vor allem der Tiefenschmerz in den Pfoten weniger geworden ist, also sich eigentlich alles langsam wieder verschlechtert und wenn man das alles wirklich noch retten wolle, dass dann jetzt sofort und hier was passieren müsse, da es sonst sein könnte, dass die Nerven so geschädigt werden, dass er nie wieder laufen kann. Sie empfahl mir, Mogwai sofort nach Osnabrück in eine Klinik zu bringen, da die orthopädisch absolute Asse sind. Aber das solle ich auch nur dann machen, wenn ich mich dafür entscheiden könnte, ihn operieren zu lassen, denn klar, so viel auszugeben für ein CT, um dann zu sagen, ich kann oder will ihn nicht operieren lassen wäre natürlich Quatsch (wenn denn eine OP überhaupt machbar ist).

Mein Hund ist gelähmt III

Sie rief für mich in der Klinik an und sprach dort mit dem Chef. Die OP Pläne für Donnerstag wurden sofort umgestellt und ich solle Mogwai; egal wie; heute noch dort vorbei bringen.

Als ich Zuhause ankam musste ich mit Schrecken feststellen, dass ein hin kommen mit Bus und Bahn für diesen Abend nicht mehr machbar war. Mein Auto hat keine Winterreifen und zudem sprang es nicht an (wäre wohl trotzdem damit gefahren). Also telefonierte ich alle Menschen ab, die ich kannte und die ein Auto hatten, mittlerweile war es schon später Nachmittag. Ein Bekannter von der Hundewiese erklärte sich sofort bereit, mit uns dort hin zu fahren und es war schon Abend als wir uns auf den Weg machten. Nach ca. 2 Stunden lag Mogwai dann auf dem Untersuchungstisch und der Arzt hat ihn lange und gründlich untersucht und tippte sofort auf einen Bandscheibenschaden ab dem 4. Lendenwirbel aufwärts Richtung Brustwirbel. Über die Diagnose von Duisburg in Verbindung mit den MRT Bildern und Mogwais Symptomen konnte er nur schmunzeln. Mogwai blieb dort und für den nächsten morgen war eine Blutuntersuchung und ein CT angedacht.

Gegen 14 Uhr rief der Arzt mich an und sagte mir, dass Mogwai 3 Bandscheibenvorfälle hat und um die genau zu lokalisieren wurde ein weiteres CT gemacht mit Kontrastmittel im Rückenmark. Dabei wurde festgestellt, dass das Rückenmark nur noch 30% Raum zur Verfügung hat, also 70% komplett eingequetscht wurden. Mogwai war noch in Narkose und wenn ich mein OK gebe, würde er sofort mit der OP beginnen. Ich brauchte nicht überlegen und willigte sofort ein.

Mein Hund ist gelähmt III

Am frühen Donnerstag Abend rief er mich dann an. Mogwai hat alles gut überstanden und ist stabil. Das Sekret von den Bandscheiben hatte sich schon mit dem Rückenmark verklebt, so war es keine so einfache OP wie normal, denn er musste auch ans Rückenmark und er geht davon aus, dass eine vorläufige Verschlechterung eintritt, bis sich das Rückenmark von all dem erholt und ich könne Freitag mittag nochmal anrufen, dann wollen wir mal sehen, wie sein Zustand ist.

Von der Arbeit aus rief ich Punkt 12 Uhr dort an und der Arzt hörte sich anders an, als bei den anderen Gesprächen. Mogwai sei zwar soweit stabil, aber er hat hohes Fieber von 40,7 und bekam gerade eine Infusion und fiebersenkende Medikamente. Wieder stand ich kurz vor einem Zusammenbruch, denn eigentlich wollte ich ihn schon am Samstag wieder dort abholen, aber ich bemerkte, wie besorgt der Arzt war und wir einigten uns darauf, dass ich am Abend nochmal anrufe.

Gegen 20 Uhr erfuhr ich dann, dass das Fieber mittlerweile auf 39,2 runter ist und alles gut aussieht. Wenn es bis morgen früh so bleibt, kann ich ihn abholen, unter der Voraussetzung, dass ich hier in Dortmund in der Klinik noch gezeigt bekomme, wie ich Mogwais Blase ausdrücken muss, denn er kann noch nicht alleine Wasser lassen (das würde noch 2-3 Wochen dauern, bis das wieder geht). Ich nahm die Autobatterie mit rein und klemmte sie an die Ladestation und war nur noch total fertig von dem wochenlagen rauf und runter, meine Kräfte und Nerven sind langsam am Ende.

Mein Hund ist gelähmt III

Samstag morgen und ich fühl mich wieder voller Tatendrang, zuerst rufe ich meine Klinik an und frage wegen dem Blase entleeren, alles kein Problem, wenn ich Mogwai abholen könne, kann ich sofort danach vorbei kommen. Dann der Anruf in Osnabrück: Mogwai ist stabil, kein Fieber und kein erneutes Erbrechen mehr, ich darf ihn um 13.00 Uhr abholen, YEAH. Also rein in die ollen Klamotten, Werkzeug gepackt und raus ans Auto, Batterie eingebaut, gestartet, YEAH, passt. Rein, umziehen, schnell alles für den Kleinen herrichten und viel viel Geld einpacken. Die Straßen sind frei, kein Schnee und kein Eis, da kann nichts passieren. Also voll tanken und schnell auf die Autobahn, aber ich habe noch sehr viel Zeit, also halte ich mich an jede Geschwindigkeitsbeschränkung und ermahne mich selbst immer wieder vorsichtig zu fahren, denn ich war ziemlich überschwänglich und glücklich.

Als ich dann die ersehnte Ausfahrt erblicke, sehe ich, dass genau über der Tierklinik ein riesiger bunter Regenbogen leuchtet und im ersten Moment habe ich mich gefreut, aber dann musste ich an die Regenbogenbrücke denken und es wurde mir richtig schlecht, ich hatte schon wieder schreckliche Angst, dass irgendwas unvorhergesehenes passiert ist. Als ich aber die Klinik betrat und die Dame mir sagte, dass es noch einen Moment dauert, dass ich mich setzen kann und noch in Ruhe einen Kaffee trinken, war alles wieder in Ordnung.

 

Ich war so voller Vorfreude, meinen Kleinen gleich wieder zu sehen, dass mir die Zeit wie eine Ewigkeit vorkam, bis die Ärztin mich endlich rein rief. Sie klärte mich nochmals über die OP auf, zeigte mir auch die CT Bilder, schrecklich sah das aus, wo der Vorfall war, kaum noch Platz dazwischen und sie sagte mir, dass Mogwai unendlich viele Schmerzen ertragen haben muss, auch wenn er das nie so gezeigt hat. Vieles hätte man ihm ersparen können, wenn man schon früher besser untersucht, zugehört und sich Gedanken gemacht hätte. Dann kam endlich die Physiotherapeutin der Klinik mit meinem Sohn im Arm und mir rollten die Freudentränen übers Gesicht, ein sehr emotionaler Moment für mich und nicht nur für mich, sondern ich sah, das einer Mitarbeiterin der Klinik vom Empfang auch die Tränen kamen, total süß und mitfühlend. Naja, Mogwais Geschichte ist ja auch nicht alltäglich, mit all dem, was wir durchgemacht haben. Sie zeigte mir dann noch einige Übungen, die sie schon mit ihm gemacht hat und die wir auch problemlos Zuhause alleine machen können und wir zahlten, verabschiedeten uns und endlich weg, ab nach Hause. Denn ich glaube, dass Mogwai Zuhause wesentlich entspannter ist und sich dort besser erholt als in der besten Klinik der Welt. Er war noch nie einen Tag von Zuhause weg und auch noch keine Nacht, er kennt das nicht. Nun ja, er hat sich aber auch gar nicht gefreut mich zu sehen, im Gegenteil, noch Stunden später, ignorierte er mich und ich merkte richtig, dass er mich strafen wollte, weil ich ihn dort allein gelassen habe, aber böse bin ich deswegen nicht.

In der Dortmunder Klinik war das zeigen, wie ich die Blase ausdrücken kann, unmöglich, denn die wurde kurz bevor ich in OS ankam nochmal geleert, also konnte sie mir das nur so zeigen, wie es sein sollte. Ich sollte das einfach zwischendrin immer wieder versuchen und wenns nicht klappt, kann ich jederzeit mit voller Blase wiederkommen, dann zeigt sie mir das, damit ich das danach selbst machen kann.

Mein Hund ist gelähmt III

Mogwai war völlig am Ende, als wir endlich gegen Abend Zuhause ankamen, er legte sich hin und wollte nur noch seine Ruhe haben. Ich hab ihm dann Hühnchen gekocht, das mag er gerne, aber selbst das konnte ihn nicht wirklich munter machen, ein paar wenige Stückchen und das wars, getrunken hat er auch nur sehr wenig. Ich gab ihm seine Medikamente und dann legten wir uns beide auf den Fussboden, er war total entspannt und ruhig, legte sich auf die Seite und wartete darauf, dass ich ihm den Bauch kraule und irgendwann schlief er dabei ein.

Nach einer sehr sehr ruhigen Nacht, (bis auf ein paar wenige Muskelzuckungen von den Medikamenten schlief er durch), schaute er mich heute morgen richtig fröhlich an. Ein tolles Gefühl das er da ist, wenn ich morgens wach werde. Sein schnarchen hat mich eigentlich früher immer schrecklich gestört, aber als er nicht da war, hab ich das richtig vermisst und seitdem er krank ist, kann ich sogar mit ihm in einem Zimmer schlafen, das wäre vorher nicht gegangen. Er hat etwas gegessen und ohne zu murren seine Tabletten genommen und zwischendrin robbt er immer ein wenig durch die Wohnung, wobei ich versuche ihn ruhig zu halten. Dann waren wir raus und ich setzte ihn auf die Wiese, um ihn zu animieren, irgendwann mal wieder dort zu pullern und er schnüffelte auch kurz rum, aber dann brachte ich ihn wieder rein.

Hab ihm die Pfötchen massiert und die Schenkel, da ist keine Muskulatur mehr zu fühlen, schlimm, wir müssen was tun und trainiert haben wir dann auch ein wenig. Ich beschloss in den Keller zu gehen und die Welpentoilette wieder hoch zu holen, denn wenn er irgendwann wieder was in der Blase fühlt, damit er mir das auch zeigen kann, er kennt ja die Toilette und ist da immer gut mit klar gekommen. Immer wieder versuchte ich ihm die Blase auszudrücken, aber nicht ein einziger Tropfen ist gekommen. So gegen 18 Uhr rief ich in der Klinik an, was ich denn machen solle und die sagte mir, dass ich bis 20 Uhr warten und immer wieder versuchen soll und wenn nichts kommt, muss ich heute Abend nochmal vorbei kommen. Beruhigte mich natürlich, denn das geht ja gar nicht, Infektionen oder Blasen/Nierenprobleme können wir jetzt gar nicht gebrauchen.

Kurz danach merkte ich, dass Mogwai immer wieder zu der Toilette schaute und dann robbte er darauf zu. Naja dachte ich mir, setz ihn da rein und versuch dann nochmal die Blase auszudrücken. Gesagt, getan, ich setze ihn in die Toilette, auf das Hundestreu und er drehte sich nach rechts und dann wieder nach links, ich schaute mir das an und wartete, dann saß er 2 Minuten ganz still da und wollte urplötzlich wieder raus dort. Also hob ich ihn wieder an und was hab ich da gesehen, mein Mogwai macht allein seine Blase leer, er hat wirklich alleine gepullert. Ich hab mich so wahnsinnig gefreut, denn da hätte ich nie niemals so schnell mit gerechnet. Ich rief sofort die Ärztin an und sie war total erfreut am Telefon und meinte zu mir, dass das absolut das Beste ist, was passieren kann für Mogwais baldige Genesung und Verbesserung der Nerven.

Mein Hund ist gelähmt III

Es geht nun bergauf hoffe ich. Mogwai geht es soweit gut, kein Fieber, keine Schmerzen, kein Erbrechen. Er frisst heute gut und trinkt sehr gut, dabei ist er sehr wach und aufmerksam. Die Narbe ist 10 cm lang und das sieht auf diesem winzigen Körper echt riesig aus und der Rücken und der Nacken sind rasiert. Die Physiotherapie sowohl in der Klinik, als auch Zuhause werden noch viel Zeit und Geduld fordern, aber das ist mir egal und wenn Mogwai so weiter kämpft, wie bisher, wird alles viel schneller gut werden, als erwartet.

Ich bin froh, dass ich so für ihn gekämpft habe und nicht gleich bei der ersten Diagnose aufgegeben hab und ihn einschläfern ließ. Er dankt mir das jeden Tag, jede Stunde und er hat mir niemals in der ganzen Zeit das Gefühl gegeben, dass er nicht mehr kann oder nicht mehr will. Er war genauso stark, nein stärker als ich, hat Schmerzen ertragen, die schrecklich gewesen sein müssen und hat trotzdem nie aufgegeben, er ist nie böse oder agressiv geworden und hat alles über sich ergehen lassen. Mein 5 kg Zwerg ist ein ganz Großer und für sein Leben würde ich immer wieder einen solchen Kampf auf mich nehmen, denn er hat das wirklich verdient, mein Sonnenschein.

 

 

 

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Kommentare


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UrsulaOrtmann am 10.02.2011

Das ist aber eine gute Nachricht. Wenn auch das Ende des Tunnels noch nicht erreicht ist, aber immerhin seid ihr Beiden ein gutes Stück weiter, das ist wunderbar. Ich drücke weiterhin die Daumen dafür, dass die nächsten Fortschritte bald zu sehen sind. Vielleicht tut ja der kommende Frühling sein Übriges dazu. Alles, Alles Gute für Euch.

LG
Ursula

Fachinformatikerin am 10.02.2011

Hallo zusammen,

es geht bergauf und Mogwai versucht mittlerweile die ersten Schritte. Danke für Eure Kommentare und aufbauenden Worte. Der Kampf ist noch lange nicht zu Ende, aber wir sind auf richtig gutem Wege und freuen uns auf den Frühling.

UrsulaOrtmann am 11.01.2011

Hallo Silvia, ich freue mich unglaublich darüber, dass es Mogwai langsam besser geht. Welche Schmerzen dieser kleine Kerl ausgehalten haben muss, darf ich mir gar nicht vorstellen. Wieso immer wieder falsche Diagnosen gestellt werden, nur weil nicht richtig untersucht wird ist ein Trauerspiel und vor Allem teuer. Ich wünsche Dir und Mogwai alles erdenklich Gute und das er im wahrsten Sinne des Wortes bald wieder auf die Beine kommt.

LG
Ursula

Fachinformatikerin am 10.01.2011

Danke Susi,

ja, wie die Kinder, geht mir auch so. Schrecklich mit Deiner Katze, vor allem die Ungewissheit frißt einen auf oder? Meiner Meinung nach ist die Veterinärmedizin nicht genug unter Kontrolle, die können tun was sie wollen und man sich im Nachhinein versucht zu wehren, wird es sehr sehr schwer. Das Geld, das dort gemacht wird, durch eben Fehldiagnosen und Oberflächlichkeit, ist enorm. Ich denke es sollte besser kontrolliert werden und in genau diesen Fällen, wenns doch wirklich eindeutig ist, sollte einem geholfen, das Geld zurück zu bekommen. Viel schlimmer finde ich aber den Gedanken, wie viele Tiere so schon ihr Leben gelassen haben, da man als Laie den Ärzten glaubt, traurig.

susivital am 10.01.2011

Hallo,
freue mich, dass es wieder bergauf geht. Ich leide auch immer so mit, wenn es einen von meinen Tieren schlecht geht. Das erinnert mich an meine Katze, die ich von einem Bauernhof mithatte. Als Babie ist sie mir auch ein paar mal fast gestorben. Ein immer wiederkehrender Infekt mit hohem Fieber. Der kleine hat dann auch immer so gelitten und wurde immer weniger. Da macht man sich genauso viele Sorgen, wie um die Kinder.
Gott sei dank, gehts bei euch wieder Bergauf. Tragisch finde ich aber vor allem immer wieder diese Fehldiagnosen. Aber auch hier scheint Zeit Geld zu sein, und alles muss schnell, schnell gehen.
Gute Besserung weiterhin,
LG Susi

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