Kommunikation kann überlebenswichtig sein - so auch auf See. Obwohl der Seefunk als Rettungsmittel auf über 100 Jahre erfolgreiche Geschichte zurückblicken kann, setzen viele Freizeitskipper vermehrt auf das Handy. Das moderne Rettungswesen zu Lande, zu Wasser und in der Luft lässt sich selbstverständlich auch über ein Mobiltelefon in Gang setzen. Dennoch sind dem Mobilfunktelefon Grenzen gesetzt, dieses in besonderem Maße auf der hohen See. Besonders deutlich wird dieser Umstand, wenn es während eines Seenotfalles um Leib und Leben geht und die Kommunikation mit Seenotrettungskreuzer und anderen Schiffen sowie der Seenotleitung aufgebaut und aufrecht erhalten werden muß ....
Mobilfunktelefon vs. Seefunk
von coastsailor
Kann das Handy Ersatz für ein Seefunkgerät an Bord eines Sportbootes sein ? Dieser Artikel zeigt auf, welche Bedeutung beiden Geräten bei einem Seenotfall zukommt.

Kommunikation ist wichtig – auch an Bord
Das Mobilfunktelefon ist seit langem aus unserem täglichen Leben nicht mehr fortzudenken. Schnell hat es sich seinen Platz in unserer Gesellschaft erobert und begleitet uns bei beruflichen und privaten Aktivitäten denn ein solches Telefon kann heute vieles leisten. Aber obwohl alle deutschen Mobilfunknetzbetreiber im Abdeckungsbereich unserer Küstengewässer den [1]SAR-Alarmruf eingerichtet haben, kann es kein Seefunkgerät ersetzen.
Denn im Gegensatz zu einem Seefunkgerät, kann der Einsatz eines Mobilfunktelefons im Seenotfall in folgenden Punkten nachteilig sein :
Reichweite
Mobilfunktelefon und Funkgerät arbeiten prinzipiell auf der gleichen technischen Grundlage:
Die Übertragung von Informationen mittels elektromagnetischer Wellen. Während jedoch ein Seefunkgerät grundsätzlich ohne weitere Infrastruktur wie Basisstationen betrieben werden kann, ist das Mobilfunktelefon vollständig auf sie angewiesen. Jeder Besitzer eines solchen Gerätes kennt die „Funklöcher“ in denen kein Nachrichtenaustausch möglich ist.
Während auf dem Land die Netzbetreiber durch eine dichte Stationierung von Basisstationen eine nahezu lückenlose Funkzellendichte vorweisen können, stellt sich dieses auf See völlig anders dar: Die letzten Basisstationen liegen im günstigsten Fall in unmittelbarer Küstennähe, danach beginnt die kommunikative Einsamkeit.
Die Industrie bietet zwar mittlerweile eine große Bandbreite von Mobilfunkantennen, welche für den Einsatz auf Schiffen / Sportbooten konzipiert sind und die Reichweite geringfügig erhöhen können, jedoch setzt die Physik der Reichweite unwiderruflich Grenzen. Man geht von einer theoretischen Reichweite in den GSM-Netzen von ca. 19 sm (ca. 35 km)[2] aus.
Während ein Mobilfunktelefon somit irgendwann den Kontakt zur Basisstation verliert und kommunikationstechnisch nutzloser Ballast wird, spielt das Funkgerät seinen ersten Trumpf aus. Selbstverständlich ist zwar auch die Reichweite eines Seefunkgerätes begrenzt, sein wesentlicher Vorteil jedoch liegt darin, dass es seinen Senderadius ständig mit sich führt. Das bedeutet, dass selbst wenn ein Kontakt zu einer Küstenfunkstelle nicht zu Stande kommen sollte, es mehr als wahrscheinlich ist, dass die umliegende Schifffahrt einen Notruf empfängt und Hilfe leistet bzw. selbst den Notruf an eine Küstenfunkstelle weiterleitet.
Da auch die Reichweite eines VHF-Seefunkgerätes im wesentlichen von der Höhe seiner Antenne abhängt, lassen sich hierzu zwar interessante Betrachtungen anstellen, jedoch differieren die entsprechenden Berechnungsverfahren zum Teil. Zudem nehmen viele weitere Faktoren wie Gewinne und Verluste auf Sender- und Empfängerseite, Ausgangsleistung und Empfängerempfindlichkeit sowie natürliche Gegebenheiten wie Brechungen und Spiegelungen, etc. Einfluss auf die Reichweite, daher soll auf derartige Berechnungen an dieser Stelle verzichtet werden.
Anders als im Amateurfunk, spielt bei der Reichweitenbetrachtung auch nur der Bereich eine Rolle, indem eine sichere Kommunikation gewährleistet ist. Schließlich handelt es sich beim Seefunk um ein sehr wichtiges Rettungs- und Kommunikationsmittel von dem Leben und Gesundheit der Schiffsbesatzung abhängen können. Wenn beispielsweise durch Inversionswetterlagen erhebliche Reichweitenerhöhungen möglich sind, kann das im Einzelfall eine glückliche Fügung sein, darauf verlassen sollte man sich aber nicht.
Somit geht man im VHF-Seefunk von einer Reichweite von ca. 30 sm[3] aus, entsprechend einem „Sendekreis“ mit ca. 60 sm Durchmesser. Daß eine Aussendung gehört wird, ist damit mehr als wahrscheinlich. Unter der Verwendung des heute im GMDSS (Global Maritime Distress Safety System) üblichen DSC (Digital Selective Calling), beträgt die Reichweite sogar bis zu ca. 50 sm. Auch wenn eine Sprechfunkverbindung nicht mehr zu Stande kommt, kann die mittels DSC ausgesandte Notmeldung mit großer Wahrscheinlichkeit immer noch empfangen werden. Auf die Besonderheiten des Grenz- und Kurzwellenseefunks braucht vor dem Hintergrund seiner noch wesentlich größeren Reichweite an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden.
Verbindungen mit Mobilfunktelefonen sind nur von Punkt zu Punkt möglich
Wie bekannt, wird ein Telefonat in der Regel nur von zwei Teilnehmern geführt. Dieser Umstand hat in einem Seenotfall allerdings den entscheidenden Nachteil, dass die Alarmierung des MRCC (Maritime Rescue Coordination Centre), ausreichende Signalqualität vorausgesetzt, noch funktionieren mag, die umliegende Schifffahrt jedoch von dieser Alarmierung erst einmal keine Kenntnis erhält.
Bis auch andere, in diesem Seegebiet befindliche Schiffe, von dem Notfall erfahren, kann wertvolle Zeit verloren gehen und ein sich evtl. in der Nähe aufhaltendes Schiff keine Hilfe leisten.
Wird der Seenotfall hingegen über ein Funkgerät gemeldet, erfahren auch alle anderen Schiffe sofort von der Notlage und können sich zur Hilfeleistung aufmachen, bzw. unter Beachtung der im Seefunk geltenden Betriebsverfahren ggfs. selbst mit dem Havaristen direkt kommunizieren.
Ein Mobilfunktelefon kann nicht angepeilt werden
Ein weiterer entscheidender Nachteil ist, dass Mobilfunktelefone von den SAR-Einheiten (SAR = Search and Rescue) nicht gepeilt werden können. Immer wieder kommt es vor, dass ein Notruf beim MRCC eingeht und die anrufende Person aufgrund besonderer Umstände nicht in der Lage ist, die genaue Position ihres Fahrzeuges anzugeben. Dieser Punkt ist besonders kritisch, da das MRCC, je nach Notfallsituation die dem Hilfesuchenden nächsten SAR-Einheiten alarmieren muss um schnellstmöglich Hilfe leisten zu können. Ohne genaue Positionsangaben des Hilferufenden, sind die Seenotretter im Nachteil und ihre Arbeit wird unnötig erschwert !
Wird der gleiche Hilferuf über Seefunk abgesetzt, befinden sich die SAR-Einheiten jedoch in einer deutlich besseren Position : Die Rettungskreuzer und -boote der DGzRS sowie SAR-Luftfahrzeuge führen an Bord einen Peilempfänger mit, welcher in der Lage ist, Aussendungen von VHF-Seefunkanlagen zu empfangen und die sendende Station rechtweisend zum eigenen Fahrzeug zu peilen. Sobald die Person am Funkgerät des hilfesuchenden Schiffes die Sprechtaste am Mikro / Handapparat drückt, sendet das Gerät und bereits diese Aussendung reicht aus um angepeilt werden zu können. Es ist nicht einmal nötig, die Aussendung zu modulieren.
Alle SAR-Einheiten welche ein solches Signal empfangen, melden die jeweilige Peilung an die Seenotleitung, welche durch diese gewonnenen Daten die Position des um Hilfe suchenden Fahrzeugs sehr genau bestimmen kann (Prinzip Kreuzpeilung). Da die Aussendung eines beispielsweise in der Nord- oder Ostsee befindlichen Schiffes, zusätzlich sehr wahrscheinlich über eine der unmittelbar an den Küsten befindlichen 17 abgesetzten Küstenfunkstationen der DGzRS (Bremen Rescue Radio / MRCC) empfangen wird, erfährt die Seenotleitung bereits vorab, in welchem Seegebiet sich der Havarist befindet.
Zusammenfassend betrachtet, ist ein Seefunkgerät an Bord eine sehr wichtige Investition in die Sicherheit von Besatzung und Schiff. Ein Mobilfunktelefon ist ein nützlicher Helfer an Bord, ein Ersatz für eine Seefunkanlage kann und darf es jedoch nie sein !
[1] Wer in einem Notfall das MRCC Bremen über Mobilfunktelefon alarmieren muss (Ruf ohne Vorwahl: 124 124) sollte die folgenden Informationen übermitteln :
-
Schiffsname
-
Beschreibung des Schiffes, Sicherheitsausrüstung
-
Position oder Umfeldbeschreibung, wenn die Position nicht genau bekannt ist (Seezeichen, Landmarken, etc.)
-
Art der Havarie, Beschreibung des Notfalls in Kurzform
-
Zahl der Personen an Bord
-
die Mobilfunk-Telefonnummer
Wichtig:
Diese Kontaktmöglichkeit ist dieser lediglich für die Alarmierung der Seenotleitung der DGzRS (MRCC) in Bremen vorgesehen ! Das Mobilfunktelefon sollte nach der Alarmierung nicht für weitere Gespräche benutzt werden, um evtl. Rückrufe der Seenotleitung oder der SAR-Einheiten annehmen zu können.
Empfehlenswerte Literatur zum Thema
Software für den Erwerb des Sprechfunkzeugnisses SRC
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Links und Literaturangaben
[1]www.mrcc.dgzrs.de/pages/sar-einsatzplan/sar-kommunikation/mobilfunk-telefone-an-bord.php
[2]wikipedia
[3]GOC Funkscript, G.Schmidt, Hochschule f. Angewandte Wissenschaften Hamburg; Ponick, Rogge, Braun, Handbuch für den Seefunkdienst,1. Auflage, DSV-Verlag, 2006; A. Braun, Seefunk (LRC), DSV-Verlag, 2005







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Kommentare
Moin Peter,
vielen Dank für die Zustimmung !
Mit dem Thema Sicherheit auf See habe ich mich lange Zeit im "Zweitberuf" beschäftigt und so macht es mir auch jetzt immer wieder Freude zu diesem Thema etwas beitragen zu dürfen.
Sobald ich Zeit habe, werde ich gerne das Thema GMDSS mit mindestens einem weiteren Artikel "beackern".
LG aus dem Land zwischen den Meeren
Frank
Hallo,
ich stimme ihnen voll zu. Ein Mobiltelefon ist vielleicht ein netter Begleiter auf einen Kanal oder Flußlauf - auf See ist es aber eher Ballast. Die Netzverfügbarkeit ist teilweise bereits nach wenigen Meilen ausgereizt - obwohl man noch Sichtverbindung zum Ufer hat.
Bereits durch starke Dünung kann es zu einer Abdeckung kommen, die man durch eine am Mast befestigte Antenne zwar korrigieren bzw. kompensieren kann - aber dann kann man auch direkt ein richtiges Funkgerät kaufen.
Von vielen wird das Argument der Funklizenz gebracht - sicher gehört zum Betrieb eines Seefunkgerätes auch die entsprechende Ausbildung. Dies stellt aus meiner Sicht aber eine sinnvolle Investition in das eigene Wissen und die eigene Sicherheit dar.
Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass ein GMDSS-System mit geeigneter Ausstattung, etwa Vernetzung mit dem Bord-GPS auch direkt digital Positionsdaten übermitteln kann. Ein unschätzbares Extra, wenn man mal keine Zeit hat - soll ja in einer Notfallsituation vorkommen.
Alternativ bietet sich vielleicht auch das Mitführen von Notfunkbaken (EPIRB) an, die über ein satelitengestütztes System auch selbsttätig Hilfe rufen können und völlig unabhängig vom Radiohorizont arbeiten.
LG
Peter