Im Gegensatz zu einem Seefunkgerät, weist der Einsatz eines Mobilfunktelefons im Seenotfall einige erhebliche Nachteile auf :

 

Reichweitenunterschiede zwischen Mobilfunktelefon und Funkgerät

Mobilfunktelefon und Funkgerät arbeiten prinzipiell auf der gleichen technischen Grundlage :Sie übertragen von Informationen mittels elektromagnetischer Wellen. Benötigt ein Mobilfunktelefon für seine Funktion zwingend eine ständige Verbindung zu Basisstationen, kommt ein Seefunkgerät ohne diese aus.

Jeder Besitzer eines Mobilfunktelefones kennt die sog. "Funklöcher" in denen kein Nachrichtenaustausch möglich ist. Können die Netzbetreiber auf dem Land durch eine dichte Stationierung von Basisstationen eine nahezu lückenlose Funkzellendichte vorweisen, ist dies auf See nicht möglich. Die letzten Basisstationen liegen im günstigsten Fall in unmittelbarer Küstennähe und so beträgt die theoretische Reichweite in den Mobilfunknetzen lediglich ca. ca. 35 km in Richtung See. Bereits in Gebieten wie der landumschlossenen Ostsee ist es daher nicht möglich, eine flächendeckende Netzversorgung zu gewährleisten.

Seenotrettungskreuzer BERLINAuch die Reichweite eines Funkgerätes ist begrenzt, jedoch trägt das Funkgerät seinen "Sendekreis" ständig mit sich. Selbst wenn die Entfernung zur Küste zu groß geworden ist und ein Kontakt zu Küstenfunkstellen deshalb nicht mehr zu Stande kommt, ist es mehr als wahrscheinlich, dass Schiffe im Umkreis den Notruf empfangen.

Die Reichweite eines UKW-Seefunkgerätes beträgt im Sprechfunk ca. 50 km, was einem Sendekreis mit einem Durchmesser von etwa 100 km entspricht. Bei der Verwendung des heute im GMDSS (Global Maritime Distress Safety System) üblichen DSC (Digital Selective Calling), beträgt die Reichweite sogar bis zu 90 km. Somit können mittels DSC ausgesandte Notmeldungen immer noch empfangen werden, wenn eine Sprechfunkverbindung nicht mehr zu Stande kommt.

Verbindungen mit Mobilfunktelefonen sind nur von Punkt zu Punkt möglich

Ein Telefonat wird in der Regel nur von zwei Teilnehmern geführt. In einem Seenotfall stellt dieser Umstand einen entscheidenden Nachteil dar: So kann die Alarmierung des MRCC (Maritime Rescue Coordination Centre) über ein Mobilfunktelefon [1] bei ausreichender Signalqualität noch gelingen, die benachbarte Schifffahrt hingegen, bekommt zu diesem Zeitpunkt hiervon nichts mit. Bis auch in der Nähe befindliche Schiffe, welche kurzfristig Hilfe leisten könnten, von dem Notfall erfahren, kann deshalb wertvolle Zeit verloren gehen.

Wird der Seenotfall über ein Funkgerät gemeldet, erfahren auch alle anderen Schiffe sofort von der Notlage und können Hilfe leisten bzw. den Notruf an die Seenotleitung weiterleiten.

Ein Mobilfunktelefon kann nicht angepeilt werden

Immer wieder kommt es vor, dass ein Notruf beim MRCC eingeht und die anrufende Person aufgrund der Situation nicht in der Lage ist, die genaue Position ihres Fahrzeuges anzugeben.Dieser Punkt ist besonders kritisch, da die Seenotleitung die SAR-Einheiten (SAR = Search and Rescue) alarmieren muss, welche sich dem Hilfesuchenden am nächsten befinden. Ohne genaue Positionsangaben des Hilferufenden jedoch, sind die Seenotretter im Nachteil und ihre Arbeit wird unnötig erschwert.

Nur wenn ein Hilferuf über Seefunk übermittelt wird, sind die Rettungskreuzer der DGzRS (Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger) sowie SAR-Luftfahrzeuge mittels eines speziellen Peilempfängers in der Lage, Aussendungen von UKW-Funkgeräten rechtweisend zum eigenen Fahrzeug zu peilen. Sobald eine Person an Bord des in Not befindlichen Schiffes die Sprechtaste am Mikrofon des Funkgerätes drückt, sendet das Gerät und bereits diese Aussendung reicht aus um angepeilt werden zu können.
SAR-Einheiten welche ein solches Sendesignal empfangen, melden die jeweilige Peilung an die Seenotleitung, welche durch diese gewonnenen Daten die Position des Schiffes sehr genau bestimmen kann (Prinzip Kreuzpeilung).

Fazit:

Ein Seefunkgerät stellt eine sehr wichtige Investition in die Sicherheit von Besatzung und Schiff dar. Ein Mobilfunktelefon ist ebenfalls ein nützlicher Helfer an Bord, ein Ersatz für die Seefunkanlage kann und darf es jedoch nie sein!

[1] Wer in einem Notfall das MRCC Bremen über Mobilfunktelefon alarmieren muss (Ruf ohne Vorwahl: 124 124) sollte die folgenden Informationen übermitteln :

  • Schiffsname

  • Beschreibung des Schiffes, Sicherheitsausrüstung

  • Position oder Umfeldbeschreibung, wenn die Position nicht genau bekannt ist (Seezeichen, Landmarken, etc.)

  • Art der Havarie, Beschreibung des Notfalls in Kurzform

  • Zahl der Personen an Bord

  • die Mobilfunk-Telefonnummer

Wichtig:

Diese Kontaktmöglichkeit ist dieser lediglich für die Alarmierung der Seenotleitung der DGzRS (MRCC) in Bremen vorgesehen! Das Mobilfunktelefon sollte nach der Alarmierung nicht für weitere Gespräche benutzt werden, um evtl. Rückrufe der Seenotleitung oder der SAR-Einheiten annehmen zu können.

Software für den Erwerb des Sprechfunkzeugnisses SRC
IC-soft 3.0 - Lernsoftware Seefunk
Seefunk 2012

Links und Literaturangaben

[1]www.mrcc.dgzrs.de/pages/sar-einsatzplan/sar-kommunikation/mobilfunk-telefone-an-bord.php

[2]wikipedia

[3]GOC Funkscript, G.Schmidt, Hochschule f. Angewandte Wissenschaften Hamburg; Ponick, Rogge, Braun, Handbuch für den Seefunkdienst,1. Auflage, DSV-Verlag, 2006; A. Braun, Seefunk (LRC), DSV-Verlag, 2005

coastartist, am 24.07.2012

Kommentare


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coastartist am 31.07.2012
Moin Peter, vielen Dank für die Zustimmung ! Mit dem Thema Sicherheit auf See habe ich mich lange Zeit im "Zweitberuf" beschäftigt und so macht es mir auch jetzt immer wieder Freude zu diesem Thema etwas beitragen zu dürfen. Sobald ich Zeit habe, werde ich gerne das Thema GMDSS mit mindestens einem weiteren Artikel "beackern". LG aus dem Land zwischen den Meeren Frank
profkm am 29.07.2012
Hallo, ich stimme ihnen voll zu. Ein Mobiltelefon ist vielleicht ein netter Begleiter auf einen Kanal oder Flußlauf - auf See ist es aber eher Ballast. Die Netzverfügbarkeit ist teilweise bereits nach wenigen Meilen ausgereizt - obwohl man noch Sichtverbindung zum Ufer hat. Bereits durch starke Dünung kann es zu einer Abdeckung kommen, die man durch eine am Mast befestigte Antenne zwar korrigieren bzw. kompensieren kann - aber dann kann man auch direkt ein richtiges Funkgerät kaufen. Von vielen wird das Argument der Funklizenz gebracht - sicher gehört zum Betrieb eines Seefunkgerätes auch die entsprechende Ausbildung. Dies stellt aus meiner Sicht aber eine sinnvolle Investition in das eigene Wissen und die eigene Sicherheit dar. Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass ein GMDSS-System mit geeigneter Ausstattung, etwa Vernetzung mit dem Bord-GPS auch direkt digital Positionsdaten übermitteln kann. Ein unschätzbares Extra, wenn man mal keine Zeit hat - soll ja in einer Notfallsituation vorkommen. Alternativ bietet sich vielleicht auch das Mitführen von Notfunkbaken (EPIRB) an, die über ein satelitengestütztes System auch selbsttätig Hilfe rufen können und völlig unabhängig vom Radiohorizont arbeiten. LG Peter
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