Das Schweigen der Gesellschaft - TABU-THEMA MOBBING

Mobbing ist noch immer ein TABU-Thema und dies ist ebenfalls ein großes gesellschaftliches Problem. Mobbing kann jeden treffen. Das Schlimme ist jedoch, das Mobbing-Opfer oft nicht ernst genommen werden. Denn schließlich - so heißt es doch so schön - ist jeder selbst Schuld!

Nicht die Opfer sind schuld, denn sie haben es sich nicht ausgesucht, von anderen dumm angemacht zu werden. Es ist nicht die Schuld der Person, die gemobbt wird - es ist die Schuld der Gesellschaft, welche die Menschen prägt. Es ist die Schuld derer, die einfach nicht hinhören oder hinsehen wollen. Mobbing findet nicht nur in der Schule statt. Es gibt viele Formen und Gesichter. Das Thema Mobbing darf nicht länger tabuisiert werden. Mobbing-out!

Mobbing in der Schule

Daniel sah die Drei schon von Weitem. Dem Zwölfjährigen rutschte das Herz in die Hose. Sein Pulsschlag beschleunigte sich. Kalter Schweiß trat ihm auf die Stirn. Gehetzt sah sich Daniel nach allen Seiten um. Erwachsene strebten eilig an ihm vorbei, auf dem Weg zur Arbeit. Keiner nahm Notiz von ihm. Außer jene drei Personen, vor denen sich Daniel mehr fürchtete als vor dem Tod. Sie hatten den Jungen längst entdeckt und warteten.

Daniel verlangsamte seinen Schritt. Blieb stehen, nestelte nervös an seinem Schulrucksack herum. Er hatte alles, was sie wollten. Sie würden ihn in Ruhe lassen. Bestimmt würden sie ihn in Ruhe lassen. Sie würden ihn nicht mehr hin und her schupsen, ihm den Arm umdrehen, ihn "Fettsack", "feiges Schwein" oder "Idiotenkind" nennen.

Seit Wochen mobbten sie Daniel nun schon, wo und wann immer es nur möglich war. Sie verlangten Dinge von ihm, die er nie tun wollte. Doch Daniel hatte keine andere Wahl, als zu tun, was sie von ihm verlangten. Nur so konnte er die Drei ein wenig besänftigen und hatte Ruhe vor ihnen. Daniel atmete tief durch.

Langsam setzte sich der Zwölfjährige wieder in Bewegung. Bald darauf stand er der Bande gegenüber. Jason - 13 Jahre, Anton - 12 Jahre und Resi - Antons Schwester und die "Anführerin" der Gang - 15 Jahre.

"Na, Fettsack. Hast es wohl nicht gerade eilig, in die Schule zu kommen!" sagte Resi, zog betont langsam an ihrer Zigarette, inhalierte tief und blies Daniel den Qualm direkt ins Gesicht. Der Zwölfjährige wich einen Schritt zurück. Resi kam ihm bedrohlich nahe. Sie griff, noch ehe Daniel sich versah, nach seinem Handgelenk und krallte ihre spitzen Fingernägel in sein Fleisch. Daniel spürte den Schmerz, schluckte nur, wagte es nicht, auch nur einen Ton von sich zu geben.

"Was ist los, kleiner Idiot? Willst du mir etwas sagen?" höhnte Resi, die sich an Daniels Angst weitete.

"Ich…- Ich habe alles, was ihr wollt. Lasst mich bitte, bitte in Ruhe!" stieß Daniel atemlos hervor und sah sich verzweifelt nach Hilfe um.

Andere Schulkinder liefen an der kleinen Truppe vorbei. Manche machten extra einen großen Bogen drum herum, andere kicherten oder klotzten blöd. Doch niemand half Daniel.

"Na dann lass` mal sehen, was du uns Schönes mitgebracht hast!" sagte Resi und ließ Daniels Handgelenk los.

Schnell kramte der Zwölfjährige in seinem Schulrucksack. Kurz darauf förderte eine angefangene Schachtel Zigaretten zutage, einen 20,- Euro Geldschein, Kleingeld und, er schluckte hart, die goldene Armbanduhr seiner Mama, ein Erbstück von ihrer Mutter - seiner Großmutter. Diese Uhr war seiner Mama "heilig" wie sie immer sagte. Daniel brachte es nicht übers Herz, Mamas Uhr herauszurücken. Er war im Begriff die goldene Uhr wieder zu verstauen. Doch Resi ließ ihn nicht gewähren.

"Her damit!" fauchte sie und riss Daniel die goldene Armbanduhr aus der Hand. Doch der Junge wollte nicht, dass Resi das wertvolle Erbstück seiner Mama bekam. Er griff mutig nach der Uhr. Ein derber Faustschlag traf ihn mitten ins Gesicht. Mit einem Stöhnen sank Daniel zu Boden.

 

Daniels Nasenbein war gebrochen. Noch in der Klinik wurde er von den Ärzten gefragt, was denn geschehen wäre. Doch der Zwölfjährige schwieg beharrlich. Erst nachdem seine besorgten Eltern in der Klinik eintrafen, brach der gepeinigte Junge endlich sein Schweigen. Die ganze schreckliche Wahrheit kam ans Licht ….

 

 

Wird Ihr Kind in der Schule gemobbt?

 

NEHMEN SIE ES NICHT HIN - HELFEN SIE IHREM KIND - SUCHEN SIE SICH KOMPETENTE HILFE!

 


Weiterführende Links:

 

 

Mobbing in der Schule

Schüler gegen Mobbing

Schluss mit Mobbing

Wenn Schule zur Hölle wird

Gemobbt wird nicht nur in der Schule

Mobbing findet nicht nur in der Schule, auf dem Schulhof oder in den Freizeitstätten der Kinder und Jugendlichen statt. Auch auf Arbeit und im Internet wird gemobbt. Mobbing hat viele Gesichter, die jedoch kaum einer sehen möchte, der nicht selbst betroffen ist. Aufklärung tut immer noch Not. Aber dann RICHTIG.

Mobbing am Arbeitsplatz

Annika S. war eine lebenslustige, junge Frau. In ihrem Freundeskreis war sie sehr beliebt. Sie war so fröhlich, voller Enthusiasmus, hatte so viele Träume und steckte voller Elan.

Nach ihrer Lehre bekam Annika S. gleich eine Anstellung in einer großen Firma. Sie wurde von der Chefsekretärin Katrin K. persönlich eingearbeitet. Die beiden Frauen verstanden sich, trotzt des großen Altersunterschiedes, hervorragend. Der Chef war sehr zufrieden mit Annikas Leistungen. Er lobte oft ihre Umsicht, ihren Ehrgeiz und ihren Teamgeist. Annika fühlte sich sehr wohl in der Firma und ging voll in ihrer Arbeit auf.

Doch eines Tages wendete sich das Blatt. Die Wirtschaftskrise machte sich auch in der Firma bemerkbar. Plötzlich musste an allen Ecken und Enden gespart werden. Es wurde gemunkelt, dass Mitarbeiter entlassen werden sollten. Aus dem Gerücht wurde bittere Realität. Auch Katrin K. - die langjährige Chefsekretärin - bangte um ihren Arbeitsplatz. Argwöhnisch beobachtete sie ihre junge Kollegin Annika, die stets in den höchsten Tönen gelobt wurde. Die Kleine war sehr beliebt in der Firma und in der Chefetage hatte sich Annika einen guten Ruf gemacht.

Katrin K. spürte, dass Annika für sie eine ernste Bedrohung darstellte. Sie selbst war 20 Jahre lang in dieser Firma tätig. Sie konnte nicht zulassen, dass sie ihren Platz als Chefsekretärin einem "jungen Küken" überlassen sollte. Die attraktive Fünfzigjährige ahnte, dass ihr Job auf dem Spiel stand, nachdem weitere Entlassungen folgten. Systematisch versuchte sie, Annika auszustechen. Sie reichte wichtige Dokumente an den Chef nicht weiter, die ihre junge Kollegin sorgfältig zusammengestellt hatte. Sie manipulierte Annikas fehlerfreie Geschäftspost, bevor sie diese zur Unterschrift vorlegen konnte, und streute böse Gerüchte in der Firma, dass Annika scharf auf den Chef wäre.

Als Annika dieses Gerücht zu Ohren kam, suchte sie die Aussprache mit der Chefsekretärin. Katrin K. stritt jedoch alles ab. Stattdessen intrigierte sie heimlich weiter gegen ihre vermeidliche Konkurrentin. Der Chef war sehr erbost, denn die Fehler in Annikas Geschäftsbriefen häuften sich.

Annika versuchte ihrem Vorgesetzten begreiflich zu machen, dass es Katrin K. sei, die ihre Arbeit vorsätzlich sabotierte. Doch der Unternehmer ließ nichts auf seine langjährige Chefsekretärin kommen. Er glaubte Annika kein Wort.

Die junge Frau ging nicht mehr voller Elan in die Firma. Sobald sie die Chefetage betrat, wurde getuschelt. Hinter ihrem Rücken wurden haarsträubende Geschichten über sie erzählt. Katrin K. machte alsbald auch keinen Hehl mehr daraus, dass sie Annika loswerden wollte. Knallhart schleuderte sie der jungen Frau die Wahrheit ins Gesicht. Abermals versuchte die junge Frau, ihren Vorgesetzten davon in Kenntnis zu setzen. Doch Annika stieß diesbezüglich bei ihm auf taube Ohren. Er wollte nichts von diesen "infamen Unterstellungen" hören, machte er ihr mehr als deutlich klar.

In ihrer Not vertraute sich Annika einer anderen jungen Kollegin an. Diese heuchelte jedoch nur Mitleid, lief kurz darauf zum Chef, um diesem zu erzählen, das Annika die Chefsekretärin schlecht machte. Er zitierte Annika sofort zu sich und legte ihr nahe, die Ränkespiele umgehend zu unterlassen.Verzweifelt versuchte die junge Frau ihrem Vorgesetzten klar zu machen, dass sie das Opfer war, dass sie gemobbt wurde. Doch er maßregelte Annika abermals und drohte ihr, sie umgehend aus der Firma zu werfen, wenn sie weitere Verleumdungen aussprechen würde. 

Annika versuchte tapfer durchzuhalten, der Intrigantin die Stirn zu bieten. Doch eines Tages riss es der jungen Frau förmlich den Boden unter den Füßen weg. Als sie wie jeden Morgen kurz vor Sieben die Chefetage betrat, spürte sie förmlich die eisige Kälte, die ihr entgegenschlug. Im Laufe des Tages fielen Wörter wie Schlampe, Flittchen, billige Hure. Die männlichen Mitarbeiter sahen sie süffisant grinsend an. Einer dieser griff Annika im Gang sogar unter den Rock. Sie verpasste ihm eine schallende Ohrfeige und lief abermals ins Chefzimmer. Aufgeregt erzählte die junge Frau dem Boss von dem ungeheuerlicheren Vorfall. Dieser allerdings lehnte sich in seinem Sessel zurück, verschränkte die Arme hinter dem Kopf und bedachte Annika mit einem langen Blick.

Er meinte tatsächlich, sie sollte nicht die prüde Unschuld vom Lande spielen. Sie hätte sich die Misere selbst zuzuschreiben. Die junge Frau war einen kurzen Moment sprachlos. Sie war soeben sexuell belästigt wurden und ihren Chef schien dies völlig kalt zu lassen. Laut machte Annika ihren Unmut Luft. Der Vorgesetzte legte schweigend ein Foto auf den Tisch.

Annika japste nach Luft. Das Foto zeigte eine junge Frau - ja, es war ihr Gesicht, jedoch war sie es nicht - beim Sex mit zwei Männern. Entsetzt versuchte sie ihrem Vorgesetzten klarzumachen, dass nicht sie die Frau auf diesem Foto sei. Er allerdings glaubte ihr kein Wort, denn für ihn zählte nur, was er sah.

Verstört verließ die junge Frau das Chefzimmer. Auf dem Gang standen die Mitarbeiter, die wohl jeden Ton des Gespräches mitgehört hatten. Tränenblind lief Annika an ihnen vorbei. Das Blut rauschte in ihren Ohren. Wie eine Trunkene taumelte sie vorwärts. Sie sah nicht das ausgestreckte Bein, welches sie zu Fall brachte. Das hässliche Lachen jedoch klingt ihr noch heute in den Ohren.

Annika S. ist unterdessen 25 Jahre jung und befindet sich in psychologischer Behandlung. Sie hat das Vertrauen in die Menschen verloren und lebt völlig zurückgezogen in ihrer eigenen kleinen Welt. Dem Mobbing am Arbeitsplatz muss ein Ende gesetzt werden!

KreativeSchreibfee, am 02.02.2011

Kommentare


   Einloggen
KreativeSchreibfee am 22.09.2011
Danke, Alexandra. Ich kann sehr gut nachfühlen, was ihr durchgemacht habt. Ein wichtiges Thema, was viele angeht, doch es wird verschwiegen. Ein weiterer Artikel von mir zum Thema - http://pagewizz.com/schulangst-und-ihre-schlimmen-folgen/ LG Kerstin
AlexandraMuders am 22.09.2011
Mein Sohn wurde monatelang in der Schule gemobbt. Es schauen wirklich fast alle weg, und ohne Unterstützung vor Ort (in der Schule sollte dies der Lehrer sein) kommt kein Kind da alleine raus. Und vor lauter Scham wird geschwiegen. Es ist schlimm! Die ganze Familie leidet. Guter Artikel Kerstin *Daumenhoch*
KreativeSchreibfee am 03.02.2011
Das "wegschauen" der Allgemeinheit wird weniger das Problem sein. Viel eher ist das Schweigen der Mobbingopfer die Problematik. Denn solange diese schweigen, aus Scham oder Angst, kann ihnen keine Hilfe zuteil werden.
chefkeem am 03.02.2011
Wahnsinnig wichtiger Artikel! Danke Kerstin.



Autor seit 3 Jahren
273 Seiten
Pagewizz auf Facebook
Laden ...
Fehler!